E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Lennox Wo du bist, ist das Paradies
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5746-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5746-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das lukrative Geschäft mit dem Multimillionär Jackson Baird würde die Maklerin Molly Farr schon zu gern abschließen. Der äußerst gut aussehende Mann interessiert sich für das riesige Anwesen Birraginbil - wunderbar gelegen an der Küste südlich von Sydney. Trotzdem ist Molly fast versucht, auf ihre stattliche Provision zu verzichten, um Jackson zukünftig aus dem Weg gehen zu können. Er weckt so starke leidenschaftliche Gefühle in ihr, dass sie eigentlich sofort flüchten müsste. Denn nach ihrer letzten enttäuschenden Beziehung hat sie von Männern gründlich die Nase voll! Aber das Herz hört so gar nicht auf ihren Verstand - es rast wie verrückt in Jacksons Nähe. Und als er sie bittet, ihm noch einmal ganz ausführlich Birraginbil zu zeigen, kann sie einfach nicht Nein sagen ...
Weitere Infos & Material
2. KAPITEL
Welch ein Glück, dass Lionel nicht tot war!
Sam hatte sich Mollys Geschichte mit steinerner Miene angehört. Das hatte Molly erwartet, denn so hatte er seit sechs Monaten auf alles und jedes reagiert. Sie sah ihm an, dass er litt, aber als sie ihn in den Arm nehmen wollte, wehrte er ab. Wie immer.
„Ich hätte Lionel gar nicht erst behalten sollen“, sagte Sam traurig.
Das stimmte. Aber in dem Hochhaus, in dem ihr Apartment lag, waren Haustiere verboten. Deshalb konnte Sam kein größeres Tier halten. Sie hatten den Frosch beim Überqueren einer Hauptverkehrsstraße in Sydney gefunden. Im strömenden Regen hatte er mitten auf der Fahrbahn gesessen. Molly hatte nicht protestiert, als Sam ihn in die Tasche gesteckt hatte. Wenn es je einen Frosch mit Selbstmordabsichten gegeben hatte, dann Lionel. Wo sie ihn aufgelesen hatten, war er dem Tod geweiht gewesen.
Jetzt hat er vielleicht eine Chance durchzukommen, dachte Molly und bewunderte das Arrangement von kleinen Teichen und Pfützen, das Sam für den Frosch auf dem Fußboden im Bad hergerichtet hatte.
„Das muss ich alles wegräumen, wenn er stirbt.“ Sam schob die Fäuste in die Hosentaschen und wandte den Kopf ab. Molly wusste, dass er den Tränen nahe war.
„Lionel wird wieder gesund. Mr. Baird hat es mir versprochen.“
„Vermutlich leben Frösche sowieso nicht lange.“
Das Leben war so unfair! Wenn Molly etwas zu sagen gehabt hätte, hätte sie Fröschen das ewige Leben verliehen. Aber sie blieb bei der Wahrheit. „Nein, wahrscheinlich nicht.“ Sie berührte Sam vorsichtig am Arm. Wie immer wich er ihr aus. Er war ein so in sich zurückgezogenes Kind. Beinahe, als hätte er seit dem Tod seiner Eltern jedes Vertrauen verloren.
Wie soll er mir auch trauen?, dachte Molly verzweifelt. Ich kann ja nicht mal einen Tag lang auf seinen Frosch aufpassen!
„Mr. Baird hat uns übers Wochenende auf eine Farm eingeladen“, sagte sie, um Sam abzulenken. „Lionel nehmen wir mit. Wir tun so, als wäre es eine Erholungsfarm.“
„Ich mag Farmen nicht.“
„Bist du schon mal auf einer Farm gewesen?“
„Nein.“
„Wie kannst du dann …“
„Ich mag sie nicht. Lass mich hier bleiben.“
„Sam, Mr. Baird hat uns beide eingeladen.“
„Mich will er sicher nicht haben.“
„Doch, ganz bestimmt.“
„Ich will aber nicht mitfahren.“
„Du kommst mit. Wir fahren zusammen und werden uns wunderbar amüsieren.“
Ein Wochenende mit Jackson Baird. Würde sie es genießen können? Natürlich kannst du es genießen, flüsterte eine innere Stimme.
