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Leer / Hehl / Tammena | Wir können auch anders - Unternehmen Ruhestand | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 104 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Leer / Hehl / Tammena Wir können auch anders - Unternehmen Ruhestand


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-347-10428-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 104 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-10428-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses Buch möchte all jene ermutigen, die bislang gerne ihrer Arbeit nachgegangen sind und im Blick auf den kommenden Ruhestand mehr Fragen als Antworten haben. Die alltäglichen Abläufe, die Automatismen der vergangenen Jahre oder Jahrzehnte greifen schließlich nicht mehr und es gilt, die Tage mit neuen, befriedigenden Inhalten zu füllen. Die Autorinnen und Autoren - eine Schulleiterin, ein Arztehepaar, ein Finanzbeamter, ein Unternehmer, eine Lehrerin und ein Manager - schildern einfühlsam und in bemerkenswerter Offenheit ihr Erleben an der Schnittstelle zwischen Berufstätigkeit und Rentendasein. Ihnen liegt nicht daran, Ratschläge zu erteilen oder gar Rezepte für ein gelingendes Leben nach der Arbeit vorzustellen. Vielmehr möchten sie ihre Leserinnen und Leser inspirieren und motivieren, die neue Lebensphase kreativ, vor allem aber nach eigenen Ideen und Vorstellungen zu gestalten. Die unterschiedlichen Perspektiven auf Arbeit und Rentendasein charakterisieren dieses Buch. Offen und ehrlich beschreibt es die Herausforderungen, die der Ruhestand mit sich bringt. Den Verfassern gelingt eine je eigene, sehr persönliche Wegbeschreibung durch die Phase der Veränderung, ohne sich in allgemeinen Empfehlungen oder wohlfeilen Ratschlägen zu verlieren. Die Wege in eine erfüllte Zeit nach dem Berufsleben mögen so vielfältig sein wie das Autorenteam selbst - aber es kann gelingen, das Unternehmen Ruhestand.

Die Autor*innen aus der Generation Baby-Boomer eint die Herausforderung, nach langen Jahren der Berufstätigkeit Platz zu machen und sich als Rentner oder Pensionär neu zu erfinden. Die Lösungsansätze sind dabei so unterschiedlich wie ihre beruflichen Hintergründe. Das Autorenteam schildert offen und aufschlussreich persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse an der Schnittstelle zwischen Berufstätigkeit und Eintritt in das Rentendasein.
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Weitere Infos & Material


Mechthild Tammena

Das Leben geht weiter – nur wie?

Bildung ist nicht auf die Schule begrenzt, sie geht unerbittlich weiter bis ans Lebensende.

Peter Ustinov

…dem stimmt die gebürtige Emsländerin zu, die bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand als Rektorin in Ostfriesland versucht hat, die Persönlichkeit der Schüler*Innen zu entwickeln, damit sie am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihr eigenes Leben gestalten können.

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben, aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, as wir selbst ihm zu geben imstande sind.

Hermann Hesse

oder:
Jeder ist seines Glückes Schmied

Eigentlich war alles gut

Jedes Jahr der gleiche Ablauf: Konferenzen, Aufräumen, Abschiedsfeiern, Klassenbücher kontrollieren, Klassenräume umstellen, Schulbuchbestellungen durchführen, Abordnungen besprechen. Die Liste könnte beliebig fortgeführt werden. Es ist einfach nur Hektik angesagt, verbunden mit der Vorfreude auf sechs Wochen unterrichtsfreie Zeit. So sehr ich mich darauf freue, dieses Mal fühlt es sich anders an. Dieses Mal stehen keine Sommerferien, sondern die „ewigen“ Ferien an. Ich gehe – wie sagt man so schön – in den wohlverdienten Ruhestand.

16 Jahre war ich Schulleiterin einer kleinen Grundschule. Davor Konrektorin einer größeren Schule und davor Lehrkraft an verschiedenen Schulen. Also der typische Weg einer Schulleiterin. Meine Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, doch die Zeit war reif und meine Altersgrenze hatte ich erreicht, so dass ich die Entscheidung getroffen habe, in den Ruhestand zu gehen. Der Entschluss fiel mir nicht leicht. Zunächst hatte ich noch überlegt zu verlängern. Doch das – fand ich – war so ein Hinausschieben auf Raten. Besser gehen, wenn alle mich bitten zu bleiben.

