Lewis | Der Zauber dieses Tanzes ... | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1601, 144 Seiten

Reihe: Baccara

Lewis Der Zauber dieses Tanzes ...


1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86295-562-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1601, 144 Seiten

Reihe: Baccara

ISBN: 978-3-86295-562-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nur einen Abend lang will sie die nervenaufreibende Suche nach Louis DuLac vergessen! Kurz entschlossen lässt Samantha sich in dem eleganten Jazzclub zum Tanz auffordern. Und es knistert heftig zwischen ihr und dem attraktiven Fremden, dessen sinnlichem Zauber sie erliegt - auf der Tanzfläche und später auch ... Morgen, das schwört Samantha sich, wird sie weiter nach dem Sohn ihres verstorbenen Mannes suchen. Und wenn sie ihn gefunden hat, soll er mit nach New York reisen und seine Geschwister kennenlernen. Noch ahnt sie nicht, dass sie Louis längst begegnet ist ...



Jennifer Lewis gehört zu den Menschen, die schon in frühester Kindheit Geschichten erfunden haben. Sie ist eine Tagträumerin und musste als Kind einigen Spott über sich ergehen lassen. Doch sie ist immer noch überzeugt davon, dass es eine konstruktive Tätigkeit ist, in die Luft zu starren und sich Wolkenschlösser auszumalen. Die Entdeckung, dass sie ihre Gedankengespinste auch auf Papier bringen konnte, beschreibt sie als Offenbarung. Es brauchte zwar ein bisschen Übung, aber nachdem sie eine Finalistin des Golden Heart Contest, einem Nachwuchspreis der Romance Writers of America, wurde, konnte sie 2006 ihr erstes Buch veröffentlichen. Seither wird sie nicht müde, neue Geschichten zu erträumen, um sie mit ihren Lesern zu teilen. Jennifer wurde in Manhattan geboren, wuchs aber in London auf und lernte Europa auf ausgedehnten Reisen in ihren Jugendjahren kennen. Zum Studium ging sie zurück in die USA, wo sie ihren Bachelor in Sprachwissenschaften an der Brown University machte. Danach ging sie nach New York und arbeitete in einem Museum für Fernsehen. Während sie Ausstellungen über Elvis Presley oder Monty Python organisierte, machte sie ihren Master-Abschluss in Kunst. Jennifer Lewis lebt auch heute noch in New York, mit ihrem Ehemann und zwei Kindern, die genauso gerne Lüftschlosser bauen wie sie.

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1. KAPITEL

Samantha Hardcastle kam sich völlig überdreht vor. Von den ausgelassenen Menschen, die zur Happy Hour die Bourbon Street bevölkerten, wurde sie geschubst und angerempelt. Mehr als einmal wäre sie in den nagelneuen roten Christian-Louboutin-Sandalen fast gefallen.

Sie drängte sich durch die Menge hindurch, gelangte in eine ruhigere Nebenstraße und rang nach Atem. Straßenlaternen und Neonschilder blendeten sie. Die Säulen, die die schmiedeeisernen Balkone über ihr stützten, umgaben Samantha wie bedrohlich aufragende Bäume in einem verzauberten Wald.

Ihr war schwindelig. Wahrscheinlich, weil sie vergessen hatte, etwas zu essen. Hatte sie überhaupt gefrühstückt, bevor sie abgeflogen war?

Sie knickte um und hielt sich an einer Steinmauer fest. Irgendwie hatte Samantha sich auf dem Weg vom Schuhgeschäft zum Hotel verlaufen. Die Sonne war untergegangen und hatte die ihr unbekannte Stadt in einen Ort voller Schatten verwandelt, in dem sie den Weg zurück nicht mehr fand. Seit dem Tod ihres Mannes kam es Samantha so vor, als könnte sie nichts mehr richtig machen. Jeder Tag kostete sie mehr Energie, als sie besaß.

„Alles okay mit Ihnen?“, fragte plötzlich eine tiefe Stimme.

„Ja, danke“, erwiderte Samantha, ohne die Hand von der Mauer zu nehmen. Die dunkle Straße schien sich plötzlich zu bewegen.

„Nein, Ihnen geht es gar nicht gut. Kommen Sie rein.“

„Nein, wirklich, ich …“ Aus Angst, gekidnappt zu werden, wehrte Samantha sich, als sie den kräftigen Arm um ihre schlanke Taille spürte.

