Lindenberg | Menschenversuche | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Lindenberg Menschenversuche


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-23644-8
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 440 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-23644-8
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



An der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf wurde ein Biologieprofessor brutal gefoltert und hingerichtet. Dr. Johannes Schwarz wird von seiner guten alten Bekannten Ariel Brunner gebeten, herauszufinden was dahintersteckt. Widerwillig nimmt er den 'Auftrag' an. Seine Weggefährtin, Hauptkommissarin Phoebe Zoe Walker - genannt Bi -, die ins LKA versetzt wurde, kann ihm diesmal nämlich nicht helfen. Hilfe bekommt er aber von Ashkan Horri, der für die Kriminalpolizei in Düsseldorf arbeitet und Karim El-Samarany, den Johannes schon als Experten für künstliche Intelligenz kennen-gelernt hatte. Die ersten Ermittlungen zeigen, dass Terroristen Anschläge mit völlig neu designten Krankheitserregern planen, die weltweite Pandemien auslösen können. Auf ihrer Suche nach den Terroristen stoßen sie auf eine Verschwörung, an die zu denken, sich noch niemand getraut hat. Doch diesmal macht jemand Ernst damit. Aber es kommt noch wesentlich schlimmer. Hinter den Anschlägen steckt ein perfides 'Geschäftsmodell'.

Michael Lindenberg hat an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Philosophie, Sozialwissenschaften und Geschichte studiert und dort in diesen Fächern auch promoviert. Er arbeitet als Personal- und Unternehmensberater und hat Lehraufträge an mehreren Hochschulen. Unter anderem lehrt er Wirtschaftsethik an der Heinrich-Heine-Universität, der Rheinischen Fachhochschule in Köln sowie Soziale Arbeit an der Fachhochschule für Ökonomie in Düsseldorf. Bisher hat er wissenschaftliche Bücher und Aufsätze veröffentlicht, bis er das Experiment wagte, einen ersten Roman zu schreiben. Er plant eine Trilogie. Nach 'Tödliche Zeichen' ist 'Menschenversuche' der 2. Band.
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Autoren/Hrsg.


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BEGONNEN HAT SIE DAMALS

Begonnen hat sie damals, diese gottverdammte Pleite,

Ende März, im vergangenen Jahr.

‚Operation Tiger‘ hieß das Manöver, im Raum Waldburg und Umgebung,

wie üblich der Grenze ziemlich nah.

Man steckte Felder in Brand, man schoss Löcher in den Wald und das Haus vom alten Förster traf man voll.

Doch das Schlimme an der Sache, und das wussten wir noch nicht,

da hat ein Panzer einen Hasen überrollt.

Ja, das Schlimme an der Sache, und das wussten wir noch nicht, da hat ein Panzer einen Hasen überrollt.

Sie trafen sich im Weise.

Alex war gut drauf. Die Sonne schien strahlend vom Himmel und es wehte genauso viel Wind, dass es unter dem Schirm im Außenbereich des Weise angenehm warm, aber nicht zu heiß war.

Er hatte noch ein bisschen Zeit, bis seine Gesprächspartnerin eintreffen würde. Er checkte noch ein paar Zeitungsmeldungen und daddelte gelangweilt durch seine Nachrichtendienste. Es gab nichts, worauf er sofort reagieren musste. Er lehnte sich entspannt zurück und bereitete sich innerlich auf das Treffen vor. Die Bedienung kannte ihn als Stammgast und hielt sich erst einmal zurück, weil sie erkannt hatte, dass Alex auf jemanden wartete. Das Café war vor einiger Zeit renoviert und neu möbliert worden. Es sah jetzt et was ‚wertiger‘ aus, wie das heutzutage heißt. Alex gefiel es. Die Tische und Stühle im Außenbereich sahen aber zu neu aus und hatten einen Teil Ihres alten Charmes eines Cafés in Oberbilk verloren. Sie wirkten noch steril.

