E-Book, Deutsch, 340 Seiten
Leigh Misfits
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96089-553-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Urban Soul 1
E-Book, Deutsch, 340 Seiten
ISBN: 978-3-96089-553-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Restaurantbesitzer Tom Fearnes liebt seinen Partner Cass, solange er denken kann, aber ihre Arbeit trennt sie oft voneinander. Als er in den lebhaften Straßen von Camden Town einen auffälligen jungen Mann namens Jake kennenlernt, nimmt ihre berauschende erste Begegnung eine unerwartete Wendung. Jake Thompson kann sein Glück kaum fassen, als er in Toms Bett aufwacht. Tom ist umwerfend, freundlich und ... vergeben. Toms Erklärung für seine offene Beziehung lässt Jake kalt, aber Tom ist zu verlockend, und als harte Zeiten Jake zwingen, Toms helfende Hand anzunehmen, findet er sich zwischen zwei Männern wieder, die ihren Weg verloren haben. Cass Pearson ist eine geplagte Seele. Er liebt Tom mit allem, was er hat, aber an manchen Tagen hat er das Gefühl, dass er nicht viel zu geben hat. Jake scheint die perfekte Lösung zu sein. Cass riskiert alles, um Jake und Tom zusammenzubringen, aber Jake wehrt sich misstrauisch, bis die Dunkelheit von Cass' entbehrungsreicher Kindheit ihn einholt. Auf einmal ist Jake, der mit seinem Tourette eigentlich ausreichend zu tun hat, für sie der rettende Anker und es wird Zeit, tief zu graben, um den Männern, die er liebt, ein Licht zu bringen.
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TOM
EINS
Tom Fearnes schüttelte der Maklerin die Hand und beobachtete abwesend, wie sie in den belebten Straßen von Camden Town verschwand. Um ihn herum drängelten sich die geschäftigen Londoner um Platz, und keiner von ihnen nahm Notiz von ihm, obwohl er den Bürgersteig blockierte. Er blendete sie aus und musterte das leerstehende Gebäude vor ihm und runzelte die Stirn. Der stillgelegte Gitarrenladen war nicht ganz das, was er sich erhofft hatte, weder innen noch außen.
Aber, aber, aber …
Tom ließ die vernagelte Ladenfront hinter sich und betrachtete Camdens beliebte Läden und Musikbars. Das vertraute Summen eines neuen Unternehmens kitzelte in seinen Adern. Er war am richtigen Ort, das spürte er, aber die einzigen leeren Räume auf der pulsierenden Camden High Street waren alle falsch. Zu klein und überteuert, jeder war ein definitives No-Go, was seine Pläne für eine Restauranteröffnung im Frühjahr in weite Ferne rücken ließ.
Tief in Gedanken versunken riss sich Tom von dem unpassenden Laden los und ließ sich in Richtung U-Bahn-Station treiben. Er wich ein paar Menschen aus und fluchte unterdrückt wie ein mürrischer Einheimischer. Camden war nicht sein übliches Revier, aber er war durch und durch ein Wahllondoner und trödelnde Touristen gingen ihm auf die Nerven, vor allem wenn – großartig – ihre schiere Anzahl die Camden Town Station verstopfte.
Tom starrte auf die Metallfensterläden und fing den Blick einer in der Nähe befindlichen U-Bahn-Mitarbeiterin auf. „Ist Chalk Farm offen?“
Die Frau schüttelte den Kopf. „Geschlossen wegen Überlastung. Versuchen Sie Mornington.“
Tom seufzte. Die Mornington-Station war ein zehnminütiger Spaziergang in die falsche Richtung von seiner Wohnung in Hampstead. Er würde den ganzen Weg zurück nach Euston gehen und dort in eine andere Linie steigen. Entweder das, oder er verkroch sich irgendwo und wartete, bis sich die Menschenmassen auflösten.
Er wandte sich nach Süden in Richtung Mornington und ging seine Optionen durch. Er war fix und fertig und hatte keine Zeit, und nachdem der Gitarrenladen ein Reinfall gewesen war, musste er nach Hause und die Suche nach einem neuen Restaurant von vorn beginnen. Hmmm. Der Gedanke an das neueste kulinarische Projekt seiner Firma erinnerte ihn daran, dass er den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Sein Magen knurrte, er sah sich nach einem Ort um, der nicht zu überfüllt war. Ein Lokal des Pub-Verbandes stach ihm ins Auge. Es war nicht die Art von Ort, die er normalerweise besuchte, aber er konnte durch das Fenster ein paar leere Tische sehen.
