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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: California Dreams
Leopold The Colors of Your Soul
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-492-60085-9
Verlag: Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Roman | Gefühlvolle New-Adult-Romance rund um die große Liebe in Zeiten von Social Media
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: California Dreams
ISBN: 978-3-492-60085-9
Verlag: Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Kim Leopold schreibt Geschichten, die das Herz höherschlagen lassen - sei es in knisternden New Adult-Romanen oder fantasievollen Welten voller Abenteuer. Ihre Reise in die Buchwelt begann 2015, als sie nach einer Brustkrebsdiagnose beschloss, ihr eigenes Glück nicht mehr aufzuschieben. Seitdem hat sie zahlreiche Bücher veröffentlicht und viele Blogartikel und Podcast-Episoden verfasst. Wenn sie nicht gerade schreibt, unterstützt sie als Grafikdesignerin andere Autor:innen oder verliert sich für ein paar Stunden in einem guten Buch - immer mit dabei: eine heiße Tasse Kaffee und ihre Haustiere. Ihr Motto: 'Ziele nach dem Mond - wenn du ihn verfehlst, landest du immerhin bei den Sternen.
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Pascal
Lake Tahoe, Kalifornien
2
»Komm zu Papa«, flüstere ich und löse eine Hand vom Controller, um meine Drohne sicher aufzufangen, bevor ihr der Akku ausgeht und sie in den Lake Tahoe stürzt. So etwas passiert einem nur einmal im Leben. Nie wieder werde ich mein teures Spielzeug in einem See versenken.
Ich stelle die Drohne aus, nehme die Speicherkarte und den Akku heraus und verstaue sie sicher in ihrer Tasche, wo sie sich bis zu ihrem nächsten Einsatz ausruhen darf. Es ist schon spät, von der Sonne ist fast nichts mehr zu sehen, und ich sollte mir dringend etwas zu essen besorgen, bevor die Supermärkte schließen, aber ich bin zu neugierig auf das Material, das ich heute Nachmittag gefilmt habe.
Mittlerweile ist der Emerald Bay State Park beinahe leer. Die Tagesausflügler sind längst wieder fort, und die Camper sitzen beim Abendessen. Von irgendwo zieht der Geruch eines BBQ zu mir herüber und lässt meinen Magen knurren.
Ein saftiges Steak. Das wäre es jetzt.
Ich klettere vom Dach meines Vans hinunter, um einen Blick in den eingebauten Kühlschrank zu werfen. Ernüchternd. Eine angebrochene Flasche Club Mate, eine Tüte Milch, drei Eier und ein Apfel.
»Dann soll es wohl Rührei sein«, murmle ich und hole eine Pfanne vom Haken, um sie auf eine der beiden Herdplatten zu stellen. Während ich darauf warte, dass sie heiß wird, schalte ich den Mac ein, um die Speicherkarte einzulesen und das Videomaterial der vergangenen Tage zu sichten.
In einer halben Stunde geht mein neues Video online. Die Zeit sollte reichen, um zumindest die Drohnen-Shots anzuschauen. Obwohl dies schon meine zweite Drohne ist, faszinieren mich die Aufnahmen aus der Vogelperspektive noch immer.
Die Bilder verleihen den Videos das gewisse Etwas und helfen, die Botschaft noch eindrücklicher zu vermitteln. Nicht, dass irgendeines meiner Videos perfekt wäre. Im Gegenteil, manchmal will ich sie mir fast nicht noch mal ansehen, weil mir dann zig Sachen auffallen, die ich hätte besser machen können.
Aber das ist eben der Deal mit diesen wöchentlichen Uploads. Man muss so viel wie nur möglich aus der wenigen Zeit machen, die man für ein Video hat.
Und leben will ich ja schließlich auch noch.
Mit meinem Rührei und der noch halb vollen Flasche Club Mate setze ich mich an den schmalen Schreibtisch, den ich damals hier eingebaut habe, und widme mich der Speicherkarte. Die Aufnahmen vom Lake Tahoe sind atemberaubend. Das Wasser ist so unglaublich türkis, dass es aussieht, als hätte man den Regler für den Türkiston im Bildbearbeitungsprogramm bis zum Anschlag geschoben. Das erklärt jedenfalls, wieso die Bucht Emerald Bay heißt. Am liebsten würde ich sofort ins Wasser springen, aber das verschiebe ich lieber auf einen anderen Tag. Im Dunkeln ist es mir zu unsicher.
Der Schwenk vom Wasser des Sees über die dichten Fichtenwälder und die Berge der Sierra Nevada im Hintergrund verleiht den Aufnahmen den Kontrast, den sie brauchen. Die Bilder erinnern mich an meine Kindheit. An die unzähligen Campingausflüge ins Umland von L. A., an die Auszeiten mit meiner Familie, die zu meinen schönsten Erinnerungen gehören – und ich denke, einen Teil davon habe ich mit den Aufnahmen eingefangen.
