Libra | The Beast inside | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 592 Seiten

Reihe: The Beast

Libra The Beast inside

Part 1
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-9333-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Part 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 592 Seiten

Reihe: The Beast

ISBN: 978-3-7693-9333-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die sechzehnjährige Lou aus Hamburg führt das normale Leben eines Teenagers. Bis zu dem Tag, an dem einer ihrer Schulkameraden zum Amokläufer wird und sich ihr gesamtes Leben mit einem Schlag komplett verändert. Nur knapp kann sie der gefährlichen Situation entfliehen. Schnell ist allerdings klar: Dies ist kein gewöhnlicher Amoklauf gewesen und ihr Mitschüler nicht einfach nur psychisch labil. Eine neuartige, rätselhafte Krankheit hat die Menschen befallen. Lou wird bewusst, dass nichts jemals wieder so sein wird, wie es vorher war. Für sie gibt es nur noch ein Ziel: In dieser neuen, unbarmherzigen Welt überleben und die Menschen beschützen, die ihr etwas bedeuten. Allerdings ist dies keine leichte Aufgabe, da viele der verängstigten Menschen alles tun, um in dem Wahnsinn nicht unterzugehen...

Lale Libra wurde 2006 in Nordrhein-Westfalen geboren und wuchs in Viersen auf. Sie macht zur Zeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr an einer Förderschule und hat dieses Jahr ihr Abitur bestanden. Schon immer hatte sie eine Vorliebe für Bücher und verschlingt sie, seit sie lesen kann. Seit ihrem zehnten Lebensjahr schreibt sie Geschichten und möchte nun ihr erstes Werk der Welt präsentieren.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1


Lou


Hamburg,15.Februar 2015


«Guten Abend meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Live Talk Show ,,Ehrlich und Wahrhaftig“. Nachdem wir vorige Woche unseren Gast Professor Siebenstein zum Thema ,,Diäten und wie man sie richtig durchführt“ interviewt haben, haben wir diese Woche einen weiteren Arzt zu uns eingeladen. Dieser kommt jedoch von einem ganz anderen Fachgebiet, nämlich vom Gebiet der Psychologie. Er möchte uns heute von der steigenden Prozentzahl der psychisch erkrankten Personen berichten und wie die heutige Gesellschaft psychische Erkrankungen hervorrufen oder beeinflussen kann. Professor Doktor Marius Graubach ist Chefarzt an einer Hamburger Psychiatrie und hat auch schon an zahlreichen Studien über diverse Erkrankungen mitgearbeitet. Herr Professor, wie viele Patienten sind denn momentan in Ihrer geschlossenen Abteilung?…»

Ich saß auf unserem grünen,ausgefransten Sofa und kratzte mit den Fingernägeln die Füllung aus einem Loch im Bezug. Das Sofa hatte meiner Großmutter gehört. Es war alt und hässlich und trotzdem bedeutete es uns allen sehr viel. Wir hatten es vor drei Jahren von meiner Großmutter geerbt. Sie war an Krebs gestorben und hatte uns das Sofa hinterlassen. Auch wenn es wirklich nicht schön aussah, barg es viele schöne Erinnerungen an Oma. Wie sie mit meiner Schwester und mir dagesessen und uns aus ihrem alten Märchenbuch vorgelesen hatte…

«Lou!» Ich schreckte hoch und schaute zum Sessel auf der anderen Seite des Couchtisches hinüber,in dem meine Zwillingsschwester Ellie saß und auf ihrem Bleistift herumkaute.