Er überquerte einen Zebrastreifen und stieß die Tür des Restaurants auf. Das Innere der Kneipe roch nach billigem Lagerbier und verbranntem Fleischfett. Eine mürrische Wirtin führte ihn zu einem Tisch neben der Tür, legte ihm eine klebrige Speisekarte vor die Nase und überließ ihn sich selbst. Tom sah zu, wie sie mit einem schiefen Lächeln davonstapfte. Die Konkurrenz zu beobachten und zu testen machte immer Spaß, besonders an einem Sonntagabend. Müde und erschöpft von einem langen Wochenende war es ein Zeichen für ein solides Küchenteam, wenn das Restaurant noch immer gutes Essen herausgab.
Tom setzte sich auf seinen Platz, legte seinen Mantel ab und ließ seinen Blick über die Speisekarte schweifen. Für das ungeschulte Auge wirkte sie beeindruckend – umfangreich und vielfältig, aber Tom wusste es besser. Jedes Restaurant, das Steak, Pizza, Curry und ein marokkanisches Tagine anbot, war ernsthaft durcheinander. Und faul. Er kannte den Entwicklungsleiter für diese besondere Marke und hatte gehört, dass die meisten ihrer Lebensmittel in einer Fabrik in Shefield produziert wurden.
Gekochter Schwachsinn aus der Tüte.
„Kann ich Ihnen einen Drink anbieten?“
Tom blickte auf und blinzelte, einen Moment lang dachte er, dass die Worte in einem ganz anderen Zusammenhang gesprochen worden waren. Wow.
Es gab keinen anderen Ausdruck für den Anblick der männlichen Schönheit, die mit einem Notizblock an seinem Tisch wartete. Lange Finger, die auf das Papier klopften, elegante Hände und zerbrechlich wirkende Handgelenke. Schlanke Arme, schmale Schultern und ein herrlicher, blasser Hals. Und sein Gesicht, verdammt, sein Gesicht. Hohe Wangenknochen und makellose Haut wurden von einem silbernen Ring unterstrichen, der sich aus seiner perfekten Nase wölbte.
„Kann … kann ich Ihnen einen Drink bringen?“
„Äh …“ Tom fummelte an der Getränkekarte herum. „Einen Pint Becks, danke.“
Der Kellner verschwand. In Anbetracht der Haltung der Wirtin erwartete Tom nicht, dass er bald zurückkam, deshalb war er überrascht, als ein paar Minuten später ein schaumiges Pint Lager vor ihm abgestellt wurde.
„Haben Sie schon gewählt?“
Nicht einmal annähernd. Tom saugte den melodischen Akzent des jungen Kellners in sich auf und überflog erneut die Speisekarte. „Was können Sie empfehlen? Etwas Besonderes?“
„Kommt darauf an, was Sie mögen.“
„Ja?“ Tom hörte den Unwillen des Kellners laut und deutlich, aber die dunkle Schönheit des jungen Mannes überspielte alle Bedenken, die er vielleicht haben könnte. „Was ist mit den Pasteten?“
„Wir haben kein Beef und Ale mehr.“
„Ist das Hühnchen gut?“
Schweigen. Der Kellner rümpfte die Nase. Tom warf einen Blick auf sein Namensschild. Jake. Mitarbeiter wie Vieh zu kennzeichnen irritierte Tom, doch er mochte den Namen des Jungen; er passte zu ihm. „Wie ist der Steak-Burger?“
Jake zuckte mit den Schultern. „Er ist … okay.“
Die Pause sagte alles. „Ganz okay, hm? Woher kommt das Fleisch? Ist es britisch?“
„Es kommt aus Uruguay.“
„Schön. Du hast mich davon überzeugt, dass es hier nichts gibt, was es wert ist, gegessen zu werden. Woher willst du wissen, dass ich kein Restauranttester bin?“
Der Junge grinste mit kaum unterdrücktem Spott und schüttelte den Kopf. „Die haben wir nicht mehr; sie sind nicht kosteneffizient. Wir haben stattdessen anonyme Online-Umfragen. Sie scannen den QR-Code auf der Speisekarte mit Ihrem Smartphone.“
Tom verschluckte ein Glucksen. Er war mit dem Konzept der Online-Umfragen zur Gästezufriedenheit vertraut – er war an einer Firma, die sie veranstaltete, beteiligt. Die Sache mit dem QR-Code war neu in der Branche. Noch nicht viele Unternehmen boten so etwas an. „Ich nehme Fish and Chips.“
Jake gab ein merkwürdiges Geräusch von sich und wedelte mit der Hand. „Wollen Sie nicht wissen, woher der Fisch kommt?“
Macht er sich über mich lustig? „Nein, danke. Ich lebe lieber in Unwissenheit.“
Jake schnappte sich die Speisekarte und verschwand. Tom zwang sich, ihm nicht hinterherzusehen und holte sein Handy aus der Tasche. Er war in eine Website für Gewerbeimmobilien vertieft, als Jake mit seinem Essen zurückkam.
