E-Book, Deutsch, Band 1555, 160 Seiten
Reihe: Baccara
Lewis Die Rache des Milliardärs
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-575-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1555, 160 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-86295-575-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Milliardär kehrt Declan Gates in seine Heimat zurück. Vor Jahren, als er noch als das schwarze Schaf der Stadt galt, hatten sich alle von ihm abgewandt, selbst seine große Liebe Lily. Das will er ihr jetzt heimzahlen. Beim ersten Wiedersehen fliegen dann auch die Fetzen - und Funken der Leidenschaft, die Declan zunächst nicht wahrhaben will. Aber bald kann er es nicht mehr leugnen: Lily erscheint ihm begehrenswert wie nie zuvor. Und so endet ein gemeinsamer nächtlicher Spaziergang am Strand in einer heißen Umarmung. Trotzdem hält Declan an seinen Plänen fest ...
Jennifer Lewis gehört zu den Menschen, die schon in frühester Kindheit Geschichten erfunden haben. Sie ist eine Tagträumerin und musste als Kind einigen Spott über sich ergehen lassen. Doch sie ist immer noch überzeugt davon, dass es eine konstruktive Tätigkeit ist, in die Luft zu starren und sich Wolkenschlösser auszumalen. Die Entdeckung, dass sie ihre Gedankengespinste auch auf Papier bringen konnte, beschreibt sie als Offenbarung. Es brauchte zwar ein bisschen Übung, aber nachdem sie eine Finalistin des Golden Heart Contest, einem Nachwuchspreis der Romance Writers of America, wurde, konnte sie 2006 ihr erstes Buch veröffentlichen. Seither wird sie nicht müde, neue Geschichten zu erträumen, um sie mit ihren Lesern zu teilen. Jennifer wurde in Manhattan geboren, wuchs aber in London auf und lernte Europa auf ausgedehnten Reisen in ihren Jugendjahren kennen. Zum Studium ging sie zurück in die USA, wo sie ihren Bachelor in Sprachwissenschaften an der Brown University machte. Danach ging sie nach New York und arbeitete in einem Museum für Fernsehen. Während sie Ausstellungen über Elvis Presley oder Monty Python organisierte, machte sie ihren Master-Abschluss in Kunst. Jennifer Lewis lebt auch heute noch in New York, mit ihrem Ehemann und zwei Kindern, die genauso gerne Lüftschlosser bauen wie sie.
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1. KAPITEL
„Was machst du denn da? Bist du noch zu retten?“
Die tiefe männliche Stimme ließ Lily Wharton herumfahren. Wie ein Blitz durchzuckte sie die Erinnerung an den Mann mit den scharf geschnittenen Zügen, der sie so salopp angesprochen hatte: Declan Gates.
Lily hätte beinahe lauthals losgelacht. Die Art der Begrüßung war ihr gleich bekannt vorgekommen. Es war noch nie Declans Art gewesen, sich lange mit Förmlichkeiten aufzuhalten.
„Das siehst du doch. Ich beschneide die Rosen“, antwortete sie endlich und deutete mit der Schere auf dorniges Gestrüpp, das an der Außenmauer des alten Hauses emporwucherte. Sie musste sehr vertieft gewesen sein, denn sie hatte kein Auto den steilen Weg die Klippen hinaufkommen hören.
„Ja, das sehe ich. Aber das erklärt noch lange nicht, was du auf meinem Grund und Boden zu suchen hast.“
Lily sah ihn sich genauer an. Es war unverkennbar dasselbe markante Profil mit dem energischen Kinn, der kühn gebogenen Nase und den hohen Wangenknochen. Aber dieser Declan trug einen tadellosen Maßanzug und hatte das pechschwarze Haar glatt zurückgekämmt. Die breiten Schultern deuteten an, dass er athletischer und männlicher geworden war in den letzten zehn Jahren.
Er ist also zurückgekommen, dachte Lily mit einem Anflug von Panik. Sie fasste sich und sagte: „Ich habe monatelang versucht, dich zu erreichen. Tat mir übrigens leid zu hören, dass deine Mutter gestorben ist.“
Er streifte sie mit einem ungläubigen Blick.
Lily wusste warum. Vermutlich gab es in ganz Blackrock, der kleinen Küstenstadt im Bundesstaat Maine, keinen einzigen Menschen, der nicht erleichtert aufgeatmet hätte bei der Nachricht, dass die alte Hexe in ihrem Haus auf den Klippen endlich das Zeitliche gesegnet hatte.
