Lentz | Fürsten-Roman 2651 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2651, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

Lentz Fürsten-Roman 2651

Arabella - schön und sanft wie ein Engel
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3083-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Arabella - schön und sanft wie ein Engel

E-Book, Deutsch, Band 2651, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

ISBN: 978-3-7517-3083-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Prinzessin Arabella ist bildhübsch und bezaubernd, sie ist eine hilfsbereite, moderne junge Frau, die im Geschäftsleben ihren Mann steht. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Die Firma, die sie seit dem Tod ihres Mannes leitet, verlangt vollen Einsatz. Dabei glaubt jeder, der der engelszarten Prinzessin begegnet, er müsse ihr alle Steine aus dem Weg räumen. Davon ist auch Alexander Prinz von Oybin überzeugt. Doch schon bald muss er erkennen, wie viel Durchsetzungskraft und Mut in der zierlichen und wunderschönen Prinzessin steckt - es ist kein Wunder, dass der Prinz sein Herz an Arabella verliert ...

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Arabella – schön und sanft wie ein Engel

Doch man sollte die Prinzessin niemals unterschätzen

Von Roma Lentz

Prinzessin Arabella ist bildhübsch und bezaubernd, sie ist eine hilfsbereite, moderne junge Frau, die im Geschäftsleben ihren Mann steht. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Die Firma, die sie seit dem Tod ihres Mannes leitet, verlangt vollen Einsatz. Dabei glaubt jeder, der der engelszarten Prinzessin begegnet, er müsse ihr alle Steine aus dem Weg räumen. Davon ist auch Alexander Prinz von Oybin überzeugt. Doch schon bald muss er erkennen, wie viel Durchsetzungskraft und Mut in der zierlichen und wunderschönen Prinzessin steckt – es ist kein Wunder, dass der Prinz sein Herz an Arabella verliert ...

Das hätte Raoul sehen sollen, dachte Arabella von Lengsdorf, als die Autobahnbrücke vor ihr auftauchte. Die Verspannung der Stahltrosse dieser Hängebrücke erinnerten sie an San Francisco, nur dass hier das tiefe Ahrtal unter der Brücke lag und nicht das blaue Wasser der Bucht. Raoul war Arabellas Mann gewesen, und er hatte Brücken gebaut. Wenn andere Menschen beim Anblick eines echten van Gogh oder einer Marmorstatue Tränen in die Augen bekamen, so hatte Raouls Liebe jeder Art von Brücken gegolten ... Sie waren dann auch sein Tod geworden.

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände hatte sich die Verspannung einer der stählernen Tragkabel bei der Montage gelöst –Raoul Prinz von Lengsdorf und drei seiner Mitarbeiter waren von dem wie eine wütende Schlange ausschlagenden Stahlseil erschlagen worden.

Das war drei Jahre her, und Arabella hatte um Raoul und ihre Liebe aufrichtig getrauert. Aber der Schmerz ließ allmählich nach, und sie konnte jetzt an ihren Mann wie an einen guten Freund denken, der in einem anderen, fernen Land lebte. Dennoch blieb Raoul für sie immer gegenwärtig. Jetzt zum Beispiel, weil sie ihm gern diese neue Brücke gezeigt hätte. Oder seine Meinung zu dieser Konstruktion erfahren hätte.

Arabella fuhr zügig zum Zubringer auf die Autobahnbrücke hoch. Sie hatte es heute eilig, nach Köln zu kommen. Das war auch der Grund, weshalb sie zum ersten Mal diesen neuen Autobahnabschnitt statt der kürzeren Landstraße benutzte.

Die Konstruktion hätte dir gefallen, Raoul, dachte Arabella wieder und drosselte ihre Fahrgeschwindigkeit. Über ihr zogen die Stahltrossen wie in einer Zirkuskuppel in die Höhe, neben ihr ließ ein Brückengeländer aus durchsichtigem Material den Blick auf die grüne Landschaft und das Tal zu. Tiefer unten tauchte jetzt die alte steinerne Bogenbrücke auf, über die der Verkehr bis vor Kurzem geleitet worden war.

»Aber um Himmels willen!«, rief Arabella aus und bremste scharf ab.

Dort drüben hockte, oder kauerte, eine dunkle Gestalt auf dem breiten Geländer und blickte nach unten!

Ein Selbstmörder, schoss es Arabella durch den Kopf, als sie durch wütendes Hupen zum Weiterfahren gezwungen wurde. Oder ein jugendlicher Idiot, überlegte sie fieberhaft. Einer jener Typen, die auf den Dächern von Zügen und U-Bahnen ihren Mut erproben ... Ein Bungee-Springer, kam ihr als Nächstes in den Sinn. Jawohl, ein Bungee-Springer, versuchte sie, sich zu beruhigen und drückte wieder aufs Gas.

Während der Autofahrer hinter ihr an ihr vorbeibrauste und ihr den Vogel zeigte und die steinerne Bogenbrücke längst ihrem Blick entschwunden war, ließ die kauernde dunkle Gestalt Arabella keine Ruhe. Konnte sie es sich leisten, Zeit zu vertrödeln? Sie hatte um halb zwölf Uhr eine Modenschau zu leiten – oder zumindest anwesend zu sein, wenn die Presse kam, um später ein paar freundliche Worte über die Herbst- und Winter-Moden im neuen »Modehaus Lengsdorf« zu schreiben. Und da sie, Arabella Prinzessin von Lengsdorf, die Geschäftsführerin dieses vierstöckigen neu eröffneten Bekleidungshauses war, und die Familie des Fürsten von Lengsdorf großes Vertrauen in sie setzten, und ihr damit ein Millionenprojekt anvertrauten, war ihre Anwesenheit in Köln bestimmt wichtiger als ihre Beunruhigung wegen eines jugendlichen Narren!

