E-Book, Deutsch, Band 1404, 144 Seiten
Reihe: Julia
Lee Nur Mut - sag nicht Nein
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-688-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1404, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-86494-688-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verführerisch wie die Sünde pur und ein kleines bisschen beschwipst betritt die schöne Olivia das Büro ihres attraktiven Chefs Lewis Altman. Vorbei die Zeit der grauen Maus, sie will LEBEN! Und außerdem will sie jetzt wissen, ob sie sich die starke sexuelle Anziehungskraft zwischen ihnen nur eingebildet hat oder ob Lewis sie wirklich begehrt. Und dann, als er auf ihre Verführungskünste eingeht, sie in die Arme reißt und ihren sinnlichen Körper mit glühenden Küssen bedeckt, bekommt Olivia die Antwort auf ihre Frage: Lewis ist verrückt nach ihr! Es wird eine rauschende Nacht - die allerdings Folgen hat, mit denen weder Olivia noch Lewis gerechnet haben: Olivia ist schwanger...
Miranda Lee und ihre drei älteren Geschwister wuchsen in Port Macquarie auf, einem beliebten Badeort in New South Wales, Australien. Ihr Vater war Dorfschullehrer und ihre Mutter eine sehr talentierte Schneiderin. Als Miranda zehn war, zog die Familie nach Gosford, in die Nähe von Sydney. Miranda ging auf eine Klosterschule. Später entschied sie sich für eine Karriere als Informatikerin, die endete, als sie heiratete, drei Töchter bekam und die Familie ein großes Stück Land erwarb. Dort züchtete Miranda Windhunde, Pferde und Ziegen, aber all das genügte ihr nicht. Sie wollte kreativ sein und gleichzeitig Geld verdienen! Als ihre Schwester ihr vorschlug, doch mal eine Romance zu schreiben, wurde sie nachdenklich. Sie fand die Idee gut - es klang interessant, und sie konnte es von zu Hause aus machen. Aber es dauerte zehn lange Jahre, bis ihr erster Liebesroman tatsächlich veröffentlicht wurde. Mittlerweile waren Miranda, ihr Mann und die drei Töchter zurück an die Küste gezogen, wo sie bei Sonne, Sand und Meer ihr Leben genossen. Langsam stellten sich die ersten Erfolge ein, und ziemlich wagemutig machte Miranda die Zusage, eine Miniserie, die aus sechs Büchern bestand, innerhalb von neun Monaten abzuliefern. Sie wird es ihrem Mann nie vergessen, dass er seinen gut bezahlten Job als leitender Angestellter aufgab, um sie zu unterstützen und den Haushalt zu organisieren. Zahlreiche weitere Liebesromane folgten, sexy, leidenschaftlich, spannend und mit sehr lebendig geschilderten Hauptfiguren. Miranda Lee hat einen Grundsatz: Langweile niemals deine Leserinnen! Millionen Fans in aller Welt sind sich einig: Diesem Grundsatz bleibt Miranda Lee in allen Romances treu.
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1. KAPITEL
“Stimmt was nicht, Olivia?”
Olivia hob den Kopf und sah, dass ihr Chef sie stirnrunzelnd musterte. Es kostete sie einige Anstrengung, ihre sich überschlagenden Gedanken zu verdrängen und eines dieser unverbindlichen Lächeln aufzusetzen, die sie im Büro zur Schau trug.
“Keineswegs”, versicherte sie, doch das Lächeln fiel ihr schwer. “Alles in Ordnung. Mir geht es gut.” Sie mied seinen prüfenden Blick und begann, die Papiere auf ihrem Schreibtisch hin und her zu schieben, ohne dass dabei ein System erkennbar wurde. Es war nicht ihre Absicht, ihrem Boss ihre persönlichen Probleme anzuvertrauen. So eng war ihr Verhältnis nicht.
Bei ihrer Einstellung vor achtzehn Monaten hatte Lewis sie gewarnt, dass seine Frau über die allzu familiäre Art und das viel zu aufreizende Outfit seiner vorherigen Sekretärin nicht glücklich gewesen war.
Olivia war daher froh gewesen, dass ihr zurückhaltendes Auftreten und ihr unscheinbares Äußeres die Billigung der Ehefrau ihres Arbeitgebers gefunden hatten. Sie war ohnehin ein zurückhaltender Mensch und hatte von jeher konservative Kleidung bevorzugt. Schon vor Jahren hatte sie sich dafür entschieden, im Büro stets Schwarz zu tragen und mit schlichten weißen oder cremefarbenen Blusen zu kombinieren.
Ihre Garderobe war ebenso unauffällig wie ihre Frisur. Sie trug das lange rotbraune Haar streng aus dem Gesicht gekämmt und im Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst, den sie mit einer schwarzen Schleife oder einer schwarzen Spange schmückte. Passend zu dieser dezenten Aufmachung legte sie auch nur einen Hauch von Make-up auf und verzichtete weitgehend auf Schmuck.
