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E-Book, Deutsch, 244 Seiten

Lepthin Plattendenken

6 Quadratmeter Musik
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-6991-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

6 Quadratmeter Musik

E-Book, Deutsch, 244 Seiten

ISBN: 978-3-6951-6991-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer ist schon auf die Welt gekommen und hat von Anfang an für sich festgestellt `Ich höre nur Iron Maiden´? Ich zumindest nicht, auch wenn ich Maiden Platten im Kallax stehen habe. Neben anderen. Aber wie bin ich da hingekommen? Warum habe ich nicht nur Maiden Platten, sondern auch ganz viele andere Sachen dort rumstehen? Ich habe in meinem kleinen Zimmer meine Plattenansammlung gefragt. Ein Dialog über Prägungen, Einflüsse, Brüder, Freunde, Zufälle. Ein Kammerspiel auf sechs Quadratmetern über (m)eine musikalische Entwicklung auf dem langen Weg von der Kindheit bis heute.

Hamburger mit Liebe zur Musik, fähig ein ganzes Musikalbum eines Künstlers am Stück durchzuhören, der ein langes Intro nicht als langweilig empfindet und ehrlich zugibt, das er Nirvana bis heute nicht verstanden hat.
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Wie kommt´s?


Ich bin nicht nur bei Regen in dem kleinen Restroom. Ich kann auch zu anderen Gelegenheiten hier hocken. Und ich kann hier einfach mal sitzen und nichts tun. Frei nach Loriot „Ich möchte einfach nur hier sitzen!“ Aber so richtig nichts tun kann ich dann doch nicht. Und um Loriot noch einmal heranzuziehen und die unvermeidliche Frage „Aber irgendwas musst du doch machen?“ anzufügen, gebe ich zu, nein, so ganz kann ich doch nicht nichts tun.

Ein ruhiger Moment im Zimmer ist für mich auch immer mit dem Griff in die Plattenansammlung verknüpft. Erst so kann ich Ruhe genießen. Zumindest in vielen Fällen. Aber die schöne Theorie und die verflixte Praxis bilden nicht immer eine Einheit. Die Wahl der richtigen Platte ist in solch seltenen Momenten und auf die Schnelle nicht immer einfach. Manchmal hat man schon eine Idee, ein Gefühl, eine konkrete Platte im Kopf, auf die man sich freut. Dann ist die Harmonie schnell erreicht und die Ruhephase eingeläutet. Schlimmer wird es, wenn mein Gefühl mir keine Platte nennt und ich erst einmal darüber nachdenken muss, was ich denn jetzt bitte hören möchte oder könnte. Oder vielleicht sogar muss, weil ich es mir einige Tage zuvor fest vorgenommen hatte, die eine oder andere Platte doch mal wieder aufzulegen. Da kommt man unter Druck. Nicht immer einfach, unter diesen Umständen eine schnelle Entscheidung zu fällen. Man möchte ja nicht die falsche Entscheidung treffen. Im Hinterkopf tobt schon wieder die Gewissheit, dass dieser Moment der Ruhe im kleinen Zimmer nur ein gewisses Zeitfenster hat und der nächste Termin bestimmt nicht lange auf sich warten lässt. Seien es die Frau, Kinder, Verabredungen oder der Gedanke „eigentlich muss ich ins Bett und morgen wieder früh raus!“.

Der Puls steigt, die innere Unruhe wächst. Es ist aber auch eine prekäre Lage. Meine Stimmung gibt einfach nicht immer eine klare Musikausrichtung vor. Da heißt es suchen und entscheiden. Es gab Tage, da habe ich innerhalb von 10 Minuten drei Platten nacheinander aufgelegt und es danach einfach bleiben lassen. Der Tag war einfach nicht für Musik gemacht. Oder mein Repertoire nicht für den Tag. Wie auch immer. Manchmal ist es einfach schwierig, beides miteinander zu vereinen. Ich entscheide mich jetzt erst einmal für eine Tasse Kaffee und Kate Bush. Lange nicht gehört. Vielleicht passt sich die Stimmung der Musik an.

