Lindenberg | Tödliche Zeichen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Lindenberg Tödliche Zeichen


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-24176-3
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-347-24176-3
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



An der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf wurde ein Philosophieprofessor mit einem Schierlingsbecher geradezu hingerichtet. Hauptkommissarin Phoebe Zoe Walker - genannt Bi - übernimmt den Fall und holt sich Hilfe bei ihrem alten Freund Dr. Johannes Schwarz, den sie als Personalberater und Hobbyphilosophen kennengelernt hatte. Ihr Stammlokal ist das Café Weise in Düsseldorf. Die ersten Ermittlungen enden rätselhaft. Alle verfügbaren Daten über den Professor wurden in der Universität und ihren Bibliotheken gelöscht und auch das Polizeipräsidium ist gehackt worden. Aber das ist erst der Anfang. Sie ahnen nicht auf welche Mächte sie stoßen werden. Beide werden auf tödliche Zeichen stoßen, die sie gemeinsam entschlüsseln müssen. Eine gefährliche Jagd beginnt, bei der aus Jägern Gejagte und aus Gejagten Jäger werden...

Michael Lindenberg hat an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Philosophie, Sozialwissenschaften und Geschichte studiert und dort in diesen Fächern auch promoviert. Er arbeitet als Personal- und Unternehmensberater und hat Lehraufträge an mehreren Hochschulen. Unter anderem lehrt er Wirtschaftsethik an der Heinrich-Heine-Universität, der Rheinischen Fachhochschule in Köln sowie Soziale Arbeit an der Fachhochschule für Ökonomie in Düsseldorf. Bisher hat er wissenschaftliche Bücher und Aufsätze veröffentlicht, bis er das Experiment wagte, einen ersten Roman zu schreiben. Er plant eine Trilogie. Nach 'Tödliche Zeichen' ist 'Menschenversuche' der 2. Band.
Lindenberg Tödliche Zeichen jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT I

… Als nun der Tag anbrach, steckte der Junge seine fünfzig Taler in die Tasche, ging wacker und froh hinaus auf die große Landstraße und sprach immer vor sich hin: »Wenn’s mir nur gruselte! Wenn’s mir nur gruselte!« Das erhörte ein Mann und rief ihm zu: »Das Gruseln willst du lernen, das hab ich ja noch nie gehört, das musst du mir genauer erzählen?« Und der Junge erzählte ihm seine Geschichte.

Der Mann, ein welscher Landstreicher, lachte und riet dem Jungen: »Werde Ökonom«, und geheimnisvoll fügte er hinzu: »Denn da, wo die einen Abstraktionen sehen, lernen andere das Gruseln.«

Da der Junge von zu Hause keinen Goldklumpen, sondern nur lausige 50 Taler mitbekommen hatte, musste er sich etwas anderes ausdenken als ein gewisser Hans aus dem Nachbarort, der, so erzählte man sich, in einem Tag schon pleite war, weil er eine allgemeine Wertform nicht von einer einzelnen, einfachen oder zufälligen Wertform unterscheiden konnte. Er dachte sich: »Also gut, versuch’ ich mein Glück beim Geschäft, und er konnte sich natürlich kein größeres Glück vorstellen, als endlich das Gruseln zu lernen.

Der Junge - nun schon ein Jüngling - lernte natürlich sehr viel, nur nicht das Gruseln; er wurde lediglich reich und ein angesehener Bürger seiner Gemeinde. So kam es, dass er sich auch öfter mit den anderen wohlhabenden Bürgern im Gasthaus, wo man Geschäfte besprach und auch die gemeinsamen Interessen gegenüber der Landesherrschaft festlegte, traf. An einem Abend im Winter kam er wegen des hohen Schnees etwas später als üblich zur Versammlung, auf der schon ein großer Streit unter den Anwesenden zugange war, der sich um die Frage drehte, ob man als ehrlicher Kaufmann den Leuten Greifenfleisch verkaufen müsse, nur weil es die Konkurrenz auch tue. »Wie kann man den Leuten Greifenfleisch verkaufen wollen, wenn es diese Tierart gar nicht gibt?«, wandten die einen ein. »Da die Leute dieses Fleisch unbedingt haben wollen, müssen wir es ihnen verkaufen, sonst tut es die Konkurrenz!«, meinten die anderen.