„Es ist nur eine Bar. Sie können sich hinsetzen und einen Moment ausruhen.“

Er führte sie zu einer Glastür, durch die warmes Licht schien. Dann trieben ihr die beruhigenden Töne einer Gitarre entgegen, überraschenderweise roch es nicht nach Bier.

„Dort drüben steht ein gemütlicher Sessel.“

Die Stimme des Mannes klang gebieterisch, aber auch besänftigend. Der große Raum war opulent gestaltet. Der glänzende Holzfußboden, die hohen Decken und sanften Farben erinnerten Samantha an einen Saloon aus der Jahrhundertwende.

Sie ließ sich zu dem ledernen Sessel in einer dunklen Ecke führen. „Danke“, murmelte sie. „Ich weiß nicht, was mit mir ist.“

„Ruhen Sie sich erst einmal aus. Ich bringe Ihnen etwas zu essen.“

„Aber ich brauche nicht …“

„Doch, Sie brauchen etwas.“

Obwohl er ihr sofort widersprach, meinte Samantha, einen Anflug von Humor zu hören.

Vielleicht hatte er recht. In letzter Zeit vergaß sie ständig zu essen. Ihr war der Appetit vergangen – auf alles.

Neugierig sah sie sich um. Es saßen nicht wenige Leute an den Tischen in der Mitte und in den Nischen des Raums. Anders als draußen, wo eine ausgelassene, fröhliche Stimmung herrschte, wurde hier leise gesprochen und gelacht. Zwei Kellner schoben einen Tisch vor sie, auf dem bereits eine gestärkte Tischdecke lag und der mit glänzendem Besteck gedeckt war. Kurz darauf wurde Samantha ein dampfendes Gericht serviert.

„Hier, Flusskrebse mit Wildreis. Genau das, was der Arzt verschrieben hat.“

„Danke.“ Sie sah den Mann an, der eine so beruhigende Wirkung auf sie hatte. „Sie sind sehr freundlich.“

„Oh, das hat nichts mit Freundlichkeit zu tun.“ Seine hellbraunen Augen funkelten humorvoll. „Ich mag es nur nicht, wenn direkt vor meiner Tür Leute in Ohnmacht fallen. Ist schlecht fürs Geschäft.“

„Na ja, benommene Frauen in die Bar zu zerren ist ja auch eine Art, das Geschäft anzukurbeln“, meinte sie und lächelte schüchtern.

Er erwiderte ihr Lächeln voller Wärme, und Samantha betrachtete seine markanten Gesichtszüge, das zerzauste dunkle Haar … Er sah viel zu gut aus, als dass man ihm vertrauen konnte.

„Warum starren Sie mich so an?“, fragte sie nervös.

„Ich warte darauf, dass Sie die Gabel nehmen und essen.“

„Oh.“ Gehorsam griff sie nach der Gabel und kostete unter den wachsamen Blicken des Mannes. Ein köstliches Aroma breitete sich auf ihrer Zunge aus, als sie in das zarte, würzig marinierte Krustentier biss.

„Mhm, das ist gut.“

Lächelnd bedeutete er ihr weiterzuessen. „Und was kann ich Ihnen zu trinken bringen?“ Er stellte die Frage mit einem leicht verführerischen Unterton. Nicht wie ein Kellner, sondern eher wie jemand, der zu flirten versuchte.

Samantha wurde mulmig zumute. Sie hatte sich davor gefürchtet, wieder Single zu sein. „Nur ein Glas Wasser, bitte“, sagte sie kurz angebunden und geschäftsmäßig. So wie es sich für eine reiche Park-Avenue-Witwe gehörte.

Er ging, Samantha seufzte erleichtert und aß weiter.

Sie war den ganzen Tag lang durch New Orleans gelaufen und hatte versucht, den Mann zu finden, der vermutlich ein weiterer unehelicher Sohn ihres verstorbenen Mannes war. Es war ihr schließlich sogar gelungen, Louis DuLacs Haus in der Royal Street ausfindig zu machen, doch er war nicht dort gewesen. Sie hatte es zweimal versucht. Beim zweiten Mal hatte die Haushälterin ihr die Tür praktisch vor der Nase zugeknallt.

In der Stadt fand irgendein Festival statt, und es wimmelte von Touristen. Daran hatte Samantha nicht gedacht. Als sie ihre Reise geplant hatte, war nur ein Anruf nötig gewesen, um den Privatjet ihres Mannes bereitstellen zu lassen. Und das Hotelzimmer kostete zwar zehntausend Dollar pro Nacht, aber es war frei gewesen.

