Lempke | Klassenmord | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 258 Seiten

Reihe: Regional-Krimi

Lempke Klassenmord

Mord in Bonn
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-945152-01-0
Verlag: Lempertz Edition und Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mord in Bonn

E-Book, Deutsch, 258 Seiten

Reihe: Regional-Krimi

ISBN: 978-3-945152-01-0
Verlag: Lempertz Edition und Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Ihr tat höllisch der Kopf weh, als sie aufwachte. Schwindlig war ihr auch. Dann merkte sie, dass sie irgendwo auf dem Bauch lag. Sie schaute auf die weißen Eisenschnörkel ihres Bettgestells; ihre Hände waren daran festgebunden. Mit Klebeband. Über ihrem Mund klebte auch etwas. Es war schon dunkel draußen. War sie so lange bewusstlos gewesen? Auch im Zimmer war es dunkel, durch die Dachfenster fiel nur Licht von den Straßenlaternen. Was war hier los? Ein Raubüberfall?
Plötzlich hörte sie, dass sie nicht allein im Zimmer war. Sie versuchte den Kopf zu drehen, aber das war schwierig. Und dann setzte sich jemand auf ihren Rücken! Wer war das, und was sollte das?!
Das begriff sie drei Sekunden später, als jemand beide Hände auf ihren Hinterkopf drückte, so dass ihr Gesicht im Kissen versank und sie keine Luft mehr bekam..."

Innerhalb weniger Wochen werden in Bonn vier junge Frauen ermordet, alle auf die gleiche Weise: ein Schlag auf den Kopf, erstickt, vergewaltigt, bizarr zur Schau gestellt. Ein Serientäter? So sieht es aus, doch den beiden Hauptkommissaren Andreas Montenar und Sascha Piel von der Bonner Mordkommission kommen im Laufe der Ermittlungen mehr und mehr Zweifel.

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Kapitel 1


Bonn, Rheinpromenade
Samstag, 7. Mai
17.25 Uhr


Die Sonne kam hinter weißen Wolken hervor, und schon wurde es heiß.

Viktoria suchte nach einer Bank im Schatten für eine kleine Pause, denn sie musste sich erholen. Erstens von der vielen Lauferei, und zweitens von Dennis’ Frage. Herrgott, der Mann war immer so direkt!

Gott sei Dank, da vorne, eine Bank, auf der noch niemand saß. Heute war aber auch die halbe Stadt auf den Beinen: Am Abend stand Rhein in Flammen auf dem Programm, und viele Leute schienen sich schon jetzt einen guten Platz zum Zuschauen sichern zu wollen. Viktoria setzte sich.

„Vicky, meinst du nicht, du könntest mir langsam mal eine Antwort geben?“, nörgelte Dennis, der sich nicht zu nah neben sie gesetzt hatte.

Viktoria lehnte sich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute einem Ausflugsdampfer hinterher.

„Ich finde, du solltest meine Bedürfnisse respektieren!“, verlangte sie mit Nachdruck und schlug die Beine übereinander. Vielleicht hätte sie doch Strümpfe anziehen sollen.

„Himmel noch mal, Vicky!“ Dennis’ Stimme bekam einen ungeduldig aggressiven Unterton. „Ich tu doch schon den ganzen Tag nichts anderes, als mich um deine Bedürfnisse zu kümmern! Wir wollen dieses Jahr heiraten, da kann man doch wohl mal übers Zusammenziehen nachdenken!“

Darauf antwortete Viktoria nicht. In letzter Zeit plagten sie immer öfter Zweifel, ob die Heirat überhaupt eine gute Idee war. Oder der Plan mit der gemeinsamen Praxis. Was, wenn sich nach ein paar Monaten herausstellte, dass sie mit dem Egozentriker neben ihr nicht klarkam?

Viktoria drehte den Kopf und musterte ihn, während er das gegenüberliegende Ufer zu hypnotisieren schien.