„Ich weiß nicht, wie viele Nachrichten ich für dich hinterlassen habe, aber du hast mich nie zurückgerufen. In deinem Büro sagten sie mir, du hättest geschäftlich in Asien zu tun. Ich konnte es einfach nicht ertragen zuzusehen, wie das Haus allmählich verfällt.“
„Ach, das hätte ich doch beinahe vergessen. Das war ja mal der Stammsitz eurer Familie.“ Seine hellen silbergrauen Augen funkelten kampfeslustig.
Selbst jetzt nach all den Jahren spürte Lily das Kribbeln im Bauch, das er früher schon bei ihr ausgelöst hatte. Wie hatte sie sich damals dagegen gewehrt, in seinen Bann gezogen zu werden! Es durfte nicht sein. Die Familien waren verfeindet, und schon eine harmlose Freundschaft unter Jugendlichen galt als Verrat. Als sie an diese Zeiten zurückdachte, hatte sie wieder den Klang seiner Kawasaki im Ohr. Auf diesem Motorrad war er damals immer durch die Ortschaft gedonnert, sodass das Aufheulen der Maschine von den Klippen widerhallte und die Einwohner Blackrocks einmal mehr ihn und die ganze Gates-Sippe zum Teufel wünschten. Ihm war es vollkommen egal gewesen, was die Leute von ihm dachten. Er hatte nie den Ehrgeiz gehabt, anderen zu gefallen.
Und nun hingen Wohl und Wehe der ganzen Stadt ausgerechnet von seinem guten Willen ab. Zumindest, wenn es so lief, wie Lily es geplant hatte, denn sie baute noch immer auf seine Anständigkeit und glaubte an das Gute in ihm.
Als sie sich zum letzten Mal gesehen hatten, war er auf seinem Motorrad vorgefahren und hatte mit der Faust gegen die Haustür gedonnert. Lily hatte versucht, ihn so schnell wie möglich loszuwerden, ehe ihre Mutter ihn dort sah, die jeden Moment nach Hause kommen konnte. Vor allem aber auch, damit er nicht merkte, wie ihr das Herz bis zum Halse schlug, wenn sie sich gegenüberstanden. Er hatte ihr eröffnet, dass er Blackrock an diesem Tage verlassen würde und nie wieder zurückkäme. Und er hatte Wort gehalten – zehn Jahre lang. Bis zu diesem unverhofften Wiedersehen.
Aber jetzt brauchte sie ihn.
Er musterte sie von Kopf bis Fuß in ihrem gestreiften Oxford-Hemd und den abgetragenen Kakihosen. Sein Blick kam ihr vor wie der eines Raubtiers und ging ihr durch und durch.
„Du hast dich überhaupt nicht verändert, Lily“, meinte er.
Lily schluckte trocken. Bei ihm konnte man nicht wissen, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung sein sollte. „Du dich auch nicht.“
„Da irrst du dich aber gewaltig.“
Wie früher ließ er sich nicht mit Redensarten abspeisen. Lily umfasste ihre Rosenschere fester. Wahrscheinlich hatte er recht. Zehn Jahre waren eine verdammt lange Zeit.
Lily holte tief Luft. „Dieses Haus steht seit zweihundert Jahren. Hier oben auf den Klippen kann man es schon von Weitem sehen. Es prägt das Gesicht der Stadt. Allein deshalb ist es nicht richtig, es einfach verkommen zu lassen.“
Declan betrachtete eingehend die Hausfront. „Die Mauern waren früher ganz schwarz. Wie hast du sie so sauber bekommen?“
„Mit einem Hochdruckreiniger. Einfach war es nicht, den Ruß herunterzubekommen, den die alte Papiermühle jahrzehntelang ausgespuckt hat.“
„Fühlst du dich berufen, die Sünden der Vergangenheit zu tilgen?“
„Ich hätte dich um Erlaubnis gefragt, wenn du mich zurückgerufen hättest. Mit Blackrock geht es bergab, Declan. Ich wollte so etwas wie ein Zeichen setzen, indem ich das Haus wieder herrichte. Ich will den Menschen hier Hoffnung machen, dass es für sie in dieser Stadt doch noch eine Zukunft gibt.“ Sie machte eine Pause. Dann nahm sie ihren Mut zusammen und fügte hinzu: „Ich möchte das Haus von Grund auf restaurieren. Und ich will auch die alte Papiermühle kaufen.“
Sein Blick verfinsterte sich. „Sie gehört mir, und sie ist nicht zu verkaufen.“
„Und warum nicht? Du hast doch mit Blackrock nichts mehr zu schaffen. Die alte Mühle ist seit zehn Jahren stillgelegt. Du hast keine Familie mehr, die hier wohnt. Du selbst führst anderswo ein völlig neues Leben …“
Declan lachte auf. „Was weißt du schon von meinem jetzigen Leben?“
Lily wusste nicht, was sie sagen sollte. Der Mann, der vor ihr stand, war ihr fremd geworden. Er besaß keine Ähnlichkeit mehr mit dem Declan von früher, der zwar ein rücksichtsloser Rowdy gewesen war, aber dennoch das Herz am rechten Fleck gehabt hatte.
