Leroux | Das Geheimnis des gelben Zimmers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 261 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

Leroux Das Geheimnis des gelben Zimmers

Le Mystère de la chambre jaune
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96281-493-9
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Le Mystère de la chambre jaune

E-Book, Deutsch, 261 Seiten

Reihe: Krimis bei Null Papier

ISBN: 978-3-96281-493-9
Verlag: Null Papier Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die französische Presse berichtet von einem unfassbaren Mordversuch: Die Tochter des Wissenschaftlers Stangerson wäre beinahe in ihrem Zimmer ermordet worden. Wie kam der Täter in das Zimmer, und vor allem: Wie konnte er unbemerkt fliehen? Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Täter plant, seine Tat zu Ende zu bringen. Das Schloss des Professors entpuppt sich als ein wahres Labyrinth aus Liebesaffären und Doppelleben. Einer der Schlossbewohner muss der Täter sein. Es beginnt eine spannende Mörderhatz, die mit einem für alle überraschenden Finale aufwartet. In diesem Roman treten erstmalig der rätselhafte Ermittler Frédéric Larsan und der Reporter Joseph Rouletabille aufeinander. Die Verfilmung von 2003 war in Frankreich ein großer Erfolg. Gaston Louis Alfred Leroux war ein französischer Journalist und Schriftsteller. Weltbekannt ist er vor allem durch seinen Roman 'Das Phantom der Oper'. Null Papier Verlag

Gaston Louis Alfred Leroux (6. Mai 1868-15. April 1927) war ein französischer Journalist und Schriftsteller. Weltbekannt ist er vor allem durch seinen Roman 'Das Phantom der Oper'
Leroux Das Geheimnis des gelben Zimmers jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Erstes Kapitel – in dem man anfängt, nichts zu begreifen


Nicht ohne eine gewisse Erregung beginne ich die seltsamen Abenteuer Joseph Rouletabilles hier zu erzählen. Er hatte sich das bisher so dringend verbeten, dass ich schon gänzlich daran verzweifelte, jemals eine der merkwürdigsten Detektivgeschichten veröffentlichen zu können. Ich glaube auch, die Öffentlichkeit hätte nie die ganze Wahrheit über den erstaunlichen Fall des Gelben Zimmers erfahren, wenn nicht kürzlich ein Abendblatt einen von Unwissenheit strotzenden oder vermessen hinterlistigen Artikel gebracht hätte, als Professor Stangerson zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und dadurch wieder »aktuell« wurde. Durch diesen Artikel ist die schreckliche Geschichte wieder aufgerührt worden, die Joseph Rouletabille so gern vergessen hätte.

Das Gelbe Zimmer! Wer erinnert sich heute noch dieser Affäre, um die vor vielen Jahren so viel Tinte floss! Man vergisst so schnell in Paris. Die ganze Welt beschäftigte sich monatelang mit jenem düsteren Problem – das düsterste, meines Wissens, das jemals den Scharfsinn unserer Polizei, das Gewissen unserer Richter auf die Probe gestellt hat.

Was niemand entdecken konnte, hat der junge, erst achtzehnjährige Rouletabille, damals ein kleiner Reporter an einer großen Zeitung, gefunden. Doch als er dem Gerichtshof den Schlüssel zu diesem Geheimnis gab, sagte er noch nicht die ganze Wahrheit. Er brachte nur vor, was das scheinbar Unerklärliche erklären, was einen Unschuldigen retten konnte. Über alles andere schwieg er. Heute erst sollen die Freunde, die sich für Joseph Rouletabille interessieren, mehr erfahren, zum Teil aus seinem eigenen Munde. Ich beginne ohne weitere Vorrede mit der Darstellung der Tatsachen, wie sie am Tage nach dem Drama des Schlosses die Welt kennenlernte.

Am 25. Oktober erschien unter den »Letzten Nachrichten« die folgende Notiz im »Temps«:

Ein furchtbares Verbrechen ist in Glandier, an der Grenze des Sainte-Geneviève-Waldes oberhalb Epinay-sur-Orge, im Hause des Professors Stangerson verübt worden. Heute Nacht, während der Hausherr in seinem Laboratorium arbeitete, hat man versucht, Fräulein Stangerson, die in einem Zimmer neben dem Laboratorium schlief, zu ermorden. Die Ärzte können nicht dafür einstehen, Fräulein Stangerson am Leben zu erhalten.

