Lenzen | Künstliche Intelligenz | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6302, 273 Seiten

Reihe: Beck Paperback

Lenzen Künstliche Intelligenz

Was sie kann & was uns erwartet
4. Auflage 2023
ISBN: 978-3-406-81282-8
Verlag: Verlag C. H. Beck GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Was sie kann & was uns erwartet

E-Book, Deutsch, Band 6302, 273 Seiten

Reihe: Beck Paperback

ISBN: 978-3-406-81282-8
Verlag: Verlag C. H. Beck GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Künstliche Intelligenz (KI) ist die neue Zauberformel des digitalen Kapitalismus. Sie steht für Maschinen, die können, was der Mensch kann: hören und sehen, sprechen, lernen, Probleme lösen. In manchem sind sie inzwischen nicht nur schneller, sondern auch besser als der Mensch. Wie funktionieren diese klugen Maschinen? Bedrohen sie uns, machen sie uns gar überflüssig? Intelligente Computersysteme stellen medizinische Diagnosen und geben Rechtsberatung. Sie managen den Aktienhandel und steuern bald unsere Autos. Sie malen, dichten, dolmetschen und komponieren. Immer klügere Roboter stehen an den Fließbändern, begrüßen uns im Hotel, führen uns durchs Museum oder braten Burger und schnipseln den Salat dazu. Doch neben die Utopie einer schönen neuen intelligenten Technikwelt sind längst Schreckbilder getreten: von künstlichen Intelligenzen, die uns auf Schritt und Tritt überwachen, die unsere Arbeitsplätze übernehmen und sich unserer Kontrolle entziehen. Die Journalistin und KI-Expertin Manuela Lenzen zeigt, welche Hoffnungen und Befürchtungen realistisch sind und welche in die Science-Fiction gehören. Sie beschreibt, wie ein gutes Leben mit der Künstlichen Intelligenz aussehen könnte - und dass wir von klugen Maschinen eine Menge über uns selbst lernen können.

Manuela Lenzen hat in Philosophie promoviert und schreibt als freie Wissenschaftsjournalistin über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Kognitionsforschung.


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EINLEITUNG


VERWIRRENDE NEUE TECHNIKWELT

Sie ist angekommen. Künstliche Intelligenz ist nicht länger eine ferne Vision. Längst stehen KI-gestützte Übersetzungsprogramme kostenlos im Internet zur Verfügung, Schülerinnen und Schüler lassen Chatbots ihre Hausaufgaben machen, KI-generierte Bilder fluten die sozialen Medien, mit einem Bot zu telefonieren ist fast schon Alltag. Auf den Haushaltsroboter, der für uns putzt und aufräumt, warten wir allerdings bis heute, und auch die selbstfahrenden Autos sind trotz intensiver Forschung und hoher Investitionen noch immer nicht unterwegs. Dennoch reibt sich der Mensch angesichts der rasanten Entwicklungen der letzten Jahre ein wenig verwundert und verwirrt die Augen. Das sei alles nur Mathematik, sagen die einen, diese Systeme seien stochastische Papageien, die kein Wort von dem, was sie von sich geben, verstehen. Das könne nicht sein, sagen andere, die Systeme zeigten ganz klar Zeichen von Verständnis und manchmal vielleicht sogar von Bewusstsein. Das seien nach wie vor Werkzeuge wie andere auch, heißt es auf der einen Seite, das sei ganz klar ein Schritt hin zu einer übermächtigen und sich verselbständigenden Technik, sagen die anderen. Auf jeden Fall ist die Künstliche Intelligenz längst zu einer komplexen Herausforderung geworden: von der basalen Frage, womit wir es hier eigentlich genau zu tun haben, über die gesellschaftliche Herausforderung, zu bestimmen, wie und wo welche Systeme zum Einsatz kommen sollen, bis hin zu Überlegungen, wohin sich die Gesellschaft mit dieser Technik entwickeln wird.

