E-Book, Deutsch, 230 Seiten
Lehmann Inside KI - Eine Woche in der Zukunft
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-6623-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Künstliche Intelligenz unseren Alltag verändert - und was sie mit uns macht.
E-Book, Deutsch, 230 Seiten
ISBN: 978-3-6957-6623-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor dieses Buches begleitet technologische Veränderungen seit mehr als drei Jahrzehnten - oft an vorderster Front, manchmal hinter den Kulissen, immer mit dem Blick für das Zusammenspiel von Technik, Organisation und Mensch. Seine Verbindung zur IT reicht jedoch weiter zurück: Schon als Jugendlicher verfolgte er fasziniert die ersten Heimcomputer und die Anfänge des Internets. Diese frühe Neugier blieb - sie wurde zum roten Faden, der ihn bis heute begleitet. Er hat erlebt, wie aus klappernden Modems globale Netzwerke wurden, wie das Internet aus einer Nische zum Nervensystem der Welt wuchs und wie Smartphones die Kommunikation neu erfanden. Jede dieser Wellen brachte Chancen, Risiken und Missverständnisse mit sich - und stellte stets dieselbe Frage: Wie nutzen wir Technologie verantwortungsvoll? Als IT-Berater und Digitalisierungsexperte unterstützt er seit Jahrzehnten Unternehmen dabei, digitale Werkzeuge sinnvoll einzusetzen - mit Offenheit für Innovation, aber ebenso mit dem Blick für Risiken, Grenzen und die Bedeutung des Faktors Mensch. Jede technologische Umbruchsphase konfrontierte Organisationen mit denselben Kernfragen: Was verändert sich? Was bleibt? Und wie gelingt ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Neuen? Heute sieht er in der Künstlichen Intelligenz die konsequente Fortsetzung dieser Entwicklung - eine Technologie, die weniger ein Werkzeug ist als eine neue Infrastruktur, vergleichbar mit Elektrizität oder dem Internet. Diese Perspektive vereint zwei Haltungen: die Neugier des Enthusiasten, der Fortschritt liebt, und die Besonnenheit des Beraters, der Chancen und Gefahren sorgfältig abwägt. Seine Mission ist unverändert: Technik verständlich machen und Brücken schlagen - zwischen Innovation und Gesellschaft, zwischen Faszination und Verantwortung, zwischen dem Möglichen und dem Sinnvollen. Dieses Buch ist Ausdruck dieser Haltung. Denn KI betrifft nicht nur Experten, sondern uns alle: im Beruf, im Alltag, in Familie und Gesellschaft. Sein Leitsatz lautet: "Zukunft entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch die Art, wie wir sie gestalten."
Autoren/Hrsg.
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Wahrheit, Täuschung, Fake-Welten
Frühstücksschock: Ein Video, das es nie gab
Dienstagmorgen. Tom sitzt am Frühstückstisch, Müsli, Kaffee, Radio. Beim Scrollen durch Chats stoppt er abrupt: Ein Video lässt ihn innehalten.
Darauf: ein bekannter Politiker. Ernstes Gesicht, klare Stimme – und Worte, die so ungeheuerlich klingen, dass Tom erstarrt. „Das hat er nicht wirklich gesagt, oder?“, murmelt er. Sein Magen zieht sich kurz zusammen.
Er spult zurück. Mimik, Stimme, Gestik – wirken beunruhigend echt. Keine verzerrten Lippen, keine holprigen Übergänge. Empörung steigt in ihm auf.
Erste Reaktion
Verunsichert ruft er nach seiner Tochter. Lisa kommt verschlafen in die Küche, Toast in der Hand – noch halb im Modus eines Teenagers, der eigentlich länger schlafen wollte. Ein kurzer Blick aufs Handy, beiläufiges Kauen – dann nur: „Papa, Fake. TikTok ist voll davon.“ Und schon dreht sie sich um und geht.
Tom bleibt zurück wie vor den Kopf gestoßen. Gerade noch überzeugt, einen Skandal gesehen zu haben – jetzt nennt Lisa es einen Trick. Ein Schlag ins Selbstbewusstsein, ein Gefühl von Bodenlosigkeit.
Exkurs: Der Begriff „Deepfake“
Neugierig und gleichzeitig beschämt durchsucht Tom die News-Apps. Überall stößt er auf denselben Begriff: Deepfake-Technologie. Gemeint sind KI-manipulierte Medien, Bilder oder Tonspuren, bei denen Stimme oder Gesicht per KI so überblendet werden, dass sie sich visuell nahezu perfekt auf fremdes Material legen.
