Lembcke | Zebras im Sfumato | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Lembcke Zebras im Sfumato


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-8334-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-7534-8334-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Beobachtungen. Beschreibungen. Ein plein-air-Skizzenbuch gesellschaftlicher Veduten in Zeiten einer unpräzedenten Virus-Pandemie. Schroffe Eindrücke, dann wieder emotional. Sprachlich prägnant, dann wieder unscharf; mal Zebra, mal Sfumato. Berührendes und Demaskierendes im Kontext von Abstand und Masken. Ein gesellschaftkritisches, auch ein politisches Buch, das in stetem Bezug zur Medizin steht und damit hilft, zu verstehen, was Sars-CoV-2 so widersprüchlich erscheinen lässt. Kein Rezeptbuch, keine fertigen Lösungen. Nur ein unsachliches Sachbuch; eine Aufforderung, nachzudenken und eine Handvoll gedanklicher Puzzlesteine, die dies erleichtern.

Prof. Dr.med. Bernhard Lembcke blickt auf eine erfolgreiche medizinische Laufbahn als Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe, Hochschullehrer und Chefarzt einer Klinik zurück. U.a. wurde er mit dem Silbernen Ehrenbecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe sowie der Ernst-von-Bergmann-Plakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet. Nach Beendigung seiner unmittelbaren medizinischen Tätigkeit begann er, medizinisch geprägte, gesellschaftskritische Texte zu verfassen, die ärztliche Einblicke in das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen ebenso beinhalteten wie Einblicke in ärztliche Haltung und Denkweisen (u.a. Aeskulaps Rhapsodie, Aeskulaps Graffiti...zuletzt Aeskulaps Ripasso). Das aktuelle Buch 2020/2021, Zebras im Sfumato, nimmt Bezug auf die Corona-Pandemie und versteht sich damit als Begleiter in einer schwierigen Zeit, für die wir selbst kaum Erfahrungswerte kennen und für die das Können und Wissen der Erfahrenen dennoch so bedeutsam ist.
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Quarantäne


„Niemand ist eine Insel“ (ein erfolgreicher Roman von Johannes Mario Simmel), aber Inselstaaten wie Australien, Neuseeland oder Großbritannien verfügen über deutlich rigorosere Möglichkeiten, dem unerwünschten Zustrom an Migranten wie auch dem Import epidemiologisch relevanter Erkrankungen entgegenzuwirken. Auf lange Sicht muss das kein Vorteil sein, wie das Dahinraffen ganzer Bevölkerungen in Ozeanien infolge Einschleppung indigen völlig unbekannter Erkrankungen wie durch die europäischen „Entdecker“ aufzeigt. Und der isolatorische Gestus der geographischen Lage ist bei weitem kein Schutz, wie das traurige Beispiel Großbritanniens im Gefolge einer Johnsonesken Fehleinschätzung der Bedrohungslage durch Covid-19 ausweist.

Eingrenzung ist immer auch Ausgrenzung.

Ohne Hintergrundwissen und in heutiger Pienzigkeit: . Dabei war das bei den Mauern mittelalterlicher Städte so und es ist bei der des PC so. Und derartige Ein- wie Ausgrenzung ist immer prioritär .

nennt es die Medizin seit dem 14. Jahrhundert mit Bezug auf eine einst schematisch 40-tägige Dauer als Schutzmaßnahme gegen die Übertragung der Pest, heute adaptiert an die Inkubationszeit des jeweiligen Erregers (oder die hysterischen Befürchtungen potentiell Anzusteckender).

. So gelang es 1918 Australien, sich dergestalt vor der weltweiten Pandemie der sog. effektiv zu schützen. Die aktuelle, rigorose Abschottung Australiens gegenüber unerwünschten nimmt diese Erfahrung offensichtlich strukturell penetrant auf, -wenngleich ohne intellektuelle Nuancierung oder die Empathie humanitär geleiteter Erwägungen.

Die Dominanz des Neins überwiegt die Solidarität des Seins. Im politischen Rahmen hieß das einst .

Was wir durch die „Corona-Krise“ erleben, sind die tief reichenden Auswirkungen einer oberflächlichen Welt, die sich (und in der sich jeder) als Rahm fühlen wollte, die aber dabei mächtig ins Schwimmen geraten ist, weil ihr die Bodenhaftung fehlt. Die hierfür notwendige, reale und gerichtete Kohärenz kann nicht durch virtuelle, vermeintliche Konnektivität ersetzt werden. Der Versuch, in einer Welt auf zu verzichten, Struktur präferentiell durch volatile Visionen anstelle auf dem Boden solider Infrastruktur zu gestalten, dieser Versuch hat eine aufgeblähte Abgehobenheit hervorgebracht, die wie ein missglücktes Soufflé kollabiert ist. Und so suchen wir denn nach der Stecknadel im Heuhaufen des .

Auf hohem Niveau Wehzuklagen suggeriert a) ein hohes Niveau, b) den unterschwelligen Hinweis, es (noch) besser zu können und schließlich c) Virtuosität (auch) im Wehklagen. Gut, die Chance / das Risiko, dass uns Sars-CoV-2 mit der ihm innewohnenden Covid-19-Aggressivität ebenso tödlich trifft, wie die Menschen in China oder Oberitalien (er)scheint geringer, wenngleich ganz sicher nicht vernachlässigbar.

Positiv betrachtet hat die Epidemie aber als ein Weckruf deutlich gemacht, in diesem Stresstest blankliegen. Sie hat auch offengelegt, wie leicht die Wesenszüge einer vermeintlich aufgeklärten und gebildeten Gesellschaft „panisch“, zumindest aber irrational entgleisen können; weniger im ruhigeren Mainstream, aber doch quantitativ (und qualitativ) überraschend. In Bezug auf gesellschaftliche, alltagstaugliche Sicherheit ein derartiger (sorry) „“, dass nicht nur die Regale mit Toilettenpapier leergefegt sind. Nicht etwa wegen Durchfalls, sondern (nochmals sorry) „. .

