Levine / Heller Warum wir uns immer in den Falschen verlieben
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-641-06566-9
Verlag: Kailash
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Beziehungstypen und ihre Bedeutung für unsere Partnerschaft
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-641-06566-9
Verlag: Kailash
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dieses Buch erschien ursprünglich unter dem Titel "Wer bist du, wenn du liebst?" als gebundenes Buch im Kailash Verlag.
Amir Levine ist Professor für Psychiatrie und Direktor des SecureLab an der Columbia University. Als Neurowissenschaftler und Psychiater behandelt er Erwachsene, Kinder und Jugendliche. In seiner Privatpraxis beaufsichtigt und schult er Therapeuten in neuartigen, auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen über Bindungen basierenden Behandlungen, die Menschen zu mehr Sicherheit verhelfen sollen. Er berät und behandelt Einzelpersonen, Paare und Familien.
Weitere Infos & Material
(S. 112-113)
Wenn in einem Paar die Bedürfnisse nach Nähe kollidieren, wird die Beziehung wahrscheinlich eher einer stürmischen Seereise als einem sicheren Hafen gleichen. Hier drei Beispiele für das, was wir meinen.
Worum geht es bei diesem Streit? Das eigentliche Problem wird deutlich, wenn wir das Bild erweitern: Janet macht die Wäsche am Wochenende, und zwar in der Wohnung ihrer Schwester im nächsten Häuserblock. Das ist vernünftig – ihre Schwester hat eine Waschmaschine, es kostet nichts und macht kaum Mühe. Janet vertrödelt jedoch dann den ganzen Tag dort. Sie ist ein vermeidender Beziehungstyp und findet immer Gelegenheiten, sich von Mark abzuseilen. Für den ängstlichen Mark ist der Wunsch nach einer Waschmaschine im Grunde der Wunsch nach etwas ganz anderem: nach mehr Nähe zu Janet.
So gesehen ist der Streit um die Waschmaschine nur ein Symptom für das grundsätzliche Problem: Mark und Janet haben diametral entgegengesetzte Bedürfnisse nach Nähe und nach der Menge an Zeit, die sie zusammen verbringen wollen.
Eine romantische Bed-and-Breakfast-Nacht in Vermont
Susan, 24, und Paul, 28, entschließen sich zu einem spontanen Wochenendausflug nach Vermont. Dort angekommen, sehen sie sich zwei Bed-and-Breakfast-Unterkünfte an. Beide wirken gemütlich und einladend. Die eine bietet ihnen ein Zimmer mit zwei Einzelbetten an, die andere ein Zimmer mit einem Französischen Bett. Paul möchte das Zimmer mit den zwei Einzelbetten, weil der Blick atemberaubend ist. Susan möchte das Zimmer mit dem einen großen Bett – sie kann sich nicht vorstellen, einen romantischen Ausflug zu machen und dann allein in einem Bett schlafen zu müssen.
Paul lässt ihre Meinung nicht gelten. »Wir schlafen jede Nacht in einem Bett, was soll das also? Zumindest können wir in dem anderen Zimmer den Blick genießen.« Susan schämt sich für ihr starkes Bedürfnis, Paul nachts nah sein zu wollen, kann sich aber trotzdem nicht vorstellen, dass ausgerechnet im Urlaub jeder in einem eigenen Bett schlafen soll. Keiner von beiden möchte nachgeben, und der Streit droht das Wochenende zu verderben.
Worum geht es bei diesem Konflikt? Oberflächlich betrachtet um unterschiedliche Vorstellungen über Hotelzimmer. Susans Hartnäckigkeit wirkt ein bisschen extrem. Aber wie würden Sie urteilen, wenn Sie wüssten, dass Paul es hasst, vor dem Einschlafen zu kuscheln? Und dass das Susan wahnsinnig stört, weil sie es als Zurückweisung empfindet? Sie ist sich sicher, dass er, sobald der Sex vorbei ist, sofort in seinem Bett verschwinden wird. In diesem Kontext wirkt ihr Verhalten nicht mehr so unangemessen. Wir können ihr Anliegen als ein fundamentales Bedürfnis nach Nähe betrachten, das nicht befriedigt wird.




