Libra | The Beast inside | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 444 Seiten

Reihe: The Beast

Libra The Beast inside

Part 2
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-9377-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Part 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 444 Seiten

Reihe: The Beast

ISBN: 978-3-7693-9377-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Berlin herrschen unruhige Zeiten. Die Krankheit, die bereits unzählige Opfer gefordert hat, breitet sich immer weiter aus und die Stadt bereitet sich auf einen möglichen Krieg vor. Lou weiß, dass ihre Zufluchtsstätte in ernster Gefahr ist und sie ihre neue Aufgabe in der Gemeinschaft erfüllen muss. Sie weiß auch, was außerhalb der schützenden Mauer lauert. Als sie zusammen mit ihrem Schwarm Alice losgeschickt wird, um Vorräte zu holen, wird ihr klar, welchen Menschen sie vertrauen kann und dass diese neue Welt viel schlimmer ist, als sie es sich je hätte vorstellen können...

Lale Libra wurde 2006 in Nordrhein-Westfalen geboren und wuchs in Viersen auf. Zur Zeit macht sie ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Förderschule und hat 2024 ihr Abitur bestanden. Schon immer hatte sie eine Vorliebe für Bücher und verschlingt sie, seit sie lesen kann. Seit ihrem zehnten Lebensjahr schreibt sie Geschichten und möchte nun ihre Romane der Welt präsentieren.
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Kapitel 2


Lou 1. April 2015


Todmüde ließ ich mich ins Bett fallen. Die Anstrengungen dieses Tages und der letzten Wochen lasteten bleischwer auf meinen Gliedern und ich konnte sie kaum noch bewegen. Jeder Knochen und jeder Muskel meines Körpers schmerzte und ächzte. Heute hatte Ivar uns besonders hart ran genommen. Die provisorische Schnellausbildung des Militärs neigte sich langsam aber sicher dem Ende zu,weshalb es Tag für Tag schwerer und anstrengender wurde. Ich konnte kaum fassen,wie schnell das gegangen war. In nur knapp drei Wochen hatte ich gelernt, wie man ein Gewehr richtig hielt,wie man schoss und wie man sich korrekt verteidigte. Morgen für Morgen hatte man mich um fünf Uhr morgens hinaus gejagt,manchmal auch um vier oder halb sechs,ganz je nach Laune des befehlshabenden Offiziers. Stundenlang hatte man uns Rekruten durch die Stadt joggen oder Sportübungen machen lassen,solange bis die meisten erschöpft zusammengebrochen waren. Auch ich hatte anfangs arge Probleme gehabt,den Drill durchzuhalten,oft hatten meine Beine oder meine Arme mir irgendwann den Dienst versagt und ich war einfach auf dem Boden zurückgeblieben, bis der Offizier kam und mich wieder hoch scheuchte. Nach einigen Tagen hatte ich auch die Frau kennengelernt,die ebenfalls ein Zimmer bei den Soldaten hatte und deren Namensschild mir ins Auge gesprungen war. Felicitas Sänger. Sie war eine junge,attraktive Erscheinung mit sonnengebräunter Haut und langem schwarzen Haar,welches ihr bis zu den Hüften reichte und welches sie stets zu zwei geflochtenen Zöpfen trug. Allerdings war sie nicht so nett und freundlich wie sie aussah. Sie drillte uns noch mehr als Ivar und Sven zusammen,was wirklich eine Glanzleistung war,da besonders Ivar es sich zur Aufgabe gemacht hatte,uns fertig zu machen. Besonders auf mich hatte er es abgesehen. Nach unserem Gespräch in seinem Zimmer ließ er mich nur allzu gern extra Sport machen,damit ich ja nicht vergaß,was ich ihm hatte schwören müssen und dass er über mir stand. Ich ließ alles kommentarlos über mich ergehen,riss mich so gut ich konnte zusammen und machte das,was man mir sagte. Nach einer Woche Training merkte ich bereits,wie ich stärker wurde. Seit ich mich in der Soldatenausbildung befand bekam ich größere Essensrationen,so wie auch die anderen Rekruten,was wahrscheinlich daran lag,dass man uns besonders bei Kräften halten wollte. Unsere Vorräte gingen allmählich zur Neige und anscheinend investierten sie am liebsten in die Verteidiger der Stadt. Mir taten die anderen Leute leid,die jedes Mal wenn ich aß mit sehnsuchtsvollen Augen auf mein Essen starrten. Viele bekamen an manchen Tagen mittlerweile gar nichts oder so wenig ab,dass sie morgens hungrig aufstanden und abends hungrig ins Bett gingen. Allmählich wurde mir klar,wie viel Glück ich eigentlich mit meinem neuen Job hatte. Er hielt mich über Wasser,sorgte dafür,dass ich Essen und ein Dach über dem Kopf hatte. Tatsächlich war mir sogar angeboten worden,in ein anderes,größeres Haus mit den anderen Rekruten umzuziehen,jedoch war ich freiwillig bei Tessa geblieben. Ich wollte sie nicht allein lassen und es gab bis auf vielleicht Alice niemanden,mit dem ich mir gerne ein Zimmer geteilt hätte. Während Ivar,Sven und Felicitas ihre Zimmer allein bewohnen konnten,hätte ich mir in dem neuen Haus ebenfalls einen Raum mit einer anderen Person teilen müssen.

Mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht bewegte ich meine pochenden,müden Beine. Der viele konsequente Sport bewirkte außerdem einen raschen Anstieg meiner Ausdauer,Geschwindigkeit und Muskelkraft. Nun nach drei Wochen bemerkte ich an mir bereits leichte Veränderungen. Ich sah nicht mehr so mager aus,mein Körperbau war drahtiger geworden und ich hatte an Gewicht zugenommen. Ich schaffte mittlerweile Dinge,die ich vorher niemals geschafft hätte. Beinahe freute ich mich über den Druck von außen,denn er brachte mich weiter. Ich war widerstandsfähiger geworden,kräftiger und unnachgiebiger. Trotzdem wünschte ich,Ivar säße mir nicht so sehr im Nacken,auch wenn ich ihn lieber als Offizier hatte als Felicitas. Sie war ein Biest,eine Schreckschraube,herrisch und unfreundlich und ich hasste sie vom ersten Augenblick an. So gab ich mir die größtmögliche Mühe,ihr fernzubleiben.

Träge drehte ich mich auf die andere Seite und blickte zum anderen Bett hinüber. Ich hörte tiefe und gleichmäßige Atemzüge,die mir signalisierten,dass Tessa bereits schlief. Auch sie hatte anstrengende Wochen hinter sich. Nachdem man sie so unsensibel abgewiesen hatte,machte sie sich nun selbstständig auf andere Weise nützlich. Nach langen Diskussionen mit ihrem Vater hatte sie endlich einmal gesiegt und assistierte den Offizieren nun beim Training. Wenn wir Hürdenlauf oder Parcours machten stoppte sie die Zeit,zählte unsere Liegestützen,motivierte uns oder trieb uns an. Ich hatte gesehen,welchen Spaß sie daran hatte uns durch die Gegend zu jagen. Wie oft hatte sie sich neben mir geparkt und mich angetrieben während ich meine Übungen gemacht hatte. Lachend hatte ich daraufhin meine Hanteln schneller gestemmt oder noch zehn weitere Liegestützen gemacht. Es war einfach schön,dass sie endlich etwas hatte,was ihr zumindest ein wenig Freude bereitete. Außerdem gönnte ich es den ganzen anderen Idioten aus meiner Baracke,die die ganze Zeit über nichts besseres zu tun gehabt hatten als Tessa zu ärgern. Nun war ihre Gelegenheit gekommen,es ihnen heimzuzahlen. Und das genoss sie in vollen Zügen. Für Alice und Jane tat es mir allerdings leid,auch sie bekamen ihren Drill besonders zu spüren. Nun nutzte sie ihre Möglichkeiten vollends aus,um ihnen zu zeigen,was sie von ihnen hielt. Es tat mir sehr weh,dass sie Alice so quälte,aber ich konnte mich da unmöglich einmischen. Ich würde mir nur unnötig Ärger einhandeln.