Ich habe meinen Entschluss vor einem Jahr dem Kollegium und meiner Dezernentin mitgeteilt. Mein Kollegium hat recht schnell realisiert, dass ich meinen Entschluss – wenn ich ihn einmal gefasst habe – nicht kippen werde. Dafür hat meine Dezernentin bis zum Schluss versucht, mich zum Verlängern meiner Schulleitertätigkeit zu überreden, wohl wissend, dass an vielen Schulen die Leitungsstellen nicht wieder besetzt werden. Ich fühlte mich zwar geschmeichelt und es tat auch gut, doch ich denke, dass sie ihre Überredungskünste auch bei anderen Schulleitungen angewandt hat. Es blieb somit dabei. Am Ende des Schuljahres ist Schluss.

Bei allen schulischen Tätigkeiten hieß es immer “Zum letzten Mal“. Also kam der Abschied nicht unverhofft. Er war geplant, doch die Frage stellt sich, wie fühlt er sich an. Nach einer emotionsgeladenen Abschiedsfeier, vorbereitet vom Kollegium, den Eltern und den Schülerinnen und ein letztes gemeinsames Zusammensein mit dem Kollegium bei mir Zuhause, kommt nun die neue Lebensphase.

Kommt nun die große Freiheit? Stehen mir nun alle Türen offen? Kann ich nun reisen wie ich will, so lange schlafen wie ich will?

Ich bin schon viel gereist und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas versäumt habe. Gut, dass Aufstehen, wenn der Wecker um 6 Uhr in der Früh geklingelt hat, darauf kann ich gut verzichten. Aber sonst? Eigentlich war alles gut.

Gratulationen zum Ruhestand „Willkommen im Club!“

Mein Eintritt in den Ruhestand hat sich rumgesprochen. Kein Wunder, zwei Zeitungen haben darüber berichtet. Und so kommen Leute auf mich zu und gratulieren mir. Alle strahlen mich an und meinen, was für eine tolle Zeit auf mich wartet. „Willkommen im Club!“

Eigentlich war ich mit meinem bisherigen Leben zufrieden. Ich brauchte mir morgens keine Gedanken zu machen, was ich mit dem Tag anstelle. Es war alles gut geordnet und ich fange jetzt schon an, den strukturierten Tagesablauf zu vermissen.

Ich frage mich ernsthaft, ob der Eintritt in den Ruhestand ein Grund zum Gratulieren ist. Gut, ein neuer Lebensabschnitt beginnt, doch durch diesen neuen Lebensabschnitt wird das ´Endliche` auch präsenter. Vielleicht ist es aber auch an der Zeit, sich damit näher auseinanderzusetzen und es nicht zu verdrängen. Ich bin nicht mehr die Jüngste. Zwar noch nicht ganz alt, doch ich gehöre jetzt - ob ich will oder nicht - auch zu den “Alten“ !!!

Rentnerin mit leuchtenden Augen

Eine Freundin, die zeitgleich mit mir in den Ruhestand gegangen ist, kommt vorbei. Schon weit im Vorfeld hat sie sich auf den Ruhestand gefreut. Sie freut sich, dass sie keine Termine mehr hat, dass sie tagsüber ein Buch lesen und sich zum Kaffee trinken verabreden kann. Und begeistert schildert sie mir die ersten Tage ihres Ruhestandes. Nein, sie vermisst überhaupt nichts. Sie hofft, dass sie gesund bleibt, um ihren Ruhestand genießen zu können.

Sie versteht nicht, dass ich dem Rentner-Dasein so skeptisch gegenüberstehe. Ich hätte doch genug gearbeitet und gut gearbeitet und brauchte mir und der Welt nichts mehr zu beweisen. Ich könnte nun die Zeit ganz in Ruhe genießen. Sie schwärmt mir von Yoga und Pilates vor – der Weg zu sich selbst.

Beneidenswert, oder? Eine Rentnerin mit leuchtenden Augen, die mit sich und der Welt im Reinen ist.

Nicht nur strahlende Rentner

Ich bin interessiert, wie es anderen Rentnern mit dem Ruhestand ergeht und treffe mich mit einem Kollegen, der zwei Jahre vor mir in Pension gegangen ist.

