Ling | Wir zwei in fremden Galaxien | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

Ling Wir zwei in fremden Galaxien

Ventura-Saga Band 1
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-3980-2
Verlag: ONE
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ventura-Saga Band 1

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

ISBN: 978-3-7325-3980-2
Verlag: ONE
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



'Wir sind eine der interstellaren Generationen. Wir haben die Erde nie gesehen; wir werden unser Ziel nie zu sehen bekommen. Dieses Raumschiff, auf seiner siebenhundertjährigen Reise, ist das Einzige, was wir jemals sehen werden. Was unsere Kinder je sehen werden. Was unsere Eltern je gesehen haben.'


Die 17-jährige Seren lebt seit ihrer Geburt auf der Ventura und steht kurz vor der Abschlussfeier ihres Schuljahrgangs. An diesem Tag wird nicht nur entschieden, in welchem Bereich des Raumschiffs sie in Zukunft arbeiten soll, vor allem wird bekanntgegeben, wer aus dem aktuellen Jahrgang zu ihrem Lebenspartner ausgewählt wurde. Doch Seren hat ein Problem, denn sie hat sich verliebt. Mit dem spanischstämmigen Domingo, kurz Dom, erlebt sie echte Gefühle, das Herzklopfen der ersten Liebe. Doch beide wissen, dass sie damit gegen alle Regeln verstoßen und nur heimlich zusammen sein können. Als sich für das junge Paar eine Möglichkeit ergibt, das Raumschiff zu verlassen, muss Seren sich entscheiden. Will sie die sicheren Räume der Ventura verlassen, ohne zu wissen, ob sie außerhalb überleben können? Aber was ist die Alternative?



Kate Ling hat bereits Kurzgeschichten und Gedichte in verschiedenen Anthologien und Magazinen veröffentlicht, bevor sie Wir zwei in fremden Galaxien - Die Ventura-Saga schrieb. Auf etlichen Reisen durch verschiedene Länder hat sie viele Erfahrungen sammeln können, die in ihr Romandebüt eingeflossen sind. Die Autorin schreibt bereits an der Fortsetzung.
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Kapitel 2


Meine Schwester, Pandora, hat ihren Lebenspartner Cain vor knapp einem Jahr geheiratet, und jetzt ist sie im siebten Monat schwanger, mit neunzehn, und unausstehlich glücklich. Sie macht nichts anderes, als den ganzen Tag zu lachen und Babysachen zu stricken und andere junge Mütter einzuladen, die ihr irgendwelche Sachen schenken und ihr albern den Bauch streicheln. Cain ist auch total aus dem Häuschen. Dabei habe ich mal gedacht, er wäre cool. Wenn ich ihn jetzt sehe, wie er ihren Bauch hätschelt und tätschelt, erkenne ich ihn fast nicht wieder. Ich war sogar mal neidisch auf meine Schwester, weil ihr Lebenspartner eigentlich ganz okay ist, aber jetzt hat er sich in einen totalen Loser verwandelt, und ich kann den Typen nicht mal mehr ansehen. Von Pandora bin ich dagegen weniger enttäuscht, sie war schon immer eine Niete. Manchmal wundert es mich, wie wenig wir beide gemeinsam haben. Dabei leben wir seit Ewigkeiten im selben Quartier, und auf einmal strickt sie nur noch Babysocken.

Jeder normale Mensch wäre längst in sein eigenes Familienquartier gezogen, aber meine Schwester ist eben nicht normal, deshalb hat sie den Umzug jetzt erst beantragt. Das liegt an ihrem tragischen Irrglauben, dass Dad und ich sie hier vermissen würden. Und das weiß ich nur, weil Cain mir mal erzählt hat, sie sei total besorgt, dass wir ohne sie nicht klarkommen. Deshalb wolle sie eigentlich mit dem Baby hierbleiben, aber ich habe ihm gesagt, dass wir mit ihr noch viel weniger klarkommen. Ich meine, unser Verhältnis ist so was von gestört. Dad weiß schon gar nicht mehr, wie er in seiner Freizeit zwischen uns sitzen soll. Seit Jahren streiten wir uns über seinen Kopf hinweg, während er einfach nur dasitzt und schweigt, vielleicht ab und zu mal lacht oder sagt: »Bitte, ihr beiden!« Früher hat er die Zeit mit uns wenigstens noch genossen, vor allem, weil wir ihm vor dem Schlafengehen immer einen Kuss aufs Haar gedrückt haben. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, weil Cain und Pan nur noch miteinander tuscheln und herumalbern, während Dad und ich auf irgendein Display starren. Die meiste Zeit frage ich mich, wie Pan so bescheuert sein kann, ihre erbärmliche Existenz auch noch zu genießen.