Man stelle sich die Aufregung vor. Die gebildete Welt nahm bereits zu dieser Zeit ein bedeutendes Interesse an den Arbeiten des Professors Stangerson und seiner Tochter. Diese Arbeiten waren die ersten Versuche in der Strahlungslehre, die später das Ehepaar Curie zur Entdeckung des Radiums führten. Auch die Theorie Stangersons über die »Struktur der Materie« wurde viel diskutiert. Seine Denkschrift war noch nicht in der Akademie verlesen; das kam erst später. Aber schon zu jener Zeit war der Name Stangerson weltberühmt. Das erklärt den Eifer, mit dem sich die Zeitungen der Angelegenheit annahmen. Folgender Artikel mit der Überschrift: »Ein übernatürliches Verbrechen« erschien im .

»Hier die einzigen Details«, so schreibt der anonyme Redakteur des , »die wir über das Verbrechen im Schlosse erfahren konnten. Die Verzweiflung, in der sich Professor Stangerson befindet, die Unmöglichkeit, irgendeine Auskunft aus dem Munde des Opfers zu erhalten, haben unsere Forschungen ebenso erschwert wie die gerichtliche Untersuchung. Bisher kann man sich nicht die geringste Vorstellung von den Vorgängen im Gelben Zimmer machen, wo Fräulein Stangerson im Nachtgewande, röchelnd, auf dem Fußboden ausgestreckt, gefunden wurde. Es ist uns aber gelungen, Vater Jacques, einen alten Diener der Familie Stangerson, zu interviewen. Vater Jacques, wie man ihn in der ganzen Gegend nennt, hat gleichzeitig mit dem Professor das Gelbe Zimmer betreten. Dieses Zimmer grenzt an das Laboratorium. Das Laboratorium und das Gelbe Zimmer befinden sich in einem Pavillon im Hintergrunde des Parks, ungefähr dreihundert Meter von dem Schlosse entfernt.

›Es war halb eins‹, so erzählte er uns; ›ich war im Laboratorium, wo Herr Stangerson noch arbeitete, als das Unglück geschah. Ich hatte den ganzen Abend aufgeräumt und Instrumente gereinigt und wartete nun darauf, dass Herr Professor das Laboratorium verlassen möchte, damit auch ich zu Bett gehen konnte. Fräulein Mathilde hatte mit ihrem Vater bis Mitternacht gearbeitet; als die Kuckucksuhr im Laboratorium Mitternacht schlug, ist sie aufgestanden, hat Herrn Stangerson geküsst und ihm gute Nacht gewünscht. Zu mir hat sie gesagt: Gute Nacht, Vater Jacques! und dann hat sie die Tür des Gelben Zimmers geöffnet. Wir hörten, wie sie die Tür zuschloss und den Riegel vorschob; ich musste ordentlich lachen und sagte zum Herrn: Das Fräulein schließt sich ein. Gewiss hat sie Angst vor dem ! Der Herr hat mich gar nicht gehört, so vertieft war er in seine Arbeit. Aber wie eine Antwort kam von draußen ein grässliches Miauen, in dem ich das Geschrei dieser Teufelsbestie erkannte, die man bei uns das nennt; es war so schauerlich, dass mir eine Gänsehaut über den Rücken lief. Wird es uns heute Nacht wieder stören, dachte ich; denn ich muss Ihnen sagen, dass ich bis Ende Oktober oben auf dem Boden des Pavillons über dem Gelben Zimmer schlafe, bloß damit das Fräulein nicht die ganze Nacht allein hier hinten im Park bleibt. Es ist so eine Idee vom Fräulein, solange die schöne Jahreszeit dauert, im Pavillon zu wohnen; da gefällt es ihr gewiss besser als im Schloss. Die ganzen vier Jahre, seit der Pavillon steht, richtet sie sich jedes Mal hier ein, wenn es Frühling wird. Wenn es dann wieder Winter wird, zieht das Fräulein ins Schloss zurück, denn im Gelben Zimmer ist kein Kamin.‹

Wir waren also im Pavillon, Herr Stangerson und ich. Wir machten gar kein Geräusch. Er war an seinem Schreibtisch beschäftigt. Ich saß auf einem Stuhl, da ich mit meiner Arbeit fertig war. Ich lege dem Umstande große Bedeutung bei, dass wir kein Geräusch machten, denn deshalb hat der Mörder sicher geglaubt, wir wären fort. Plötzlich, während der Kuckuck halb eins rief, drang ein verzweifeltes Geschrei aus dem Gelben Zimmer. Es war die Stimme des Fräuleins: Mörder! Mörder! Hilfe! Im gleichen Augenblicke knallten...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.