Diese Epidemie hat überdies gezeigt, wie klein die Welt geworden ist. Auch, wer auf / von ihr verdrängt wird, wenn es eng wird: .

Und die, die etwas wagen, wie Kleinunternehmer, die in ihre Selbstständigkeit investiert haben sowie die Wagemutigen, die sich in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Praxen erkrankter Patienten angenommen haben und dies in erschreckend hoher Zahl mit eigener Covid-19-Erkrankung und mitunter mit dem Tod bezahlt haben.

Wie leicht es dazu kommen kann, eine Infektion durch die medizinische Betreuung von hochkontagiösen Patienten selbst zu acquirieren / erleiden, weiß jeder erfahrene Arzt, oft genug aus eigener Erfahrung / Betroffenheit. Wie es aussieht, wenn man eine derartige Infektion definitiv bestmöglich vermeiden will, weiß jeder Fernsehzuschauer, der anlässlich von oder auch in den vergangenen Jahren Bilder aus dem Umfeld virologischer Hochsicherheitslabors, z.B. auf der Ostsee-Insel Rehn, gesehen hat. Die Diskrepanz zu den eigenen Schutzmöglichkeiten nährt Ängste, das Gefühl, nicht ausreichend gewappnet zu sein, befeuert Panik.

So eine Panik gedeiht auf Unwissen, Irrtum und dem Mist medialer Wiederholungen und Manipulation.

So entsteht eine Angst vor der Angst, berechtigte Angst durch unberechtigte Angst , das apokalyptische Prinzip einer Explosion in durchdringender Verwirrung.

Gut, dass ich noch ein paar gedankliche Konserven einer guten „alten“ Zeit aufgehoben habe. Und ein paar erleuchtende / erhellende Kerzen, falls irgendwas oder irgendwer das Licht ausknipst.

Die ist die Zeit, an deren gute Momente sich die Älteren noch erinnern wollen, weil sie eine überschaubare Ordnung, Nachvollziehbarkeit und analoge wie proportionierte Relationen beinhaltete, bisweilen auch eine Zeit, von der sie schon früher geträumt haben. Selten ist es wohl Zeit, die sie prägend als gut wahrgenommen haben, eher Zeit, durch die sie einst schlurften, ohne ihre Nachteile (und vielleicht auch einige Vorzüge) zu bemerken.

Alter ist daher auch so etwas wie Quarantäne. Nicht räumlicher, sondern zeitlicher Abstand: also mindestens 40 Jahre Reifung, auch Fermentation und Sedimentation von Schwebstoffen, - Leben im Barrique.

Viele Menschen werden im Alter milder, ausgeglichener und sind mit sich und der Welt im Reinen, wenn sie am Ende ihres Lebens angekommen sind. Sie gehen in Frieden. Und dann gibt es die Alten, die die Veränderungen, die sie bis in die Gegenwart begleitet haben, derart missbilligen, dass sie nicht unglücklich sind, dieser Welt den Rücken zu kehren.

So gehen diese ebenfalls in Frieden.

Wenn nicht im Frieden mit der Welt, so doch auf Distanz zu ihr und im Frieden mit sich. Das ist es wohl, was uns das urvertrauende Wort sagen will: .

In der Coronakrise erscheint zwischen den Menschen als Königsweg der Infektionseindämmung. Bleibt die Frage, was zwischen den Menschen alles bewirken könnte. Innehalten, Ruhe bewahren und Luftholen?

Soviel Kontemplation erscheint uns sichtlich fremd. Schockstarre, Hektik und Hecheln kommen da der Gegenwart deutlich näher.

Gut, wenn man dann nicht über Souveränität sinnieren muss. Auch der Souverän, gemeint ist „das Volk“, ist hier definitiv überfordert. ist dabei Melioration, aber ein gängiger Begriff. und wären Synonyma, aber eben ungern wahrgenommene. Nur wahr.

Andererseits erkennen gerade sehr kluge Menschen in dieser Situation, dass sie „“ sind (Dr. Svenja Flasspöhler, Philosophin bei maybrit illner, 12.3.2020). , das nuancierte und sensible Erkennen einer Überforderung des individuellen Bemühens um mündige Eigenverantwortlichkeit, hört sich schon mal bewundernswert einsichtig an. Aber ist das dann noch Mündigkeit?

Ich betrachte es als eine Erschütterung, die ein ideologischgrundsätzliches Beharren auf eigener Mündigkeit insofern infrage stellt, als sie das individualistische Prinzip unter Verweis auf Naturgewalten und Grundsätze der Biologie (und in diesem Kontext auch auf Seuchen und Krankheiten) redimensioniert. So etwas nennt man wohl . Und . Erschütterung und Redimensionierung bedeutet denn auch nicht, dass Mündigkeit hier fehl am Platz wäre. Im Gegenteil. Mündigkeit im Konnex mit Urteilsfähigkeit ist die Grundlage von Verantwortung, verantwortlichem Handeln. Erschütterung und Redimensionierung stellen diese nur auf eine (sinnvoll) neu justierte Grundlage.

Ein Kirchenlied bei Beerdigungen trägt den Titel „“ und die ergreifende Melodie wie auch der ergreifende Text vom Ergreifen der Hände entfalten in der gemeinschaftlichen und der intimen, persönlichen Trauer um unsere Verstorbenen die ihnen zugedachte Bedeutung und Resonanz. Dabei übersehen wir gern, dass wir uns auch in beschwerlichem Alltag, speziell aber in belastenden,...



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