„Du meinst wohl, nur weil meine Mutter tot ist, kannst du dir den alten Stammsitz der hochwohlgeborenen Familie Wharton einfach so wieder unter den Nagel reißen?“
Der Vorwurf traf Lily empfindlich. Trotzdem weigerte sie sich zu akzeptieren, dass die alte Rivalität ihrer Familien die Zukunft der Stadt in alle Ewigkeit verbauen sollte. „Ich habe jetzt mein eigenes Unternehmen und stelle hochwertige Dekorationsstoffe und Tapeten her. Die Mühle wäre ein idealer Produktionsstandort und könnte in Blackrock Arbeitsplätze schaffen.“
„Nette Idee. Ich fürchte nur, dass das nicht möglich sein wird.“
„Warum nicht? Was willst du denn mit einer ausgedienten Papiermühle anfangen?“
Seine Züge wurden hart. „Das ist allein meine Sache.“
Wut und Verzweiflung stiegen in Lily auf, als sie sah, dass Declan sie kalt lächelnd abblitzen ließ und all ihre Hoffnungen und Träume mit einem Schlag zunichtemachte. „Deine Sache, ach so!“, rief sie zornig aus. „Nach allem, was ich über dich gelesen habe, bist du unter die Heuschrecken gegangen. Deine Sache ist es, Firmen und Existenzen zugrunde zu richten, um den höchstmöglichen Profit herauszuschlagen. Hast du das hier auch vor?“
Declan zog die Brauen zusammen. „Sieh an, du hast dich also informiert. Dann sollte dir auch klar sein, dass das Haus und die Mühle mir gehören und ich damit tun und lassen kann, was ich will. Beides wurde von meiner Familie rechtmäßig erworben.“
„Dass ich nicht lache! Ihr habt einfach die Gunst der Stunde genutzt, als mein Urgroßvater durch den Schwarzen Freitag 1929 ruiniert war und sich das Leben genommen hatte und seine arme Frau nicht mehr aus noch ein wusste.“
„Sie hat gutes Geld dafür bekommen.“
„Ja, Geld, das ihr euch mit Schwarzmarktgeschäften, illegalem Waffenhandel und schwarzgebranntem Schnaps ergaunert habt.“
Die Anschuldigungen prallten an Declan ab. Mit einem spöttischen Grinsen entgegnete er: „Vergiss die Rattenfallen nicht. Damit hat mein Urgroßvater den Grundstock für das Familienvermögen gelegt. Man nannte ihn nicht umsonst ‚Ratten-Gates‘. Wir sind zwar nicht so vornehm wie ihr, aber wir wissen zu überleben. Und das ist das Einzige, was zählt.“
„Was zählt, sind die Menschen hier und ihr Glück.“
„Ach wirklich?“ Seine arrogante Art brachte Lilys Blut zum Kochen. „Und was hat unser Haus damit zu tun?“
„Es ist ein schönes, würdiges altes Haus, das mit den einfachsten Mitteln und unter großen Entbehrungen gebaut wurde. Allein deshalb muss man sich darum kümmern und darf es nicht einfach verkommen lassen.“
„Du hast es doch noch nie betreten. Oder inzwischen doch?“
Lily zuckte die Achseln und wandte sich resigniert ab. Nein, sie hatte es nie betreten, und das war nicht Declans Schuld. Ihre Mutter hätte ihr die Hölle heißgemacht, wenn sie einen Fuß über die Schwelle gesetzt hätte.
„Ich frage noch mal: Warst du inzwischen im Haus?“ Durchdringend sah er sie an.
„Nein. Ich habe ja gar keine Schlüssel.“
Er lachte, und sie errötete, weil sie zu spät erkannte, was ihre Antwort ihm verraten hatte: dass sie zumindest mit dem Gedanken gespielt hatte.
„Declan, ich liebe diese Stadt. Ich bin hier aufgewachsen und gedenke meine Tage auch hier zu beschließen. Aber Blackrock droht auszusterben. Seitdem deine Mutter die Papiermühle mit dem Zellstoffwerk geschlossen...




