E-Book, Deutsch, Band 2438, 144 Seiten
Reihe: Julia
Lee Gefährliche Sehnsucht nach dem Boss
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1410-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2438, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1410-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nicht mal in ihren kühnsten Träumen kann sich die schüchterne Haushälterin Abby vorstellen, dass ihr Boss Jake Sanderson etwas anderes in ihr sieht als eine Angestellte. Der erfolgsverwöhnte Playboy und sie, mittellos und verwitwet, leben in komplett unterschiedlichen Welten. Doch Jake macht ihr tatsächlich charmant den Hof und umwirbt sie heiß. Abby glaubt zu träumen, aber zugleich ist ihr Argwohn geweckt. Was bezweckt er damit? Sie weiß doch ganz genau, dass Jake zwar an Affären, aber nicht an Liebe glaubt ...
Miranda Lee und ihre drei älteren Geschwister wuchsen in Port Macquarie auf, einem beliebten Badeort in New South Wales, Australien. Ihr Vater war Dorfschullehrer und ihre Mutter eine sehr talentierte Schneiderin. Als Miranda zehn war, zog die Familie nach Gosford, in die Nähe von Sydney. Miranda ging auf eine Klosterschule. Später entschied sie sich für eine Karriere als Informatikerin, die endete, als sie heiratete, drei Töchter bekam und die Familie ein großes Stück Land erwarb. Dort züchtete Miranda Windhunde, Pferde und Ziegen, aber all das genügte ihr nicht. Sie wollte kreativ sein und gleichzeitig Geld verdienen! Als ihre Schwester ihr vorschlug, doch mal eine Romance zu schreiben, wurde sie nachdenklich. Sie fand die Idee gut - es klang interessant, und sie konnte es von zu Hause aus machen. Aber es dauerte zehn lange Jahre, bis ihr erster Liebesroman tatsächlich veröffentlicht wurde. Mittlerweile waren Miranda, ihr Mann und die drei Töchter zurück an die Küste gezogen, wo sie bei Sonne, Sand und Meer ihr Leben genossen. Langsam stellten sich die ersten Erfolge ein, und ziemlich wagemutig machte Miranda die Zusage, eine Miniserie, die aus sechs Büchern bestand, innerhalb von neun Monaten abzuliefern. Sie wird es ihrem Mann nie vergessen, dass er seinen gut bezahlten Job als leitender Angestellter aufgab, um sie zu unterstützen und den Haushalt zu organisieren. Zahlreiche weitere Liebesromane folgten, sexy, leidenschaftlich, spannend und mit sehr lebendig geschilderten Hauptfiguren. Miranda Lee hat einen Grundsatz: Langweile niemals deine Leserinnen! Millionen Fans in aller Welt sind sich einig: Diesem Grundsatz bleibt Miranda Lee in allen Romances treu.
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3. KAPITEL
Um zwanzig nach drei tauchte Abbys Boss endlich auf. Er sah ein wenig mitgenommen aus, aber trotzdem noch sehr attraktiv in dem grauen Anzug und dem frischen weißen Hemd, das seine dunklen Haare, die olivfarbene Haut und die tiefblauen Augen bestens zur Geltung brachte.
Selbst Abby musste zugeben, dass er ein Adonis war. Aber sie hatte sich noch nie allein wegen des Aussehens zu einem Mann hingezogen gefühlt. Der Charakter war ihr wichtiger. Was sie am anderen Geschlecht am meisten ansprach, waren Freundlichkeit und Güte. Qualitäten, die Wayne im Übermaß besessen hatte.
„Tut mir leid, dass ich zu spät bin“, sagte Jake, als er die Küche betrat. „Die verdammte Fähre hat sich verspätet. Könnten Sie mir vielleicht einen Kaffee machen? Schwarz, ohne Zucker“, erklärte er, setzte sich auf einen der Küchenstühle und lockerte seine Krawatte.
Abby hätte ihn am liebsten angeschrien. Merkte er denn nicht, wie genervt sie war? Doch sie hielt den Mund und machte ihm den verdammten Kaffee.
„Über was wollten Sie denn mit mir sprechen?“, fragte sie, kaum dass sie den Becher mit Kaffee vor ihn hingestellt hatte. Sie blieb auf der anderen Seite der Frühstücksbar stehen, rührte ihren eigenen Kaffee jedoch nicht an, aus Angst, ihn zu verschütten.
Seine Stirn legte sich in Falten, was sie nur noch mehr beunruhigte.
„Sie wollen mich feuern, stimmt’s?“, platzte sie heraus.
