Lenz / Detering | Gelegenheit zum Staunen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Lenz / Detering Gelegenheit zum Staunen

Ausgewählte Essays
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-455-81328-9
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ausgewählte Essays

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-455-81328-9
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die wichtigsten Essays von Siegfried Lenz zu Literatur, Gesellschaft und Politik. Ausgewählt und mit einem Vorwort von Heinrich Detering. Der Modus des Staunens ist eine Grundhaltung, die das essayistische Werk von Siegfried Lenz durchzieht. Von jeher begegnet er der Welt und der Weltliteratur mit großer Offenheit und Empathie. Deshalb sind seine Texte zu literarischen und politischen Themen wie auch seine autobiographischen Ausführungen stets Gelegenheitswerke im besten Wortsinn. »Und vielleicht ist dies das überzeugende Geschenk des Müßiggangs: die Gelegenheit zum Staunen, die uns gewährt wird. Wer aber staunt, wer sich selbst aus bescheidenem Anlaß wundert, der beginnt unweigerlich zu fragen, und wer Fragen stellt, wird zu Schlussfolgerungen gelangen: Der Müßiggang wird zu einem aufregenden Zustand.«

Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg, Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z. B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalsozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.
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Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Der demokratische Stil – Siegfried Lenz als Essayist
Vorturner der Nation
Gelegenheit zum Staunen
In Faulkners Welt
Der Künstler als Mitwisser
Die Chancen der Frist
Faulkners Gedächtnis
Der unspaltbare Nachtkern
Die Deutschen, die Polen und die Literatur
Gepäckerleichterung
Hervorragend mißglückt
Eine Lieblingslandschaft
Ich zum Beispiel
Mein Vorbild Hemingway
Heinrich Bölls Personal
Die Sprache des Präsidenten
Aufenthalt auf Erden
Letzte Worte an das Leben
Thomas Mann war viel später
Elfenbeinturm und Barrikade
Die Macht und die Phantasie
Der Knut-Hamsun-Prozeß
Logbuch des Lebens
Im Schatten der Katastrophe
Mutmaßungen über die Wirkung von Literatur
Krieg zwischen Küche und Kopf
Segen und Unsegen der Erde
Von der Gegenwärtigkeit des Vergangenen
Erfahrungen beim Wiederlesen
Sehnsucht nach Dauer
Am Rande des Friedens
Dostojewski – der gläubige Zweifler
Israels Träume
Über den Schmerz
Die Darstellung des Alters in der Literatur
Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur
Aus der Nähe
»Literatur ist Selbstzeugnis«
50 Jahre später
Nachweise
Über Siegfried Lenz
Impressum


Der demokratische Stil –
Siegfried Lenz als Essayist


Aus dem Jahr 1961 stammt der früheste Essay dieser Auswahl. Ein Jahr später, im Herbst 1962, bricht der Schriftsteller Siegfried Lenz auf Einladung des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik auf zu einer großen USA-Reise. Jetzt, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, sollen junge und für die öffentliche Meinung wichtige Intellektuelle für den amerikanischen Weg gewonnen werden, und so stehen dem Sechsunddreißigjährigen, wohin er auch kommt, die Türen weit offen. Neugierig und unternehmungslustig reist Lenz, als Zeitzeuge und als Schriftsteller, voller Sympathie für das Land und bemerkenswert frei von Ressentiments wie von Verklärung. Und er führt während der Reise – der unter anderem auch der große Essay über die Schauplätze von Faulkners Romanen zu verdanken ist – das einzige Tagebuch seines Lebens. Genau fünfzig Jahre später hat er es erstmals veröffentlicht, mit einem Vorwort, das nun die vorliegende Sammlung beschließt und das noch einmal das damalige »Gefühl großer Dankbarkeit« wachruft. Es ist der Rückblick aus der Spätzeit eines Lebenswerks auf eine Art Urszene. Denn in der Amerikareise kulminiert jene persönliche Variante dessen, was dann »Westbindung« heißen sollte. Begonnen hatte sie schon mit dem Kriegsende, in der Kriegsgefangenschaft. Dort habe er, erinnert sich Lenz, eine englische Zeitung in die Hand bekommen; es war »die erste Zeitung, die frei war von Lüge«.

Früher und leidenschaftlicher als viele seiner Generationsgenossen hat Siegfried Lenz sich Literatur und Kultur der USA erschlossen: lesend, schreibend und dank des Stipendiums auch aus eigener Anschauung. Und die richtet sich eben nicht allein auf sprachliche Kunstwerke, sondern erfährt eine wunderbare Öffnung der Welt durch eine Literatur, die Platz für viele Stimmen und Ansichten hat. Eine Literatur, die Vielstimmigkeit, Offenheit für Widersprüche, Verstehen lehrt, indem sie dies alles selbst praktiziert.

