Lübben / Spreewald (Lubin / Blota)
Die Kleinstadt Lübben ist nach Lübbenau der zweitgrößte Ort im Biosphärenreservat Spreewald. Die sanierte Altstadt, Kahnhafen und Schlossinsel mit Museum und Wasserspielplatz laden zum Verweilen ein. Von hier aus lassen sich gut Paddel- und Fahrradtouren durch Ober- und Unterspreewald starten.
Lübben ist Kreisstadt des Landkreises Dahme-Spreewald und gleichzeitig Schnittstelle von Ober- und Unterspreewald. Erster kultureller Anlaufpunkt ist das Schloss, einst Regierungssitz der Markgrafen der Niederlausitz. Die kleine Innenstadt ist überwiegend modern gestaltet und gruppiert sich um die imposante Paul-Gerhardt-Kirche, benannt nach dem berühmten Kirchenlieddichter, der hier seine letzte Wirkungsstätte hatte. Aktivurlauber finden in Lübben viele Freizeitangebote: Neben fünf Kahnhäfen gibt es einen Kletterwald, ein Freibad in der Spreelagune, und auf der Schlossinsel warten ein großer Wasserspielplatz und zahlreiche Überraschungen für Kinder. Hier, zwischen großem Kahnhafen und Schlossinsel, befindet sich auch das touristische Zentrum Lübbens mit der Tourist-Information.
Stadtgeschichte
Lübben wurde um 1150 zum ersten Mal als urbs lubin erwähnt. Der Ort entstand nicht zufällig an dieser Stelle, denn hier bündelten sich die verästelten Spreefließe zu einem relativ schmalen Flusslauf. Die Lage war entsprechend günstig für den Verkehr und Handel zwischen Unter- und Oberspreewald. Schon um 1210 erhielt Lübben die Magdeburger Stadtrechte, damit ist es neben Cottbus die älteste Stadt in der Niederlausitz.
Seit dem 15. Jh. war Lübben die Hauptstadt des Markgraftums Niederlausitz, das den sächsischen Fürsten, später Kurfürsten, unterstand. Die Stadtentwicklung wurde zwischen dem 14. und dem 15. Jh. immer wieder durch verheerende Stadtbrände, durch Plünderungen und Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg und den zweimaligen Ausbruch der Pest zurückgeworfen. In der Zeit des Wiederaufbaus nach 1648 erholte und entwickelte sich Lübben gut; es erhielt repräsentative Gebäude wie das Ständehaus und das Schloss, die beide heute noch erhalten sind.
1815 verlor Lübben seine Funktion als Hauptstadt der Niederlausitz und wurde stattdessen Kreisstadt des neu gegründeten Landkreises Lübben in der preußischen Provinz Brandenburg. Das 19. Jh. brachte viele Neuerungen mit sich: 1827 wurde Lübben zur preußischen Garnisonsstadt und erhielt mehrere Militärgebäude. Mit der Industrialisierung entstanden einige große Fabriken, 1867 bekam die Stadt einen Bahnhof und lag fortan an der Eisenbahnlinie Berlin-Cottbus.
Nur wenig ist von diesem alten Lübben heute noch erhalten. Der Hauptgrund hierfür liegt in der traurigen Rolle, die Lübben in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs spielte. Im April 1945 geriet die Stadt in den Sog der letzten entscheidenden Kämpfe zwischen den deutschen Truppen und der Roten Armee. Die SS-Einheiten versuchten zusammen mit Polizei und Volkssturm verbissen, die Stadt zu halten - ein sinnloses und zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Am 27. April war Lübben vollständig besetzt und 82 Prozent der Altstadt waren ausgebrannt, über 30 Prozent der gesamten Stadt zerstört.
Da die Bausubstanz der meisten Häuser in der Innenstadt erhalten geblieben war, wäre ein Wiederaufbau der alten Stadt durchaus möglich gewesen. Stattdessen entschied man sich in der DDR dazu, kostengünstigen Wohnraum außerhalb der Innenstadt zu schaffen. Daher gehören auch Plattenbau-Siedlungen zum Stadtbild. Den Schutt der zerstörten Altstadt trug man in dem Bereich zusammen, auf dem sich heute die Schlossinsel befindet. Inzwischen hat sich einiges in Lübben verändert. Mit Landesklinik, Spreewaldklinik und Reha-Zentrum sind mehrere große Gesundheits- und Sozialeinrichtungen mit vielen Arbeitsplätzen entstanden. Zwischen 2004 und 2011 wurde die Innenstadt rund um den Marktplatz und die Paul-Gerhardt-Kirche neu gestaltet. Mit der Schlossinsel und der Spreelagune hat man attraktive Freizeiteinrichtungen für Einheimische und Besucher geschaffen.
Sehenswertes in der Innenstadt
Großer Hain: Wer mit dem Zug nach Lübben kommt, durchquert auf dem Weg zum Stadtzentrum den Großen Hain. Er besteht aus dem Rest eines Auwaldes und gleicht besonders im Sommer einem Dschungel. Seltene Bäume und über 220 Stieleichen mit einer Höhe von bis zu 30 m sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre, die man im Verlauf zahlreicher Spazierwege auf sich wirken lassen kann. Das mystische Herz dieses Hains ist der Liuba-Stein. Gewidmet ist er der sorbischen Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Liuba, deren Präsenz sich auch im Namen der Stadt, niedersorbisch Lubin, niederschlägt. An der Stelle des Steines soll sich einst eine Kultstätte befunden haben, an welcher der Liuba geopfert wurde.