Der Jüngling legte sich ins Mittel und sagte beschwichtigend: »Wenn es Greife gibt, wollen wir sie wie unsere Mitbewerber an die Kundschaft verkaufen, gibt es aber keine, so könnten wir etwas anderes verkaufen, welches wir gut einpacken und auf dessen Verpackung wir dann schöne, große und bunte Greife malen.«

Zwar machte sich unser Held damit einen Gelehrten zum Feind, der dreizehn Bände über Ökonomie geschrieben hatte, ansonsten aber brachte es ihm den Ruf ein, er hielte Greife in einem Geflügelhof, die er aber keinesfalls verkaufen würde, weswegen man ihn dann doch nicht in den Rat der in dem Ort maßgebenden Handelsbank berufen wollte …

Sie trafen sich im Weise.

Und das war vorher passiert.

»Hallo Lizzie!«

Sie kam aus dem Badezimmer und trug ihren kurzen japanischen Tsukesage Kimono offen und hatte ein Handtuch um den Kopf gewickelt. Den Obi hatte sie noch nicht um ihre Hüfte gelegt.

Der Kimono war aus mitternachtsblauer Seide und mit stilisierten abstrakten Motiven verziert, die an das japanische Feuerwerk mit den Motiven des japanischen Tanzes Nihon Buyo erinnerten. Er war an Eleganz und Anmut kaum zu toppen.

Als sie Joey sah, löste sie das Handtuch aus ihren Haaren und rubbelte sich ihr schwarz gelockten Haare wuschelig, dass sie ihr strähnig ins Gesicht fielen. Ihr braun gebrannter Körper, den sie selbstbewusst zeigte, war kaum zu übersehen und sie warf Joey einen mehr als nur neugierigen Blick zu, ohne dass er ihn entgegnete.

Johannes hatte schon öfter über die Schönheit des weiblichen Geschlechts philosophiert. Der Mensch war eigentlich ein Geschöpf der Evolution, was aber die weibliche Schönheit anging, hatte er da seine Zweifel.

Ein intelligenter Designer konnte es aber auch nicht gewesen sein. Denn noch nie war es Hollywood gelungen, ein Alien zu schaffen, das schöner war als eine schöne Frau. Das erste Mal war ihm das in Rom bewusst geworden, als er anlässlich eines Kongresses die Engelsburg besichtigte und in der Warteschlange stehend sah, dass die Halbgöttinnen heute Vespa fuhren.

Das Schöne ist bei Kant – so wusste er – ein Geschmacksurteil ohne Zweck, ohne dass das Begehren seinen Reiz verlöre.

Aber auch die Wahrheit war nackt und damit weiblich, wie auf dem Bild von Jean-Léon Gérôme ‚Phyrne vor den Richtern‘ im ersten Stock der Hamburger Kunsthalle, dass er sich in seiner Größe nicht so zierlich vorgestellt hatte.

Man sollte ihre Schönheit des Weiblichen – dieses Symbol des Sittlichen – nicht zu ihrem Handicap verkehren. Aber an all das dachte Johannes in diesem Augenblick überhaupt nicht, denn er musste erst einmal seine Gedanken ordnen.

Das stoische Verhalten war sie eigentlich von Joey überhaupt nicht gewohnt. Irritiert und ungehalten runzelte sie leicht zornig ihre Stirn hinter den nassen Strähnen. Ihre tiefblauen Augen blitzten kurz auf und sie blies energisch ein paar schwarze Strähnen aus ihrem Gesicht.

