Lhûgion / Li | Kurzweilgeschichten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Lhûgion / Li Kurzweilgeschichten


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7487-1107-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

ISBN: 978-3-7487-1107-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Kurzweilgeschichten Angst im Nacken, eine letzte Zigarette und Schlüsselmoment - das sind nur drei der Elemente, auf die Sie im Verlauf der Kurzweilgeschichten stoßen werden. Folgen sie 26 außergewöhnlichen Geschichten aus den Tiefen Ihres Herzens bis hinaus in die unendlichen Weiten der Galaxie.    Erleben Sie den Alltag einer jungen Mutter, die schlussendlich eine Antwort auf die quälende Frage findet: Was ist der Sinn meines Lebens? Machen Sie Bekanntschaft mit Mausi & Cell und der Erkenntnis, dass Gegensätze sich auch ausziehen können.    Lernen Sie die Stammgäste der Raumhafenkneipe 'Roulette' kennen, die an den Grenzen zum irdischen Reich ihr unsicheres Dasein fristet. Tun Sie das alles - aber tun Sie es mit einem Lächeln. »Ungewöhnlich, skurril, überraschend - Moderne Unterhaltung ohne unnötigen Schnickschnack. 26 Kurzgeschichten, die man im Bett lesen kann, um mit einem Lächeln auf den Lippen einzuschlafen.« - Karl-Heinz Schulze, Bibliothekar

Lhûgion / Li Kurzweilgeschichten jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Botschafter
Ich bin Marven. Mein Schiff, die alte Roulette, habe ich zu einer Hafenkneipe umgebaut. Hier draußen, auf diesem öden Außenposten mitten im All, gibt es zwar nicht sonderlich viel Verkehr, aber immerhin keine Konkurrenz. Noch vor ein paar Monaten dachte ich, hier würde sich nur der Abschaum des Universums treffen. Ihr wisst schon, irgendwelche durchgeknallten Junkies auf der Flucht wovor auch immer. Ich staune inzwischen, wer sich hier herumtreibt. Ist übrigens erst ein paar Wochen her, seit mein neuester Stammgast mich zum ersten Mal besucht hat. Ich erwähne das nur deswegen, weil er gerade zur Tür hereingeweht wird. Ist verdammt windig heute. Ist es aber eigentlich immer. Weil sich auf diesem Schutthaufen von Planeten niemand die Mühe macht, die Abschirmung um den Hafen herum instand zu halten. Aber wir halten das aus, die gute alte Roulette und ich. Und meine Stammgäste auch. »Teddy! Komm rein, alter Junge, steh' doch nicht so ungemütlich in der Gegend, du nutzt den Fußboden unnötig ab. Und mach die bescheuerte Tür zu, ich hab' letzte Woche erst gefegt!« rufe ich ihm zu. Ihr könnt mir glauben, ich behandele wirklich nicht jeden Rumtreiber so zuvorkommend. Nur, dass Teddy eben keiner ist. Der ist ein ganz hohes Tier bei den Jungas. Imperator, glaube ich. Da wird sogar einer wie ich umgänglich. Nicht, dass ich meine Gäste absichtlich vergraulen würde, aber ich renne ihnen auch nicht unbedingt nach. Bis halt auf zwei oder drei Ausnahmen. Teddy nickt mir zu und verkrümelt sich in die Ecke neben der Bar. Das ist mir ein bisschen unangenehm, weil das eigentlich Johns Stammplatz ist. Das steht sogar auf dem kleinen Messingschild, direkt auf der Tischplatte. Nur – tja, ich habe schon gesagt, wer das ist, der Teddy. Imperator und so, ihr wisst schon. Ich schlendere