Lenz | Fundbüro | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Lenz Fundbüro


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-455-00252-2
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-455-00252-2
Verlag: Atlantik Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Sie sind und bleiben ein Junge, der Geschichten erzählen will' - so ist Henry, die Hauptfigur in Siegfried Lenz' lang erwartetem neuen Roman. Und in einem Fundbüro lauern Geschichten schließlich überall. Henry Neff verspürt trotz seiner jugendlichen vierundzwanzig Jahre keine Lust, auf der Karriereleiter nach oben zu kommen. Attraktive Angebote schlägt er aus und sucht stattdessen Unterschlupf im Fundbüro eines Hauptbahnhofs. 'Mir genügt's, da zu bleiben, wo ich bin', ist sein Motto, und schon bald gewinnt er Gefallen an seinem neuen Arbeitsplatz, der reich an Kuriositäten und absonderlichen Vorkommnissen ist. Jeder Tag beschert ihm Begegnungen mit Menschen, die die unglaublichsten Dinge verlieren und liegen lassen. Mal vermisst ein Messerwerfer sein Handwerkszeug, mal tauchen im Zug zurückgelassene Liegestühle auf, und ein andermal wendet sich eine Schauspielerin hilfesuchend an Henry, weil sie ihr Textbuch nicht mehr findet. Um den 'Besitznachweis' zu führen, fordert Henry sie mit dem ihm eigenen Charme auf, Passagen aus dem Theaterstück im Fundbüro zu rezitieren. Siegfried Lenz' warmherziger Humor lässt die farbige Szenerie eines unvergleichlichen Schauplatzes vor die Leser treten - grundiert von einer zarten Symbolik des Verlierens und (Wieder-) Findens. Als Henrys Freund, der baschkirische Mathematiker Fedor Lagutin, dann aber von skrupellosen Gewalttätern bedroht wird und die Reformen der Bundesbahn den Arbeitsplatz eines Kollegen gefährden, muss Henry einsehen, dass sein Fundbüro keine Oase der Seligen ist. Er ergreift Partei und erkennt, dass das Leben mitunter dazu zwingt, sich einzumischen. 'Fundbüro' ist ein einnehmender, wunderbar erzählter Roman voll menschlicher Anteilnahme und liebenswertem Witz.

Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg, Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z. B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalsozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.
Lenz Fundbüro jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Cover
Titelseite
Widmung
Endlich hatte Henry Neff [...]
Zur Betriebsversammlung nahmen sie [...]
Einer aus dem Strom [...]
Paula konnte sich nicht [...]
Am späten Vormittag war [...]
Über ein straff gespanntes, [...]
Zwei Drahtkörbe flankierten den [...]
Am Sonntag war der [...]
Wir fahren zu mir«, [...]
Hannes Harms kippte den [...]
Der Pförtner wußte Bescheid. [...]
Paula täuschte sich nicht. [...]
Wie immer begann die [...]
Das kann nur Barbara [...]
Bußmann schien zu wissen, [...]
Das Mädchen an der [...]
Albert Bußmann entkorkte die [...]
Zuerst hörte er nur [...]
Zwei Gäste durfte Doktor [...]
Keiner freute sich so [...]
Daß Paula ungehalten war, [...]
Über die Lenkstange gebeugt, [...]
Hannes Harms erwartete ihn [...]
Über Siegfried Lenz
Impressum


Zur Betriebsversammlung nahmen sie Henry nicht mit. Obwohl es unter Umständen auch um seine Existenz ging – nach einem Gerücht, das früh zu ihnen gefunden hatte, wollte die Bahn, um wieder fit und profitabel zu werden, fünfzigtausend oder noch mehr entlassen –, ließ Harms ihn allein im Fundbüro zurück, als Notbesetzung, als Stallwache. Henry war nicht enttäuscht, war nicht besorgt. Allein mit den registrierten Verlusten der Reisenden, mit den Beweisen ihrer Vergeßlichkeit, kochte er sich zuerst Kaffee und aß ein paar von den Roggenkeksen, die er auf Paulas Schreibtisch fand. Dann schlenderte er an den vollgestopften Regalen vorbei, rauchend, verwundert manchmal, mitunter amüsiert, die gestapelten Bücher untersuchte er einzeln auf Lesezeichen, fand aber nur die Monatskarte für ein Schwimmbad. Nachdenklich betrachtete er die in einem offenen Kistchen liegenden künstlichen Gebisse – einige schienen sich gegenseitig anzufletschen –, und an dem Fach mit dem Kinderspielzeug konnte er nicht vorübergehen, ohne eine Puppe und einen Teddybär so aneinanderzudrücken, daß sie in verzweifelter Umarmung dalagen.

