E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Lennox Küsse für die Traumfrau
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0601-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0601-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
So viele Jahre sind vergangen - und immer noch ist Ginny seine Traumfrau! Wie gerne würde Ben seine ehemalige Jugendliebe ohne ein einziges Wort in seine Arme ziehen! Doch die Schatten der Vergangenheit bedrohen sein Glück mit Ginny ein zweites Mal ...
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1. KAPITEL
Erdbebenwarnungen. Hysterie. Nur ein einziger Arzt vor Ort. Ben McMahon war schon im Normalfall mehr als ausgelastet, doch im Augenblick hatte der Tag einfach nicht genügend Stunden. Er schaffte es nicht mehr, all seine Patienten zu behandeln, und seine Praxis versank von Tag zu Tag mehr im Chaos.
Dies war umso ärgerlicher, als dass er ständig daran denken musste, wie einfach die Lösung wäre. Es gab nämlich durchaus noch eine weitere Ärztin auf Kaimotu Island. Leider hatte sie beschlossen, nicht mehr zu praktizieren. Bis jetzt hatte Ben Ginnys Entscheidung respektiert, doch falls Squids Warnungen berechtigt waren, würde er sie schon bald um Hilfe bitten müssen.
Das letzte Mal, als Ben Guinevere Koestrel um etwas gebeten hatte, war er vor ihr auf die Knie gesunken. Mit der Ernsthaftigkeit eines bis über beide Ohren verliebten Siebzehnjährigen hatte er damals um ihre Hand angehalten.
Warum auch nicht?
Seit ihrem achten Lebensjahr waren sie Freunde gewesen. Damals hatten Ginnys Eltern das wunderschöne Weingut auf der Insel als Ferienhaus gekauft, und Bens Mutter war als Kinderfrau für Ginny engagiert worden.
Gemeinsam hatten Ben und Ginny die Insel unsicher gemacht, waren umhergestreift, schwimmen und surfen gegangen. Sie hatten sich gestritten, wieder vertragen und waren beste Freunde gewesen.
Doch während dieses letzten Sommers hatten ihre Hormone plötzlich verrückt gespielt. Ben konnte sich noch gut an den verhängnisvollen Abend erinnern, an dem er ihr seinen Antrag gemacht hatte. Ginny hatte ein wunderschönes Kleid getragen, das ihre reichen Eltern ihr eigens für den Neujahrsball auf der Insel gekauft hatten. In seinem schlecht sitzenden, von einem Nachbarn geliehenen Anzug hatte er in der Halle auf sie gewartet, und ihr Anblick hatte ihm den Atem verschlagen.
Immer wieder hatte er sich gesagt, das Gerede von den sozialen Unterschieden wäre lächerlich und würde Ginny und ihn auf keinen Fall davon abhalten, für immer ein Paar zu bleiben.
Sie konnte doch einfach statt in Sydney in Auckland Medizin studieren. Mit ihm zusammen. Er wollte ebenfalls Arzt werden und hatte ein Stipendium an der Auckland Medical School gewonnen. Wenn er nachts irgendwo arbeitete, würden sie es schon schaffen. Hauptsache, sie waren zusammen.
Doch Ginny hatte ihn nur traurig angelächelt und ihm erklärt, dass er offenbar den Verstand verloren hatte. Ihr Leben fand in Sydney statt. Die kleine neuseeländische Insel war für sie und ihre Eltern lediglich ein Ferienziel. Und abgesehen davon, hatte sie nicht die Absicht, einen Mann zu heiraten, der sie Carrots nannte.
Diese Unterhaltung hatte vor zwölf Jahren stattgefunden. Schon vor langer Zeit hatte Ben das Trauma seiner verschmähten Teenager-Liebe überwunden, aber nun musste er ihr wieder gegenübertreten. Ginny war vor sechs Monaten auf die Insel zurückgekehrt. Sie hatte unmissverständlich klargemacht, dass sie ihre Ruhe haben wollte, doch sie war Ärztin, und die kleine Inselgemeinde brauchte dringend medizinischen Beistand. Jetzt. Deshalb war er zu ihr gefahren – auch wenn ihr Anblick in ihm alle möglichen lange verschütteten Emotionen auslöste.