Von der Seite sah er noch jünger aus: beinah wie Mitte 20, dazu passend sein längeres Haar, ganz der rebellische Teenager! Dabei war er eher konservativ statt aufgeschlossen, eher steif statt charmant. Gut, er hatte Manieren und trug außerhalb der Klinik immer schicke Anzüge. Gut, er war kompetent und verfügte über eine ausgezeichnete Allgemeinbildung. Aber reichte das?

Viktoria hielt sich selbst für eine schöne, starke Frau, die auf ihrem Fachgebiet schon so einiges geleistet hatte und dafür bewundert werden wollte. Jawohl, sie wollte bewundert, wenn nicht gar angebetet werden! Aber das tat Dennis nicht!

Sie hatte über einen Kompromiss nachgedacht, mit dem sie sich gegen Überraschungen absichern konnte, und jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, Dennis mit ihren Überlegungen zu konfrontieren!

„Du, hör mal, ich will dir einen Vorschlag machen.“

Dennis wandte ihr das Gesicht zu, und seine grünblauen Augen blickten kühl. Er sagte nichts.

„Also, Folgendes …“ Viktoria räusperte sich und wich seinem Blick aus. „Ich habe einen Drei-Stufen-Plan für unsere Beziehung aufgestellt.“ Er war brillant, dieser Plan. „Erste Stufe, wir eröffnen im Sommer unsere Gemeinschaftspraxis; zweite Stufe, wenn das gut läuft, ziehe ich mit dir zusammen, und wenn auch das, dritte Stufe, gut läuft, heiraten wir.“ Sie sah ihm wieder in die Augen. „Was hältst du davon?“

Mit dem, was dann passierte, hatte Viktoria nicht gerechnet: Dennis wandte sich wortlos ab, griff nach seinem Jackett, stand auf und ging nach links davon. Schnell und ohne sich umzusehen!

Viktoria rührte sich erst einmal nicht. Sein Verhalten war so ungeheuerlich, dass sie es kaum fassen konnte. Das war ja … also, das war … das war die unverschämteste Respektlosigkeit, die ihr je widerfahren war! Hatte sie geträumt? Aber dort hinten, im Schatten einiger großer Bäume, eilte er davon, mit großen Schritten, die Jacke über die Schulter geworfen, kein einziges Mal zurückblickend. So hatte er sie noch nie behandelt!

Viktoria merkte, dass sie zitterte. War es die kühle Bank – oder die Wut, die in ihr hochkochte?

Sie stand auf und ging in die andere Richtung, weg von Dennis. Das herrliche Wetter, die wunderschöne Aussicht, die vielen Menschen um sie herum, das alles nahm sie nicht mehr wahr; in ihrem Kopf gab es nur Tumult sowie die Erkenntnis, dass es völlig richtig gewesen war, nicht mit einem Mann zusammenzuziehen, den sie augenscheinlich gar nicht kannte! Wie gut für alle Beteiligten, dass sie es angesprochen hatte!

Viktorias Schritte wurden schneller und energischer in dem Maß, in dem ihre Wut weiterwuchs, und so marschierte sie schließlich in unerfreulichen Gedanken gefangen am Rhein entlang, bis sie merkte, wo sie war: Du lieber Himmel, wie viele Kilometer war sie gelaufen? Nicht weit entfernt spannte sich die Südbrücke über den Rhein. Viktoria stand praktisch schon mit einem Bein in der Rheinaue! Von dort hörte man Musik; wahrscheinlich waren sämtliche Wiesen voll mit feiernden Menschen. Und jetzt fielen ihr auch noch ein paar andere Dinge auf: schmerzende Füße in Schuhen, die nicht zum Marschieren geeignet waren, ein furchtbarer Durst, der möglichst schnell gelöscht werden musste, und ein Himmel voller sehr dunkler Wolken, der in den nächsten Minuten einen Platzregen befürchten ließ. Und natürlich hatte sie keinen Schirm mitgenommen. Nichts wie nach Hause!

Viktoria eilte, so rasch sie konnte, von der immer noch gut besuchten Uferpromenade fort in Richtung Stadt. Als die ersten dicken Tropfen vom Himmel fielen, tauchte vor ihr das Johanniter-Krankenhaus auf, in dem sie vor acht Jahren als Assistenzärztin gearbeitet hatte. Schnell ins Trockene!