Der Kern des literarischen Kanons, auf den der Essayist Siegfried Lenz sich lebenslang beziehen wird, hat sich in dieser befreienden Nachkriegszeit herausgebildet, zwischen dem Kriegsende 1945 und der Amerikareise 1962. Er bleibt trotz aller neuen Entdeckungen und Fundstücke bemerkenswert stabil bis in die spätesten Arbeiten hinein. Es sind die Dichtungen des französischen Existenzialismus und seiner amerikanischen Verwandten, die sein eigenes Schreiben künstlerisch und moralisch gleichermaßen imprägnieren: die Dramen und Romane Sartres, Becketts und vor allem Camus’, es sind die Storys von Ernest Hemingway und die Romane William Faulkners und ihrer Vorgänger von Melville bis Mark Twain. Norddeutsche und skandinavische Autoren kommen hinzu, von Storm über Thomas Mann bis zu dem in aller Größe nie unproblematischen Hamsun und dem uneingeschränkt bewunderten Laxness, die russische Erzählkunst des 19. Jahrhunderts und die Romane von Freunden und Weggefährten der deutschen Nachkriegsmoderne wie Wolfgang Koeppen, Heinrich Böll und Günter Grass. Nie steht Lenz dem Werk seiner Lieblingsschriftsteller in bloßer Bewunderung gegenüber, immer erweist er ihnen die Ehre der Kritik und, wo es ihm geboten erscheint, auch des Widerspruchs. Dem Stil seines Lehrers Hemingway hat der junge Siegfried Lenz eine »gewissenhafte Schlichtheit« nachgerühmt. Der Ausdruck bezeichnet, in beiden Wörtern, mindestens ebenso sehr sein eigenes Schreiben. Lenz zieht dem stilistischen Prunk das Understatement vor, und gewissenhaft ist sein Sprachgebrauch, weil für ihn, den norddeutschen Protestanten, die Literatur zuerst eine Gewissenssache ist.

Dabei wird dem neugierigen Amerikareisenden bald, auch hier ähnelt er dem Koeppen der , das komplexe Riesenwerk Faulkners wichtiger als die lakonischen Storys von Hemingway. Einige seiner leidenschaftlichsten Essays sind dem monumentalen Epiker der Südstaaten gewidmet; und in der Verfremdung durch die aus bundesdeutscher Perspektive so exotische Welt von Yoknapatawpha County findet er die eigenen, existenziellen Lebensthemen wieder (mit seinen eigenen, früheren Worten: »von Fall, Flucht und Verfolgung, von Gleichgültigkeit, Auflehnung und verfehlter Lebensgründung« (so in ), die Wiederkehr der Vergangenheit, auch die Verschränkung von Rassismus und Gewalt, Schuld und Schande, Sühne und Gnade), nur ohne Vokabular und stilistischen Gestus der existenzialistischen Generation, im stilistischen Reichtum unendlicher perspektivischer Facettierungen. Zugleich entdeckt er in Faulkner die in die äußerste künstlerische Subtilität gesteigerten Sujets seiner abenteuerlichen Jugendlektüren neu. Und wenn die eigene Reise ihm in Faulkners Own Country nur einen »von jeder Mythologie befreiten Mississippi« zeigt und die fortdauernde Wirklichkeit des »Rassenwahns«, dann beweist ihm dies gerade die Überlegenheit der literarischen Modellierung gegenüber der Empirie des Augenscheins, die Gestaltung eines Mythos als Ausdruck einer menschlichen Wahrheit. Denn Faulkner »wiederholte das Land und die Menschen am Mississippi so endgültig, dass sie nie aufhören werden, zu bestehen«.