„Ginny, ich brauche dich.“
Leider kannte er ihre Antwort bereits. Ginny stand inmitten ihrer Rebstöcke, bewaffnet mit einer großen Spritze, und sah ihn ungeduldig an.
„Es tut mir leid, Ben, aber ich habe nicht vor, wieder als Ärztin zu arbeiten. Und ich werde auch nicht in deine Klinik kommen. Wenn ich diese Rebstöcke nicht spritze, riskiere ich Schwarzfäule. War es das?“
Geschäftig besprühte sie einen weiteren Rebstock – ohne dabei sonderlich professionell vorzugehen, denn sie setzte viel zu hoch an und vergeudete somit mehr als die Hälfte des Pflanzenschutzmittels.
Wortlos nahm Ben ihr die Spritze ab und richtete den Strahl auf das untere Ende der Pflanze, um gezielt Blätter und Stamm zu behandeln.
„Impfungen gehören zu meinem Spezialgebiet“, erklärte er lächelnd und versuchte, seine alberne Befangenheit abzuschütteln. Bestimmt lag es nur an den gemeinsamen Erinnerungen. „So, du warst ein sehr braver Rebstock. Und es hat überhaupt nicht wehgetan, oder?“ Grinsend sah er die verblüffte Ginny an. „So redet man nun einmal mit Patienten, Carrots. Haben sie dir das auf deiner Elite-Uni in Australien nicht beigebracht?“
Ginny wurde rot. „Lass den Quatsch, Ben! Und wag es ja nicht noch mal, mich Carrots zu nennen! Mein Haar ist nicht orange, es ist kastanienbraun!“ Und mit einem wütenden Schwung warf sie ihre leuchtend roten Locken in den Nacken.
„Na gut, dann eben Dr. Ginny.“
„Ich bin keine Ärztin mehr! Ab jetzt bin ich Winzerin.“
„Es ist mir egal, was du gerade sein möchtest.“ Ben war wieder ernst geworden. „Du hast Medizin studiert, und ich bin in einer Notlage. Es hat über ein Jahr gedauert, bis wir eine Nachfolgerin für Dr. Reg gefunden hatten. Dr. Catherine Bolt war zwar auf den ersten Blick sehr nett und kompetent, doch dann hat ein winziges Erdbeben gereicht, und sie hat sich umgehend aus dem Staub gemacht.“
„Du veräppelst mich.“
„Nein, das tue ich nicht.“ Traurig dachte Ben daran, wie glücklich er gewesen war, als Catherine das Angebot auf Kaimotu angenommen hatte. Und wie sehr ihre Abreise ihn entsetzt hatte.
Ohne sie war er wirklich aufgeschmissen.
„Für Neuseeländer sind Erdbeben nichts Besonderes. Unsere Heimat hat nicht aus Versehen den Beinamen Zitternde Inseln. Doch Squid hat es in der letzten Zeit mit seiner Schwarzmalerei ein bisschen übertrieben. Ohne jeden wissenschaftlichen Beweis beharrt er darauf, dass ein schreckliches Beben bevorsteht. Abgesehen davon, dass meine zweite Ärztin weg ist, hat er die Insulaner so aufgescheucht, dass jeder noch schnell seine Medikamentenration für die nächsten Monate zu Hause bunkern möchte. Der Ansturm auf mein Wartezimmer ist unglaublich.“
Ginny lächelte schwach. „Du brauchst mich also, um die Apokalypse vorzubereiten?“
„Unsinn! Es gibt keinen vernünftigen Grund, mit einem großen Beben zu rechnen“, widersprach Ben betont ruhig. „Aber leider gibt es eine Hysterie. Bitte, Ginny, hilf mir!“
„Tut mir leid, Ben. Aber ich kann nicht.“
„Warum zum Teufel hast du Medizin studiert, wenn du dann niemandem helfen willst?“
„Das geht dich nichts an.“
Verwundert schaute er sie an. Dies war nicht mehr die Frau, der er vor zwölf Jahren einen Antrag gemacht hatte. Seine Mutter hatte angedeutet, dass Ginny eine schwierige Zeit hinter sich hatte. Eine tragische Ehe. Aber trotzdem …
Was mochte geschehen sein? Sie war unglaublich privilegiert aufgewachsen. Ihr Vater war ein prominenter Neurochirurg in Sydney gewesen, während ihre Mutter dafür gesorgt hatte, stets im gesellschaftlichen Mittelpunkt zu stehen. Zweimal im Jahr hatten sie einen Monat hier auf ihrem Weingut verbracht und stets eine Menge Freunde zu ihren rauschenden Festen einfliegen lassen.