«Hm?»,murmelte ich überrascht und strich mir eine meiner roten Haarsträhnen aus dem Gesicht. Ellie verdrehte die Augen und sah mich genervt an. Die vorderen Strähnen ihrer erdbeerblonden Haare hatte sie sich hinten zu einem Knoten zusammengebunden und ihre giftgrünen Augen funkelten mich an. Die giftgrünen Augen waren das Einzige,das wir gemeinsam hatten. Ellie und ich waren zweieiige Zwillinge. Unsere Gesichter ähnelten sich sehr,aber es war kein Problem,uns auseinanderzuhalten. Ich hatte das feuerrote Haar und die tausend Sommersprossen meiner Mutter bekommen,während Ellie nur ein paar auf der Nase hatte und ihre Haare eine perfekte Mischung aus denen meiner Mutter und meines Vaters waren. Auch ansonsten waren wir sehr verschieden. Ellie war super in der Schule,hatte viele Freunde und verbrachte ihre Freizeit entweder auf Partys oder mit Lesen in der Hängematte. Ich hatte mir noch nie besonders viel aus der Schule gemacht und nur meinen besten Freund Jonas,der genauso ein Außenseiter war wie ich. An unserer Schule regierte das Mobbing und er war neben mir eins der Opfer,die verprügelt und denen ihre Sachen geklaut wurden. Irgendwann hatte er diesem Terror nicht mehr standgehalten,war depressiv geworden und hatte angefangen,sich zu ritzen. Und genau da hatte unsere Freundschaft begonnen.

Der Lärm der anderen Schüler drang nur noch dumpf an meine Ohren. Stattdessen hörte ich nur noch Rihanna,die mir laut ,,Only Girl“ ins Ohr schmetterte. Langsam ging ich durch den Flur unserer Schule,schön leise,damit mich Luca und seine Gang nicht hörten. Ich hob meine Hand und fuhr mir durchs Gesicht. Als ich sie wieder senkte und das Blut an meinen Fingern sah,seufzte ich. Heute hatte Luca etwas fester zugeschlagen als sonst. Als er mich heute vor der ersten Stunde mit seinen blöden Kumpels wieder an der Ampel abgepasst,mich an den Haaren gepackt und mir einen Schlag in den Rücken verpasst hatte,hatte ich ihm mitten ins Gesicht gespuckt. Das hatte mir noch einen sauberen Schlag mitten auf die Nase eingebracht. Jetzt schlich ich durch die Flure unserer Schule und suchte nach einem Platz,wo ich mich so lange verstecken konnte,bis alle in ihren Kursen waren. Als ich um eine Ecke bog und die offene Tür zur Bücherausgabe sah,schlüpfte ich hinein und zog leise die Tür zu.Ich seufzte auf und lehnte mich erschöpft gegen den Türrahmen.

«Lou,was bist du nur für eine Versagerin»,dachte ich mir während ich spürte,wie das Blut an meinem Hals hinunterlief. Ich verstand mich selber nicht. Ich war nicht auf den Mund gefallen,konnte Judo und ließ mir eigentlich nicht so schnell was gefallen. Aber sobald Luca und seine Gang auftauchten,war all das plötzlich...weg. Sie konnten mit mir machen was sie wollten,ich konnte nichts dagegen tun. Heute war eigentlich das erste Mal,dass ich mich gewehrt hatte. Und was mir mein Mut brachte,merkte ich ja jetzt. Luca war mir irgendwie so...überlegen. Ich fühlte mich immer so machtlos,wenn er in der Nähe war. Ich ließ mich an der Tür auf den Boden sinken und vergrub das Gesicht in den Händen. In dem Moment war mir alles egal. Egal,dass das Blut ein Muster in mein weißes T-Shirt zeichnete. Egal,dass sich meine Haare in den Spinnweben verfingen,die sich an der Seite des alten,staubigen Regals gebildet hatten. Meine Augen brannten und ich spürte,wie mir langsam eine Träne über die Wange rollte. Dann noch eine. Wie machte Ellie das bloß? Warum hatte sie alles und ich nichts? Es war nicht das erste Mal,dass ich mir diese Fragen stellte. Diese Fragen,warum Ellie alles Glück dieser Welt hatte und ich,obwohl ich ihre Zwillingsschwester war,nichts davon abbekam. Müsste ich nicht auch beliebt sein? Was war an mir so anders und seltsam,dass mich niemand leiden konnte?

«Lou,reiß dich zusammen! Das bringt gar nichts!»,sagte ich mir in diesem Moment und wischte mir die Tränen weg. Dabei sah ich die roten Blutflecken an den Ärmeln meines Oberteils und knurrte leise.