Als ich am Morgen das letzte Mal zu Erziehung muss, hoffe ich eigentlich nur, niemals so zu werden wie sie; und ich hoffe, den Tag zu überstehen, ohne dass mir das Gehirn aus den Ohren trieft.

Die erste Stunde haben wir bei Pastor Seth, der uns neun Jahre lang Geschichten aus der Bibel erzählt hat und unseren letzten Tag dazu nutzt, uns in einem grauen knastähnlichen Raum den Sinn des Lebens zu erklären, besser gesagt den Sinn des Lebens, wie er ihn sich vorstellt. Jonah ist mal wieder der Einzige, der zuhört, ansonsten interessiert sich kein Mensch für diesen Quatsch. Ich meine, Emme schreibt zwar fleißig mit, aber in Wirklichkeit macht das der Autopilot.

»Generation 84, eure Zeit ist gekommen.« Solchen Quatsch erzählt uns Pastor Seth praktisch jeden Tag. Wir sind fünfunddreißig Schüler in unserer Klasse, alle zwischen fünfzehn und siebzehn – die nächste Fuhre von Arbeitern, die hier wie am Fließband produziert werden. Es gibt nur drei Klassenräume, also verbringt man drei Jahre in Erziehung A, drei Jahre in B und drei Jahre in C, dann ist man durch, und als Ersatz bekommen sie eine neue Fuhre Sechs- bis Achtjähriger, denen sie das Leben zur Hölle machen, und die sich wahrscheinlich jetzt schon wünschen, sie wären nie geboren worden.

Als ich wieder hinhöre, hat sich Pastor Seth anscheinend warm geredet, denn er strahlt nur so durch seinen Bart, der bei einem Pastor obligatorisch ist. »Dies ist eure große Stunde, Generation 84. Euer Lebensweg wird sich nunmehr offenbaren; der Weg, den Gott für euch vorgesehen hat.«

Das ist der größte Schwachsinn überhaupt, denn Gott hat hiermit nichts, aber auch gar nichts zu tun, und das weiß er ganz genau.

»Morgen werdet ihr erfahren, wer von euren Klassenkameraden euch ins Erwachsenenalter und ins Familienleben begleiten wird, damit ihr eure wahre Bestimmung erfüllen könnt.«

Daraufhin meldet sich Ezra Lomax zu Wort: »Streitet euch nicht um mich, Mädels. Nur eine kann die Glückliche werden!« Typisch. Die meisten von uns lachen, aber manche der Mädels (Emme eingeschlossen) kichern albern, und man merkt, dass sie sich insgeheim Chancen erhoffen. Arme Idioten. Er ist zwar der Sohn des Captains und hält sich für unwiderstehlich, deshalb schafft er es irgendwie, auch andere davon zu überzeugen, aber das war es auch schon.

Nach dem Unterricht bei Pastor Seth haben wir unsere letzte Stunde bei Lieutenant Maria Fernanda, und während wir an nichts anderes denken können als an unseren Dienst, der am Montag beginnt, und uns fragen, welchem Bereich wir wohl zugeordnet werden, zeigt sie uns einen Dokumentarfilm über die Entstehung menschlichen Lebens auf der Erde. Das Video ist schon ziemlich alt, definitiv aus einer Zeit, bevor man sich das hier ausgedacht hat, bevor man auch nur auf den Gedanken gekommen wäre, eines Tages achthundertachtundachtzig Menschen in eine übergroße Konservenbüchse zu stecken und auf Nimmerwiedersehen in den Weltraum zu schießen. Und dann nutzt sie diesen Film auch noch als Begründung, weshalb wir uns glücklich schätzen können, dass wir nicht mehr wie die Tiere leben, sondern in Familienverbänden, die sorgfältig geplant und reguliert werden, um von unkalkulierbaren Risiken wie Gefühlen und sexuellen Neigungen verschont zu bleiben. Und dass es ein wahrer Segen ist, sich die Eizellen aussaugen zu lassen, damit irgendwelche Wissenschaftler unseren Nachwuchs in einer Laborschale erzeugen, in streng limitierter Anzahl, nach einem festgelegten Fünf-Jahres-Zyklus, halb männlich, halb weiblich, wie auf einer interstellaren Rinderfarm. Und als zusätzlichen Bonus müssen wir uns nicht mal mehr mit den üblichen Krankheiten, Fehlbildungen und Unwägbarkeiten herumschlagen, die uns als normale Menschen verfolgt hätten. Stattdessen müssen wir nur noch mit den Erkrankungen klarkommen, die wir selbst erschaffen haben.

