Lenz | Interventionen bei Kindern psychisch kranker Eltern | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 184 Seiten

Lenz Interventionen bei Kindern psychisch kranker Eltern

Grundlagen, Diagnostik und therapeutische Maßnahmen
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8409-2042-4
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Grundlagen, Diagnostik und therapeutische Maßnahmen

E-Book, Deutsch, 184 Seiten

ISBN: 978-3-8409-2042-4
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Das Aufwachsen mit einem psychisch kranken Elternteil stellt für die Kinder ein einschneidendes und in aller Regel zeitlich länger andauerndes, belastendes Ereignis dar. Dieses kritische Lebensereignis geht einher mit einer signi.kanten Zunahme an alltäglichen Anforderungen, Kon.ikten und Spannungen sowohl innerhalb der Familie als auch im sozialen Umfeld. Das Buch bietet eine praxisorientierte Übersicht zu therapeutischen Maßnahmen bei Kindern psychisch kranker Eltern und schließt damit eine Lücke im deutschsprachigen Raum.

Ausgehend von den empirischen Befunden der Risiko-, Resilienz- und Bewältigungsforschung sowie den Ergebnissen der Stressforschung im Kindesalter wird in diesem Band ein umfangreicher Leitfaden zur diagnostischen Einschätzung des kindlichen Belastungserlebens entwickelt. Zudem werden verschiedene Verfahren zur Stress-, Bewältigungs- und Ressourcendiagnostik sowie ein breit gefächertes Repertoire an Interventionsansätzen vorgestellt. Im Mittelpunkt der Interventionen und therapeutischen Maßnahmen stehen Methoden der Ressourcenaktivierung und -stabilisierung.