Plötzlich ploppte ein Korken aus einer Flasche, Samantha blickte auf. Sündhaft teurer Champagner. Offenbar nahm ihr selbsternannter Retter an, dass sie sich das leisten konnte.

Selbst schuld, dachte Samantha. Wenn er die roten Louboutin-Schuhe gesehen hat … „Oh, ich wollte keinen …“

„Geht aufs Haus“, murmelte er, während er eine große Sektflöte füllte.

Sie blinzelte. „Warum?“

„Weil Sie zu schön sind, um so traurig auszusehen.“

„Ist Ihnen schon in den Sinn gekommen, dass es vielleicht einen Grund dafür gibt, warum ich so traurig aussehe?“

„Ja.“ Er reichte ihr das Glas und zog sich einen Stuhl heran. „Sind Sie sterbenskrank?“, fragte er ernst.

„Nein, nicht dass ich wüsste.“

Er sah sie erleichtert an. „Gut. Lassen Sie uns darauf trinken.“ Nachdem er sich ebenfalls ein Glas eingeschenkt hatte, stieß er mit ihr an.

Samantha trank einen Schluck. „Was hätten Sie gesagt, wenn ich Ihnen erzählt hätte, dass ich sterbenskrank bin?“

„Ich hätte Ihnen vorgeschlagen, jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte.“ Sie entdeckte kleine goldene Sprengsel in seinen schimmernden karamellfarbenen Augen. „Was ich übrigens immer für eine gute Devise halte.“

„Sie haben recht“, meinte sie seufzend und dachte daran, dass Tarrant so von Lebenslust erfüllt gewesen war, dass er sehr viel länger gelebt hatte, als die Ärzte prognostiziert hatten. Sie hatte sich geschworen, seinem Beispiel zu folgen, allerdings gelang es ihr im Moment schlecht.

Champagner zu trinken war vielleicht ein guter Anfang. „Trinken wir also auf den ersten Tag vom Rest unseres Lebens.“ Lächelnd hob Samantha ihr Glas.

„Möge jeder Tag ein Grund zum Feiern sein.“ Sein Blick ruhte auf ihr, als er das Glas wieder an die Lippen führte.

In Samantha stieg auf einmal ein merkwürdiges Gefühl auf – ein sehr angenehmes, seltsames Gefühl. Lag wohl am Champagner.

„Sehen Sie den Gitarristen dort drüben?“ Er deutete zu einer Ecke. „Er ist einhundert und ein Jahr alt.“

Perplex musterte Samantha den Mann. Das weiße Haar des Musikers stand in krassem Gegensatz zu seinem dunklen Teint. Es war erstaunlich, dass er in dem Alter überhaupt noch Haare hatte. Und es war erstaunlich, mit welcher Energie und Virtuosität er musizierte.

„Er hat zwei Weltkriege überlebt, die Depression, die Digitalisierung und den Hurrikan Katrina. Jeden Tag spielt er Gitarre und sagt, dass es jedes Mal von Neuem das Feuer in ihm entfacht.“

„Ich beneide ihn um seine Leidenschaft.“

„Steckt in Ihnen keine Leidenschaft?“ Er neigte leicht den Kopf und betrachtete sie, nicht anklagend, sondern freundlich.

„Eigentlich nicht.“ Samantha hatte nicht vor, diesem Fremden von ihrer Suche nach den Kindern ihres Mannes zu erzählen. Sogar ihre Freundinnen hielten sie für verrückt. „Schuhe kaufen bessert manchmal meine Laune.“

Sie lächelte und wies auf die neuen Louboutins. In gewisser Weise hoffte sie, er würde abfällig reagieren. Dann würde das merkwürdige, köstliche Kribbeln in ihrem Bauch bestimmt aufhören.

Doch er lächelte. „Christian ist ein Künstler, und Kunst hebt immer die Laune. Er würde es gutheißen.“

„Sie kennen ihn?“

Er nickte. „Ich habe jahrelang in Paris gewohnt und bin noch immer häufig dort.“

„Wie beeindruckend, dass Sie Schuhdesigner kennen. Die meisten Männer hätten keinen blassen Schimmer.“

„Ich hatte schon immer eine Vorliebe für besonders schöne Dinge …“ Sein Blick ruhte auf ihrem Gesicht, doch es war kein verführerischer, anzüglicher Blick, auch wenn Samantha ahnte, wie sein Satz endete: mit so wie Sie.

Statt sich belästigt zu fühlen, fühlte Samantha sich … begehrenswert. Und das hatte sie lange nicht mehr erlebt.

Sie räusperte sich. „Ist New Orleans immer so verrückt?“

...



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