Lim | A Forgery of Fate | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Lim A Forgery of Fate

Young Adult Fantasy in asiatischem Setting
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-94075-6
Verlag: Cove
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Young Adult Fantasy in asiatischem Setting

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-646-94075-6
Verlag: Cove
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Märchenhafte Enemies to Lovers/Forced Marriage Romantasy! Tru Saigas wollte nie eine Betrügerin werden - doch seit ihr Vater verschollen ist, wird die Familie von Schuldeneintreibern verfolgt. Tru hat keine Wahl, sie muss ihr Talent als Kunstfälscherin zu Geld machen. Noch dazu hat sie eine einzigartige magische Fähigkeit: Sie kann die Zukunft malen! Aber nicht einmal ihre Zauberkraft reicht aus, um die Familie vor den Feinden zu schützen, die sie sich in den dunklen Gassen der Stadt gemacht hat. Als die Situation ausweglos wird, stimmt Tru einem Ehevertrag mit einem geheimnisvollen Drachenlord zu, der ihr einen Neuanfang verspricht. Tru muss zu ihm in seinen verlassenen Unterwasserpalast ziehen - und eine Vision malen, die so viel verrät, dass es sie beide das Leben kosten könnte ... *** Ein Must Have für alle Fans asiatisch inspirierter Fantasy Romance **

Elizabeth Lim wuchs in der Nähe von San Francisco auf und kam schon früh mit Märchen, Mythen und Liedern in Berührung. Nach ihrem Studium an der Juilliard School und am Harvard College arbeitete sie zunächst als Komponistin für Filme und Computerspiele, bevor sie mit dem Schreiben begann. Seither stürmen ihre atmosphärischen Fantasy-Romane die Bestsellerlisten. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in New York.
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1. Kapitel


Früher hielt Mama sich immer für die beste Wahrsagerin von ganz Gangsun – jedenfalls bis zu dem Tag, als Baba auf hoher See verschwand.

Ihr großes Talent lag im Lesen von Gesichtern. Anhand der Beschaffenheit der Haare konnte sie die Lebensdauer eines Menschen prophezeien, der Schwung des Mundes verriet ihr, ob jemand in der Liebe treu sein würde. Viel zu oft stellte sie sich vor Fremde und zwickte sie in die Ohrläppchen, denn dank dieser Methode konnte sie abschätzen, wie wohlhabend sie werden würden. Es gab nichts, was Mama mehr liebte als Geld.

Mit einer solchen Gabe würde man meinen, dass Mama den reichsten Kaufmann weit und breit geheiratet hätte. Ganz gewiss nicht Baba – einen leidlich erfolgreichen Händler mit blauen Haaren, hochfliegenden Träumen und gerade einmal neun Kupfermünzen. Doch so flehentlich meine Schwestern und ich auch bettelten, keiner von beiden wollte uns je ihre Liebesgeschichte erzählen. Mama erklärte lediglich mit gerümpfter Nase: »Ausländische Gesichter lassen sich schwieriger lesen. Hätte ich gewusst, dass euer Vater lieber Abenteuern als Reichtümern hinterherjagt …«

»Dann hätte sie sich trotzdem für mich entschieden«, beendete Baba den Satz an einem Herbstmorgen für sie. Seine Augen funkelten. »Eure Mutter hat von Anfang an gewusst, was ich bin.«

»Ein Pirat«, murmelte Mama. »Ein Dieb.«

»Ein Abenteurer«, sagte ich zeitgleich mit Baba. Grinsend senkte er die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. »Und früher, in einem anderen Leben, war eure Mama das auch – eine Abenteurerin.«

Fest überzeugt, dass er flunkerte, starrte ich ihn an. Es war einfach unvorstellbar, dass meine sittsame Mama Anstandsregeln brach, geschweige denn dass sie Banditen verfolgte oder sich mit Seeleuten den Reiswein teilte.

Sie bemerkte meine Skepsis und winkte ab. »Das waren damals verzweifelte Zeiten. Bevor ich meine drei Mädchen bekommen habe.«

Am liebsten hätte ich mehr erfahren, doch Baba und Mama tauschten einen Blick aus, der einen Riegel vor ihre Vergangenheit schob.