Der Autor

Prof. Dr. phil. Albert Lenz, geb. 1951. 1973-1979 Studium der Psychologie, Soziologie und Pädagogik in München. 1988 Promotion. Weiterbildung in Paar- und Familientherapie, Krisenintervention. Seit 1994 Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn, Fachbereich Sozialwesen. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Gemeindepsychiatrie, Beratung und Jugendhilfe, Soziale Netzwerke und Empowerment, Theorie und Praxis der Gemeindepsychologie.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Inhalt;6
2;Einführung;8
3;1 Belastungen der Kinder psychisch kranker Eltern;12
3.1;1.1 Objektiver Zugang zu den Belastungen der Kinder;12
3.1.1;1.1.1 Entwicklungsverlauf und psychische Störungen bei Kindern psychisch kranker Eltern;12
3.1.2;1.1.2 Alters- und Geschlechtsspezifität;15
3.1.3;1.1.3 Elterliche Erkrankung und Entwicklungsverlauf von Kindern;16
3.1.4;1.1.4 Erziehungsfähigkeit;18
3.1.5;1.1.5 Vernachlässigung und Misshandlung;21
3.2;1.2 Subjektiver Zugang zu den Belastungen der Kinder;25
3.2.1;1.2.1 Elterliche Krankheit und Persönlichkeit;25
3.2.2;1.2.2 Familiärer Alltag;27
3.2.3;1.2.3 Klinikeinweisung;28
3.2.4;1.2.4 Familienbeziehungen;29
3.2.5;1.2.5 Tabuisierung und Kommunikationsverbot;33
3.2.6;1.2.6 Diffuses Wissen über die Krankheit;34
3.2.7;1.2.7 Gefühlslagen der Kinder;35
3.2.8;1.2.8 Fehlende soziale Unterst tzung;36
4;2 Stress und Bewältigungsprozesse im Kindesalter;41
4.1;2.1 Stresserleben im Kindesalter;41
4.1.1;2.1.1 Belastungen und kognitive Entwicklung;43
4.1.2;2.1.2 Stress als Prozess;44
4.2;2.2 Stressbewältigung im Kindesalter;47
4.2.1;2.2.1 Bewältigungsstrategien der Kinder;47
4.2.2;2.2.2 Die Situationsangemessenheit der Bewältigungsstrategien;50
4.2.3;2.2.3 Alters- und Geschlechtsunterschiede in der Stressbewältigung;52
4.3;2.3 Bewältigungsressourcen;54
4.3.1;2.3.1 Ressourcen als Schutzfaktoren bei Kindern;56
4.3.2;2.3.2 Generelle Schutzfaktoren für Kinder psychisch kranker Eltern;57
4.3.3;2.3.3 Spezielle Schutzfaktoren für Kinder psychisch kranker Eltern;62
4.3.4;2.3.4 Von generellen Schutzfaktoren zu differenziellen Schutzfaktoren;64
4.4;2.4 Stressbewältigung als Interaktionsprozess;66
4.4.1;2.4.1 Stressbewältigung als familiärer Prozess;70
5;3 Stress- und Bew‚ltigungsdiagnostik;74
5.1;3.1 Anamnese und Exploration;74
5.1.1;3.1.1 Durchf hrung der Explorationsgespräche;75
5.2;3.2 Standardisierte diagnostische Verfahren;80
5.2.1;3.2.1 Verfahren zur diagnostischen Einschätzung des Bewältigungsverhaltens von Kindern;81
5.2.2;3.2.2 Diagnostische Verfahren zur Erfassung der Stresssymptomatik;83
5.2.3;3.2.3 Diagnostische Verfahren zur Erfassung familiärer Stress- und Bewältigungsprozesse;84
5.3;3.3 Ressourcenorientierte Diagnostik;87
5.3.1;3.3.1 Die Durchf hrung der Ressourcenanalyse;89
5.3.2;3.3.2 Ressourcenorientierte Diagnostik als ein ziel- und lösungsorientierter Prozess;99
6;4 Interventionen und Unterst tzungsma nahmen;101
6.1;4.1 Ressourcenaktivierung;103
6.1.1;4.1.1 Aktivierung personaler Ressourcen;104
6.1.2;4.1.2 Lösungsorientierte Strategien zur Aktivierung personaler Ressourcen;106
6.1.3;4.1.3 Förderung und Entwicklung familiärer Ressourcen;113
6.1.4;4.1.4 Aktivierung sozialer Ressourcen;119
6.1.5;4.1.5 Empowerment als integratives Handlungskonzept für die Ressourcenaktivierung;130
6.2;4.2 Förderung der Problembewältigung;132
6.3;4.3 Klärungsorientierte Vorgehensweisen;137
6.3.1;4.3.1 Strategien der narrativen Psychologie;138
6.3.2;4.3.2 Psychoedukation - Informationsvermittlung und Aufklärung;144
7;5 Ausblick;153
8;Literatur;160
9;Anhang;172
9.1;Explorationsleitfaden zur Einschätzung der kindlichen Belastungen;174
10;Mehr eBooks bei www.ciando.com;0


(S. 100-101)

Der Umgang mit stressreichen Ereignissen und kritischen Lebensumständen hängt wesentlich davon ab, welche Mittel und Wege vorhanden sind, das heißt welche personalen und sozialen Ressourcen verfügbar und mobilisierbar sind, um konstruktive Bewältigungshandlungen einzuleiten. Starke Ressourcen befähigen eine Person die Probleme und Belastungen erfolgreich zu bewältigen. So zeigen beispielsweise die Ergebnisse aus der Stress- Bewältigungsforschung und Resilienzforschung, dass zahlreiche Kinder, die mit einem psychisch kranken Elternteil aufwachsen, sich positiv entwickeln und allenfalls nur kurzzeitig mit Verhaltensauffälligkeiten bzw. psychischen Störungen auf die belastende familiäre Situation reagieren (siehe Kapitel 2.3). Schwache Ressourcen machen hingegen die Person vulnerabel und empfänglich für Belastungen, die längerfristig zu klinisch relevanten psychischen oder körperlichen Symptomen führen können, wie die Risikoforschung bei den Kindern psychisch kranker Eltern nachweisen konnte (siehe Kapitel 1.1).