Bei ihren seltenen Besuchen im Büro hatte die Frau des Chefs nie Grund gehabt, misstrauisch oder gar eifersüchtig auf die neue Privatsekretärin ihres Mannes zu sein. Olivia hatte stets darauf geachtet, ihre Grenzen nie zu überschreiten, was Lewis betraf. Dazu bestand auch kein Anlass. Ihr Chef mochte zwar groß, dunkelhaarig und sehr attraktiv sein, aber sie war viel zu sehr in den Mann verliebt, den sie heiraten würde.
Es war eine Ironie des Schicksals, dass Lewis und seine Frau sich vor sechs Monaten getrennt hatten, und seither war er meist mürrisch und wortkarg. Dass er Olivias Niedergeschlagenheit überhaupt bemerkt hatte, war erstaunlich und lästig zugleich. Warum hatte er sich nicht, wie es sonst seine Gewohnheit war, den ganzen Vormittag in seinem Labor vergraben? Warum hatte er herauskommen und in ihrem persönlichen Kummer herumstochern müssen?
“Sie sehen nicht gut aus”, stellte er fest.
“Oh.” Automatisch hob sie die Hand, um ihre Frisur zu überprüfen.
“Ich rede nicht von Ihrem Aussehen”, sagte Lewis schroff, “sondern von Ihrem Benehmen. Seit Sie heute früh hereingekommen sind, sitzen Sie nur da und starren in den Raum.”
Raum. Das war ein Wort, das Olivia an diesem Morgen besonders viel zu denken gegeben hatte. Raum! Nicholas, ihr Verlobter, hatte ihr am Vorabend erklärt, er brauche mehr Raum. Das war eine der Ausflüchte, mit denen er aus der Beziehung ausbrechen wollte. Die und eine Million andere!
“Sie haben nicht einmal Ihren Computer eingeschaltet”, fügte Lewis vorwurfsvoll hinzu, als wäre dieses Versäumnis ein Schwerverbrechen.
Ein Blick auf die Wanduhr zeigte ihr, dass es fast halb zehn war. Sie saß also schon seit über einer Stunde an ihrem Tisch und hatte nichts getan. Resigniert drückte sie auf den Knopf am Monitor. “Tut mir leid.”
In Lewis’ Seufzer schwang typisch männliche Frustration mit. “Verdammt, Olivia, Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen! Es interessiert mich absolut nicht, ob Sie arbeiten oder nicht. Ich mache mir Sorgen um Sie, verstehen Sie das nicht?”
Es war schon so lange her, dass jemand sich Sorgen um sie gemacht hatte – vielleicht deshalb, weil sie nach außen hin so unerschütterlich und tüchtig wirkte. Ihre Eltern und ihre beiden jüngeren Schwestern glaubten, sie hätte alles fest im Griff. Immerhin war sie diejenige, die Ratschläge erteilte und ihren Eltern half, mit Geld und anderen Problemen zurechtzukommen.
Sie selbst hatte ihr Leben bis ins letzte Detail geplant – bis gestern Abend. Nicholas hatte seine Koffer gepackt, war aus der gemeinsamen Wohnung gestürmt und hatte Olivia mit der Person zurückgelassen, die er zuvor eine Stunde lang in aller Ausführlichkeit und voller Verachtung beschrieben hatte. Seinen Worten zufolge handelte es sich um eine herrische, geizige, langweilige Ziege, die in den letzten zwei Jahren sein Leben ruiniert und ihn in jeder wachen Minute herumkommandiert hatte, die ihn seiner Persönlichkeit beraubt und in einen rückgratlosen, einfältigen Pantoffelhelden verwandelt hatte.
Er hatte keine Lust mehr, Geld zu sparen, keine Lust, immer zu Hause zu essen, und schon gar keine Lust mehr, immer nur im Bett Sex zu haben!
Er sei schließlich jünger als sie, hatte er sie boshaft erinnert. Er wollte sich amüsieren, bevor er sesshaft wurde. Er wollte Spaß und mehr . Er wollte noch nicht heiraten. Er wollte sich nicht mit Kindern und einer Hypothek belasten. Und einen Familienwagen wollte er auch nicht kaufen. Er wollte einen Porsche fahren. Er wollte reisen. Er wollte andere Frauen – Frauen, die ‘oral’ nicht nur für eine Zahnbürstenmarke hielten!
Seine hämischen Bemerkungen über ihr Sexleben hatten wehgetan, denn Olivia hätte sich nie träumen lassen, dass ihr Liebesleben unbefriedigend oder Nicholas auf diesem Gebiet gar zu kurz gekommen sei. Im Gegenteil, er hatte ihr immer wieder versichert, dass er ihre Abneigung gegen gewisse Praktiken durchaus verstehen könne, und sogar behauptet, ihre Ansichten in diesem Punkt zu teilen.