Anschließend geht es zum letzten Vertreter unserer heiligen Dreifurchtbarkeit, Dr.Pen, der uns das PR-Video der Ventura Communications Incorporated vorspielt, das wir schon eine Million Mal gesehen haben. In dem Video ist dieses pulsierende Signal zu hören, das ein ganzes Team von Technikern seit über hundert Jahren zu entschlüsseln versucht (bislang ohne Erfolg) und dem wir in Richtung Epsilon Eridani folgen, obwohl wir jeweils 350 Jahre hin und zurück brauchen, nur um herauszufinden, was sie uns damit sagen wollen, falls es dieses »sie« überhaupt gibt und es sich nicht nur um eine kosmische Rückkopplung handelt. Eigentlich sollte ich dieses Signal hassen – irgend so ein dämliches Signal, ohne das dieser ganze Mist (ich selbst eingeschlossen) gar nicht existieren würde –, aber komischerweise hatte ich schon immer etwas dafür übrig. Es ist einfach extrem hartnäckig. Es macht immer weiter. Und in über hundert Jahren hat es noch kein Mensch geschafft, dessen Code zu entschlüsseln (wenn es denn einen gibt). Dabei ist es eigentlich nur Lärm, extrem chaotischer Lärm, aber es gab eben genug Leute, die davon überzeugt waren, dass es uns etwas zu sagen hat. Und deshalb wurde dieses Projekt ins Leben gerufen. Ich schätze, das beweist eigentlich nur, wie sehr wir uns davor fürchten, hier draußen allein zu sein.

Jedenfalls ist das alles nur die Einleitung zu einer echt lahmen Party, die zwischen zwei und drei Uhr stattfindet, eine Mischung aus Karaoke (so was nennt man hier Unterhaltung) und peinlichem Herumstehen, während die Lehrer feuchte Augen bekommen und bescheuerte Reden halten und beteuern, wie glücklich wir alle mal werden.

Ich unterhalte mich nicht großartig, weil die Situation total verkrampft ist. Eigentlich bin ich mit ein paar Typen befreundet, weil ich genau wie sie Videospiele mag, aber denen kann ich nicht mal in die Augen blicken, wenn ich daran denke, dass wir morgen erfahren, ob wir vielleicht den Rest unseres Lebens zusammen verbringen müssen. Deshalb stehe ich mit Emme in einer Ecke und starre die meiste Zeit zu Boden.

»Mal im Ernst. Was glaubst du, wen du morgen bekommst?«, fragt Emme.

Ich stütze mein Kinn in die Hand und staune, wie schwer sich mein Kopf gerade anfühlt. »Ich sag doch …«

Sie streckt beide Hände von sich. »Schon klar, es ist dir egal. Und was glaubst du, wen ich bekomme?«

»Du hoffst definitiv auf Ezra.«

Sie grinst. »Klar, wer nicht? Sohn des Captains. Extrem attraktiv.«

Ich verziehe das Gesicht. »Ist dir noch nie aufgefallen, wie selbstverliebt dieser Typ ist?«

Sie zuckt mit den Schultern. »Schon. Aber damit kann ich leben.«

In dem Moment beendet Brandon seine Karaoke und ruft Emme für den nächsten Song auf die Bühne. Während er ihr das Mikrofon hinhält, streckt sie mir ihre Hand entgegen.

»Komm schon, Seren. Sing mit mir ein Duett. Wie in alten Zeiten.« Ich schwöre, mir schaudert bei den Worten.

»Danke, aber ich passe«, sage ich.

»Ach komm!« Sie hüpft auf der Stelle und packt meine Hand, die ich ihr mit einem bösen Blick entziehe.

»Nein, Em. Ich meine es ernst.« Sie zuckt mit den Schultern, und ihr Lächeln verblasst ein wenig, dann eilt sie zur Bühne und bekommt rechtzeitig ihren Einsatz.

Emme ist nicht gerade die weltbeste Sängerin, aber sie trifft zumindest alle Töne, und bei ihrem Selbstvertrauen macht sie einen echt guten Eindruck. So eine Ausstrahlung habe ich mir immer gewünscht, aber wenn ich mich mal dazu überreden lasse,...


Kate Ling hat bereits Kurzgeschichten und Gedichte in verschiedenen Anthologien und Magazinen veröffentlicht, bevor sie Wir zwei in fremden Galaxien - Die Ventura-Saga schrieb. Auf etlichen Reisen durch verschiedene Länder hat sie viele Erfahrungen sammeln können, die in ihr Romandebüt eingeflossen sind. Die Autorin schreibt bereits an der Fortsetzung.



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