Als er Ginny das letzte Mal gesehen hatte, war sie eine schlanke, wunderschöne junge Frau voller Optimismus und Energie gewesen, die es kaum erwarten konnte, ihr Medizinstudium aufzunehmen und sich ins Studentenleben zu stürzen.
In den Jahren nach seinem überstützten Antrag war ihm klar geworden, dass es sehr klug von ihr gewesen war, nicht schon mit siebzehn zu heiraten. Er hatte ihr vergeben und war überzeugt, über sie hinweggekommen zu sein. In seiner Erinnerung war sie noch immer lebhaft, strahlend und voller Tatendrang. Doch die Ginny, die nun vor ihm stand, hatte sich verändert. Sehr sogar. Sie sah mitgenommen aus.
Alt?
Sie war noch nicht einmal dreißig. Und dennoch …
„Ginny, bitte …“
„Nein!“, unterbrach sie ihn brüsk. „Ich bin zurückgekommen, um mich um das Weingut zu kümmern. Das ist alles.“
„Aber die Weinlese ist längst vorbei.“
„Ist mir egal. Ich spritze die Rebstöcke gegen … was weiß ich. Irgendwas. Henry hat mir das Mittel gegeben und mir erklärt, dass ich die Pflanzen damit behandeln soll. Danach muss ich mich um das Beschneiden kümmern. Henry hat nämlich beschlossen, in Rente zu gehen. Ich werde also eine Menge lernen müssen. Tut mir leid, Ben, aber ich bin keine Ärztin mehr. Ich bin jetzt Winzerin. Viel Glück bei deiner Suche nach jemandem, der dir helfen kann.“
Als sie ihm die Gartenspritze wieder abnahm, bemerkte Ben einen Wagen, der die Auffahrt heraufgefahren kam.
Bestimmt sind es Freunde von Ginny aus Sydney, dachte Ben. Andererseits war Ginny nicht so gekleidet, als würde sie Gäste erwarten. Sie trug ausgeblichene Jeans, eine alte Windjacke und war nicht geschminkt. Würde ein Mitglied der Koestrel-Familie so seine Gäste begrüßen? Auf keinen Fall.
„Was soll das?“, erkundigte Ginny sich unwirsch, nachdem auch sie das Auto bemerkt hatte. „Hast du dir noch Verstärkung herbestellt, um mich zu überreden?“
„Natürlich nicht. Ich habe keine Ahnung, wer da kommt.“ Interessiert schaute Ben zu dem Mann hinüber, der nun aus dem luxuriösen Wagen stieg. In seinem Maßanzug und mit der eleganten Aktentasche sah er aus wie ein Geschäftsmann.
Der Neuankömmling musterte mit abschätzigem Blick das verfallene Gutshaus, bevor er zunächst aus dem Kofferraum eine große Reisetasche holte und dann die Hintertür des Wagens öffnete, um ein Kind aussteigen zu lassen.
Es war ein kleines Mädchen, vier, höchstens fünf Jahre alt. Sie stolperte, als der Mann sie ohne ein Wort hinter sich her zog.
„Guinevere...