Den Tennisball, den er zwischen farbigen Bauklötzen entdeckte, ließ er mehrmals auf dem Boden aufspringen, legte ihn dann in die Mitte des Gangs zwischen den Regalen und holte seinen Hockeyschläger. Prüfend blickte er sich um, eine bauchige Thermoskanne plinkerte ihm zu, er hob sie aus dem Fach und setzte sie auf den Boden, sechs Schritte entfernt. Henry schlug ein paar variierende Bälle, leicht angeschaufelt zunächst, dann kurz und trocken, mit einem weit hergeholten Schlag traf er die Kanne so hart, daß sie sich überschlug und mit offenem Deckel unter ein Regal kullerte. Als er sie hervorholte und auf ihren Platz zurückstellte, hörte er Schritte, gleich darauf die Klingel.

Nach kurzem Zögern ging Henry zur Ausgabe und wuchtete das Schiebefenster hoch; vor ihm stand ein Mädchen, ein dickes Mädchen mit schönem, sanftem Gesicht, das ihn hilfesuchend anblickte. Henry bemerkte, daß das Mädchen kurz davor war, zu schluchzen – seine leicht abfallenden Schultern zuckten und hoben und senkten sich, und seine Lippen zitterten –, und daß es Mühe hatte, zu sprechen. Guten Tag, sagte Henry freundlich und entschloß sich zu einer Frage, die er zum ersten Mal in seinem Leben gebrauchte: »Womit kann ich Ihnen dienen?«

Jetzt begann das Mädchen zu schluchzen, und schluchzend und mit einer Stimme, als wollte sie ihn um Entschuldigung bitten, gab sie an, ihren Ring verloren zu haben, ihren Verlobungsring.

»In der Zugtoilette war es«, sagte sie, »ich wollte mir die Hände waschen und nahm den Ring ab, und dann hörte ich die Durchsage, der nächste Halt, ich lief zu meinem Abteil – werden Sie den Ring finden?«

»Kommen Sie«, sagte Henry, »kommen Sie, wir wollen erst einmal einen Nachforschungsantrag ausfüllen«, und er stieg durch das Fenster, führte sie zu dem schwarzen Pult und reichte ihr ein Formular. Das Mädchen starrte auf das Formular, sah zu ihm auf, blickte wieder auf das Formular, unschlüssig, wo es beginnen sollte. Henry trat nah an sie heran, er deutete auf das Wort »Verlierer«, er sagte: »Hier, hier muß der Name des Verlierers eingetragen werden«, und unwillkürlich war er versucht, ihre Hand zu führen.

»Jutta Scheffel«, flüsterte sie, und Henry, ohne ungeduldig zu werden: »Schreiben Sie es hin, Jutta Scheffel.«

Und dann fragte er sanft weiter – in der Reihenfolge, die das Formular vorgab –:

»Wohnort?«

»Flensburg.«

»Straße?«

»Am Hang 49.«

»Abfahrtsort?«

»Flensburg.«

»Zielbahnhof?«

»Düsseldorf.«

Das Mädchen antwortete leise, doch prompt, und füllte die Sparten aus. Erst als sich Henry nach der Abfahrtszeit und dem Namen des Zuges erkundigte: ›Mozart‹ vielleicht, oder ›Theodor Storm?‹, stockte es und schüttelte den Kopf und sagte: »Ich weiß es nicht«; auch auf die Frage nach der Zugnummer schüttelte es den Kopf.

