Leblanc | Die Insel der dreißig Särge | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 382 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Leblanc Die Insel der dreißig Särge

Roman
Überarbeitete Fassung
ISBN: 978-3-96281-377-2
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 382 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-377-2
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»Die Insel der dreißig Särge« erzählt die unheimliche Geschichte der jungen Véronique d'Hergemont, die auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur kommt. Auf einer Insel in der Bretagne erfüllen sich grausige Prophezeiungen: Véronique muss mit ansehen, wie ihr totgeglaubter Sohn seinen Großvater ermordet, drei alte Frauen gekreuzigt und flüchtende Inselbewohner erschossen werden. Véronique stellt sich den unheimlichen Mächten. Und sie trifft wieder auf einen der abscheulichsten aber auch schillernsten Bösewichter der französischen Literatur, auf ihren verschollen geglaubten Ehemann Graf Alexis Vorski. Und welche Rolle spielt der berühmte Gentleman-Gangster Arsène Lupin in dieser Geschichte? Die Verfilmung von 1979 ist bis heute eine der erfolgreichsten Sendungen im französischen Fernsehen und wird kultartig verehrt. Null Papier Verlag

Maurice Leblanc (11.11.1864-6.12.1941) war ein französischer Schriftsteller. Anfangs war er als Journalist tätig, dann auch als Romancier. Er schrieb Kriminal- und Abenteuerromane, Theaterstücke und Kurzgeschichten. Seine bekannteste Kunstfigur ist der Meisterdieb Arsène Lupin. Der Erfolg war so groß, dass Leblanc den weiteren Verlauf seiner Karriere fast völlig dem Meisterdieb widmete.
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I. Die verlassene Hütte


Mitten im Herzen der Bretagne liegt das malerische Dörfchen Faouët. Dort fuhr an einem schönen Maimorgen ein Wagen ein, dessen Insassin eine Dame von so großer Schönheit und so vollkommener Anmut war, dass auch die weite graue Reisekleidung und der dichte Schleier, der das ganze Gesicht bedeckte, diesen Eindruck nicht verwischen konnte.

Die Dame frühstückte in aller Eile in dem besten Gasthaus des Dorfes. Gegen Mittag bat sie den Wirt, ihren Koffer aufzubewahren, ließ sich einige Auskünfte über die Gegend geben und ging, nachdem sie das Dorf durchquert hatte, auf die Felder hinaus.

Bald zweigten von der Straße zwei Wege ab, der eine führte nach Quimperlé, der andere nach Quimper. Sie wählte den letzteren, stieg eine Talsenkung hinunter, dann wieder hinauf und bemerkte zu ihrer Rechten am Anfang eines Feldweges einen Wegweiser mit der Aufschrift: Locriff 3 km.

»Das ist der Ort«, sagte sie.

Nachdem sie genaue Umschau gehalten hatte, bemerkte sie nichts von allem, wonach sie suchte. Hatte sie die Angaben, die man ihr gemacht hatte, falsch verstanden?

Ringsumher war niemand zu sehen, keine Menschenseele soweit der Blick auch über die bretonische Erde schweifte, über die von Bäumen eingefassten Wiesen und die welligen Hügel. Unweit des Dorfes erblickte sie die von jungem Frühlingsgrün umsproßte Front eines Schlösschens, dessen Fenster sämtlich geschlossen waren. Es schlug zwölf und das Angelusläuten zitterte durch die Luft. Dann wieder lautlose Stille und tiefer Friede.

Die Dame setzte sich auf eine frischgemähte Böschung und zog einen Brief aus ihrer Tasche, dessen zahlreiche Blätter sie entfaltete.

Die erste Seite zeigte oben folgenden Firmenaufdruck:

Agentur Dutreillis
Detektivbüro
Vertrauliche Auskunft
Diskretion.

dann darunter folgende Adresse:

»An Frau Véronique, Modehaus, Besançon.«

Sie las:

Sehr geehrte gnädige Frau!

Sie ahnen nicht, mit welchem Vergnügen ich mich des doppelten Auftrages entledigt habe, den Sie mir mit Ihrem Geehrten vom Mai des Jahres 1917 erteilt haben. Ich habe niemals vergessen, unter welchen Umständen es mir möglich war, Ihnen vor vierzehn Jahren wirksame Dienste zu leisten, gelegentlich der peinlichen Ereignisse, die so dunkle Schatten auf Ihr Dasein warfen. Ich war es in der Tat, dem es gelang, völlige Gewissheit über den Tod Ihres lieben und ehrenwerten Vaters, des Herrn Antoine d’Hergemont, und Ihres heißgeliebten Sohnes François zu verschaffen. Das war der erste Sieg einer Laufbahn, die noch andere glänzende Erfolge zeitigen sollte.

