E-Book, Deutsch, 319 Seiten
Lenz Mobilitäten in Europa
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-531-92287-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Migration und Tourismus auf Kreta und Zypern im Kontext des europäischen Grenzregimes
E-Book, Deutsch, 319 Seiten
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-92287-4
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Dr. Ramona Lenz promovierte als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Gisela Welz am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Geleitwort;6
2;Vorwort;8
3;Inhaltsverzeichnis;9
4;Abbildungsverzeichnis;13
5;Einleitung;14
6;1Mobilitäten;22
6.1;1.1Zum Begriff des Paradigmenwechsels;23
6.2;1.2Zum Begriff des;30
6.3;1.3Denken in Metaphern;33
6.4;1.4Zur „Metaphysik der Sesshaftigkeit“;35
6.5;1.5Zur „Metaphysik der Mobilität“;40
6.6;1.6Metaphern der Mobilität – Leitfiguren der (Post-)Moderne?;44
6.6.1;Flüsse, Netzwerke, Landschaften;46
6.6.2;Wege, Transportmittel, Transiträume;55
6.6.3;Menschen in Bewegung;64
6.7;1.7 Zweifel und Kritik am mobility turn;69
6.8;1.8Fazit;73
7;2Migration und Tourismus;77
7.1;2.1 Künstlerische Projekte zu Migration und Tourismus;79
7.2;2.2 Sozial- und kulturwissenschaftliche Studien zu Migration und Tourismus ;86
7.3;2.3 Konzepte der Migrationsund Tourismusforschung ;94
7.3.1;Transnationalisierung;94
7.3.2;Raum;96
7.3.3;Authentizität;98
7.3.4;Gastfreundschaft;102
7.3.5;Der „touristische Blick“ und die Differenz;107
7.4;2.4Fazit;114
8;3Europa;116
8.1;3.1Kapitelüberblick;118
8.2;3.2 Historische Situierung statt selektiver Rückgriffe auf die Menschheitsgeschichte;119
8.2.1;3.2.1 Räumliche Eingrenzung: Wo hört Europa auf?;121
8.2.2;3.2.2 Zeitliche Eingrenzung: Wann beginnt Europa?;122
8.2.2.1;Griechenland als „Wiege der europäischen Zivilisation“;122
8.2.2.2;Die „Geburt Europas“ im Römischen Reich;123
8.2.2.3;Der „Vater Europas“, das mobile Christentum und der Aufstieg der Städte imMittelalter;124
8.3;3.3 Zur Herausbildung des europäischen Mobilitätsregimes seit dem Ende des Mittelalters unter besonderer Berücksichtigung Südeuropas;128
8.3.1;3.3.1 Von der frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg;128
8.3.1.1;Südeuropa und der Mittelmeerraum am Beginn der frühen Neuzeit;128
8.3.1.2;Die Herausbildung von Nationalstaaten und die Formierung derDisziplinargesellschaft;130
8.3.1.3;Das Zeitalter der Nation und des Massenverkehrs;133
8.3.1.4;Die Herausbildung einer transnationalen Migrationsdynamik zwischen SüdostundWesteuropa und nach Übersee;135
8.3.1.5;Der Erste Weltkrieg und das „Jahrhundert der Flüchtlinge“;136
8.3.1.6;Der Zweite Weltkrieg und die Produktion von „BürgerInnen zweiter Klasse“;138
8.3.2;3.3.2 Nach 1945;140
8.3.2.1;Die Nachkriegsjahre;140
8.3.2.2;Die westeuropäischen Migrationsregimes, Arbeitsmigration aus Südeuropa undder Ausbau des Massentourismus im Mittelmeerraum nach 1950;141
8.3.2.3;Das Ende der Anwerbung und die Bemühungen um Rückkehr;143
8.3.2.4;Die „neue“ Migration;144
8.4;3.4 Migration und Tourismus als Regulationsobjekte des EU-Mobilitätsregimes;146
8.4.1;3.4.1 Der EU-Erweiterungsprozess und die Regulation von Migration;146
8.4.1.1;Die europäische Mobilitätsordnung der konzentrischen Kreise;146
8.4.1.2;Die neue „Kunst des Regierens“ im erweiterten Europa;148
8.4.1.3;Die „prinzipielle Variabilität der Grenzen“ und die „europäische Apartheid“;149
8.4.1.4;Die Ausdifferenzierung der Grenzverläufe und -funktionen;150
8.4.1.5;Die machtvolle Klassifizierung mobiler Personengruppen;153
8.4.2;3.4.2 Der EU-Erweiterungsprozess und die Konstruktion einer europäischenIdentität in Programmen zu Mobilität, Kultur und Tourismus;157
8.4.2.1;TouristInnen als Regulationsobjekte des europäischen Grenzregimes;157
8.4.2.2;EU-Kulturpolitik und die Konstruktion einer europäischen Identität;158
8.4.2.3;Tourismus als Gegenstand von Kultur- und Identitätspolitiken der EU und desEuroparats;160
8.4.2.4;Kritik der Implementierungskritik;163
8.4.2.5;Migration im Museum;165
8.4.2.6;Die EU im Mittelmeerraum;167
8.5;3.5Fazit;169
9;4Kreta;172
9.1;4.1Zur Feldforschung;172
9.2;4.2Tourismus in Griechenland;176
9.3;4.3Migration in Griechenland;179
9.4;4.4Tourismus und Migration auf Kreta;188
9.5;4.5 Touristische Blicke auf Kreta: Von authentischen Dörfern und echten GriechInnen;195
9.6;4.6 Griechische ArbeitgeberInnen und DienstleisterInnen, der touristische Blick und das migrantische Personal;204
9.7;4.7 Dauertouristische bzw. arbeitsmigrantische Blicke von WesteuropäerInnen auf GriechInnen und AlbanerInnen;208
