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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 386 Seiten
Leisgang / Gerber Die Kunst des Zusammenwirkens
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-1616-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Weg zur Großartigkeit jenseits der EgoBarrieren
E-Book, Deutsch, 386 Seiten
ISBN: 978-3-7534-1616-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Menschen, Innovation und Komplexität sind seine Leidenschaft. Seit mehr als 10 Jahren leitet Tobias Leisgang globale und virtuelle Teams. Er liebt es, Menschen miteinander zu verbinden und Menschen zu helfen, Innovationen von der Idee bis zum kommerziellen Erfolg zu verwirklichen. Tobias fühlt sich wohl in der Komplexität und genießt es, wenn das Leben ihn mit Überraschungen konfrontiert. Dazu gehört auch das Entscheiden unter Unsicherheit. Normalerweise teilt er auf seinem Blog CompanyPirate Erfahrungen, Erkenntnisse und Gedanken. Manchmal kommt ein bisschen mehr zusammen und wird zu einem Buch.
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Doppelte Diamanten
Begossener Pudel
“Moin Frank!”, reißt ihn die nasal schnarrende Stimme des Pförtners aus seinen Gedanken um das Projekt ohne Namen. Der Herr mit den grauen Haaren, dem gepflegten Henriquatre und der Hornbrille lächelt wie immer freundlich und setzt damit einen Kontrapunkt zur kühlen Atmosphäre des Eingangsbereiches mit grauen Wänden und weißen Ledermöbeln. Mit einem mürrischen “Moin Heinz!” passiert Frank den Empfangstresen und verzichtet heute auf den üblichen kurzen Plausch.
Der seit Tagen anhaltende Regen drückt seine Stimmung. Am meisten ärgert Frank, dass sein Koffer noch nicht aus Dallas angekommen ist. Ohne seine lässigen grünen Nike Cortez Sneaker mit dem weißem Swoosh fehlt ihm einfach was. Frank hatte sich die Schuhe vor Kurzem im Onlineshop mit seinen Lieblingsfarben konfiguriert und mit seinen Initialen individualisiert. In der Welt der Sportartikel ist man schon bei der Produktion von Losgrösse 1 angekommen. Das wirkt sich positiv auf die Marge des Produkts aus. Auch sonst kauft Frank mittlerweile so gut wie alles online. Nur für Lebensmittel setzt er noch auf den Gang über den Markt, sowie den Bäckern und Metzgern seines Vertrauens. Er möchte einfach nicht auf ein kurzes Gespräch mit den ‘Originalen’ verzichten. Die Atmosphäre ist nicht mit der beim rationalisierten Einkauf über eine Shopseite zu vergleichen. Wie ein Onlinebusiness aussieht ist Frank klar. Wie man Direktvertrieb über das Internet realisiert, davon hat er bisher keine Ahnung. Wie Jims Erwartungen konkret aussehen, ist ihm ebenfalls unklar. Einen Anruf erspart sich Frank noch. Seinen ersten Arschtritt wird er sich schließlich noch früh genug abholen.
Seit seiner Rückkehr wühlt sich Frank durch verschiedene eCommerce Frameworks und recherchiert wie andere ein B2B Business über das Internet realisieren. In seiner Branche setzen noch alle auf den klassischen Vertrieb. Der Erste in diesem Bereich zu sein bereitet ihm Unbehagen. Braucht das jemand? Wer braucht das? Und welches Problem wird damit gelöst?
Auch am Ende dieses Tages schwirrt ihm der Kopf. Unmengen an Informationen und Daten kreisen umher. Es fehlt eine Struktur, in die sich all das Gelesene einordnen lässt.
Koffer-Hoffer
“Moin Frank! Na, immer noch traurig wegen deiner schicken Schühchen?”
Franks Stimmung ist auf dem absoluten Nullpunkt angekommen. Wie kommt er gerade jetzt auf seine Nike Treter?
“Schon recht Heinz, streu nur schön Salz in die Wunde.”
“Komm mal her, Frank.”
Mürrisch stoppt Frank seinen Marsch zum Spender des braunen Lebenselixiers und lehnt sich über den Empfangstresen.
“Ist das deiner hier?”, deutet Heinz auf einen mit Versandaufklebern gepflasterten Koffer hinter dem Empfang. Zum ersten Mal seit seiner Rückkehr aus Texas huscht Frank ein Lächeln über das Gesicht.
“Jo, sicher ist er das. Mensch Heinz, endlich habe ich meine Lieblingssneaker zurück.”
“Na siehst du. Ich bewahre ihn noch bis heute Abend hier auf und dann nimmst du ihn mit.”
Im Büro angekommen, wirft sich Frank beschwingt in den Sessel und macht sich ans Telefonat mit Srivats, dem Leiter des indischen IT Teams. Frank muss nicht lange erklären um was es geht. Jim hatte ihn bereits ins Bild gesetzt. Srivats sagt Frank auch sofort die volle Unterstützung zu. Zwei seiner besten Leute, Rajesh und Shalini, könne er für das Projekt haben. Das war nicht anders zu erwarten. Jim ist der Meister in extrinsischer Motivation. Vorauseilender Gehorsam ist da erfahrungsgemäß die beste Medizin. Yes, Jim. Sure, Jim. As you like it Jim. Das hat sich über die Jahre bewährt, um sich Leute wie Jim vom Hals zu halten.