»Hallo Joey. Geht’s Dir Gut? Du wirkst so ein bisschen anders als sonst. Was ist denn?«

»Doch.«

»Doch. Irgendwas rumort in Dir.«

»Ich wusste gar nicht, dass Philosophie bluternst werden kann.«

»War sie das nicht immer?«

»Ja. Aber jetzt?«

»Ruh Dich erst mal aus. Ich hab was vorbereitet. Du musst es nur noch fertigmachen.«

»O.k.?«

Sie ging ins Badezimmer und legte den Obi an, der aus dem gleichen Stoff wie der Kimono bestand und mit sehr dezenten goldfarbenen Applikationen verziert war. Während sie sich noch einmal im Spiegel gefiel, rief sie Richtung Johannes:

»In der Küche findest Du ein Tablet mit einem Rezept von Chefkoch.de. Das klingt ganz gut. Die Zutaten habe ich schon hingestellt. Und jetzt mach erst mal den Prosecco auf.«

»Gut. Mach ich. Küche klingt entspannend.«

Nach einem kurzen Augenblick kam er mit zwei Gläsern und dem Prosecco aus der Küche und schenkte ein.

»Erst mal Prost«, sagte Lizzie.

Das Kochen ging ganz einfach. Lizzie hatte den Fisch und die Zutaten schon rausgestellt und der Backofen war vorgeheizt. Also musste er nur noch den Fisch, das Gemüse, die Kräuter und etwas Wein in eine Glasform geben und in den Backofen schieben. Die Uhr stellt er auf 20 Minuten. Er musste jetzt nur noch daran denken, das Baguette aufzubacken.

Sie deckten beide den Tisch und warten gespannt auf das Ergebnis ihrer Kochkünste.

Sie hatten noch ungefähr zwanzig Minuten bis zum Essen. Das reichte für ein zweites Glas.

»Was gärt denn in Dir?«

»Wenn ich das mal wüsste.«

»Hm.«

»Sag mal, was weißt Du über Sokrates?«

Och Gott. Sokrates. Was soll ich sagen. In den Schulbüchern gilt er als weiser Mann, den man völlig zu Unrecht ermordet hat.«

»Ja ich weiß, wegen Gotteslästerung und Verderbnis der Jugend.«

»Bekannt geworden ist er ja wegen seiner von Platon überlieferten ‚sokratischen Dialoge‘. Durch Fragen also und nicht durch Belehren wollte er Einsichtsfähigkeit erzeugen. Das was die Methode der Mäeutik. So ne Art von philosophischer Hebamme. Wahrscheinlich war das für die Athener zersetzend.«

»Und Xanthippe?«

»Philosophisch weiß ich nichts von der. Aber er muss auch eine andere Seite gehabt haben.«

»Welche?«

»Er war bestimmt bi. Aber das war eigentlich im alten Athen so üblich und galt nicht als Jugendverderbend. Da hätte man sonst die ganze männliche Oberschicht vergiften müssen.«

»Okay und?«

»Da war irgendetwas mit seinen ‚Jüngern‘. Kommt leider in den Schulbüchern nicht vor. Aber es gibt die Mär, dass man ihn aus ganz anderen Gründen ins Jenseits entsorgt hat. Sorry in den Hades.«

»?«

»Nun Du musst Dir die Jünger nicht als begeisterte Novizen der Philosophie vorstellen. Es waren eher verzogene und total elitär denkende Jungens aus der Oberschicht. Du musst sie Dir eher vorstellen wie den Bullingdon Club, in dem neben Boris Johnson auch der frühere Premiermister Cameron Mitglieder waren.

Die Typen in dem Club sind alle gebildet, sehr redegewandt, charmant und witzig. Sie zerschießen sich im Club eher regelmäßig mit Champagner und glauben, dass man machen könnte, was man will.«

»Also auch schon damals in der Wiege der Demokratie.«

»Ja, aber das war wohl nicht alles. Ich weiß gar nicht, wo ich das her hab. Es muss noch eine politische Intrige gegeben haben, die für Athen eine...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.