Sein spezielles ‚Netzwerk‘ hatte ihm einen Kontakt mit einer Humanbiologin namens Dr. Miriam von Hallensleben verschafft und ein Treffen mit ihm arrangiert. Er wusste, dass er erst einmal ihr Vertrauen gewinnen musste. Aber das war eine berufliche Qualifikation, die er perfekt beherrschte. Alex war etwas blasser als sonst und noch hagerer. Es kaschierte seinen Stress dadurch, dass er Miriam hellwach zuhörte. Er musste nicht viel fragen. Zu groß war das Mitteilungsbedürfnis der meisten Menschen, die einen Journalisten trafen.

Als Miriam erschien, winkte ihr Alex zu. Sie war etwas unschlüssig und auch sichtlich unsicher und schaute sich vorsichtig um, als wollte sie erkunden, ob sie hier irgend jemanden kannte. Aber auch das kannte er, denn Begegnungen dieser Art waren immer subversiv. Sie setzte sich gefasst zu Alex an den Tisch, den er so gewählt hatte, dass der Umgebungslärm ein Mithören ihres Gespräches unmöglich machte. Nach einer kurzen Begrüßung taute sie aber schnell auf.

»Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Gespräch mit mir nehmen.«

»Ja, danke, kein Problem. Schön, dass ich jetzt auch persönlich kennenlernen kann. Als Journalist sind Sie mir natürlich bekannt. Was verschafft mir die Ehre?«

Sie hatte mittellange braune Haare und funkelnde Augen. Sie war das, was man eine natürliche Schönheit nannte. Eine hübsche Laune der Natur. Und sie schien auch keine Probleme damit zu haben, denn sie war eher geradeaus, im Denken nüchtern und gradlinig.

Alex begann das Gespräch: »Sie können sich sicherlich denken, warum ich um das Treffen mit Ihnen gebeten habe.«

»So richtig eigentlich nicht«, lachte sie inzwischen deutlich entspannter auf.

Neugierig wollte sie mehr erfahren: »Wahrscheinlich weiß ich weniger als sie. Ich mache meine Arbeit und weiß von der Ermordung von Professor Krappmann nur das, was man sich so im Institut erzählt. Mehr weiß ich wirklich auch nicht.«

Alex schaute Miriam geduldig an und genoss einen Schluck Kaffee. Er schwieg freundlich. Sie war ja nicht gekommen, um ihm mitzuteilen, dass sie keine Vermutungen hatte.

»Ich hab ja auch wenig mit Professor Krappmann zu tun gehabt. Natürlich kennen wir uns irgendwie alle an der Fakultät. Aber ich bin akademische Oberrätin und habilitiere mich gerade. Meine Forschung hat mit den Forschungen des Professors auch nicht viel zu tun. Gut, wir sind jetzt zwar in dem neuen Gebäude alle unter einem Dach. Aber man hat genug mit sich selbst zu tun und interessiert sich für die Kollegen nur, wenn das für einen selber interessant ist. Eigentlich sollten in dem ‚Zentrum für Synthetische Lebenswissenschaften‘ die Institute ja eine fakultätsübergreifende Forschungs- und Technologieplattform aufbauen. Aber das dauert ewig und ist mit einem schicken Gebäude nicht getan. Das hat im alten Biologisch-Medizinisches Forschungszentrum auch schon nicht so richtig geklappt. Die reden viel von Teamarbeit.«

»Ein Überbleibsel der alten Lehrstuhlmentalität?«

»Weiß ich nicht, kann sein. Das habe ich nicht mehr erlebt. Das war vor meiner Zeit. Ich glaube, es ist aber nicht mehr die Selbstherrlichkeit der Professoren, sondern …«

»Was?«

»… das liebe Geld. Der Laden läuft zu einem großen Teil mit Geldern aus Drittmitteln. Und vieles wird auch geheim gehalten. Was meinen Sie wie scharf andere auf die Forschungsergebnisse sind. Ich arbeite auch in meinem Institut sehr hart. Überstunden ohne Ende und zu Hause geht es am Computer weiter. Wissen Sie, das Hauptproblem ist, dass Zeit Geld ist. Wir haben nur eine Chance, wenn wir mit unseren Ergebnissen schneller sind als alle anderen. Und ich sage, alle anderen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wer als erster Ergebnisse hat, die Geld bringen, hat gewonnen. Es heißt: ‚The Winner Takes it All‘. Das haben wir als ständiges Motto im Hinterkopf und das treibt uns an.«