Gespannt lausche ich seinen Ausführungen. Er berichtet, dass das erste Jahr recht schwierig für ihn gewesen war. Zunächst war er optimistisch, dass seine Hobbys reichen würden, um mit dem Rentner-Dasein klar zu kommen. Doch da hatte er sich getäuscht. Das Wetter spielte nicht mit, so dass das Segeln und das Gärtnern ziemlich auf der Strecke blieben. Dann wohnt er irgendwo in der Einöde, so dass er kaum auf Leute trifft. Hinzu kam, dass seine Frau eine neue Stelle angeboten bekommen hat und den ganzen Tag außer Haus war. Ja, ihm fehlten eindeutig die sozialen Kontakte, so dass er sich entschlossen hat, an seiner alten Schule wieder mit Förderunterricht anzufangen. Zwischenzeitlich hat er sich eingerichtet und kann sich mit seinem neuen Lebensabschnitt abfinden.

Ich fand seine Darstellung ehrlich. Endlich mal jemand, der mir nicht mit funkelnden Augen gegenüber sitzt und mir vom Rentner-Dasein vorschwärmt.

Da ich überlegte, wie ich meine zukünftige freie Zeit nutzen könnte, stellte sich für mich sofort die Frage, ob sein eingeschlagener Weg auch was für mich wäre. Sollte ich mich an meiner ´alten` Schule, an der Schule, die ich gerade als Schulleiterin verlassen hatte, als Förderkraft bewerben? Nun, ich hätte den Kontakt zum Kollegium und könnte sehen, wie mein Nachfolger sich macht. Wäre doch ganz interessant. Und, wenn was nicht klappt, wäre ich zur Stelle. Ich stünde mit Rat und Tat zur Seite.

Ich sehe mich schon wieder in meinem Schulleiterzimmer. …

Bevor ich weiter ins Träumen gerate, komme ich auf den Boden der Tatsachen zurück und verwerfe diesen Gedankengang ganz schnell. Mir ist schon klar, dass das keine Option für mich ist. Wenn ich mich weiter schulisch hätte betätigen wollen, wäre ich besser Schulleiterin geblieben.

Hinzu kommt, dass ich mich in meinem neuen Lebensabschnitt nicht mehr um schulische Probleme kümmern will, sondern mal etwas ganz anderes machen möchte. Die Frage ist nur – was?

Keinen Tag bereut

Seit über dreißig Jahren bin ich politisch aktiv. Früher in der ersten Reihe, nun mehr im Hintergrund. Da demnächst wieder Wahlen anstehen, habe ich mich zur Standarbeit in der Stadt einteilen lassen. Ich mag das gerne, da es Gelegenheit bietet, mit unterschiedlichen Leuten in Kontakt zu treten.

Dieses Mal waren die Gespräche nicht nur politisch geprägt, auch mein Rentner-Dasein stand im Fokus. Kurz bevor ich in den Ruhestand gegangen bin, habe ich zwei Zeitungen Interviews zu meinem Schulalltag gegeben und die Äußerung gemacht, dass ich es keinen Tag bereut hätte, Schulleiterin geworden zu sein.

Nun ist der Beruf der LehrerInnen in den letzten Jahren ja nicht einfacher geworden und auch der Andrang auf die Position der Schulleitungen ist sehr zurückgegangen, so dass bei einigen Bekannten, die am Stand vorbeikamen, eine gewisse Skepsis zu spüren war, was meine Interviews betraf. Von mehreren bin ich gefragt worden, ob ich das auch wirklich so gemeint hätte. Das konnte ich bejahen.

Ist es nicht ein absolutes Privileg, dass ich meinen Beruf bis zum Schluss gerne ausgeführt habe und mit einem guten Gewissen in den Ruhestand gehen konnte?

Aber deshalb fiel mir der Abschied ja auch so schwer.

Im Ruhestand sind es “Projekte“

Wir sind bei Freunden eingeladen und ich treffe wieder – wie kann es anders sein – auf Menschen im Ruhestand. Eine Ruheständlerin sitzt mit am Tisch, die mich mit funkelnden Augen ansieht. Ja, sie hat schon vor vier Jahren mit der Arbeit aufgehört, so früh es nur irgendwie ging. Und sie hat es noch...



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