E-Book, Deutsch, 747 Seiten, Web PDF
Letmathe / Eigler / Welter Management kleiner und mittlerer Unternehmen
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8350-5498-1
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Stand und Perspektiven der KMU-Forschung
E-Book, Deutsch, 747 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8350-5498-1
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Der vorliegende Sammelband, der im Nachgang zur Siegener Mittelstandstagung 2006 entstanden ist, schließt diese Lücke, indem die betriebswirtschaftliche Mittelstandsforschung in ihrer gesamten Breite dargestellt sowie der künftige Forschungsbedarf aufgezeigt wird. Im Fokus stehen folgende Themen:
• Unternehmensgründung und -nachfolge
• Strategisches Management
• Innovationsmanagement
• Marketing und Internationalisierung
• Finanzierung
• Rechnungswesen und Steuern
Zielgruppe
Research
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Gründung und Unternehmensnachfolge.- Unsicherheit, Legitimation und junge Unternehmen.- Habitual Founders — Stand und Perspektiven der empirischen Forschung.- Strukturen und Prozesse in Gründerteams als Determinanten des frühen Unternehmenserfolgs.- Ergebnisse einer empirischen Studie zur Entrepreneurship Education in der Region Siegen und Olpe — Darstellung von branchenspezifischen Unterschieden in der Bedeutung von Unternehmereigenschaften.- Vom Studium zur Gründung — eine typisch deutsche Hochschulkarriere? — Bestandsaufnahme und Perspektiven der Gründungsförderung an Hochschulen.- Gründungsförderung durch Wirtschaftskammern und Kommunen: Angebote, Potenziale und regionale Kooperationen in Deutschland.- Nachfolgebezogene Unternehmenskrisen im Mittelstand — Eine zentrale ökonomische Herausforderung im Mittelstand aus evolutionsökonomischer Perspektive.- Strategisches Management.- Strategisches Management in kleinen und mittleren Unternehmen — Eine empirische Bestandsaufnahme.- Businessplan als Erfolgsfaktor und seine Umsetzung durch die Balanced Scorecard.- Die Rolle des Unternehmers als kritischer Erfolgsfaktor für das strategische Management in KMUs.- Fremdmanagement in Familienunternehmen: Annäherung an eine vielschichtige Thematik.- Situationsadäquate Gestaltung des Projektmanagements in mittelständischen Unternehmen.- Führungskräfterekrutierung im Mittelstand: Beschaffungswege, Auswahlverfahren und Entscheidungsprozesse.- Der Insolvenzplan als Instrument eines integrierten Turnaround-Managements in KMU.- Management in der Krise: Strategien und strategische Gruppen in der deutschen Brauwirtschaft.- Innovationsmanagement.- Chance FuE: Erfolgskritische Faktoren im Innovationsmanagement von KMU.- Methodische und prozessuale Unterstützungvon Innovationsvorhaben in kleinen und mittleren Unternehmen.- Netzwerke zur Stärkung der Innovationskraft mittelständischer Unternehmen.- Hands-On Innovations.- Mobile Business — Strategie und Erfolgsfaktoren für den Mittelstand.- Schutzrechtsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) — Besonderheiten und Probleme: Die Ausgestaltung der Verwertung von Schutzrechten als eine Form des Schutzrechtsmanagements.- Marketing und Internationalisierung.- Beziehungsmanagement im industriellen Anlagengeschäft — Ein Konzept integrierter Kommunikationspolitik aus mittelständischer Anbieterperspektive.- Beziehungsmanagement als elementarer Bestandteil des Wissensmanagements von kleinen und mittleren Unternehmen.- Markenorientierung mittelständischer B-to-B-Unternehmen.- Internationalisierung des deutschen Mittelstands — Bedeutung und Umfang.- Chancen und Risiken deutscher kleiner und mittlerer Unternehmen in der VR China.- Erfolgsfaktoren deutscher kleiner und mittlerer Unternehmen in Rumänien — eine empirische Analyse.- Exportorientiertes Projektrisikomanagement im mittelständischen Betrieb.- Geht die staatliche Außenwirtschaftsförderung an den Bedürfnissen des Mittelstands vorbei? Empirische Analyse und Handlungsoptionen.- Finanzierung.- Basel II und die Bankkreditfinanzierung von kleinen Unternehmen: eine Analyse der Auswirkungen der ersten Säule des neuen Eigenkapitalakkords.- Ein objektivitäts- und qualitätsorientierter Rating-Prozess für den kleineren Mittelstand.- Stand der controllingbezogenen Vorbereitungen polnischer mittelständischer Unternehmen auf Basel II.- Zur Vorteilhaftigkeit syndizierter Verträge in der VC-Finanzierung.- Rechnungswesen und Steuern.- Die wertorientierte Steuerung konglomerater Familienunternehmen.-Betriebswirtschaftliche Bewertungstechniken: ein softwaregestützter Integrationsansatz für KMU.- Methodische Überlegungen zur Harmonisierung von Normen und Standards im Bereich der Rechnungslegung aus Sicht des Mittelstandes.- Erfordert eine Reform der Unternehmensbesteuerung die Berücksichtigung von KMU?.- Einige kritische Anmerkungen zu den Schenkung- und erbschaftsteuerlichen Änderungen im Zuge des Gesetzes zur Sicherung der Unternehmensnachfolge.