Und wenn es sich doch um einen Selbstmörder handelte?

Als Arabella vor der Brückenabsperrung hielt, sah sie schon von Weitem die dunkle Gestalt auf dem Geländer hocken. Trotz ihrer beginnenden Panik durchfuhr sie unwillkürlich der Vergleich mit einem Geier. Der Kopf der mageren, jugendlich großen Gestalt war mutlos zwischen die Schultern gezogen, während der Blick gebannt nach unten gerichtet schien.

Mit Erleichterung nahm Arabella ein Seil wahr, das an das Geländer geknüpft und wahrscheinlich auch am Körper dieses Wagemutigen – oder eben doch nicht allzu Wagemutigen – angebracht war.

Obwohl der Junge nicht taub sein konnte und das Heranbrausen ihres Wagens gehört haben musste, versuchte sie, sich der Gestalt so lautlos wie möglich zu nähern. Der Fall von hier musste dreißig Meter sein, und sie wollte nicht, dass er jetzt hinunterfiel, nur weil ihn jemand erschreckte.

»Hey«, sagte sie zwar etwas atemlos, aber mit ihrer Stimme für besondere Krisenfälle. »Ich habe dich von der Autobahn dort drüben gesehen. Springst du oder springst du nicht?«

Der Junge wandte ihr langsam das Gesicht zu. Was Arabella zuerst auffiel, waren die vor Schreck geweiteten Pupillen. Dunkle Augen beherrschten ein blasses, fast zu schön zu nennendes Gesicht, wie man es manchmal in französischen Filmen bei den jugendlichen Helden zu sehen bekam. Die Haut war makellos, das dunkle Haar vom Wind verweht. Kalte Schweißperlen standen dem Jugendlichen auf der sehr hellen, hohen Stirn. Er mochte sechzehn oder siebzehn Jahre alt und auf jeden Fall ein Stubenhocker sein. Die Sonne hatte in diesem Jahr reichlich genug geschienen.

Raoul hatte einen jüngeren Bruder in demselben Alter, und Arabella fühlte eine spontane Zuneigung zu diesem Jungen, der offenbar nicht wusste, was er da tat.

»Das scheint nicht dein Lieblingssport zu sein«, fuhr sie bewusst cool fort. Sie war neunundzwanzig und wusste noch, wie man mit Jugendlichen umging. Mütterliche Ermahnungen oder Erwachsenenschelte waren hier bestimmt nicht angebracht.

Der Junge antwortete nicht, vielleicht auch deshalb, weil er Angst hatte, dass seine Zähne klapperten. Er wandte den Kopf wieder nach vorn, und diese Bewegung erschien so mechanisch, als sei er gedopt oder in Trance. Dann versuchte er, wieder nach unten zu blicken. Ein kleiner Schauder durchlief seinen Körper, die Knöchel der Hände schimmerten weiß von der Anstrengung, sich am Geländer festzuhalten.

»Komm sofort da runter!«, herrschte Arabella ihn jetzt doch an.

Sie griff nach seiner Schulter und überlegte, ob sie den Jungen einfach vom Geländer reißen sollte. Doch der hatte die heute übliche Übergröße, während sie mit hohen Schuhen auf einen Meter siebzig kam. Und dann war ihre elegante Garderobe weder für eine Lebensrettung noch für einen eventuellen Ringkampf gedacht. Sie trug ein modisches Etuikleid. Und die raffiniert schlichte Form der Schuhe mit halbhohem Absatz machten schöne Beine – eine Eigenschaft, die hier auf der Brücke nicht gerade gefragt war.

Sie verstärkte den Druck ihrer Hand. »Willst du da runterspringen?«

»Nein«, antwortete er mit gepresster Stimme.

»Und warum tust du es dann?«

»Ich tue es ja nicht, das sehen Sie doch!«

»Verdammt! Dann komm da runter!«

»Ich kann nicht! Und ich darf nicht.«

»Und wer will dich daran hindern?«

»Die anderen! Sie sitzen dort drüben im Wald und beobachten mich. Es ist eine Mutprobe.«

»Was? Hier sitzen und nach unten starren?«

»Ich muss innerhalb einer Stunde gesprungen sein.«

»Soso«, kommentierte Arabella, die jetzt wieder von Skrupeln hin- und hergerissen wurde. Was für ein Unsinn war das, für den sie ihre kostbare Zeit opferte? War ihrem Hang, sich überall einmischen und helfen zu wollen, heute nicht durch eine gewisse Modenschau in Köln Grenzen gesetzt? »Wie lang sitzt du schon auf diesem Geländer?«

»Ich weiß es nicht«, murmelte er gequält. »Ich kann schlecht auf die Uhr schauen, wenn ich hier mein Gleichgewicht halten will.« Jetzt hörte man es deutlich, dass seine Zähne aufeinander schlugen.

»Möchtest du, dass ich gehe?«, fragte Arabella.

»Ja ... Nein!«, stieß er dann aus.

»Vor wem hast du mehr Angst? Vor dem Sprung oder vor deinen Freunden?«

»Vor beidem ...«

»Du bist dir doch darüber im Klaren, dass das hier irgendwie schwachsinnig ist und es viel mutiger wäre, jetzt vom Geländer zu klettern und mit diesem ganzen Quatsch aufzuhören?«

»Ja ... Aber wohin – soll ich denn gehen? Ich trau mich nicht ins Internat zurück. Die können sich die gemeinsten Dinge ausdenken und ...«

»Na gut, dann spring!«

»Nein!«, schrie er entsetzt.

»Dann komm mit mir nach Köln!«, schlug sie spontan vor. »Ich habe dort jetzt eine Modenschau und nehme...



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