»So«, sagte Henry, »das hätten wir schon mal.« Er nickte ihr belobigend zu und wollte dann wissen – er sprach den vorgedruckten Text nach –, welcher Gegenstand als verloren angemeldet werden sollte. Das Mädchen schluchzte so heftig auf, daß Henry ihm reflexhaft eine Hand auf die Schulter legte; eine Weile ließ er die Berührung dauern, wobei er die kleinen Zuckungen und Stöße spürte, und begann dann, die Schulter leicht zu beklopfen. Er war nicht einmal erstaunt, daß das Mädchen sich allmählich beruhigte, und als sie ihn mit erhobenem Kopf ansah, reichte er ihr ein Papiertaschentuch und sagte: »Ein Ring also, Ihr Verlobungsring, können Sie ihn beschreiben?«

Sie antwortete nicht gleich, sie schien erst in ihrem Gedächtnis forschen zu müssen, ehe sie sagte: »Ein Topas, ein Topas aus dem Ural.«

Da sie selbst offenbar nicht schreiben wollte oder konnte, nahm Henry den Kugelschreiber und trug ins Formular ein, was er aus ihr herausfragte.

»Wert, können Sie ungefähr den Wert angeben?«

»Es ist ein Erbstück«, sagte das Mädchen, »den Ring hat schon die Mutter meines Verlobten getragen.«

»Erbstück besagt hier nichts«, sagte Henry, »wir müssen den Wert angeben, also: tausend Mark, zweitausend Mark?«

Er notierte schließlich, was er selbst für angemessen hielt, wiederholte einige Trostworte, Beschwichtigungsworte, ließ das Mädchen unterschreiben und versicherte ihm, daß er sein Möglichstes tun werde, um den Ring wiederzubeschaffen. Zuversichtlich wandte sie sich um, ging zur Holzbank, setzte sich und gab ihm zu verstehen, daß sie hier warten wolle, es könnte auch länger dauern, wenn sie nur den Ring wiederbekäme, der ihr mehr bedeutete als alles andere; als Krankenschwester habe sie Geduld gelernt. Langsam sprechend versuchte Henry ihr beizubringen, daß es sinnlos sei, hier zu warten. Obwohl die Dienststelle im allgemeinen erfolgreich arbeite, stellte sich ein Erfolg keineswegs prompt ein, jedenfalls nicht im Laufe einer Stunde, es muß geschrieben, telephoniert, herumgefragt werden.

»Ich schlage Ihnen vor, daß Sie jetzt nach Hause gehen«, sagte er. »Wir haben Ihre Adresse, sobald wir fündig werden, erhalten Sie eine Nachricht.«

Wieviel Zeit sie sich ließ, aufzustehen, wie lange sie unentschlossen und verzagt dastand, ehe sie Henry dankte, mit einer Stimme, die ihn ahnen ließ, was bei diesem Verlust auf dem Spiel stand.

Kaum hatte sie das Fundbüro verlassen, zog Henry das Schiebefenster herunter, steckte sich eine Zigarette an und machte gutgelaunt einige knappe Ausfallschritte nach beiden Seiten, gerade so, als wollte er an einem sperrenden Gegner vorbeiziehen. Er war zufrieden mit sich. Er hatte, so empfand er es, eine Probe bestanden. Wenn die anderen von ihrer Versammlung zurückkämen, würde er etwas zu erzählen haben. Das dachte er und schlenderte den Gang zwischen den Regalen hinab, weniger verwundert jetzt über all das Vergessene und Verlorene, als vielmehr ungläubig und erheitert bei dem Gedanken, daß er auf einmal berufen war, mit den alltäglichen Verlierern zu reden, sie aufzurichten, ihnen zu helfen. Er trat ans Fenster, blickte auf die zerbröckelnde Laderampe, auf die von Löwenzahn und Gras überwachsene, einst großzügige Anfahrt, deren Verlassenheit auch das Sonnenlicht nicht aufheben konnte; wie oft hatte er um Auskunft bitten, nachfragen müssen, ehe er hierhergefunden hatte.