Die rohen Clips sind so wunderschön geworden, dass mir der Atem stockt. Mit der richtigen Musik, gut gesetzten Schnitten und einer leichten Farbbearbeitung werden die Videos ein wahrer Augenschmaus sein.
Perfekt, um über das zu reden, was mich in den letzten Tagen beschäftigt hat: der Mut, still zu sein. Nicht tagein, tagaus die Lautstärke anderer in unsere Gedanken zu lassen – ob als Videos oder über die sozialen Medien. Seinen eigenen Gedanken endlich wieder den Raum zu geben, den sie verdienen.
Doch dafür muss man mutig sein.
Das ist zumindest meine Erfahrung, denn lange genug war ich es nicht. Mich einfach mal eine Stunde hinsetzen und gar nichts tun, einfach nur in die Weite gucken und in Gedanken schwelgen, das musste ich erst wieder lernen.
Und ich bin der festen Überzeugung, dass es vielen meiner Zuschauer genauso geht. Viel zu schnell dreht sich unsere Welt, viel zu viele Informationen prasseln Tag für Tag auf uns ein und übertönen das, was uns eigentlich zu etwas Besonderem macht.
Unsere Fähigkeit, etwas zu erschaffen.
Unserer inneren Stimme zu folgen.
Zuzuhören, wenn wir den Mut dazu haben.
»Verdammt«, murmle ich mit einem leisen Lächeln und zücke mein Notizbuch, um meine Gedanken niederzuschreiben, damit ich sie in mein nächstes Skript einarbeiten kann.
Das wird ein gutes Video.
Ich freue mich schon darauf, es zusammenzuschneiden. Aber zunächst einmal steht das auf dem Plan, was gerade online gegangen ist.
Ich öffne meinen Kanal und sehe, dass es in den ersten fünfzehn Minuten bereits von mehreren Hundert Zuschauern angeklickt wurde. Die Zahlen jagen mir auch heute wieder einen Schauder über den Rücken.
Vor anderthalb Jahren hätte ich niemals geglaubt, dass mein Kanal so schnell wachsen würde. Andere brauchen fünf, sechs Jahre, bis sie so viele Zuschauer haben – wenn sie solche Zahlen überhaupt erreichen. Bei mir brauchte es bloß ein paar wenige Videos, und die Zuschauerzahlen gingen durch die Decke – das schiebe ich nach wie vor auf mein Filmstudium und meinen Anspruch an die Qualität meiner Videos.
Dankbarkeit für das, was mir meine Zuschauer geben, durchströmt jede einzelne meiner Poren. Ich scrolle mich durch die Kommentare, lese, was sie schreiben, und freue mich darüber, dass so wenig Bullshit kommt.
Diese Leute sind echt genial. Sie lieben meine Videos, ziehen sich Inspiration daraus, geben mir Rat und wollen welchen von mir. Wenn ich manchmal sehe, was Menschen unter anderen Videos kommentieren, kann ich mich wirklich glücklich schätzen, dass meine Community so herzlich und offen ist.
LittleMuffin: Pax, ich liebe deine Videos! Sie treffen mich immer mitten ins Herz. Danke für so viel Gutes im Leben!
Micah Moretti: Alter, muss ich erst unter deinen Videos kommentieren, damit du dich mal meldest? Ruf endlich deine Schwester an, die braucht dich.
Das Herz sackt mir in die Hose, als ich den Kommentar meines Bruders entdecke. Sofort ist mein Höhenflug angesichts des positiven Feedbacks vorbei. Ich fühle mich, wie sich meine Drohne gefühlt haben muss, als sie in den Salt Lake gefallen ist. Mit dem Unterschied, dass es mir in solchen Augenblicken nicht vergönnt ist, fröhlich gluckernd unterzugehen.
Ohne lange nachzudenken, entferne ich den Kommentar, damit meine Zuschauer nichts davon mitbekommen, dass auch ich als tiefenentspannter Minimalist meine Probleme habe.
Probleme, die die Namen Micah, Allegra und Papa tragen.
Ich schreibe Micah eine Nachricht, dass ich mich bei Allegra melden werde und er aufhören soll, solche Dinge unter meine Videos zu posten. Die Antwort meines Bruders kommt prompt.
Würde ich ja, wenn du auf Nachrichten oder Anrufe reagieren würdest, du Arsch.
Seine Worte versetzen mir einen Stich.
Ich habe viel zu tun. Der Podcast und mein Kanal laufen nicht von allein.
Deine Familie läuft auch nicht von allein.
Ich wünschte, er würde es mir nicht so schwer machen. Wenn einer von ihnen mich versteht, dann er – und doch tut er es nicht. Und egal, wie oft ich es ihm erklären will, er ...