Paul-Gerhardt-Kirche mit ihrem Namensgeber
Evangelische Paul-Gerhardt-Kirche: Wahrzeichen von Lübben ist neben dem Schloss die imposante Paul-Gerhardt-Kirche am Marktplatz. Markant ist der weiße Kirchturm mit achteckigem Aufsatz, der einen schönen Kontrast zum unverputzten Kirchengebäude aus Backstein bildet. Der erste Kirchenbau geht vermutlich auf die Zeit um 1300 zurück. Ältester sichtbarer Bestandteil der Kirche ist der Turm, der im 15. Jh. neu errichtet wurde, das Kirchenschiff entstand Anfang des 16. Jh.
Betritt man die Kirche, wird man im Rahmen des Portals von sechs Persönlichkeiten der evangelischen Kirche empfangen, darunter Martin Luther und Johann Sebastian Bach. Diese Darstellung stammt von 1931, als der ursprüngliche Eingang zur Kirche geschlossen und das Turmportal neu errichtet wurde. Freunde von historischem Kircheninventar werden sich an dem Altar, der Kanzel und dem Taufbecken aus dem 16. und 17. Jh. erfreuen.
Ursprünglich war die Kirche dem heiligen Nikolaus gewidmet. Früher wurde sie auch „Deutsche Kirche“ in Abgrenzung zur sorbischen/wendischen Kirche genannt, die heute nicht mehr existiert. Ihren aktuellen Namen erhielt sie ebenso wie das neue Portal erst 1931. Er erinnert an den berühmten Kirchenlieddichter Paul Gerhardt, der von 1669 bis 1676 hier seine letzte Anstellung hatte. Seine Skulptur thront vor dem Kircheneingang. Innen ist er auf einem Ölgemälde und auf einem Bleiglasfenster abgebildet.
? Den Turm mit seinen 115 Stufen kann man zwischen April und Okt. während einer Führung mit der Türmerin Vera Städter besteigen. Öffentliche Führung Mo und Do 10 Uhr, 8 € p. P., Ermäßigungen. Anfragen unter Tel. 0162-8001033, tuermerin-luebben@gmx.de. Der Kirchenlieddichter Paul Gerhardt
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud / in dieser lieben Sommerzeit / an deines Gottes Gaben.“ - Wer mit dem evangelischen Gesangbuch vertraut ist, kennt diese Zeilen und ihre Melodie. Katholiken finden seit 2013 das nicht weniger bekannte Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“ im Gotteslob. Das sind nur zwei von insgesamt 134 geistlichen Liedern des Theologen Paul Gerhardt (1607-1676), der seine letzte Wirkungsstätte in Lübben hatte.
Der junge Paul Gerhardt, im heutigen Sachsen geboren, war ein klassischer Langzeitstudent. Er studierte in Wittenberg und in Berlin Theologie und blieb bis zu seinem 44. Lebensjahr ohne feste Anstellung. Dafür nutzte er die Zeit unter anderem für schriftstellerische Tätigkeiten und verfasste viele Lieder, die ihn später berühmt machen sollten. Seine Texte sind geprägt von einer schlichten Frömmigkeit und vermitteln ein tröstliches Gegengewicht zu den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, der seit Gerhardts Kindheit in den deutschen Landen tobte.
Gerhardts erste berufliche Station war das Amt des Probstes in Mittenwalde von 1651 bis 1657. Anschließend wirkte er als Diakon in der Berliner St.-Nikolai-Kirche. Hier wurde Gerhardt, der mittlerweile eine beträchtliche Anzahl an Liedern gedichtet hatte, sozusagen entdeckt: Der Komponist und Kantor von St. Nikolai, Johann Crüger, hatte bereits 1640 das „erste Gesangbuch Augsburgischer Konfession“ veröffentlicht. Nun stattete er Gerhardts Lieder mit passenden Melodien aus und druckte einige davon in der zweiten Auflage ab. Crügers Nachfolger in St. Nikolai, Georg Ebeling, war nicht minder begeistert von Gerhardts Texten. Auch er komponierte dazu Melodien und veröffentlichte 1667 sogar eine Gesamtausgabe seiner Lieder.
1667 musste Gerhardt sein Amt in Berlin aufgeben. Er war nämlich während der Streitigkeiten zwischen den evangelischen Kirchen in die Ungnade des Kurfürsten gefallen. Dieser verlangte, dass die Lutheraner, denen auch Gerhardt angehörte, ein Toleranzedikt unterzeichneten, in dem sie die reformierte evangelische Kirche anerkannten. Gerhardt aber weigerte sich und zahlte mit seiner Entlassung.
Zwei Jahre später, 1669, folgte er dem Ruf nach Lübben und trat dort die Stelle als Archidiakon an, d. h. als zweiter, dem Pastor unterstellter Theologe der Gemeinde. Hier verbrachte er seine letzten Jahre. Insgesamt führte Paul Gerhardt ein ruhiges Leben, dessen dramatischer Höhepunkt (neben dem Verlust mehrerer Kinder) wohl seine Amtsenthebung in Berlin war.
Was bleibt, sind seine Lieder. Bereits im 18. Jh. fand man sie in allen deutschen evangelischen Gesangbüchern. Dank ihres volkstümlichen Charakters, der schlichten Sprache und der Zeitlosigkeit ihrer Texte werden sie nun schon seit über 350 Jahren gesungen.
Schloss...