Früher verrieten sich Deepfakes durch unsaubere Lippenbewegungen oder ruckelige Übergänge. Heute sorgt die DeepfakeTechnologie für so glatte Ergebnisse, dass selbst Profis oft nur mit spezieller Deepfake-Erkennung herausfinden können, ob ein Clip echt oder gefälscht ist.
Tom spürt: Hinter dem Begriff steckt mehr Technik, als er auf den ersten Blick begreift. Doch für den Moment bleibt nur der Gedanke: Wenn selbst er so leicht in die Irre geführt wird – wie viele andere fallen dann täglich darauf herein?
Innere Bilder
In seinem Kopf tauchen Erinnerungen auf. Früher hieß es: „Ein Foto lügt nicht.“ Und damit war die Sache erledigt. Ein Bild war ein Beweis, ein Anker in einer unsicheren Welt. Später galt das Video als ultimative Wahrheitsmaschine. Wenn man etwas sah, dann war es so. Punkt.
Und jetzt? Jetzt ist selbst der bewegte Beweis biegsam geworden. Tom spürt, wie dieser Gedanke in ihm arbeitet. Er erinnert sich an Nachrichtenmomente seiner Kindheit, an Live-Aufnahmen, denen man vertraute, an Szenen aus Dokumentationen, die wie unverrückbare Zeitkapseln wirkten. Heute fühlt es sich an, als würde dieser Boden unter seinen Füßen bröckeln.
Er stellt sich vor, wie leicht so ein Clip in Umlauf geraten kann: ein Handyvideo, ein paar Klicks, ein Upload – und binnen Minuten verbreitet es sich viral. Man muss nicht einmal bösartig sein – nur unaufmerksam. Das reicht schon, um Tausende zu täuschen.
Humorvolle Gedanken
Um die Beklemmung zu überdecken, malt sich Tom eine absurde Szene aus. „Vielleicht meldet sich morgen ein Astronaut per Gruß aus der ISS – komplett mit schwerelosem Daumen hoch.“, denkt er. Oder ein übermotivierter Food-Influencer steht plötzlich in seiner Küche und erklärt ihm mit ernster Miene, wie man Avocado-Toast„wissenschaftlich korrekt“ schneidet. Die Vorstellung ist so grotesk, dass er tatsächlich kurz lachen muss.
Doch das Lachen bleibt halb im Hals stecken. Die Absurdität nimmt ihm nicht die Angst. Im Gegenteil: Je verrückter die Idee, desto klarer erkennt Tom, dass die Technik längst so weit ist, solche Fantasien verstörend glaubwürdig aussehen zu lassen. Und dass genau darin die Gefahr liegt. Wenn sogar Unsinn überzeugend wirkt – wie soll man dann Wahrheit erkennen?
Gesellschaftliche Brisanz
Während er sein Handy dreht und wendet, schiebt sich ein weiterer Gedanke nach vorne: Die große Bühne. Wahlkämpfe, politische Krisen, internationale Spannungen. Wenn ein harmloser Frühstücksclip schon so viel Unruhe auslösen kann – was richtet ein perfekt gefälschtes Video in einem Land aus, das ohnehin gespalten ist?
Warnungen tauchen in seinem Kopf auf, Gesprächsfetzen aus Podcasts, Artikel, die er überflogen hat. Deepfakes sind keine Spielerei. Sie sind Werkzeuge, die gezielt eingesetzt werden: um Stimmungen zu kippen, Menschen zu diskreditieren, Feindbilder zu schaffen. Ein einziger Funke reicht, und Millionen Menschen glauben etwas, das nie passiert ist.
Tom schluckt. „Wenn ich schon bei einem Frühstücksvideo reinfalle – wie viele Millionen tun dies täglich?“
Toms Erkenntnis am Morgen
Die Tasse Kaffee ist längst kalt, doch in seinem Kopf brennt eine neue Mischung aus Unruhe und Klarheit. Ein leiser Schatten von Misstrauen legt sich über alles, was er sieht. Über Bilder. Über Stimmen. Über die scheinbar festen Pfeiler der digitalen Welt.
„Das verändert alles“, denkt er. „Ab jetzt reicht es nicht mehr, ein Video einfach nur anzusehen. Ich muss immer fragen: Ist das echt? Oder hat jemand daran gedreht?“ Der Gedanke ist unbequem, aber unausweichlich.