Sein Kopf schoss in die Höhe. „Wie bitte? Nein. Natürlich nicht. Du meine Güte, haben Sie gedacht, dass es darum geht?“
„Ich wusste nicht, was ich denken sollte.“
„Warum in aller Welt sollte ich Sie feuern? Sie sind die beste Haushälterin, die ein Mann haben kann. Tut mir leid, dass Sie das glauben mussten.“
Abby spürte, wie sie bei diesem Kompliment errötete. Erleichterung durchströmte sie. Sie wollte diesen Job nicht verlieren, sondern ihn noch eine ganze Weile behalten.
„Es hat mit Craigs Testament zu tun“, erklärte Jake abrupt.
„Craigs Testament?“, wiederholte sie und war verwirrt. „Meinen Sie Ihren Onkel Craig, der eine Weile hier gewohnt hat?“ Es war vier Monate her, dass Craig im Haus gewesen war.
„Ja. Die Sache ist die, Abby, er hat Ihnen testamentarisch etwas hinterlassen.“
Schockiert starrte sie ihn an. „Wollen Sie damit sagen, dass er tot ist?“
„Ja. Er ist letzte Woche gestorben. Krebs, unheilbar“, fügte er mit einem tiefen Seufzer hinzu.
„Aber … das ist nicht möglich. Ich meine, er war doch noch vor Kurzem so lebendig.“
„Wem sagen Sie das.“ Jake fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Für mich war es auch ein Schock. Ich nehme an, dass beim Kernspin nach seinem Skiunfall festgestellt wurde, dass er Krebs hat. Doch er hat es niemandem erzählt, nicht einmal mir. Dabei standen wir uns sehr nah. Ich wusste nichts von seiner Krankheit, bis sein Anwalt mich angerufen und mir gesagt hat, dass er tot ist.“
Abby hatte Mühe zu verstehen, was er sagte. „Sie meinen, Sie waren nicht bei ihm, als er gestorben ist?“
„Nein. Niemand war bei ihm, nur die Pflegeschwester vom Hospiz, in das er sich hat einliefern lassen, ohne jemandem etwas davon zu sagen.“
„Das ist ja schrecklich“, rief Abby aufgebracht, weil er sich entschieden hatte, allein zu sterben.
Resigniert hob Jake die Schultern. „Er hat es so gewollt. Aber ich bin überrascht, dass Sie nichts von seinem Tod mitbekommen haben. Es war am Wochenende überall in den Nachrichten, weil er ziemlich bekannt war.“
„Ich … sehe mir nicht oft die Nachrichten an.“
„Verstehe.“
Sie wollte ihn fragen, warum er es ihr nicht selbst gesagt hatte. Aber warum sollte er das tun? Sie war keine Verwandte und auch keine Freundin. Und er wusste sicher nicht, wie sehr sie die Zeit mit seinem Onkel genossen hatte.
Craig war ein faszinierender Mann gewesen, hochintelligent, weit gereist und sehr belesen. Er war an ihr als Mensch interessiert gewesen und nicht als Dienstmädchen. Bevor er gegangen war, hatte er ihr eine Leseliste mit zehn Büchern überreicht, die jeder lesen sollte, besonders junge Frauen. Sie war immer noch dabei, die Bücher zu lesen. Deshalb sah sie sich auch nicht mehr die Nachrichten an und hatte daher nichts von seinem Tod mitbekommen.
Tränen brannten in ihren Augen, als ihr bewusst wurde, dass dieser liebenswerte Mann tatsächlich gestorben war.
„Er … hat gesagt, dass er wegwollte, um Urlaub zu machen“, erinnerte sich Abby mit belegter Stimme.
„Mir hat er das Gleiche erzählt“, sagte Jake.
„Stattdessen ist er fort, um zu sterben“, erklärte sie erstickt. „Allein …“
Abby konnte sich nichts Traurigeres vorstellen. Dieser Gedanke verfolgte sie auch, wenn sie an Waynes Tod dachte. Er war draußen auf dem Ozean ganz allein gewesen, in einem heftigen Sturm, der eine Rettung kaum möglich machte. Hatte er am Ende alle Hoffnung verloren? War er voller Verzweiflung gewesen, kurz bevor er ertrunken war?
Plötzlich von großer Trauer erfasst, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
Als sie aufschluchzte, starrte Jake sie entsetzt an.
Auch wenn es ihr peinlich war, konnte sie die Tränenflut nicht aufhalten. Sie vergrub das Gesicht in den Händen, weil sie nicht wollte, dass ihr Boss sie weinen sah. Sicher hielt er sie für rührselig, weil sie um einen Menschen weinte, den sie kaum gekannt hatte.
Schockiert versteifte sie sich, als starke Arme sie tröstlich umfassten. Damit hatte sie nicht gerechnet bei ihrem äußerst zurückhaltenden Boss. Seine ungewohnte Freundlichkeit trieb ihr nur noch mehr Tränen in die Augen.