«Scheiße»,fluchte ich und stand auf. Dann atmete ich aus und versuchte,mich zu beruhigen. Es brachte nichts,Ellie zu beneiden. Ich war ein anderer Mensch als sie und kam aus diesen Gründen halt nicht so gut an. Ich passte nicht in den Rahmen,den Leute in meinem Alter aufstellten und deshalb hatte ich Probleme. Aber ich war eine Kämpferin. Irgendwann würde ich jemanden finden,der meine Eigenarten schätzte und mich vielleicht sogar genau deswegen mochte. Und eines Tages würde ich auf Menschen wie Luca hinabschauen. Bei dem Gedanken musste ich grinsen. Ich wischte mir die restlichen Tränen weg,würgte Rihanna ab,die immer noch ,,Only Girl“ sang,nahm die Kopfhörer heraus und legte mein Ohr an die Tür. Es war nichts mehr zu hören. Die erste Stunde hatte angefangen. Vorsichtig drückte ich die Türklinke hinunter,öffnete die Tür und schaute mich nach allen Seiten um.

Es war niemand zu sehen. Ich verließ den Buchraum,schloss die Tür und machte mich auf den Weg zur nächsten Toilette,um mir das Gesicht abzuwaschen.

Ein muffiger Geruch schlug mir entgegen,als ich die Mädchentoilette betrat. Ich ging zu dem am wenigsten verdreckten Waschbecken und drehte den Wasserhahn auf. Als ich mir das Gesicht und die Hände gewaschen hatte,schaute ich in den gesprungenen Spiegel über dem Waschbecken. Ich sah schrecklich aus. Ein wenig von dem Blut war bereits so eingetrocknet,dass ich es mit dem Wasser nicht abbekam und meine Augen waren von der Heulerei ganz rot. Auf meiner Nase zeichnete sich bereits ein blauer Fleck ab und ich betastete sie vorsichtig mit meinen Fingern. Sie war nicht gebrochen,soweit ich das beurteilen konnte. Als Sportlerin kannte ich mich mit Verletzungen aller Art aus. Trotzdem tat sie höllisch weh.

Während ich probierte,mit Tüchern das restliche Blut wegzuwischen,überlegte ich mir eine Ausrede für Zuhause. Ich war fast jeden Tag beim Judo,da mein Lehrer mich für ein Ausnahmetalent hielt und so konnte ich die meisten meiner Verletzungen Zuhause erklären. Meine Eltern wussten,dass ich Schwierigkeiten in der Schule hatte aber wie schlimm es wirklich war,wusste nur Ellie. Ich nahm es ihr nicht übel,dass sie mich hier nicht beschützte,obwohl es genau das war,was sie als Schwester eigentlich tun müsste. Sie hatte hier ein eigenes,gutes Leben und ich würde ihr das nicht ruinieren. Sie war Zuhause und auch sonst für mich da,nur nicht hier. Irgendwie fand ich das...okay. Und was das Mobbing betraf: Sie hatte versprochen,dicht zu halten,ich wollte unsere Eltern nicht beunruhigen. Meine Mutter war geschäftlich viel unterwegs, mein Vater als Journalist immer auf der Jagd nach Storys und ebenfalls wenig Zuhause. Beide vertrauten darauf,dass ich es allein schaffte und bisher hatte das auch gestimmt. Wie gesagt,ich war eine Kämpferin. Mein einziger Platz in der Schule war die Gruppe meiner Schwester,bei der ich ab und zu unterkam,aber man merkte schnell,dass Ellies Freunde mich da nicht gern sahen und so verbrachte ich die meiste Zeit allein und suchte mir irgendwo einen ruhigen Platz. Ich warf das blutige Tuch in den Mülleimer und schaute abermals in den Spiegel. Ich dachte an meinen Trainer und wie ich ihm die Nase erklären sollte. Luca hinterließ meistens blaue Flecken an Bauch,Rücken und Armen,so war ihm das meistens nicht aufgefallen. Außerdem kannte er mich seit ich drei Jahre alt war. In der Grundschule war ich schon aufmüpfig und rebellisch gewesen und hatte mich viel geprügelt. Wahrscheinlich dachte er,dass das immer noch so war. Als ich mich so an früher erinnerte,fiel mir auf,in was...



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