Computersysteme analysieren heute medizinische Daten, sie sagen die komplexe Faltungsstruktur der Proteine voraus, managen den Aktienhandel und steuern Waffensysteme. Sie malen, dichten, übersetzen und komponieren. Sie finden Muster, wo wir nur ein Rauschen sehen. Roboter begrüßen uns im Hotel, im Supermarkt und am Flughafen, sie führen uns durchs Museum und rufen an, wenn sie mit einem Päckchen vor der Tür stehen. Sie pflücken Gurken, beaufsichtigen Kühe, zapfen Bier, mähen Rasen, putzen Fenster, montieren Handys, spielen Dudelsack oder Fußball, braten Burger und schnipseln den Salat dazu.

Die Künstliche Intelligenz boomt. Derzeit vergeht keine Woche, in der nicht ein neuer Roboter, ein neues generatives Programm, ein neues smartes Gadget auf den Markt kommt, kaum ein Tag ohne Schlagzeilen, die eine kommende oder schon in vollem Gange befindliche Revolution beschwören: durch die Künstliche Intelligenz. Immer mehr kluge Maschinen, virtuelle und reale, riesengroße und winzig kleine, fliegende, laufende, rollende und schwimmende, harte und weiche, niedliche und erschreckende, verlassen die Labors und finden Eingang in unser Leben, unser Arbeiten, unsere Kommunikation, in unsere Körper, unser Denken, unser Weltbild. Und obwohl oder vielleicht gerade weil diese Technik intensiver vorgedacht worden ist als jede andere, von den mit Wasser- oder Luftdruck betriebenen Automaten der Antike über den mittelalterlichen Riesen Golem bis zur Science-Fiction, bringt sie uns zurzeit gehörig aus der Fassung.

Eigentlich mögen wir unsere intelligente Technik. Wer wollte schon ohne sein Smartphone auskommen? Erinnert sich noch jemand an (schlecht riechende) Telefonzellen, vor denen sich bisweilen lange Schlangen bildeten? Möchte jemand auf das Internet mit seinen Suchmaschinen verzichten und stattdessen per Postkarte Informationsbroschüren anfordern, wie es vor nicht allzu langer Zeit üblich war? Und wie hat man vor der Erfindung der Navigationsgeräte eigentlich im Dunkeln durch eine fremde Stadt gefunden?

Die intelligente Technik ist praktisch und Roboter sind faszinierend. Jeder Roboterforscher kennt das Phänomen: Kaum öffnet ein auch nur entfernt an ein menschliches Vorbild erinnernder Roboterkopf mit Papierohren und Lippen aus roten Gummischläuchen knirschend seine Kameraaugen, konkurrieren die Menschen um seine Aufmerksamkeit. Keine Schulklasse, die nicht in Begeisterungsstürme ausbräche, wenn der Lehrer den Dino-Roboter Pleo oder gar den gelenkigen kleinen Humanoiden Nao aus dem Koffer holt. Kein Einkaufszentrum, in dem der fahrende Serviceroboter nicht von Neugierigen umringt oder von einem Schwarm Kinder verfolgt würde, kein Roboterfußballmatch, bei dem die Zuschauer nicht mitfieberten, wenn der Stürmer in Zeitlupe den Ball ins Visier nimmt, surrend den Fuß hebt, schießt und vor lauter Schwung gleich hintenüber fällt. Auch Peter und Petra, robotische Museumsführer des Paderborner Heinz-Nixdorf-Computermuseums, sind gut beschäftigt: Sie führen Besucherinnen und Besucher zu verschiedenen Ausstellungsstationen und halten Kinder mit Versteckspielen bei Laune. Kaum hat man sich umgedreht, sind sie surrend zwischen den Exponaten verschwunden.