Er legt das Handy beiseite und atmet tief durch. Etwas lässt ihn nicht los, diesmal noch schwerer: „Wenn man schon Videos fälschen kann – wie steht es dann um Stimmen? Um Bilder? Um Texte?“
Kurz verharrt er. Tom spürt, dass dieser Morgen eine Grenze markiert. Die Welt ist nicht unsicherer geworden – aber ihre Oberfläche ist trügerischer. Und er weiß: Er muss lernen, genauer hinzusehen.
Deepfakes erkennen: Bild, Stimme, Video – so findest du Desinformation
Der nächste Schritt – mehr als nur ein Video
Dienstagmorgen im Büro. Tom sitzt an seinem Schreibtisch, der Bildschirm leuchtet, doch seine Gedanken wandern zurück. Das Video vom Frühstück lässt ihn nicht los. Immer wieder taucht die ernste Miene des Politikers vor seinem inneren Auge auf, ebenso Lisas beiläufiger Kommentar: „Papa, das ist ein Fake.“
Sogar der Weg ins Büro hat daran nichts geändert. Während die Stadt an ihm vorbeizog, blieb der Clip wie ein Stachel in seinen Gedanken. Jetzt, am Kaffeeautomaten, ertappt er sich erneut dabei, wie er das Handy zückt und den Standbildausschnitt fixiert. „Wie kann etwas so echt aussehen – und trotzdem eine Lüge sein?“, fragt er sich.
Exkurs: Wie Deepfakes technisch funktionieren
Deepfakes sind keine Magie, sondern hochentwickelte Imitationen. Die KI sammelt zunächst unzählige Fotos, Videos und Tonaufnahmen einer Person. Daraus lernt sie feinste Muster: Gesichtsstrukturen, Hautfalten, Bewegungen, Sprachmelodie, Atempausen, Lichtreflexe.
Diese Bausteine setzt sie wie eine passgenaue digitale Maske ein – entweder über ein vorhandenes Video gelegt oder komplett neu synthetisiert.
Das Ergebnis: Videos oder Tonspuren, die verblüffend realistisch wirken, obwohl sie aus berechneten Bausteinen zusammengesetzt sind. Ein Politiker scheint plötzlich etwas zu sagen, was er nie gesagt hat. Eine Sängerin performt ein Lied, das sie nie aufgenommen hat.
Video – Gesichter wie Masken
Zurück am Schreibtisch klickt Tom sich durch Beispiele. In einem Clip sieht er eine bekannte Filmszene – doch die Hauptrolle trägt plötzlich das Gesicht eines Politikers. Bewegungen und Mimik passen perfekt.
„Wie eine perfekt synchronisierte Projektion, die das echte Gesicht überlagert“, denkt Tom.
Vor seinem inneren Auge probieren Schauspieler keine Kostüme mehr an, sondern Gesichter.
Stimme – jeder kann klingen wie jeder
Noch brisanter wirken die Beispiele mit Stimmenklonen (Voice Cloning). Eine Tonspur klingt exakt wie die Stimme eines bekannten Managers – oder wie ein enger Freund, der angeblich um Geld bittet, obwohl er nie angerufen hat.
Tom runzelt die Stirn. „Wie ein Stimmenimitator – nur perfekter.“ Die Technik analysiert Tonhöhe, Sprachmelodie und selbst Atempausen und setzt daraus täuschend echte Worte zusammen.
Der Gedanke trifft ihn unvermittelt: Nicht einmal am Telefon ist Sicherheit garantiert. Was früher als persönlicher Kanal galt, wird plötzlich angreifbar. Vertrauen, das auf Stimme beruhte, lässt sich manipulieren.
Besonders beunruhigend findet Tom, dass dafür oft schon wenige Sekunden Originalmaterial ausreichen. Ein aufgezeichnetes „Hallo“ oder ein kurzer Sprachnachrichtenschnipsel kann genügen. Die Grenze zwischen echt und gefälscht wird damit nicht nur unscharf – sie verschwindet im Alltag fast vollständig.
Bilder – Fälschungen zum Greifen nah
Ein Artikel zeigt zwei Fotos nebeneinander: Links eine friedliche Demo, rechts dieselbe Szene – nur mit Fackeln und aggressiven Parolen.
Früher brauchte es stundenlange Photoshop-Arbeit – heute genügen KI-Bildgeneratoren und ein paar Klicks.
Tom erschrickt. „Was, wenn jemand mein...