«Tessa»,dachte ich und sah zu meiner Freundin hinüber,die friedlich auf der Seite lag und schlief. Unsere Freundschaft war in den letzten Wochen immer enger geworden und wir unternahmen viel zusammen. Sie war frech und witzig wie eh und je und sie brachte mir die Aufmunterung und Positivität,die ich brauchte. Sie hatte aufgehört mich so von oben herab zu behandeln und zu verspotten. Sie war auffallend freundlich geworden und suchte oft meine Nähe. Ich dachte mir nichts dabei,ich freute mich darüber,dass wir so eng zusammengewachsen waren.

Ich spürte zunehmend,wie müde ich war. Ich kuschelte mich enger in die Decke und starrte in die Dunkelheit. Trotz der Schläfrigkeit gelang es mir nicht einzuschlafen. Die letzten drei Tage waren besonders aufregend für mich gewesen,denn ich hatte meine ersten zwei Patrouillen gehen dürfen. Ich war so aufgeregt gewesen und hatte mich die ganze Nacht gefragt,mit wem ich sie wohl gehen würde. Ich hatte gewusst,dass Ivar dafür zuständig war feste Duos zu bilden,die die Patrouillen regelmäßig abliefen. Ich war vor Glück beinahe explodiert,als ich erfahren hatte,dass man mich Alice zugeteilt hatte. Ich hatte es kaum fassen können. Es gab absolut niemanden,mit dem ich lieber gegangen wäre als mit ihr. Auch sie hatte sich sehr gefreut und ich hatte die Dankbarkeit in ihren Augen gesehen,die mir zeigte,wie froh sie über mich als Partnerin war. Als wir uns am darauffolgenden Tag zum Dienst gemeldet hatten,war ich so nervös gewesen,dass meine Hände gezittert hatten,als ich meine Ausrüstung und mein Gewehr entgegengenommen hatte. Bevor wir hatten losgehen dürfen,hatte Ivar uns noch einmal die Route erklärt,uns detailliert gezeigt,wie wir laufen sollten und uns zuletzt eindringlich daran erinnert,was wir eventuell zu tun hatten. Wir hatten einfach nur alles stillschweigend abgenickt. Wir wussten,was uns dort draußen erwartete,wir beide hatten Erfahrung damit. Auch Alice war aus einem Berliner Vorort evakuiert und hergebracht worden. Mittlerweile hatte sie mir erzählt,dass sie und ihre Familie seit zwei Jahren in Deutschland waren. Als ich jedoch gefragt hatte warum,hatte sie abgeblockt und ich meine weiteren Fragen für mich behalten. Ich wollte sie nicht drängen. Wenn sie mir etwas zu sagen hatte,würde sie von selbst zu mir kommen.

Ich seufzte. Morgen waren wir wieder dran. Ich kannte die Strecke mittlerweile in und auswendig. Sie war einigermaßen schön,führte durch Felder,die an zahlreichen Landstraßen lagen und sogar ein kleines Waldstück war in der Nähe. Während Alice und ich durch die einsame,stille Natur gewandert waren,hatten wir sehr angeregte Gespräche geführt. Alice kannte viele interessante Geschichten,Fabeln und Mythen,die sie mir gerne bei der Patrouille zum besten gab. Gespannt hatte ich immer zugehört,denn ich verstand nicht viel von britischen Geschichten und lernte immer gern etwas neues. Auch ihr Humor hatte die stille und eigentlich triste Wanderung sehr erheitert. Selten hatte ich solche Tränen gelacht wie bei unseren Touren. Ich hatte ebenfalls nach guten Witzen gesucht,die ich ihr erzählen konnte,jedoch war ich nicht besonders gut in so etwas. Trotzdem hatte sie mir zuliebe ein wenig gelacht,was angesichts meiner schlechten Witze wirklich lieb von ihr war. Allein deshalb freute ich mich auf unsere gemeinsamen Patrouillen,auch wenn sie ebenfalls...



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