“Du besitzt nicht einen Funken Spontaneität und Sinnlichkeit, Olivia”, hatte er ihr beim Abschied vorgeworfen. “Du hast keine Ahnung, wie man einen Mann glücklich macht. Nicht den leisesten Schimmer hast du!”
In diesem Moment hatte sie gedacht, er wäre verrückt geworden, doch jetzt glaubte sie ihm, so schmerzlich es auch war.
“Olivia? Was ist los?”, wollte ihr Chef wissen.
Tapfer kämpfte sie gegen die Tränen an.
“Geht es um Nicholas?”
Sie nickte stumm und schloss die Augen.
“Ist er krank?”
Sie schüttelte langsam den Kopf.
“Sagen Sie nicht, dass Sie sich getrennt haben!”
Sein skeptischer Unterton ließ sie zusammenzucken. Noch vor vierundzwanzig Stunden hätte sie vehement geleugnet, dass so etwas je geschehen könnte. Sie war so sicher gewesen, dass sie füreinander bestimmt wären und die gleichen Ziele hätten. Hochzeit im nächsten Jahr. Ein Haus im Jahr darauf und das erste Baby, bevor sie dreißig wurde.
Das Einzige, was Olivia nun an ihrem dreißigsten Geburtstag erwartete, war Einsamkeit. Es hatte Jahre gedauert, bis sie endlich Nicholas gefunden hatte. Sie war bereits siebenundzwanzig …
“Bitte, Lewis …” Sie straffte die Schultern und öffnete die Computerdatei mit der Korrespondenz. “Ich möchte nicht darüber sprechen.”
Sie spürte, dass er sie beobachtete, mied jedoch seinen Blick. Stattdessen starrte sie unverwandt auf den Bildschirm und begann, auf der Tastatur herumzutippen.
“Machen Sie sich nicht so viele Sorgen, Olivia”, riet er. “Geben Sie ihm ein oder zwei Tage, dann ist er wieder bei Sinnen. Ich wette, er kommt zu Ihnen zurückgekrochen, bevor die Woche um ist.”
Olivia hob den Kopf. Neue Hoffnung erfüllte ihr Herz. “Meinen Sie?”
“Kein halbwegs vernünftiger Mann würde eine Frau wie Sie verlassen, Olivia”, erwiderte er nachdrücklich. “Glauben Sie mir.”
Nicholas kam tatsächlich am folgenden Wochenende zurück – allerdings nicht kriechend, und er blieb auch nicht. Er holte lediglich ein paar persönliche Sachen ab, die er vergessen hatte: einige Toilettenartikel und seine CD-Sammlung. Als er mit geradezu verletzender Lässigkeit zur Tür ging, erklärte er Olivia spöttisch, sie könne die wunderbaren Möbel behalten.
Vom Wohnzimmerfenster aus beobachtete sie, wie er in seinem brandneuen schwarzen Porsche davonbrauste. Der Wagen hatte ihn vermutlich seine gesamten Ersparnisse gekostet – mit diesem Geld hatte er eigentlich seine Hälfte der Anzahlung auf das gemeinsame Haus leisten wollen. Dieses perfekt geplante Heim, in dem sie ihre beiden perfekt geplanten Kinder hatten aufziehen wollen.
Von all diesen Träumen war Olivia nichts geblieben als die Möbel vom Flohmarkt, die sie billig erstanden und dann mühevoll abgebeizt und gestrichen hatte, weil sie gedacht hatte, sie würde Geld für die gemeinsame Zukunft sparen. Schluchzend sank sie auf einen der alten Stühle. Sie weinte noch die ganze folgende Woche, ihre Depressionen wuchsen, je näher Weihnachten rückte. Dabei sollten die Menschen doch zu Weihnachten glücklich sein!
Olivia erledigte ihre Arbeit pflichtbewusst und ordentlich, aber wie in Trance. Daheim jedoch konnte sie sich nicht einmal überwinden, etwas zu essen. Während der Mittagspausen wanderte sie ziellos durch die Fußgängerzone. Sie erzählte Lewis, sie müsse noch Weihnachtseinkäufe erledigen, doch in Wahrheit wollte sie nur seinen prüfenden Blicken entrinnen. Ihren Chef in so mitfühlender Stimmung zu erleben war nichts, woran sie gewöhnt war und womit sie umgehen konnte.
Wie zerstreut und verwirrt Olivia war, bewies die Tatsache, dass plötzlich ihr letzter Arbeitstag des Jahres angebrochen war und sie nicht einmal eine Weihnachtskarte für Lewis gekauft hatte, geschweige denn ein Geschenk. Schuldbewusst betrachtete sie die hübsche goldverzierte Karte, die Lewis ihr zusammen mit einer riesigen Schachtel Pralinen überreicht hatte.
Sie würde gleich nachher losgehen und ihm eine Kleinigkeit...