also rüber und frage ihn, was er will. Teddy verlangt eine Cola. Macht mich sofort stutzig. »Was denn, Cola? Ich hab' extra den bescheuerten Exodus-Orangen-Weizengrasdrink aus kontrolliert biologischem Abfa… Anbau für dich importiert. Alles hübsch tiefgefroren. Also, wenn du willst …« »Nur die Cola«, unterbricht er mich liebenswürdig. Ich schenke ihm ein Schulterzucken und mir weitere Fragen. Hat eh keinen Zweck. Ich latsche zurück zur Bar, da reißt schon wieder jemand die Tür auf. Meine Güte, heute geht das hier zu wie auf einem Raumhafen. Einem richtig großen, meine ich. Ich dreh mich um und seh nach, wer mir heute unbedingt Umsatz verschaffen will. Hätte ich besser nicht getan. Ich stolpere fast über meine eigenen Füße, als ich am Eingang den Botschafter stehen sehe. Oh Mann, den muss ich heute echt nicht haben. Leider kann ich mir das nicht aussuchen. Zielstrebig orientiert sich der Typ in Teddys Richtung. Beim Cola zapfen beobachte ich mich dabei, wie ich nervös zu blinzeln anfange, als wollte ich was morsen. SOS wäre gar keine so üble Idee. Wenn die Oberfuzzis der Jungas sich in einer gepflegten Menschenkneipe wie der meiner am buchstäblichen Ende der Welt treffen, dann ist was im Busch! Ich bringe die Cola rüber und frage den Botschafter, was er trinken will. Er sagt: »Nichts!«, starrt nur angewidert auf das tropfende Glas, das ich dem Teddy noch nicht hingestellt habe. Ich will hier nicht unbedingt Wurzeln schlagen, also stelle ich das Zuckerzeug vor Teddy und verzieh mich wieder. Das Besondere an Johns Tisch ist, dass man von der Bar aus, zum Beispiel beim Gläserspülen, klar und deutlich verstehen kann, was am Tisch gesprochen wird. »Cola«, zischt der Botschafter naserümpfend. »Hast du eine Ahnung, wie ungesund das Zeug ist? Noch dazu aus einem Glas und, nun ja, hier«, kritisiert er und schaut sich vielsagend um. Ich versuche, so gut wie fast gar nicht beleidigt auszusehen. Teddy ist es anscheinend gewohnt, dass der Spielverderber ihm Vorschriften machen will und hat sofort den passenden Spruch parat: »Wenn es dir hier nicht gefällt, warum verabredest du dich hier mit mir? Wir hätten einfach zu mir gehen können.« Der Spielverderber schüttelt den Kopf. »In den Palast? Das wäre nicht klug gewesen, weil …« »… ich dort nicht unbedingt willkommen bin«, beendet John den Satz. Jetzt wirkt Teddy einigermaßen verstört. John steht neben der Bar und nickt den beiden höflich zu. Ich habe gar nicht bemerkt, dass er hereingekommen ist. Oh Mann, ich mag John. Ich meine, kommt schon! Wieso sollte ich ihn nicht mögen? Ist mein bester Kunde. Und jetzt sitzen die Hyper-Heinis der Jungas an seinem Tisch. Könnte ihn sauer machen. Wäre gar nicht gut für ihn. Und für mich auch nicht. Ohne ihn kann ich hier glatt dichtmachen. Ich raune ihm also zu: »Alter, sag jetzt bloß nix Falsches!« Er wirkt total verspielt, wie er da die Brauen runzelt und fragt: »Könnte ich einen Kaffee bekommen?« Das hält er wohl für lustig, von wegen nix Falsches sagen. Ich gebe auf. Bei der Elefantenrunde am Tisch wird mir ganz flau im Magen. Also flüstere ich einfach »Ist deine Beerdigung, Kumpel«, und fange an, mich mit meiner Kaffeemaschine zu streiten.