In der Cafeteria holte sie sich etwas zu trinken, bestellte sich schließlich ein Taxi und ließ sich nach Hause bringen. Sie hatte viel Zeit zum Nachdenken gehabt und war mittlerweile zu dem Ergebnis gekommen, dass sie den Plan mit der Gemeinschaftspraxis aufgeben bzw. sich einen anderen Partner suchen würde.

Viktoria bezahlte den Fahrer und stieg in der Poppelsdorfer Allee aus dem Wagen. Der Regen hatte so gut wie aufgehört, trotzdem war kaum etwas los auf der Straße. Viktoria sah auf die Uhr: tatsächlich schon 19.55!

Am Himmel zogen neue Regenwolken auf. Inzwischen war ihr richtig kalt. Sie eilte die vier Stufen zur Haustür empor, hörte, wie das Taxi davonfuhr, steckte den Schlüssel ins Schloss, nahm den Duft von süßlichen Blüten wahr, die neben der Treppe wuchsen, schob die Tür ein Stück auf, während sie den Schlüssel herauszog, und war mit einem Mal felsenfest davon überzeugt, dass jemand hinter ihr stand. Als sie sich umdrehen wollte, traf etwas sehr Massives ihren Kopf.

Ihr tat höllisch der Kopf weh, als sie aufwachte. Schwindlig war ihr auch. Dann merkte sie, dass sie irgendwo auf dem Bauch lag. Sie schaute auf die weißen Eisenschnörkel ihres Bettgestells; ihre Hände waren daran festgebunden. Mit Klebeband. Über ihrem Mund klebte auch etwas. Es war schon dunkel draußen … War sie so lange bewusstlos gewesen? Auch im Zimmer war es dunkel, durch die Dachfenster fiel nur Licht von den Straßenlaternen. Was war hier los? Ein Raubüberfall?

Von draußen war auf einmal ein unregelmäßiges Knallen zu vernehmen. Das Feuerwerk. Plötzlich hörte sie, dass sie nicht allein im Zimmer war. Sie versuchte den Kopf zu drehen, aber das war schwierig. Und dann setzte sich jemand auf ihren Rücken! Wer war das, und was sollte das?! Das begriff sie drei Sekunden später, als jemand beide Hände auf ihren Hinterkopf drückte, so dass ihr Gesicht im Kissen versank und sie keine Luft mehr bekam.

*
Bonn, Polizeipräsidium
Mittwoch, 11. Mai


Kurz nach dem Mittagessen meldete sich die Zentrale bei Andreas.

„Da kam gerade ein Anruf von einer Frau Weich rein, die ist in einem Haus in der Poppelsdorfer Allee und hat ’ne weibliche Leiche gefunden. Ich hab schon ein paar Kollegen hingeschickt, die in der Nähe waren.“

„Danke. Wir sehen uns das mal an.“ Andreas gab die Information an Sascha weiter, der sofort aufsprang und sich das Jeansjäckchen über sein kiwigrünes Poloshirt zog.

Noch auf dem Weg nach unten fragte er scheinheilig: „Nehmen wir Renate mit?“

Andreas tat erst einmal, als habe er Saschas Anspielung nicht verstanden. „Nein, sie fährt wie immer bei Peer, Wilfried und Walter mit.“

„Ach so.“

Draußen war das Wetter, wie es sich eigentlich für den April gehörte: mal Sonne, mal Wolken, mal Platzregen mit Hagel. Andreas war es auf jeden Fall zu kalt.

Sascha warf sich hinters Steuer und fuhr los. Kaum waren sie auf der Südbrücke, als er herausplatzte: „Mensch, nun erzähl doch mal was von dir und Renate! Von euch beiden erfährt man ja kein Sterbenswörtchen!“

Andreas war zufrieden. „Ja, die Frau kann schweigen. Sonst hätte ich mich auch gar nicht auf sie eingelassen.“

„Aha, du hast dich auf sie eingelassen. Wie passt ihr denn so zusammen?“, bohrte Sascha weiter.

Andreas hatte nicht vor, die Frage zu beantworten. Es...



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