9.8;4.8 Migrantische DienstleisterInnen und ihre Erfahrungen im Umgang mit dem europäischen Mobilitätsregime, dem alltäglichen Rassismus inGriechenland und den touristischen Blicken;213
9.8.1;Erfahrungen mit Behörden;219
9.8.2;Erfahrungen mit ArbeitgeberInnen;222
9.8.3;Erfahrungen mit griechischen Gästen;223
9.8.4;Erfahrungen mit ausländischen TouristInnen;224
9.8.5;Strategien;225
9.8.6;Zukunftspläne;226
9.9;4.9Fazit;229
10;5Zypern;233
10.1;5.1Zur Feldforschung;233
10.2;5.2 Die Mobilitätsgeschichte Zyperns seit dem Ende der britischen Kolonialzeit bis zum EU-Beitritt;235
10.3;5.3 Der EU-Beitritt, die ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit und die Direktive 2003/109/EC;241
10.4;5.4„Drittstaatenangehörige“ im Hotel-, Restaurantund Catering-Sektor;246
10.5;5.5 Die Konstruktion von MigrantInnen als Bedrohung der „typisch zypriotischen Gastfreundschaft“;253
10.6;5.6Migration und Tourismus in Plagia;255
10.6.1;Illegalität und Schwarzarbeit;257
10.6.2;EU-BürgerInnen zuerst: Ausbeutung trotz Arbeitsvertrag;259
10.6.3;Illegale Jobvermittlungen und Europäerinnen ohne Arbeitsvertrag;262
10.6.4;Zukunftspläne;264
10.7;5.7Fazit;268
11;6Zur Multifunktionalität touristischer Infrastruktur im Mittelmeerraum;273
11.1;6.1„Hotel Royal“ – Ferienquartier und Abschiebelager;273
11.2;6.2 Zur Plausibilität der in den Texten zum mobility turn angelegtenDichotomien am Beispiel von „Hotel Royal“;274
11.2.1;Mobilität versus Immobilität;275
11.2.2;Freiwillige versus erzwungene Mobilität;277
11.2.3;Tourismus versus Migration;278
11.3;6.3Ausblick;280
12;Schluss;283
13;Literaturverzeichnis;287
13.1;Presse;314
13.2;Bildnachweise;315
4 Kreta (S. 175-176)
Griechenland hat knapp elf Millionen EinwohnerInnen (vgl. NSSG 2007, 35). Es grenzt an die Länder Albanien, Mazedonien, Bulgarien und Türkei, die alle – außer Bulgarien seit 2007 – nicht Teil der Europäischen Union sind, so dass die griechischen Landesgrenzen sowohl entlang der Küsten als auch auf dem Festland größtenteils gleichzeitig EU-Außengrenzen sind.1 Seit den 1960er Jahren ist Griechenland von einem rapiden Wachstum des Tourismus gekennzeichnet, 1981 wurde es Mitglied der Europäischen Gemeinschaft und spätestens seit Anfang der 1990er Jahre kann es als Einwanderungsland bezeichnet werden. Inwiefern die Tourismusentwicklung, die Orientierung Griechenlands in Richtung Europa und Migrationsbewegungen miteinander verschränkt sind, möchte ich am Beispiel meiner Forschung in Rethymno, einer Stadt im Norden Kretas, der größten griechischen Insel, verdeutlichen, die ich im Frühjahr und im Sommer 2004 durchführte.
4.1 Zur Feldforschung
Um einen möglichst breit gefächerten Eindruck von der touristisch-migrantischen Infrastruktur und ihrer Nutzung vor Ort zu bekommen, wählte ich verschiedene Unterkünfte für meinen Aufenthalt in Rethymno aus. Ich übernachtete sowohl in einem vor allem von dem Reiseveranstalter „Neckermann Reisen“ für Pauschalreisende aus Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn gebuchten Hotel etwas außerhalb der Altstadt als auch in einem Gästehaus, einer Pension und einer Jugendherberge im Stadtzentrum. Ich sprach mit dem griechischen und nicht-griechischen Personal ebenso wie mit verschiedenen Gästen.
Es stellte sich dabei heraus, dass die touristische Infrastruktur nicht nur von TouristInnen genutzt wird, sondern auch von verschiedenen anderen Reisenden (vgl. hierzu auch Kapitel 6). Während meines Aufenthaltes in dem Neckermann-Hotel hatte ich es zwar vorwiegend mit PauschaltouristInnen zu tun, erfuhr aber von der Hotelmanagerin, dass einige Hotelzimmer über Winter häufig an StudentInnen vermietet würden. Ähnliches ließ sich auch in anderen Unterkünften beobachten. In der Pension traf ich beispielsweise zwei Erasmus-Studentinnen aus Frankreich und eine Studentin aus dem Norden Griechenlands, die auf Kreta studierten. In dem Gästehaus hatte sich ein ehemaliger deutscher Tourist, der später nach Kreta ausgewandert war, dauerhaft in einer Dachkammer eingerichtet.
Die Jugendherberge war zwar vor allem eine wichtige Adresse für Kurzaufenthalte von RucksacktouristInnen, gleichzeitig fanden sich aber auch hier viele Dauergäste unterschiedlichen Alters, vorwiegend aus Großbritannien, die auf Kreta arbeiteten. Auch von albanischen DienstleisterInnen erfuhr ich, dass die Jugendherberge ihre erste Übernachtungsgelegenheit auf Kreta gewesen war, bevor sie sich dann zu mehreren eine kleine Wohnung über den Sommer gemietet hatten. In allen Unterkünften traf ich zudem auf nicht-griechische Bedienstete.