„Cara?“
„Jackson! Wie schön, dass du anrufst!“ Cara mochte sich auf der anderen Seite des Atlantik aufhalten, aber die Freude war ihr deutlich anzuhören. „Was verschafft mir das Vergnügen?“
„Ich habe ein Grundstück gefunden, das für uns beide genau das Richtige sein könnte.“
„Wirklich?“
„Ja. Es ist eine Farm, auf der früher Pferde gezüchtet wurden. Ein traumhaftes Fleckchen Erde in einer fantastischen Lage. Die Beschreibung hört sich sehr vielversprechend an. Magst du ins Flugzeug steigen und es dir ansehen?“
Sie schwieg. Dann: „Liebling, ich habe so viel zu tun.“
Wann hatte sie das nicht? Jackson lächelte. „Heißt das, du willst mir die Entscheidung überlassen?“
„Du hast es erfasst.“
„Was ist, wenn ich es kaufe und das Anwesen dir nicht gefällt?“
„Dann kaufst du mir eben eine andere Farm.“
„Oh. Ja, okay. Cara …?“
„Liebling, ich kann wirklich nicht kommen. Ich habe hier Pläne, die mich voll in Anspruch nehmen. Bloß will ich noch nicht darüber sprechen, falls es sich als ein Irrtum erweist. Aber ich vertraue dir.“
Er musste wieder lächeln. Seine Halbschwester Cara hatte immer große Pläne, doch er vertraute ihr ebenso sehr wie sie ihm.
„Für mich bist du jemand ganz Besonderes, das weißt du ja, Jackson.“
„Ja. Ich liebe dich auch.“
Er hörte sie lachen, dann legte sie auf. Jackson runzelte die Stirn. Ob es wirklich eine so gute Idee war, eine Farm zu kaufen?
„Okay, ich gebe auf. Du fragst mich sowieso nicht, stimmts?“ Angela stand in einem schimmernden, eng anliegenden Kleid vor Mollys Tür. Sie hatte sich eine fantastische, hoch aufgetürmte Frisur gemacht, in der einige Pfauenfedern steckten. Jetzt drehte sie sich herum, damit Molly sie von allen Seiten bewundern konnte.
„Wie bitte?“
„Ich gehe zu einer Party im Stil der Zwanzigerjahre. Guy wird dreißig, der Ärmste. Deshalb wollen wir ein letztes Mal die Zwanziger mit ihm feiern. Gefalle ich dir?“
„Ja, sehr.“
„Komm doch mit!“
„Du weißt genau, dass ich nicht kann.“ Molly war seit dem Tod ihrer Schwester abends nicht mehr ausgegangen. Bis dahin war sie eine der erfolgreichsten Immobilienmaklerinnen an der Südküste gewesen. Ihr Liebesleben hatte ebenfalls nichts zu wünschen übrig gelassen. Colin war Rechtsanwalt, und jeder fand, dass sie das perfekte Paar abgaben.
Nur gab es in ihrem gemeinsamen Leben keinen Platz für Sam. „Steck ihn ins Internat“, schlug Colin vor, als Sarah starb, aber Molly war dagegen. Sie wollte Sam nicht aus seiner gewohnten Umgebung in Sydney herausreißen, obwohl sie sich inzwischen fragte, ob es klug gewesen war, hierher umzuziehen.
Als Neuankömmling fiel es ihr schwer, auf dem Immobilienmarkt in der City Fuß zu fassen. Ihr Cousin war ein Tölpel, Sams Schule eine Katastrophe, und sie konnte es sich nicht leisten, ihn auf eine bessere zu schicken. Sam war todtraurig und sie selbst sehr einsam.
Aber Ausgehen und Sam in der Obhut von Babysittern lassen, hätte auch nichts genützt. Er wachte immer wieder aus Albträumen auf, und dann musste sie selbst da sein, um ihn zu trösten. Schließlich war sie die Einzige, die er hatte.