„Wollen … wollen Sie irgendwelche Soßen?“
Tom stocherte in dem blassen Stück Fisch auf seinem Teller herum, aber als er Jakes leichtes Stottern bemerkte, beschloss er, ein wenig nachsichtig mit ihm zu sein. „Alles bestens, vielen Dank.“
Jake schlich sich ohne weiteren Kommentar davon. Mit einer gesunden Portion Beklemmung aß Tom sein Essen, während er seinen Terminkalender prüfte und seine E-Mails bearbeitete. Als Leiter seines eigenen florierenden Restaurantbetriebes hatte er viel zu tun.
Jake schlenderte ein paar Mal vorbei. Er schaute nicht nach Tom, aber beim dritten Mal, als Tom seine wortlose Anwesenheit spürte, winkte er ihn zu sich, hielt ihm den Teller mit dem fettigen Brei hin und bat um die Rechnung.
Jake schien von Toms Appetitlosigkeit nicht überrascht zu sein. Er brachte die Rechnung mit einem beträchtlichen Nachlass und verschwand sofort wieder. Das Restaurant hatte sich gefüllt, während Tom in seine E-Mails und den pampigen Fisch vertieft gewesen war, und Jake schien der einzige Kellner hier zu sein.
Tom wartete eine Weile darauf, dass Jake zurückkam, aber als es offensichtlich wurde, dass das nicht passieren würde, packte er seine Sachen zusammen und machte sich auf den Weg zur Bar. Das unglückliche Gesicht der Wirtin empfing ihn. Sie nahm die Rechnungsmappe und steckte seine Kreditkarte in den Bezahlautomaten.
„War mit Ihrem Essen alles in Ordnung?“
„Nö“, antwortete Tom, obwohl er seinen Tonfall leicht hielt. „Es war kalt, fettig und wurde auf einem schmutzigen Teller serviert.“
Die Wirtin starrte ihn an, aber was auch immer sie hätte erwidern können, ging in einem ohrenbetäubenden Krachen unter. Tom zuckte zusammen. Er kannte das Geräusch von zerbrechenden Tellern nur zu gut. Er blickte über seine Schulter und sah Jake inmitten eines Meeres aus zertrümmertem Geschirr.
Jake sank zusammen und kniete sich auf den Boden. Er begann die zerbrochenen Teller aufzusammeln, schien sie aber nicht halten zu können. Eine zerbrochene Schüssel rutschte ihm aus der Hand. „Mist, Scheiße, fuck!“
Instinktiv machte Tom einen Schritt nach vorn, sah die Anspannung in Jakes Schultern, das wütende Zucken in seinen Muskeln, und fühlte einen plötzlichen, intensiven Drang, der jenseits von bescheidenem Mitgefühl lag, ihm zu helfen. Aber er hielt sich zurück. Es gab keine größere Demütigung als einen Fremden, der bestätigte, welches Desaster man angerichtet hatte, und die Röte, die über Jakes Nacken kroch, sagte Tom, dass es ihm weiß Gott peinlich genug war.
Ein wütend dreinblickender Manager – der bis jetzt auffällig abwesend...