Wegen der rödelnden Maschine kann ich nichts verstehen. Ich nutze die Zeit, um euch die Drei kurz zu beschreiben: Also, da haben wir den blonden, kurzhaarigen Teddy, der gar nicht so übel aussieht. Ich weiß nicht, was er daheim anzieht, aber hier taucht er immer in Jeans, T-Shirt und Lederjacke auf. Der Spielverderber, also Kondor, der junganische Botschafter, sieht aus wie ein Schwarz-Weiß-Foto von einem Indianer weil er so schrecklich blass ist. Und natürlich wegen der riesigen Hakennase und der schwarzen Matte, die er als Frisur spazieren trägt. Er zieht immer bunte Flatterfummel an, obwohl er darin wirkt wie ein explodierender Tuschkasten. John dagegen hat Stil. Der trägt einfach ein helles Hemd und Hose, aber das Zeug sieht so wahnsinnig bequem aus, dass ich gar nicht wissen will, was er dafür hingeblättert hat. Passt jedenfalls prima zu seiner Glatze.
Endlich kann ich diese sture Mistkröte von Kaffeemaschine dazu überreden, mir einen echten Kaffee zu machen. Nicht diesen albernen Minze-Knoblauch-Modekram, den sie ständig zusammenbrauen will. Ich bringe ihn rüber zu John, der völlig entspannt neben dem Botschafter am Tisch sitzt. Respekt! Ich an seiner Stelle hätte ganz schnell kehrtgemacht. Dass John was drauf hat, sehe ich schon daran, dass er inzwischen fast alle tellossanischen Fürstentümer erobert hat. Aber verglichen mit den Jungas ist er trotzdem nur ein ganz kleines Würstchen. »Kondor, du bist doch derjenige, der ständig von Regeln und Protokollen faselt!«, regt sich der Teddy gerade auf. »Die Erde bezeichnet dich als meine beste Geheimwaffe, weil alle Angst vor deinen endlosen Vorträgen haben!« Der Spielverderber hebt vergnügt eine Augenbraue. John nickt zustimmend, aber Teddy schießt trotzdem einen giftigen Blick auf ihn ab. »Dann erkläre mir bitte, wie es dazu kommt, dass sich der Anführer der tellossanischen Streitkräfte ohne großes Federlesen zu uns setzt!«, schreit Teddy mehr als nur ein bisschen aufgebracht. John zuckt die Achseln und reagiert ganz gelassen. »Es erschien mir unhöflich, einfach stehen zu bleiben.« Noch bevor Teddy mit erhobenen Zeigefinger und einer gehörigen Portion Empörung reagieren kann, fährt er fort: »Und außerdem müssen wir dringend miteinander reden. Kondor hat diesen Ort vorgeschlagen, weil er ein hohes Maß an Privatsphäre bietet. Im Allgemeinen respektiere ich seine Vorschläge.« Als John behauptet, er würde irgendwas von einem Angehörigen der Jungas respektieren, ist Teddy verständlicherweise von der Rolle. Jedenfalls sagt er erst mal gar nichts mehr. Er guckt abwechselnd von John zum Botschafter und zurück. John lächelt still vor sich hin und rührt in seinem Kaffee, also muss der Botschafter wohl alles erklären. Das macht ihm nicht viel aus, schließlich hält er gerne Vorträge. »Ich weiß, dass du dich für unsere Verhandlungen mit den Tellossa nicht besonders interessierst«, beginnt der Spielverderber und schaut Teddy von schräg unten an. »Würde ich so nicht sagen«, unterbricht ihn Teddy. »Sie waren bisher einfach nur schrecklich langweilig. Die Tellossa wollen uns ans Leder, wir möchten das nicht. Punkt. So geht das nun schon seit wer weiß wie vielen tausend Jahren.« John nickt und beschließt, etwas dazu zu sagen. »Inzwischen hat sich einiges geändert. Seit ich die Führungsposition der Tellossa übernommen habe, steht der Konflikt mit den Jungas bei uns nicht mehr an erster Stelle. Auf die Erde haben wir es abgesehen.« Teddy sitzt weiter reglos herum und sieht aus wie sein eigenes Standbild. Nach einer wirkungsvollen Kunstpause ergreift John wieder das Wort. »Das ist zumindest die offizielle Version. Tatsächlich habe ich den Plan, die Erde zu erobern und auszulöschen …« Jetzt rührt sich Teddy wieder und macht Anstalten, John direkt über den Tisch hinweg an den...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.