Mama hob mich auf ihren Schoß und ihr Tonfall wurde sanfter. »Zum Glück sieht dein Schicksal anders aus, Tru.« Sie berührte das Muttermal neben meinem rechten Mundwinkel. »Das hier bedeutet, dass du niemals Hunger leiden wirst, und du hast ein Talent dafür, Geld zu machen.«

»Hat sie auch ein Talent dafür, es zusammenzuhalten?«, neckte Baba sie. Argwöhnisch betrachtete er das Seidentuch um Mamas Schultern und die neuen Armreife an ihren Handgelenken. »Denn diese Fähigkeit fehlt ihrer Mutter definitiv.«

Mama sah ihn finster an, doch ihren Mund umspielte ein verräterisches Lächeln. »Mit einem Balardanen verheiratet zu sein, macht es schwieriger, das Vertrauen der Leute zu gewinnen«, erwiderte sie. Ihr Blick glitt über Babas Haare, die im sommerlichen Sonnenschein dunkelblau schimmerten. »Ich muss respektabel aussehen, damit du mir nicht all meine Kundschaft vergraulst.«

»Deine Tochter ist aber keine Kundin. Sie hat nicht darum gebeten, ihre Zukunft vorhergesagt zu bekommen.«

»Das macht mir nichts aus«, sagte ich rasch. »Ich finde es schön, wenn Mama mich liest.«

Damals entsprach das der Wahrheit. Ich war jung und naiv und niemand glaubte mehr an Mamas Fähigkeiten als ich.

Baba schnalzte mit der Zunge. Nachdem Mama aufgestanden und außer Hörweite war, beugte er sich nach unten, sodass wir auf Augenhöhe waren. »Niemand kann die Zukunft voraussehen, Tru. Nicht mal deine Mutter.«

»Aber sie sagt …«

»Mama … tut gern so«, flüsterte Baba ganz leise.

Ich runzelte die Stirn. »Das verstehe ich nicht.«

»Erinnerst du dich noch an das alte Märchen vom Fisch und dem Drachen?«, fragte er, statt mir eine Erklärung zu geben. »Das Schicksal ist den Mutigen hold, die den Sprung wagen, meine Tru. Was auch immer dein Schicksal sein mag – Reichtümer oder Liebe oder Abenteuer –, du bist deines Glückes Schmied. Nichts ist vorherbestimmt. Weder von den Göttern noch von den Linien in deiner Handfläche oder den Falten auf deiner Stirn.« Mit den Fingern zählte er meine Sorgenfalten. »Andernfalls wirst du laut diesen Linien siebzehn Kinder bekommen.«

Das brachte mich zum Kichern.

»Siehst du? Es ist Unsinn.« Baba zerzauste mir die Haare. Dann zog er – wie von Zauberhand – ein hölzernes Schiff hinter meinem Kragen hervor.

»Oh«, hauchte ich, als Baba das Kleinod in meine Hand gleiten ließ. Es war nicht größer als eine Teetasse und noch nicht fertig geschnitzt, aber die glatt geschmirgelten Segel und der Umriss eines prächtigen Phönix am Bug ließen erahnen, wie kunstvoll es einmal sein könnte. »Das wird deine schönste Schnitzerei.«

»Ich glaube auch«, stimmte Baba mir zu.

Die große Liebe meines Vaters galt nach seiner Familie der Kunst und dem Meer. Wenn er fort war, schnitzte er uns kleine Holzfiguren von wundersamen Dingen, denen er auf seinen Reisen begegnete: Affen und Tiger, Schattentheater, halbmondförmig geschwungene Brücken – meine kleinen Schwestern und ich hatten eine ganze Sammlung unter dem Bett. Doch zum ersten Mal zeigte er mir ein Kunstwerk, an dem er immer noch arbeitete.

»Wenn es fertig ist, möchte ich, dass du es für mich anmalst.«

Ich riss die Augen auf. »Ich?«

»Ja. Falina sagt, du machst dich in meiner Abwesenheit heimlich an meinem Schrank zu schaffen. Der mit den ganzen Farben und Pinseln.«

Verdammter Dämonenmist, natürlich hatte sie mich verpetzt. Insgeheim wünschte ich mir missmutig, meine kleine Schwester wäre niemals geboren worden.