Mich fragte mal eine Arbeitskollegin, woher ich denn eigentlich die ganze Musik kenne, die ich so höre. Oder anders formuliert - wie ich überhaupt auf die Musik gestoßen bin, die ich mag und privat so höre. Musik, die sie bisher nie im Radio gehört hat. Musik, die für sie noch weiter weg ist als beispielsweise die Klassische Musik. Über die stolpert man ja durchaus mal beim Zappen durchs Radioprogramm. Wie komme ich also auf Musik, die eigentlich nie im „normalen“ Radiobetrieb gespielt wird. Musik, bei der sie nicht einmal die Art und Stilrichtung benennen könnte. Geschweige denn, jemals die Namen der dazugehörigen Interpreten/Künstler gehört zu haben. Ein bisschen fremde Welt. Ich war immer davon ausgegangen, dass meine Musik nicht sonderlich Avantgarde ist. Die meisten Musiker in meinem Hörfeld können meines Wissens ziemlich gut von ihrer Musik leben. Aber sie formulierte damit eine Frage, die mich zugegebenermaßen im ersten Moment erstaunte und mit Blick in die Musikabteilungen großer, öffentlich zugänglicher Elektrounternehmen etwas verunsichert zurückließ. Immerhin werden hier so ziemlich alle musikalischen Genres dieser Welt bedient. Zumindest, wenn man nicht gerade südgeorgischen Blackmetal oder HipHop aus Burkina Faso favorisiert. Die Abteilungen sind doch groß und lagern nicht nur das Repertoire des Formatradios auf festem Tonträger in den Regalen. Das sollte bei der Masse an Tonträgern, und dem im Radio gespielten doch begrenzten Chartgeplänkel, eine selbsterklärende Geschichte sein. Eigentlich sollte also für jeden etwas dabei sein, wenn man sich die Zeit nimmt, einmal in jedes Regal reinzuhören. Zumindest sollte es für eine erste musikalische Orientierung reichen. Ich erwarte ja nicht, dass jeder, der beginnt, sich mit Musik auseinanderzusetzen, gleich in den kleinen Plattenladen in der Seitenstraße rennt.

Wie man merkt, brachte mich diese einfache Frage nachhaltig zum Nachdenken, obwohl ich selbst nach einer längeren Gedankenanalyse dieses Ansinnen noch immer als lächerlich abtat. Und doch reizte mich im Hinterstübchen diese kleine, aber tatsächlich ernst gemeinte Frage. Und so sehr ich mich als netter Mensch bemühte, meiner Kollegin etwas Sinnvolles mit auf den Weg zu geben, fand ich spontan keine wirklich plausible Antwort. Zumindest keine kurze, prägnante Antwort. Was soll man auch darauf antworten? Mit „Ist einfach so!“ ist das glaube ich nicht so schnell abgehandelt. Als Befriedigend würde ich als Fragesteller diese Floskel zumindest nicht werten. Ich vertröstete sie erst einmal damit, keine Antwort zu haben.

Um ihr aber irgendwann eine passende Antwort geben zu können, musste ich handeln, einen Plan haben, ein Konzept zur effektiven Lösungsfindung ausarbeiten. Ich brauchte geistigen Beistand. Ideen und Antworten waren gefragt. Ich sah mich genötigt, eine Sondersitzung mit meinem Bruder anzuberaumen. Was ich dann auch fürs nächste Wochenende tat …

… bis dahin hatte ich aber noch Hausaufgaben zu machen. Ich wollte nicht unvorbereitet in das Meeting starten. Also stellte ich mir erst einmal selbst die Frage, wo und wie ich meine Musik überhaupt kennen gelernt habe. Die Musik, die mich prägt und mir den lieben langen Tag im Kopf rumschwirrt. Eine Frage, die, so albern sie vielleicht klingen mag, mir doch Ansporn genug war, mal darüber nachzudenken.

