E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Julia
Leigh Du hast dich in mein Herz getanzt
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-2834-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2834-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nie wieder wird Lucy nach einer Verletzung als Ballerina auf der Bühne stehen! Aber das Leben ist trotzdem schön. Wovon sie unbedingt ihren verwitweten Nachbarn Beck Ventura überzeugen will. Und dessen süße, schüchterne Tochter, die davon träumt, Ballerina zu werden ...
Allison Leigh war schon immer eine begeisterte Leserin und wollte bereits als kleines Mädchen Autorin werden. Sie verfasste ein Halloween-Stück, das ihre Abschlussklasse aufführte. Seitdem hat sich zwar ihr Geschmack etwas verändert, aber die Leidenschaft zum Schreiben verlor sie nie. Als ihr erster Roman von Silhouette Books veröffentlicht wurde, wurde für Allison ein Lebenstraum wahr; sie konnte es kaum glauben, als in ihrer Heimatstadt die Buchläden voll waren mit ihrem Werk! Beim angesehenen RITA© Award wurde sie Finalistin, erhielt Auszeichnungen wie die Goldene Feder und erscheint regelmäßig auf Bestsellerlisten. In Südkalifornien geboren, lebte Allison in vielen verschiedenen Städten und unterschiedlichen Staaten der USA. Sie arbeitete als Kosmetikerin, Programmiererin, Pfarramtssekretärin und Datenbank-Administratorin. Letztendlich ließ sie sich mit ihrer Familie in Arizona nieder. Ihrer Familie, die sie immer unterstützt, verdankt sie viele romantische und liebevolle Gedanken und Inspiration für ihre Romane. Sie können Allison Leigh eine E-Mail schreiben: allison@allisonleigh.com
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1. KAPITEL
Er hatte nicht gedacht, dass sie so klein war.
Beckett Ventura musterte die Frau aus den Augenwinkeln, während er sich seinen Werkzeuggürtel umband. Trotz ihrer geringen Größe war sie aber unübersehbar eine Frau – schlank und mit den Rundungen an genau den richtigen Stellen.
Er war an diesem Julimorgen, kurz vor Tagesanbruch, allerdings nicht zu dem Anwesen gekommen, das alle nur Lazy B nannten, um die Tochter seines Nachbarn zu begutachten, denn erstens sollte sie gar nicht hier sein, und zweitens … nun ja, sie war eine Tänzerin, die jahrelang in New York gelebt hatte.
Jedenfalls hatte er das gehört.
Er nahm den Werkzeugkasten von der Ladefläche seines Trucks, den er hinter ihren winzigen Mietwagen abgestellt hatte, und drehte sich zum Haus um.
Was so viel bedeutete, dass er sich auch zu ihr umdrehte, aber nur, weil sie gerade auf den Stufen der Veranda saß, die Ellbogen auf die Knie gestützt hatte und einen weißen Becher in der Hand hielt.
Natürlich sah sie zierlich aus. Sie war ja praktisch zu einem Ball zusammengerollt.
Er presste die Zähne zusammen. Cage Buchanan, sein Nachbar, dem die Ranch gehörte und der ihn für diesen speziellen Job engagiert hatte, hatte ihn am Abend zuvor angerufen. Offenbar, damit er sich das Projekt mal anschaute – ein seit Langem geplanter Anbau an Buchanans zweistöckiges Ziegelhaus. Beck vermutete allerdings eher, dass sein Nachbar ihm bei dieser Gelegenheit auch gleich unauffällig seine Tochter, die Tänzerin, vorstellen wollte, die für den Rest des Sommers bei ihm wohnen würde, womit niemand gerechnet hatte.
Vielleicht glaubte Cage ja, dass sie jemanden brauchte, der sich um sie kümmerte. Das hatte er natürlich nicht offen gesagt, aber er hatte erwähnt, dass sie eine Knieverletzung auskurierte.
Sich um jemanden zu kümmern, war allerdings das Letzte, wonach Beck momentan der Sinn stand.
Er hatte schon genug mit seiner eigenen Tochter zu tun. Shelby war erst sechs Jahre alt und so schüchtern, dass sie nur flüsterte – selbst wenn sie mit ihrem Vater sprach.