Srivats und sein Team sind Könner im Coding von Websites. Mit eCommerce haben sie bisher nichts am Hut. Der Relaunch der Website des Unternehmens ist immer noch in vollem Gang. Es bleibt abzuwarten, wie viel Zeit die Kollegen aus Bangalore für Franks Projekt erübrigen können.
Mit dem Leiter des deutschen Vertriebs hatte Frank bisher nichts zu tun. Deshalb schreibt er eine Email. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten.
Frank,
bin gerade viel zu busy. Vereinbare bitte einen Termin mit meiner Assistentin Maja.
BR, Jan
Nach einigem Hin und Her mit Maja, kann Frank einen Termin zum Mittagessen in fünf Wochen heraushandeln. Das war nicht gerade nach Franks Vorstellung von #läuft!
Mindestens fünf Team-Mitglieder möchte Frank, um bis zum Besuch von Jim etwas Vorzeigbares vorzuweisen. Am Nachmittag konnte Frank eine halbe Stunde beim Bereichsleiter IT Deutschland ergattern. Den hatte er direkt nach seiner Rückkehr informiert. Seit seinem letzten Projekt hat er beim Chef seines Chefs beste Karten. Der Auftrag von Jim hat vermutlich sein Übriges getan.
Der Bereichsleiter empfiehlt ihm Lina, eine Entwicklerin, die schon eine ganze Weile im Unternehmen ist. Erstaunlicherweise hatte Frank bisher nie mit ihr zu tun. In der Kaffeeküche meint man, Lina sei eine schwierige Kollegin. In ihrem letzten Projekt sei ihr alles egal gewesen und die Teammitglieder lassen kein gutes Haar an ihr.
Frank muss nehmen was er kriegen kann, um zumindest den Hauch einer Chance auf das Überleben zu haben. Vier Namen stehen auf der Besatzungs-Liste. Mehr ist vorerst nicht drin. Nun ist es an der Zeit, das Projektziel zu schärfen.
Diamanten sind des Spezialisten bester Freund
Frank macht, was er immer in solchen Situationen macht. Er sucht sich den Fachmann. In seiner Firma gibt es für das Abarbeiten von Projekten ein etabliertes Vorgehen. Zunächst bestimmen Spezialisten, was zu tun ist: Lasten- und Pflichtenheft. Dann kommen die Techniker und setzen die Spezifikation um. Danach geht es in die Produktion und von dort werden die Kunden beliefert, die beim Vertrieb geordert haben. Das ist die Grundlage ihres Erfolgs. So sind sie groß geworden und erfolgreich geblieben.
Das hier ist anders. Normalerweise weiß Frank genau, was zu tun ist. Die Produkte, die er sein Team umsetzen lässt sind Weiterentwicklungen aus den Vorgängerversionen. Immer besser, immer schneller, immer günstiger in der Herstellung.
Frank hat keine Ahnung, wie er mit Jims Auftrag umgehen soll. So etwas hat er noch nicht gemacht. Er braucht Hilfe von anderen Spezialisten als denjenigen, die er sonst um sich hat. Auf der Intranet-Seite des Unternehmens findet er eine Beschreibung dessen, was das hier sein könnte. Er wendet sich an die dort aufgeführte Spezialistin für Design Thinking.
Constanze ist 29 Jahre alt, hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und ist promoviert. Das beeindruckt ihn. Was genau daran, kann er nicht sagen. Sie ist jung, gut ausgebildet und mit nachgewiesener Kompetenz. Kann da noch etwas schiefgehen? Für Frank sieht das wie eine sichere Sache aus.
Er selbst ist Ingenieur für automatisierte Verfahrenstechnik. Da wird sich schnell eine gemeinsame Sprache finden lassen. Die Worte gehen ihm flugs von der Hand, während er um einen ersten Termin bittet.
Hallo Conny,
ich habe da diesen Auftrag von Jim. Wir sollen eine Lösung finden, wie wir unsere Kunden direkt ansprechen können.
Wann können wir uns treffen?
Frank
Die Antwort kommt prompt.
Hallo Frank,
ich weiß, wir haben diese Policy. Wir sollen uns mit dem Vornamen anreden wie die Amerikaner. Da kann ich mitgehen.
'Conny' bin ich deshalb noch lange nicht für Dich.
Sorry, Frank.
Mein Kalender ist gepflegt. Bitte stell mir einen Termin ein.
Constanze
Dr. Ing. - Design Thinking Specialist
grübelt Frank während er ein Zeitfenster sucht, in dem beide noch nicht belegt sind. Der erste freie Termin ist in zweieinhalb Wochen.
Die folgenden Tage verschwinden in einer Anomalie der Lebenswirklichkeit, die im Deutschen mit dem Begriff ‘Regeltätigkeit’ bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum, der vor allem wegen seiner Raumzeitlosigkeit schwer zu erkennen ist. Diese sogenannte ‘Regeltätigkeit’ besteht darin, die Berichtswege zum stets nachrichtenhungrigen oberen Ende der Karriereleiter mit Aktivitätsbeweisen der eigenen Untergebenen zu pflastern. PowerPoint, Outlook und Excel weisen den Weg. Am Ausgang dieses Wurmlochs wartet der...