»Ich verstehe. Alle schotten sich voneinander ab, weil dafür keine Zeit ist. Vielleicht werden ein paar Zweckbündnisse eingegangen. Im Zweifelsfall vertraut man aber auf sich selbst. Und die Angst, dass Ideen ‚geklaut‘ werden kommt noch dazu.«

»Genau! Nur ‚klauen‘ würde ich das nicht nennen. Wir sind ja eigentlich weltweit eine wissenschaftliche Gemeinschaft, die vom unbeschränkten Austausch lebt.«

»Wenn da nicht wirtschaftliche Interessen dazwischenfunken.«

»Leider ist das so.«

»Sie können mir aber verraten, mit welchem Thema Sie ihre Professur machen wollen?«

»Ich arbeite am Institute für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene. Und meine Arbeit beschäftigt sich mit neuen Möglichkeiten der Bekämpfung von Staphylokokken, die zunehmend multiresistent werden. Und das ist auch ein Problem der Krankenhaushygiene. Wir haben nur noch Tigezyklin und zwei weitere und brauchen dringend neue Antibiotika, sonst wird es bald Probleme geben.«

Alex kannte das Problem. Er schaltete kurz. Es wäre vielleicht nicht schlecht, der Biologin etwas anzuvertrauen.

»Bei der Verfolgung der Täter ist eine Polizeihauptkommissarin schwer verletzt worden. Sie liegt im künstlichen Koma in der Uni Klinik und hat eine Infektion mit – wie heißen diese Dinger …«

»… Staphylokokken.«

»Ja, sorry, meine ich ja Staphylokokken.«

»Und?«

»Sie geben ihr inzwischen das letzte noch mögliche Reserveantibiotikum.«

»Wissen Sie welches?«

»Männer können sich doch Namen von Medikamenten nicht merken.«

»Tigezyklin?«

»Wenn Sie das sagen.«

»Dann hat sie noch Glück im Unglück. Sie wird das aber überleben. Nur, in einem Jahr würde Sie daran unweigerlich sterben, wenn wir nichts Neues haben.«

»Das wäre schlimm.«

»Kennen Sie sie? Ich meine persönlich?«

Alex antwortete etwas zurückhaltend: »Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Polizei in Düsseldorf und natürlich kenn ich auch Frau Walker. Aber sagen Sie, der Professor Krappmann hat doch an einer Alternative zu Antibiotika geforscht?«

Miriam wurde etwas kleinlauter und antwortete tapfer: »Ja, meine Institutsleiterin forscht in eine andere Richtung und man kann sich sein Forschungsgebiet nicht so einfach aussuchen. Die haben einen Vorlauf, den wir nicht einholen können. Sie sind aber gut informiert.«

Alex nahm das Kompliment mit einem hintergründig aufgesetzten Lächeln gerne an. Ein bisschen Eindruck musste man ja schinden.

»Herr Gaertner, ich finde das Gespräch mit Ihnen sehr angenehm und auch spannend. Und natürlich machen mich die Vorfälle an der Uni auch sehr betroffen. Ich könnte mich noch stundenlang mit Ihnen unterhalten.«

Ihre Blicke kreuzten sich kurz. Hatte Alex sich geirrt? Er kannte das Gefühl, wenn sich Blicke so kreuzen. Es blieb ihm nur die Wiederholung. Er irrte sich nicht. Sein Blick wurde so erwidert, wie er es sich erhofft hatte. Ihr anschließendes Lächeln mit einem gewissen Schmunzeln darüber, dass er verstanden hatte, signalisierte ihm, dass er sein Ding jetzt durchziehen sollte und dass der Abschluss des...



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