Sie war das genaue Gegenteil von ihrem Bruder Nick. Becks Sohn war fast einundzwanzig und hatte die Schule bereits hinter sich, doch Beck erinnerte sich noch gut an ihn als kleinen Jungen. Während Shelby schweigsam und zurückhaltend war, hatte Nick ununterbrochen geredet und war dauernd in Bewegung gewesen.
Aber die Frau auf den Stufen verschwand nicht einfach, nur weil er intensiv über seine Kinder nachdachte. Er konnte nicht einfach an ihr vorbeigehen und sie ignorieren, so gern er es auch getan hätte.
So verhielt man sich normalerweise nicht gegenüber Nachbarn.
Er war noch nie ein besonders geselliger Typ gewesen. Ganz anders als seine Frau Harmony. Sie hatte stets dafür gesorgt, dass er unter Menschen kam.
Mit steinernem Gesichtsausdruck marschierte er los. Der Kies knirschte leise unter seinen Sohlen, als er auf die beiden Scheunen zusteuerte, die ein wenig abseits vom Haupthaus standen. Dann betrat er den Rasen, der längst hätte gemäht werden müssen, und näherte sich ihr.
Sie war so verdammt blond.
Dass ihre Augen außerdem blau wie Aquamarine und von dichten dunklen Wimpern umrahmt waren, stellte er erst fest, als er wenige Zentimeter vor ihr stehen blieb.
Sie trug ein dünnes pinkfarbenes Top mit Spaghettiträgern, eine ausgebeulte, mit rosafarbenen Herzen und roten Rosen bedruckte Hose und einen dunkelroten Schal, den sie sich locker um die Schultern geschlungen hatte.
Ihren Mund umspielte ein schwaches Lächeln. Ihr Gesicht war zu schmal, um als perfekt bezeichnet zu werden. Die Schulterknochen stachen deutlich unter dem Schal hervor, und ihre Haut war fast durchsichtig. Das blonde Haar hatte sie zu einem losen Zopf zusammengebunden, einige Strähnen waren allerdings herausgerutscht.
Es gab keinen Grund für ihn, sie außergewöhnlich zu finden, doch genau das war sie.
Wenn er schon zu diesem Schluss kommen musste, warum konnte er es dann nicht mit der Gleichgültigkeit eines unbeteiligten Beobachters tun?
Warum zum Teufel spürte er plötzlich eine Hitzewelle tief in seinem Körper, der seit Harmonys Tod gar nichts mehr empfunden hatte – außer kalte Leere?
Er bekam kaum den Mund auf, als er brummte: „Beckett Ventura.“
Ihr Lächeln blieb bestehen. „Mr. Ventura. Das habe ich mir schon fast gedacht.“ Sie stellte den Kaffeebecher neben sich und erhob sich von den Stufen. Mit einer Hand hielt sie die Enden ihres Schals zusammen, die andere streckte sie ihm entgegen. „Ich bin Lucy. Meine Eltern haben mir von den Bauarbeiten erzählt, die Sie für sie machen wollen. Schön, Sie kennenzulernen.“
Ihre Hand war so bleich wie die Haut auf ihren Schultern. Ihre Finger waren lang und schlank. Fast wie eine Schlange, die jederzeit vorschnellen konnte.
„Nennen Sie mich einfach Beck.“ Er musste sich förmlich zwingen, ihre Hand zu ergreifen – aber nur, weil ihm auf einmal das Bild seiner Frau erschien, die über sein Benehmen den Kopf schüttelte – mal wieder.
Nachdem er Lucys Hand losgelassen hatte, musste er sich zusammenreißen, um sie nicht an seiner Jeans abzuwischen. „Ich werde versuchen, Sie nicht allzu sehr zu stören“, versprach er und hob seinen Werkzeugkoffer ein wenig an.
Sie legte den Kopf schräg und betrachtete ihn mit ihren seltsam blassen Augen. Sie wirkten so durchsichtig wie der Rest von ihr – abgesehen von dem schwarzen Ring um ihre Iris. Ihre Wimpern wirkten ein bisschen verwischt, und ihr Blick ein wenig sinnlich.
Wenn er auch als Provinzler in einer kaputten Familie auf einem Bauernhof in Montana aufgewachsen war, wusste er durchaus, was Frauen mit etwas Make-up bewirken konnten. Doch er stand nahe genug vor Lucy Buchanan, um zu erkennen, dass sich in ihrem Gesicht nicht die geringste Spur von Schminke befand.