Betrachtet man die Ergebnisse sowohl der Risikoforschung als auch der Stress-Bewältigungsforschung und Resilienzforschung so wird deutlich, dass gezielte Interventionen und Unterstützungsmaßnahmen für Kinder psychisch kranker Eltern vor allem auf eine Aktivierung und Stärkung der personalen und sozialen Ressourcen der Kinder abzielen sollten. Die Meta-Analysen von Grawe und seinen Mitarbeitern (1994) zeigen, dass durch die Ressourcenaktivierung und -stärkung die Grundlage für die Bewältigung der Probleme und Stresssituationen geschaffen wird. „Wo sollen Kraft und Mittel für die Veränderung herkommen, wenn nicht aus dem, was der Patient und seine Lebenssituation bereits an Intentionen und Möglichkeiten mitbringen bzw. enthalten?" (Grawe, 1998, S. 96).

Ressourcen stellen nicht nur eine wichtige Rolle in Bewältigungsprozessen dar, sondern bewirken darüber hinaus eine Verbesserung des Wohlbefindens der Person. Häufig wird nur am Rande oder in indirekter Form auf die Funktion von personalen und sozialen Ressourcen als zentrales Mittel zur individuellen Bedürfnisbefriedigung verwiesen und ihre Bedeutung für die psychosoziale Anpassung und für die physische und psychische Gesundheit hervorgehoben. Grawe (1998) hat den bedürfnisbezogenen Aspekt umfassend herausgearbeitet. Er greift in seinen Überlegungen auf die integrative Persönlichkeitstheorie von Epstein zurück, in der die Grundbedürfnisse des Individuums eine zentrale Stellung innehaben. Die Grundbedürfnisse bilden gewissermaßen die Eckpfeiler, an denen sich die gesamte psychische Aktivität einer Person ausrichtet. Epstein (zit. nach Grawe, 1998) unterscheidet vier gleichrangige Grundbedürfnisse des Menschen:

• Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle: Dabei geht es nicht nur um die Kontrolle der aktuellen Situation, sondern auch um die Sicherstellung eines möglichst großen Handlungsspielraumes (positive Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartungen).
• Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung: Dieses Grundbedürfnis beinhaltet das Bestreben, positive Emotionen herbeizuführen und negative Emotionen zu vermeiden.
• Das Bedürfnis nach Bindung: Die Bindungstheorie betont das Bedürfnis nach sicherer Bindung, nach Trost, Schutz, Fürsorge und Feinfühligkeit für Signale.
• Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz: Menschen möchten ein positives Bild von sich selbst haben, sich als kompetent, von anderen geachtet und geliebt sehen.

Ressourcen werden von Grawe also nicht nur als Mittel zur Bewältigung von kritischen Lebensereignissen und Belastungen betrachtet, sondern darüber hinaus als positive Potenziale und Möglichkeiten verstanden, die einer Person zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zur Verfügung stehen. Die Grundbedürfnisse Kontrolle, Lustgewinn, Bindung und Selbstwerterhöhung, die von Grawe als zentral für den Bereich der Psychotherapie angesehen werden, decken sich im Wesentlichen mit den kindlichen Grundbedürfnisse wie sie beispielsweise von Brazelton und Greenspan formuliert worden sind (siehe Kapitel 1.1.4). Im Kindesalter kommt noch das Bedürfnis nach Schutz und Versorgung als ein zusätzliches Grundbedürfnis hinzu.


Prof. Dr. phil. Albert Lenz, geb. 1951. 1973-1979 Studium der Psychologie, Soziologie und Pädagogik in München. 1988 Promotion. Weiterbildung in Paar- und Familientherapie, Krisenintervention. Seit 1994 Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn, Fachbereich Sozialwesen. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Gemeindepsychiatrie, Beratung und Jugendhilfe, Soziale Netzwerke und Empowerment, Theorie und Praxis der Gemeindepsychologie.



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