Ich war es gleichfalls, vergessen Sie dies nicht, der auf Ihre Bitte hin und in der Einsicht wie nützlich es sei, Sie dem Hass und – sprechen wir es ruhig aus – der Liebe Ihres Gatten zu entziehen, die ersten Schritte getan hat, um Ihren Eintritt in das Karmeliterinnen-Kloster zu ermöglichen. Endlich war auch ich es, der, nachdem Ihre Zurückgezogenheit im Kloster Ihnen gezeigt hatte, dass dieses Leben der Frömmigkeit Ihrer Natur widersprach, Ihnen jene bescheidene Stellung als Modistin in Besançon verschafft hat, fern von den Stätten, wo sich die Jahre Ihrer Kindheit und die Wochen Ihrer Ehe abgespielt hatten. Sie hatten Geschmack, hatten das Bedürfnis nach Arbeit, um zu leben und zu vergessen. Es musste Ihnen gelingen und es ist Ihnen gelungen.

Kommen wir zur Sache, zu der doppelten Tatsache, die uns beschäftigt.

Zunächst die erste Frage.

Was ist im Strudel der Ereignisse aus Ihrem Gatten, dem Herrn Alexis Vorski, nach seinen Papieren Pole von Geburt, nach seinen Reden Sohn eines Königs, geworden? Ich werde mich kurz fassen. Politisch verdächtigt, seit Beginn des Krieges in einem Konzentrationslager gefangen gehalten, ist Herr Vorski eines Tages entflohen, in die Schweiz entwichen und schließlich nach Frankreich zurückgekehrt. Hier wurde er festgenommen und der Spionage überführt. Das Todesurteil war unvermeidlich. Er entwich zum zweiten Male. Seine Spuren verloren sich im Walde von Fontainebleau, wo er schließlich, man wusste nicht recht von wem, durch einen Dolchstich ermordet wurde.

Ich erzähle Ihnen dies ganz schonungslos, gnädige Frau, weiß ich doch, welche Verachtung Sie für dieses Wesen empfinden, das Sie so abscheulich verraten hat, und dann ist mir ja auch bekannt, dass Sie aus den Zeitungen schon die meisten von diesen Tatsachen wussten, ohne dass Sie indessen ihre absolute Zuverlässigkeit hätten feststellen können.

Doch die Beweise sind da. Ich habe sie gesehen. Es gibt keinen Zweifel mehr. Alexis Vorski ist in Fontainebleau begraben.

Im Anschlusse an diese Mitteilung erlaube ich mir, Sie, gnädige Frau, auf die seltsamen Umstände dieses Todes aufmerksam zu machen. Sie erinnern sich wohl noch der merkwürdigen Prophezeiung, von der Sie mir sprachen und die Herrn Vorski betraf. Herr Vorski, dessen angeborene Intelligenz und ungewöhnliche Energie durch Unklarheit und Hang zum Aberglauben beeinträchtigt wurden und den Halluzinationen und Angstzustände peinigten, war von dieser Weissagung sehr beunruhigt. Sie lastete auf seinem Leben – sie war ihm von verschiedenen Leuten gemacht worden, die in okkulten Wissenschaften bewandert waren.

›Vorski, Sohn des Königs, du wirst von der Hand eines Freundes sterben und deine Frau wird ans Kreuz geschlagen werden.‹ Gnädige Frau, während ich diese letzten Worte schreibe, lache ich! Das ist denn doch eine Strafe, die ein wenig außer Mode gekommen ist, und in Bezug auf Ihre Person bin ich beruhigt! Aber, was denken Sie über den Dolchstoß, den Herr Vorski nach den geheimnisvollen Weisungen des Schicksals bekommen hat?

Aber genug von diesen Betrachtungen. Es handelt sich jetzt darum …

Véronique ließ einen Augenblick den Brief in ihren Schoß sinken. Die anmaßende Schreibweise, die vertraulichen Scherze des Herrn Dutreillis verletzten ihr Zartgefühl. Auch hielt das tragische Schicksal von Alexis Vorski sie im Bann. Ein Schauer durchlief sie bei der schrecklichen Erinnerung an diesen Menschen. Sie fasste sich und begann von neuem zu lesen.

Gnädige Frau, es handelt sich nunmehr um eine zweite Mission, die wichtigere in Ihren Augen, da alles übrige nur noch der Vergangenheit angehört.

Stellen wir einmal die Tatsachen fest. Es war vor drei Wochen, als Sie an einem Donnerstag abends...



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