Diese rußschwarzen Wimpern, die so gar nicht zu ihrem blonden Haar passten, waren offenbar echt.
„Mich stören? Machen Sie Witze?“ Ihr Lächeln war noch breiter geworden, und in ihren Wangen erschienen kleine Grübchen. „Ich bin so froh, dass meine Eltern sich endlich zu dieser Erweiterung entschlossen haben. Machen Sie so viel Lärm, wie Sie müssen.“ Sie schien nicht zu merken, dass er gar keine Lust hatte, sich mit ihr zu unterhalten, während sie zum Haus blickte. „Ich bin hier aufgewachsen. Mein Bruder Caleb und ich hatten zwar unsere eigenen Zimmer, aber das Haus war nie besonders geräumig.“ Es klang mehr wie eine Feststellung als eine Klage.
Als sie ihn wieder anschaute, lächelte sie noch immer und zupfte nervös an dem Schal über ihren Schultern, die aussahen, als könnte sie jemand, der sie nicht vorsichtig anfasste, ohne Weiteres zerbrechen. „Aber für meine Großeltern, die es gebaut haben, war es wahrscheinlich groß genug.“ Sie trat von der untersten Stufe auf den Rasen.
Oh ja, sie war wirklich nicht groß. Fast dreißig Zentimeter kleiner als er selbst, vermutete er, denn mit ihrem Kopf reichte sie nicht einmal bis an seine Schultern. Die weite Hose, die sie trug, hing gefährlich tief auf ihren Hüften und ließ mindestens sechs Zentimeter nackte Haut zwischen Hosenbund und Top erkennen. Ihre Taille war … ziemlich schmal.
Vermutlich konnte er sie mit seinen Händen mühelos umfassen.
Seine Wangenmuskeln verspannten sich erneut, während er einen Schritt zurücktrat und den Werkzeugkasten in die andere Hand nahm.
Ihm war aufgefallen, dass sie sich, trotz ihrer zierlichen Eleganz, schwer auf ein Bein stützte.
„Meine Eltern haben mir erzählt, dass Sie das Haus von Victor gekauft haben.“
Er fragte sich, was sie ihr noch alles erzählt hatten. Dass er ein unsozialer Witwer war? „Ja.“
„Es ist ein sehr schönes Anwesen.“
„Denke schon.“ Er hatte einfach nur ein Stück Land gebraucht, um seiner Familie – oder das, was noch davon übrig geblieben war – ein Dach über den Kopf zu bieten. Mit all den Erinnerungen hatte er einfach nicht länger in Denver bleiben können. Für den Umzug nach Weaver hatte er sich entschlossen, weil Harmony hier geboren worden war.
Also war er eigentlich nicht wirklich an einen neuen Ort gezogen.
Das jedenfalls hatte ihm sein Vater Stan in den achtzehn Monaten, die sie nun schon hier lebten, immer wieder gesagt.
In diesen achtzehn Monaten hatte Beck seine sozialen Kontakte – außerhalb der eigenen Familie – nur auf das Allernötigste beschränkt.
Den Auftrag von Cage und Belle Buchanan hatte er nur deshalb angenommen, weil im Juli nie viel zu tun war und Beck unbedingt arbeiten wollte. Die Aufgaben auf seiner Ranch und die wenigen Rinder, um die er sich kümmern musste, waren nämlich kaum der Rede wert.
Dennoch gehörte es bestimmt nicht zu seinem Job, die Eigenarten der Tochter seines Nachbarn zu beurteilen. „Ich mach mich dann mal besser an die Arbeit.“
Sie schien nicht pikiert zu sein. Stattdessen bückte sie sich, um ihren Kaffeebecher in die Hand zu nehmen, wobei sie noch mehr nackte Haut entblößte. „Sagen Sie mir, wenn Sie etwas brauchen.“
Als sie sich wiederaufrichtete, verzog er seine Lippen zu etwas, von dem er hoffte, dass es wie ein Lächeln wirkte. Ihr freundlicher Blick änderte sich zumindest nicht.
Als er fortging, hatte er das Gefühl, dass sie ihm hinterherschaute.
Erst als er das Haus umrundet hatte, ließ er die Luft aus seinen Lungen entweichen. Er stellte den Werkzeugkasten...