„Mach ein fröhlicheres Gesicht“, forderte Angela sie auf. „Immerhin liegt ein Wochenende mit Australiens meistbegehrtem Junggesellen vor dir!“
Sie hatte recht, aber seltsamerweise empfand Molly keine Lust zu fahren. Ebenso wie Sam hätte sie sich am liebsten in ihr Schneckenhaus verkrochen. Seit Sarahs Tod schien ihr die Welt gefährlich zu sein. Die Zeitungen brachten nur schlechte Nachrichten, das Fernsehen war auch nicht besser. Wenn es ihr schon so ging, wie musste sich erst ein kleiner Junge fühlen, der beide Eltern verloren hatte?
„Was macht der Frosch?“, fragte Angela.
„Dem gehts blendend.“
„Dank Jackson.“
„Ohne Jacksons Besuch im Büro wäre Lionel gar nichts passiert.“
Doch Angela bestand darauf, Jackson zu verteidigen. „Der Rechtsanwalt hat ihn verletzt. Jackson war sehr freundlich.“
„Aber er ist gefährlich. Sein Ruf stellt den von Casanova weit in den Schatten.“
„Du Glückliche.“ Angela seufzte tief. „Mein Guy ist langweilig dagegen.“
„Dafür aber zuverlässig.“
„Das ist genau der Grund …“ Angela stakste auf ihren Stilettoabsätzen in Mollys Apartment und ließ sich auf das Sofa fallen. „Deshalb bin ich ja hier. Ich will dich davon abhalten, langweilig zu werden. Um auf meine Frage zurückzukommen: Du wirst mich nicht fragen, stimmts?“
„Was denn?“
„Ob ich deine Anstandsdame spiele.“
„Nein.“
„Nimmst du Sam mit?“
„Ja.“
Angela seufzte ergeben. „Okay. Ich nehme es dir nicht übel, dass du mich nicht dabeihaben willst. Obwohl ich nicht verstehe, wie ich so großmütig sein kann. Denn mit mir an deiner Seite hättest du bei Jackson keine Chance. Ich würde ihn in den ersten zwei Minuten verführen.“
„Du hast doch Guy! Ihr seid verlobt.“
„Stimmt.“ Angela lächelte. „Und da ich außerdem so großherzig bin …“
„Angela, bitte!“
„Unterbrich mich nicht, wenn ich dir gerade ein selbstloses Angebot machen will. Ich habe beschlossen, mich als Babysitter anzubieten. Für Sam. Und für Lionel. Ist das nicht nett von mir?“
„Ja, sehr.“ Molly stöhnte. Sie war jetzt schon sehr müde und musste vor dem Schlafengehen noch Berge von Schreibkram durcharbeiten. „Vielen Dank, Angela, aber du weißt, dass ich Sam nicht allein lasse.“
„Du kannst ihn mir unbesorgt anvertrauen.“
„Er würde die ganze Zeit unbeteiligt vor sich hinstarren. Das tut er fast immer, und es bricht mir das Herz.“
Angela sah sie mitfühlend an. „Geteilte Sorge ist halbe Sorge. Ich liebe dieses Kind auch, weißt du.“
„Ja, ich weiß.“ Angela besaß wirklich ein weiches Herz. „Aber zurzeit hat Sam nur noch die Energie, eine einzige Person zu lieben, nämlich mich. Und das liegt daran, dass ich seiner Mutter ähnlich sehe.“
„Was hast du heute Abend vor?“
„Ins Bett gehen.“ Das war gelogen. Sie musste Hannah Copeland anrufen, um Genaueres über den Besitz zu erfahren, alle Papiere, die sie darüber besaß, durchlesen, und die Verkaufsunterlagen unterschriftsreif vorbereiten. Aber wenn sie das Angela erzählte, würde sie sofort auf die Party verzichten und ihr dabei helfen.
„Es ist doch erst neun Uhr! Komm mit auf die Party.“
„Soll ich Sam allein lassen? Das kann ich nicht, Angie. Also hör auf, mich überreden zu wollen.“
„Na gut, aber es ist einfach unfair!“ Angela sah sie ärgerlich an. „Bist du ganz sicher, dass du Sam am Wochenende mitnehmen...