Kate Bush hat fertig gequengelt und die 6 qm² meines kleinen Zimmers wieder verlassen. Ich habe wenig zugehört und lege eine Platte von Calexico auf. Nachdenkmusik.

Die erste Feststellung, die ich jetzt nach dem ersten Sinnieren über die mir jetzt doch wichtige Frage machen kann und auf einen Zettel schreibe, ist:

„1. Grundsätzlich: Es muss ein Interesse an Musik bestehen!“

Ich glaube, das kann ich so stehen lassen. Ohne Interesse, braucht man sich aus dem Dunstkreis des üblichen Radioprogramms nicht wegzubewegen. Ich würde das so in Stein meißeln. Wer nicht schwimmen will, wird es auch nicht lernen. Zumindest nicht mehr als notwendig. Wenn aber auch nur ein Funke Interesse am Wasser besteht, dann wird man irgendwann den Kontakt suchen und sogar gerne schwimmen gehen. Die Füße vom Grund lösen und sich vielleicht noch weiter in tiefere Gewässer wagen. Wer eine unterschwellige Begeisterung für Musik hegt, nicht nur sich berieseln lässt, wird früher oder später, wo auch immer die Musik hören, die ihn fesselt und dabei das Interesse am `Mehr´ schüren. Und wenn es in einer kleinen Taverne. nördlich von Athen im tiefsten Griechenland, aus einem alten Transistorradio ist. Irgendwann findet einen die richtige Musik.

Da steht er nun, mein erster Grundsatz. Ich bin zufrieden. Ich lehne mich in meinem Sessel zurück, lausche der noch immer laufenden Platte und den ruhigen Klängen von Calexico - und weiß nicht so recht mehr weiter. Der warme Wüstenwind, den Calexico durch mein Zimmer pusten, hilft auch gerade nicht.

Aber dann, nach einem Seitenwechsel, formuliert sich hieraus gleich die nächste Frage für mich, nämlich, wie eigentlich meine eigene Musikfindung erfolgte. Was waren/sind meine Einflüsse? Wie bin ich zu der Musik gekommen, die ich bis hier hin in meinem Leben und momentan gerne höre? Wie z.B. eben Calexico in diesem Moment.

Ich schreibe auf:

„2. Grundsatz: Die erste musikalische Prägung erfolgt im Allgemeinen durch musikalische Vorlieben der Eltern oder den großen Bruder!“

Welch gewagte These. Aber ich kann behaupten, dass es zumindest bei mir so war. Ein Grundsatz, der auf mich zugeschnitten ist und bei Bedarf für weitere Einflüsse und alle Richtungen geöffnet werden darf. Nicht umsonst habe ich ja ein Treffen mit meinem Bruder arrangiert. Er war wirklich mein erster bewusster Einfluss und Mentor. Was aber auch heißt: Er hatte keinen großen Bruder als musikalischen Ideengeber. Und da drängt sich die Frage auf: Wo kamen dann seine ersten Einflüsse her?!

Ich bin der festen Überzeugung, wenn Musik im Hause läuft, wird man sie als Kind wahrnehmen und nie wieder vergessen. Unabhängig, ob man den Geschmack der Eltern später noch teilt oder aber deren Musik eher ablehnend gegenübersteht. Bei mir zumindest regen sich noch immer Erinnerungen, wenn ich die alten Melodien von Roger Whittaker oder zu Weihnachten die Lieder von Boney M. höre. Ich kann mich dem nicht entziehen. Auch wenn ich Boney M (vor allem diese Weihnachtsplatte) absolut nicht leiden kann und unerträglich finde. Aber sie wecken trotz dessen Kindheitserinnerungen und Bilder in mir, die mir ein wohliges Gefühl bescheren.

Aber zurück zum Entwicklungsprozess. Erst später, in der fortschreitenden Jugend, werden die Freunde prägend eingreifen und für Orientierung sorgen. Man...



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