Vor dem Fach mit den registrierten Kleidungsstücken blieb er stehen, zog nach kurzem Nachdenken die Mönchskutte heraus, hielt sie sich zum zweiten Mal an, fand es nicht genug und schlug sich in den schweren braunen Stoff und band die Kordel um. Gern hätte er sich so in einem Spiegel gesehen, doch im Fundbüro, wo fast alles aufgehoben wurde, fand sich kein Spiegel. Er legte die Hände zusammen, gefiel sich einen Augenblick in angenommener Andacht und ging dann, von einem plötzlichen Einfall verführt, zum Büro des Chefs; dort stand das Telephon. Henry beschloß, seine Schwester Barbara anzurufen, in der Einkaufsabteilung von Neff und Plumbeck, wo sie Verantwortung trug; er wollte sich als Bruder Aloisius melden und sie raten lassen, welch ein Kleidungsstück er gerade trug. Und dann wollte er ihr vorschlagen, ihr die Beichte abzunehmen, noch am selben Abend. Er bewunderte seine Schwester, er liebte sie, oft genug hatte er sich eingestehen müssen, daß er Mitleid für sie empfand, für dieses hochgewachsene, sehnige Mädchen, das bereits zweimal verlobt gewesen war. Als er den Hörer abhob, rief ihn die Klingel zur Ausgabe.

Im Gehen warf Henry die Kutte ab, sprang über einen Koffer und zeigte sich einem selbstbewußten Antragsteller, der zum Gruß an die Ballonmütze tippte. Weder verzagt noch mit sich hadernd stand er da in seinem großkarierten Leinenhemd, er schien sogleich Zutrauen zu Henry zu finden und erklärte, daß er in einem Personenzug nach Hannover einen kleinen Holzkasten vergessen hätte, vielleicht vierzig mal sechzig Zentimeter, einen Kasten aus poliertem Teakholz.

»Inhalt«, fragte Henry, »können Sie Angaben über den Inhalt machen?«

»Ich hatte zwei Koffer bei mir«, sagte der Mann, »außerdem einen Rucksack und einen Strauß für meine Agentin, das war der Grund, warum ich den Kasten beim Aussteigen liegenließ, mein Arbeitszeug.«

»Arbeitszeug?« wiederholte Henry.

»Ich bin freier Artist«, sagte der Mann, »in dem Kasten sind drei Messer, Wurfmesser, ihre Klingen wurden in Toledo geschmiedet, sie tragen das Qualitätssiegel.«

»Sind Sie Messerwerfer?«

»Ich bin Mitglied in der Liga freier Artisten, Sie können meinen Ausweis sehen.«

»Solch ein Kasten wurde eingeliefert«,...


Lenz, Siegfried
Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg, Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z. B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalsozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz’ größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.

Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Seit seinem Debütroman Es waren Habichte in der Luft von 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er 1955 seinen ersten großen Erfolg, Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit gesellschaftskritischen Problemen (z. B. Der Mann im Strom, 1957, oder Brot und Spiele, 1959) und mit dem Nationalsozialismus bzw. seiner Aufarbeitung. Zu Lenz' größtem Erfolg wurde der 1968 erschienene Roman Deutschstunde. Bis heute ist die Geschichte eines Polizisten, der im Nationalsozialismus das Malverbot seines Freundes überwacht, eine bestechende Entlarvung eines pervertierten Pflichtgefühls. Das Buch wurde verfilmt, avancierte zur Pflichtlektüre an Schulen und war international ein großer Erfolg. Der Deutschstunde folgten viele weitere große Romane (Das Vorbild, 1973, Heimatmuseum, 1978, Der Verlust, 1981, Exerzierplatz, 1985, Die Auflehnung, 1994, Landesbühne, 2009), welche Siegfried Lenz neben Schriftstellern wie Heinrich Böll, Günter Grass oder Martin Walser zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren machte. Sein zweiter Roman Der Überläufer erschien postum im Jahr 2016 und wurde ein großer Erfolg. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Gerhart-Hauptmann-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.