Unsicherheit, Legitimation und junge Unternehmen (S. 3)
Michael J. Fallgatter
1 Problemstellung und Vorgehensweise
In einigen Kernbereichen hinterlässt die Entrepreneurshipforschung einen unbefriedigenden Eindruck: eine Reproduktion wichtiger Forschungsergebnisse scheint verbreitet zu sein. Dies gilt v.a. für Studien zur Notwendigkeit einer Geschäftsplanung, zur Erfolgsfaktorenforschung und auch für Teile der äußerst traditionsreichen Forschungen zur Unternehmerperson. So münden einige Studien in weitgehend uniformen Darstellungen der als Allgemeingut einstufbaren typischen Unternehmereigenschaften (vgl. Fallgatter 2002, 116-126).
Eine wesentliche Ursache für diese Situation ist methodischer Natur: Oft lässt es sich bei empirischen Studien nicht umgehen, dass Stichproben sehr heterogen sind und hinsichtlich ihres Potenzials stark unterschiedliche Typen junger Unternehmen sich in der gleichen Untersuchung wieder finden.
Dies liegt daran, dass kaum valide Prognosen über Entwicklungen junger Unternehmen möglich sind, da Innovationen, Geschäftskonzeptionen, Branchen und Umweltbedingungen regelmäßig erst im Zeitablauf hinsichtlich ihres ökonomischen Potenzials fundiert eingeschätzt werden können. Allerdings vernachlässigen auch theoriebildende Arbeiten eine explizite Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Typen junger Unternehmen und unterscheiden junge Unternehmen üblicherweise lediglich in formaler Hinsicht nach Gründungspersonen bzw. -institutionen oder hinsichtlich prägender Finanzierungsquellen.
Dies nimmt der vorliegende Beitrag zum Ausgangspunkt und thematisiert Typen junger Unternehmen, also Unternehmen in den ersten fünf bis acht Jahren nach ihrer Gründung. Den Kern der Argumentation bilden die spezifische Unsicherheitssituation junger Unternehmen sowie etablierte Studien zur Branchenentwicklung. Der Beitrag arbeitet eine innovative Systematik heraus und ermöglicht so einen vertieften Einblick in zentrale Zusammenhänge der Entwicklung junger Unternehmen. Die Argumentation verbleibt nicht auf einer deskriptiv-sys- tematisierenden Ebene, sondern widerspricht einigen als anerkannt und bestätigt eingestuften Forschungsergebnissen.
Der Beitrag setzt sich aus fünf Kapiteln zusammen. Das folgende Kapitel stellt einen Zusammenhang zwischen jungen Unternehmen und verschiedenen Unsicherheitssituationen her. Dazu wird auf entscheidungstheoretische Überlegungen Bezug genommen. Dies führt zu drei Unsicherheitssituationen junger Unternehmen und erhebt einen grundlegenden und umfassenden Anspruch (2). Im Anschluss stellt sich die Frage nach der Entwicklung von Unsicherheitssituationen.
Eine Beantwortung erfolgt unter Rückgriff auf die Legitimationsforschung. Angesprochen ist die Akzeptanz und Durchsetzbarkeit von neuen Geschäftskonzeptionen und Innovationen (3). Diese beiden Argumentationsstränge schaffen die Basis für die Differenzierung von Typen junger Unternehmen. Leitend ist dabei die Frage, wie Ressourcenaustauschprozesse in den vorgestellten Unsicherheitssituationen in Gang kommen können (4). Ausgehend von den so differenzierten Typen junger Unternehmen lassen sich einige etablierte Erkenntnisse und Überzeugungen neu bewerten (5).
2 Junge Unternehmen und Unsicherheitssituationen
2.1 Formale Unterscheidung junger Unternehmen
Vorschläge zur Systematisierung junger Unternehmen setzen vielfach an institutionellen Gegebenheiten, bspw. der Rechtsform, der Finanzierungsform, den Gründerpersonen oder den Gründungsunternehmen an. Den Ausgangspunkt einer umfassenden formalen Systematisierung bildet auf der einen Seite die Frage, ob ein Unternehmen bereits besteht (vgl. Saßmannshausen 2001, 129, Fallgatter 2002, 27).
Die Begriffe „Strukturschaffung und -veränderung" erfassen diesen Sachverhalt und führen zur Unterscheidung von originären und derivativen Gründungen. Auf der anderen Seite lassen sich junge Unternehmen nach den initiierenden Personen oder Institutionen unterscheiden (s. Abb. 1). Den primären Gegenstand der Entrepreneurshipforschung bilden üblicherweise die originären Gründungen. Vor allem von etablierten Unternehmen durchgeführte Projekte sowie risikokapitalfinanzierte Unternehmen erklären sich weitgehend von selbst.
Demgegenüber weniger eindeutig unterscheiden sich Existenz- und Unternehmensgründungen. Diese begriffliche Differenzierung spricht erhebliche Unterschiede in den Geschäftsideen sowie dem Wachstums- und Beschäftigungspotenzial an (vgl. Szyperski/Nathusius 1977, 27-28, Fallgatter 2004a, 25- 27).