Am liebsten hätte ich den Diebstahl abgestritten, aber bei uns zu Hause gab es eine unumstößliche Regel: Familienmitglieder durften nicht angelogen werden. »Das war nur ein Mal«, räumte ich ein. »Vielleicht zweimal.«

»Warum?«

»Aus Neugier. In der Bäckerei von Tante Lili hab ich ein Bild der Zwillingsberge gesehen und sie haben ausgesehen wie zwei nebeneinanderliegende Birnen. Sie hat gesagt, dass sie die Zeichnung für dreißig Jen gekauft hat.« Ich fuchtelte mit den Armen herum. »Dreißig Jen! Ich wollte ihr sagen, dass ich sie besser zeichnen kann, und zwar für zwanzig.«

»Konntest du das denn?«

Ich verzog die Mundwinkel zu einem Lächeln. Mein Stolz wäre eines Tages noch mein Ruin. »Ja.«

Aus Babas Kehle drang herzhaftes Gelächter. »Genau das wollte ich hören. Balardanen liegt die Kunst im Blut, Tru. Ich hatte gehofft, dass eines meiner Mädchen einmal zum Pinsel greifen würde.« Er entrollte die Ledertasche, die er am Gürtel trug, und seine Finger verharrten über mehreren Schnitzmessern, bevor sie nach einem schmalen Pinsel griffen. »Hier, damit kannst du anfangen.«

Als ich den Pinsel zwischen zwei Fingern hielt, war ich über seine Leichtigkeit überrascht. Er war weiß und lief spitz zu, wie das Ende eines Pferdeschweifs. Der Griff bestand aus Bambus. Solche Pinsel hatte ich schon zu Dutzenden auf dem Marktplatz gesehen, doch dass Baba ihn für mich gekauft hatte, machte ihn zu etwas ganz Besonderem.

»Die Borsten sind aus Wieselhaar.« Baba wirkte ein wenig verlegen. »Nicht sehr elegant, aber mit ihnen kann man die saubersten Linien zeichnen. Das ist bei einem Zauberpinsel unverzichtbar.«

»Ein Zauberpinsel?«

»Ein Spiel, das ich als Junge gespielt habe. Früher habe ich immer alles gemalt, was mir in den Sinn kam: fliegende Segelschiffe, Vögel, die Geschichten erzählen, und Laternen, die nie erlöschen.« Er beugte sich vor und flüsterte verstohlen: »Dann habe ich jedes Mal ›Zauberpinsel‹ gesagt und sie sind alle zum Leben erwacht.«

»Wirklich?«, hauchte ich.

»Nun, nicht wirklich«, gestand Baba. »Es ist ein Spiel mit der Fantasie. Ein Spiel, bei dem die einzigen Regeln und Beschränkungen von hier kommen.« Er tippte an meine Stirn.

Staunend stieß ich den Atem aus. »Woher weiß man dann, wer gewinnt?«

»Bei den besten Spielen gibt es keine Sieger oder Verlierer.«

Ich stellte mir vor, wie ich zusammen mit meinen Schwestern spielte. Fal würde sich nur Kleider und Juwelen wünschen, und Nomi – in meine Gedanken mischte sich Zärtlichkeit – würde sich einen berghohen Bücherstapel erträumen. Meine jüngste Schwester war ein Genie. Mit gerade einmal vier Jahren konnte sie schon besser lesen als Fal und ich.

»Mal mit dem Pinsel etwas Reales oder mal etwas, das es nicht gibt«, sagte Baba. »Solange dich das Malen eines Motivs glücklich macht, ist es die beste Übung.«

Mein Herz quoll über. »Danke, Baba.«

»Meine Farben gehören jetzt dir.« Er hielt mir das Holzschiff vor die Nase. »Denk darüber nach, welche Farben du dafür verwenden willst. So es das Schicksal will, wird es eines Tages ein echtes Schiff sein, auf dem wir gemeinsam in See stechen.«

»So es das Schicksal will?« Ich zog eine Augenbraue hoch. »Wir schmieden unser eigenes Schicksal, schon vergessen?«

Er lachte. »In der Tat, Tru. Das machen wir.«

In den folgenden Wochen entwickelte sich der »Zauberpinsel« rasch zu meinem Lieblingsspiel. Jeden Nachmittag vertrieben wir uns damit die Zeit, während Mama in der Küche Menschen das Schicksal an der Stirn ablas.

Nomi liebte unsere Spiele. Fal ging es genauso, selbst wenn sie es niemals zugegeben hätte. Sie stand über meine Schulter gebeugt da, während ich den sprechenden Fischen und singenden Bäumen aus Nomis Geschichten Leben einhauchte, und verfolgte jeden...



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