„Ganz ruhig“, sagte er und tätschelte ihren Rücken, während sie seine Jackenaufschläge umfasste und in sein Hemd schluchzte. „Kein Grund zu weinen. Craig hatte ein gutes Leben und musste nichts bedauern. Er würde nicht wollen, dass man seinetwegen weint.“
Abby wusste nicht, wie sie erklären sollte, dass es nicht allein sein Tod war, der sie so aufwühlte, sondern auch die Art, wie er gestorben war. Ganz allein.
Sie versuchte, sich zusammenzureißen, während Jake sie hielt. Zweifellos wollte er sie trösten, doch sie fühlte sich überhaupt nicht wohl, weil es ihr viel zu sehr gefiel, dass er sie in den Armen hielt. Am liebsten hätte sie die Arme um seinen Hals geschlungen, sich an seinen männlichen Körper geschmiegt und …
Und was, Abby? Dich noch mehr zum Narren gemacht? Um Himmels willen, reiß dich zusammen!
Sie atmete tief durch, ließ seine Jacke los und löste sich von ihm.
„Es tut mir so leid“, sagte sie mit rot angelaufenen Wangen. Hastig wandte sie sich ab und griff nach einer Schachtel Papiertücher, die auf der Küchenanrichte stand, putzte sich die Nase und war froh, dass Jake wieder auf die andere Seite der Frühstücksbar ging.
„Ich habe Sie in Verlegenheit gebracht, ich weiß. Es ist nur so, dass … ach, egal.“ Einen Moment war sie versucht gewesen, ihm von Waynes tragischem Tod zu erzählen. Wäre er ein anderer Mensch, hätte sie ihm vielleicht erklärt, warum es sie so traurig machte, dass sein Onkel allein gestorben war. Aber jemand wie Jake lud nicht zu Vertraulichkeiten ein.
Obwohl er sie eben umarmt hatte, war sie ihm nicht wichtig. Sie war nur eine Angestellte, die sich um sein Haus kümmerte. Im Grunde eine bessere Putzfrau.
Craig hatte sie nie so behandelt. Er war aufrichtig interessiert gewesen an ihrem Leben. Nicht, dass sie Jakes Onkel die ganze Wahrheit gesagt hatte. Inzwischen verstand sie es meisterhaft, das wirklich Schmerzhafte aus ihrer Vergangenheit auszublenden. Es würde ohnehin nichts bringen, darüber zu sprechen.
Doch es drängte sie, ihm zu erklären, warum sie so aufgewühlt war. „Ich habe Ihren Onkel wirklich sehr gemocht“, gestand sie.
„Er muss sie auch sehr gemocht haben“, entgegnete Jake.
„Nun ja“, erwiderte sie gedehnt. „Es scheint so.“
„Sie haben mich gar nicht gefragt, was er Ihnen hinterlassen hat“, fuhr Jake fort und sah sie unverwandt an.
„Wie bitte? Ach ja … ein paar Bücher, nehme ich an.“
Jake warf ihr einen schrägen Blick zu. „Nein, keine Bücher. Nicht so etwas Banales.“
„Was denn dann?“, fragte sie perplex.
„Ehrlich gesagt hat er Ihnen nichts direkt überlassen. Er hat einen Brief für mich verfasst, mit Anweisungen, was Sie von ihm bekommen sollen.“
Irritiert runzelte Abby die Stirn. „Das klingt … seltsam.“
„Ja, das habe ich auch gedacht“, stimmte er zu. „Aber Craig hat sich nie an Konventionen gehalten. Hören Sie, sollten wir nicht erst unseren Kaffee trinken, bevor er kalt wird? Danach werde ich Sie über alles ins Bild setzen.“
Als Jake nach seinem Becher griff, tat Abby es ihm gleich und trank gedankenverloren einen Schluck. Ein heißes Getränk hatte immer eine beruhigende Wirkung auf sie. Und sie musste sich tatsächlich beruhigen, nachdem sie die Umarmung ihres Bosses eben beinahe erwidert hätte.
„Ich wäre gern zu seiner Beerdigung gegangen“, sagte sie nach einer Weile. „Ist er beerdigt oder verbrannt worden?“
„Beerdigt“, sagte er.
„Und wo?“
Jakes Miene wirkte trostlos, als er seinen Kaffee abstellte. „Auf dem Rockwood Friedhof.“
„Ich würde gerne irgendwann dorthin fahren und sein Grab besuchen. Um ihm meinen Respekt zu erweisen und ein oder zwei Gebete zu sprechen. Würden Sie mich hinbringen?“,...