Intelligente Maschinen, die alle schmutzige, gefährliche, langweilige, gesundheitsschädliche Arbeit erledigen und den Menschen Zeit lassen, sich den interessanten, kreativen und angenehmen Seiten des Lebens zu widmen, sind ein alter Menschheitstraum. Die Visionen der intelligenten Häuser und Städte der Zukunft erinnern nicht zufällig an (modernisierte) Vorstellungen vom Paradies: Mithilfe klug analysierter Datenmengen, Simulationen zukünftiger Entwicklungen und selbstlernender Algorithmen werden wir unsere Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Müllprobleme lösen, Hunger und Krankheiten besiegen und den Klimawandel in den Griff bekommen. Die miteinander kommunizierenden intelligenten Systeme werden den Alltag wie von selbst organisieren, sie werden unsere Wünsche und Befindlichkeiten eher erkennen als wir selbst und uns jederzeit perfekt umsorgen. Durch Künstliche Intelligenz werden wir uns mit Menschen verständigen können, deren Sprache wir nicht sprechen, Wissen und Kommunikation werden ohne Grenzen fließen und uns unsere globalisierte Welt immer besser verstehen lassen. Künstliche Intelligenz wird die weltweite Produktivität steigern und damit Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle ermöglichen. Zumindest wird sie die Produktion verbilligen, Industrien vor dem Abwandern in Niedriglohnländer bewahren und die Produktivität einer alternden Industriegesellschaft aufrechterhalten.[1] Intelligente Implantate und Prothesen werden Menschen mit Behinderungen helfen, alte Menschen werden dank intelligenter Kalender, Waschbecken und Küchen länger selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können. Das Autofahren wird sicherer und komfortabler, Unterricht und Weiterbildung auf jeden Menschen individuell zugeschnitten. Und auf lange Sicht werden die intelligenten Maschinen nicht einfach Maschinen für dieses oder jenes sein, sondern Universalisten: Für manche Visionäre ist die Künstliche Intelligenz das Problem, das zu lösen alle unsere anderen Probleme lösen wird.[2]

Doch so richtig freuen können wir uns über die Fortschritte der intelligenten Technik trotzdem nicht. «Computer, erzähl mir alles über die Borgs!»: Während Raumschiff-Enterprise-Fans in Amazons Kommunikationssystem Echo endlich realisiert sahen, wovon sie jahrzehntelang nur träumen konnten, ließen Klagen nicht lange auf sich warten. Bald forderte die Polizei erste Echo-Daten für ihre Ermittlungen an,[3] gab es erste Klagen über unerwünscht ins Wohnzimmer gesendete Werbebotschaften des Mitbewerbers GoogleHome.[4] Facebook machte Schlagzeilen mit einem Algorithmus, der Suizidgefährdete erkennen und ihnen Hilfe anbieten sollte,[5] während Verbraucherschützer kritisierten, der Konzern verkaufe Daten über die psychische Verfassung seiner Nutzer an Werbekunden. Während das Europäische Parlament noch diskutierte, ob künstliche Intelligenzen als elektronische Personen gelten sollten,[6] verbot die Bundesnetzagentur die «kluge» Puppe My Friend Cayla, weil sie, kaum gesichert, alles, was im Kinderzimmer gesprochen wurde, aufzeichnete und in der Cloud des Betreibers speicherte und damit jeglichem Schutz der Privatsphäre Hohn sprach.[7] Im Juni 2023 hat die EU-Kommission im Rahmen ihrer Digitalstrategie den Artificial Intelligence Act, einen Gesetzentwurf über künstliche Intelligenz, beschlossen, um die Verwendung «intelligenter» Systeme zu regulieren und Missbrauch vorzubeugen (https://artificialintelligenceact.eu/). Grundlegende Probleme wie der Umgang mit Hassreden im Internet sind noch immer nicht gelöst, nach wie vor wird der Einfluss von Chatbots auf Wahlkämpfe diskutiert, rätseln die Betreiber sozialer Medien, wie man Fake News identifizieren und die Verbreitung von Bildern entsetzlicher Verbrechen verhindern kann. Seit der Veröffentlichung der großen Sprachmodelle verunsichern immer neue Schätzungen über den Prozentsatz der Arbeitsplätze, die...


Manuela Lenzen hat in Philosophie promoviert und schreibt als freie Wissenschaftsjournalistin über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Kognitionsforschung.




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