Für den einstigen blutjungen Seekadetten und »Heldenlehrling«, der nach eigenem Bekunden Hitler erst nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 aus der Distanz gesehen und als besiegbar erkannt habe, bedeutete die literarische Welt-Öffnung der Nachkriegszeit auch einen neuen Blick auf die eigene Herkunft und Geschichte. Der 1966 erschienene Essay , eine explizite Entfaltung der Selbstbefragung, die er in zwei Jahre zuvor implizit begonnen hatte, erzählt die Geschichte der eigenen Jugend im Dritten Reich als Beispiel »eines Jahrgangs«. Dass man »die Bedeutung von Vergangenheit« erkennen müsse, gehört da zu den Lektionen, die er von Hemingway lernt. »Ich wollte«, schreibt Lenz, »gleichzeitig verstehen und zugeben: so begann ich zu schreiben.« In späteren Essays wird das damit Umschriebene noch schärfer, offensiver benannt, bis hin zur ausdrücklichen Bewunderung für die Forderung des deutschen Bundespräsidenten Gustav Heinemann nach einer »Solidarität der Schuld«. Nach dem Ineinander von »Irrtum und Schuld« fragt er noch bei der Lektüre von Thorkild Hansens (1979); wenig später (1982) liest er dann Halldor Laxness’ als eine bewusste Antwort auf Hamsuns in der Nazizeit missbrauchtes Epos des Bauerntums.

Schon der früheste hier aufgenommene Essay, ein Artikel über das – oder sollte man sagen: gegen das? – allseits gefeierte Jubiläum des Turnvaters Jahn, gerät ihm zum Musterstück einer kulturgeschichtlichen Reflexion, in der die deutsche Vergangenheitsbewältigung über die NS-Zeit hinaus zurückverfolgt wird. Lenz, der Sportler, der selbst einen der großen deutschen Sportromane geschrieben hat,  – dieser Lenz beschreibt nun aus Anlass des Jahn-Jubiläums »die Geburt der Turnkunst aus dem Geiste nationalen Ressentiments«. Mit Heine beäugt er Jahns germanisierenden Hass auf alles Nicht- und Undeutsche, und Heines würdig sind manche seiner eigenen Bemerkungen über Jahns »bizepsgeschwelltes Demagogentum« – im selben Jahr 1961, in dem das Werk des Turnvaters noch deutschlandweit als pädagogische Großtat gepriesen wird. Die Geschichte, so eröffnet er diesen Essay, werde von uns nicht aufgesucht, »sie sucht uns heim«. Der diesen Satz schreibt, weiß, wovon er spricht. In seinem Essay , geschrieben im Jahr 1964, schildert der Überlebende der NS-Zeit und Deserteur der letzten Kriegstage die »äußerste Lage, in der wir überprüft werden«, in dezidiert autobiographischer Perspektive als eine Konstellation, in der »die Alternative lautet: leben und schuldig werden oder sterben und schuldlos bleiben«.

So ist es denn wohl auch dem Eindruck der amerikanischen Begegnungen zu verdanken, wenn Lenz’ Essays der sechziger Jahre so etwas wie einen privaten Funktionswandel der Literatur protokollieren. Für den masurischen Jungen hatte einst die Lektüre der reißerischen Abenteuerhefte, die er in so eindringlich in Erinnerung ruft, Fluchtwege der Phantasie aus der Enge des Alltags eröffnet. Von Jörn Farrows packenden U-Boot-Abenteuern aber war es dann nur ein unheimlich kleiner Schritt gewesen zur Verklärung eines fatalen Heldentums in der Hitlerjugendliteratur; da hatten auch die vom Lehrer nahegelegten Gegenlektüren Kästners, Lessings, der Brüder Mann wenig ausrichten können. Wenn Lenz rückblickend ausgerechnet bei seiner Kriegsgefangenschaft an eine »schöne Kulturanstrengung« denkt, dann deshalb, weil von hier an eben Schriftsteller wie Hemingway und Faulkner dem jungen Mann, der kurz vor dem Kriegsende desertiert war, eine neue, weltoffene Literatur zeigten und durch die Literatur eine neue, offene Welt. Hemingway, so erinnert sich Lenz in dem ihm gewidmeten Essay, habe ihm zuerst die Möglichkeit gezeigt, zu »schreiben mit dem einzigen Wunsch, verstehen zu lernen«.

Schreiben wird für den Erzähler wie für den Essayisten schon früh und wegweisend zur Bearbeitung einer deutschen Schuld, die er – Siegfried Lenz, Jahrgang 1926 – auch als die seine empfindet. Und eben weil Zugeben und Verstehen für ihn verschwistert sind, darum wird dieses Schreiben schon so bemerkenswert früh und entschieden zum Beginn eines...


Lenz, Siegfried
Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg, Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z. B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalsozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz’ größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.

Detering, Heinrich
Heinrich Detering, geboren 1959, lehrt Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen. Bei Hoffmann und Campe veröffentlichte er zuletzt Planetenwellen, ausgewählte Gedichte und Prosatexte von Bob Dylan, sowie eine kommentierte Neuausgabe von Dylans Tarantel.

Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg, Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z. B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalsozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.



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