E-Book, Deutsch, Band 3, 459 Seiten
Reihe: Feral Moon
Lionera Feral Moon 3: Die brennende Krone
18001. Auflage 2018
ISBN: 978-3-646-30126-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romantasy - vereint Schönheit, Stärke und unzähmbare Kreaturen (für Fans von Gestaltwandlern und Werwölfen)
E-Book, Deutsch, Band 3, 459 Seiten
Reihe: Feral Moon
ISBN: 978-3-646-30126-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Asuka Lionera wurde 1987 in einer thüringischen Kleinstadt geboren und begann als Jugendliche nicht nur Fan-Fiction zu ihren Lieblingsserien zu schreiben, sondern entwickelte auch kleine RPG-Spiele für den PC. Ihre Leidenschaft machte sie nach ein paar Umwegen zu ihrem Beruf und ist heute eine erfolgreiche Autorin, die mit ihrem Mann und ihren Fellnasenkindern in einem kleinen Dorf in Hessen wohnt, das mehr Kühe als Einwohner hat.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
Es ist zum Verrücktwerden! Nicht nur, dass sich die Klingen, die ich vor zwei Tagen noch als Verlängerung meines Körpers angesehen habe, völlig falsch in den Händen anfühlen. Das Schlimmste ist, dass ich meine Kraft nicht mehr einschätzen kann. Und die Geschwindigkeit ebenso wenig.
Mir ist noch immer schleierhaft, wie sich diese Änderungen innerhalb eines einzigen Tages – oder einer einzigen Nacht – vollziehen konnten. Ash meinte, dass ich nun einen Teil seiner Feral-Kraft in mir trage. Anfangs hielt ich das für einen Scherz, aber mittlerweile spüre ich die unbekannte Kraft, die durch meine Adern pulsiert. Allerdings sehe ich mich außerstande, sie einzuschätzen oder in die richtigen Bahnen zu lenken. Deshalb muss ich trainieren.
Mein Blick huscht zur Absperrung des Übungsrings. Keine Ahnung, wie viele Soldaten ich heute Morgen schon ernsthaft verletzt habe, obwohl ich nur mit Stöcken und nicht mit den Halbmond-Klingen kämpfe. Ich konnte ihre Knochen splittern hören, obwohl ich nur mit halber Kraft ausgeholt habe. Mir auszuweichen hat noch keiner geschafft. Jeder Hieb trifft ins Schwarze. Schneller, durchschlagender. Tödlicher. Ich habe gehofft, dass Ash nur damit übertrieben hat, dass er mich eine Weile nicht aus dem Schloss lassen will, bis ich alles unter Kontrolle habe. Ich dachte wirklich, dass es nur kurz dauern würde, mich an die neue Kraft, die durch mich hindurchrauscht und mich bestärkt, zu gewöhnen. Doch als ich meine Klingen in die Hände nahm und sie sich viel leichter anfühlten, wusste ich, dass etwas nicht stimmte.
Und das ist nicht alles. Ich bin erschrocken darüber, in wie vielen der Soldaten, die hier im Schloss dienen, ein Feral schlummert. Sie reagieren allesamt auf mich, aber erst dann kann ich erkennen, was sie wirklich sind. Es verursacht mir ein mulmiges Gefühl im Magen, wenn sie vor mir zurückweichen. Manche werfen sich sogar auf die Knie, wenn ich nur flüchtig in ihre Richtung schaue.
Hazel fand das anfangs lustig; Payne hat nur die Stirn gerunzelt. Ich bin froh, dass ich die beiden um mich habe. Sie bewahren mich davor, völlig durchzudrehen. Als ich heute Morgen in unser gemeinsames Zimmer kam und die Sachen, die ich nicht brauchte, in der Kommode verstaute, mussten sie nur einen Blick auf mich werfen, um zu erkennen, was ich bin. Sie neigten beide den Kopf und lächelten mich an. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, wie viel sie wirklich wissen. Aber wahrscheinlich wussten sie von Anfang an mehr als ich. Ich musste es selbst herausfinden. Auf die harte Tour. Und beinahe wäre ich daran zerbrochen.
Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass sich mein Leben so sehr verändern könnte. Als ich vor über fünf Jahren beinahe einer Feral-Attacke zum Opfer fiel und meinen Jugendfreund Tristan für tot hielt, verlor ich jeglichen Lebenswillen. Nur dank Ashs Fürsprache und Jydes gnadenlosem Training kämpfte ich mich zurück auf die Füße und sah mein neues Lebensziel in der Ausrottung der Ferals.
Die Welt um mich herum war damals schwarz und weiß. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass sich das ändern würde. Doch nun bin ich die Gefährtin eines Alphas. Ich kann es selbst kaum glauben!
Die Welt um mich herum fühlt sich klarer, aber auch neu an und ich habe Mühe, mich darin zurechtzufinden.
Hazel sucht einen neuen »Freiwilligen« aus, der gegen mich kämpfen soll. Sie und Payne sind der Meinung, dass ich zuerst lernen muss einzuschätzen, wozu meine neue Kraft in der Lage ist – und das ginge am besten, indem ich mich ein bisschen verausgabe. Aber ich werde nicht müde. Nach mehreren Stunden Training sollten die Arme schwer werden oder mir zumindest ein paar Schweißperlen auf der Stirn stehen. Doch da ist nichts. Mein Atem geht gleichmäßig und der Griff um die Stöcke ist fest.
Der junge Soldat, der auf Hazels Befehl hin in den Ring stolpert, lässt sich sofort vor mir auf die Knie fallen. Frustriert blecke ich die Zähne, was ihn nur veranlasst, noch tiefer in den Staub zu sinken. Dieses Verhalten lässt nur einen Schluss zu: ein weiterer Feral … Offensichtlich! Na toll. Die Nachricht, dass ich Ashs Gefährtin bin, wird sich in rasender Geschwindigkeit in der Burg verbreiten. Wie viele von denen, die hier leben, wissen wohl, was Ash ist? Wissen es nur die, die sich ihren Körper mit einem Feral teilen, oder ist es ein offenes Geheimnis, das nur ich nicht kannte? Ich zwinge mich dazu, ruhig zu bleiben, und bedeute dem jungen Soldaten mit einem Kopfnicken, dass er verschwinden soll. Hastig kommt er der Aufforderung nach und stolpert dabei fast über die eigenen Füße.
»So funktioniert das nicht«, erkläre ich an Payne gewandt, die gegen die Absperrung gelehnt dasteht.
»Sag uns doch vorher, welche von ihnen Ferals sind«, meint sie. »Dann könnten wir sie gleich ausschließen.«
Doch ich schüttele den Kopf. »Ich erkenne sie nicht. Erst, wenn sie auf mich reagieren, weiß ich, was ich vor mir habe. Abgesehen davon sehen sie aus wie normale Menschen. Ich bemerke keinen Unterschied.«
Payne seufzt. »Das bringt uns nicht weiter.«
»Es bringt uns auch nicht weiter, wenn ich die Hälfte unserer Soldaten verletze.«
»Mit den Stöcken sicher nicht«, sagt Payne. »Es sind deine Klingen, an die du dich wieder gewöhnen musst.«
Ich runzele die Stirn. »Wenn ich ihre Knochen schon mit den verdammten Stöcken zersplittern lasse, was glaubst du wohl, was passiert, wenn ich die Klingen nutze?«
Payne nickt. »Du brauchst einen anderen Trainingspartner.«
»Und wen?«, frage ich. »Die Ferals weigern sich gegen mich zu kämpfen – und die anderen sind … unerfahren und mir erst recht nicht gewachsen.«
Ich wünschte, mein Lehrmeister Jyde wäre hier. Er konnte mir zwar nach fünf Jahren harten Trainings nichts mehr beibringen, aber selbst nach meiner Ausbildung hat er immerhin länger als zehn Sekunden gegen mich durchgehalten.
»Was ist mit Ash?«, wirft Payne ein. »Solange er seinen Nexus getragen hat und wusste, wie dein nächster Schritt aussieht, hat er sich ganz schön lange gegen dich behaupten können.«
Ich schüttele den Kopf. »Ich glaube nicht, dass er gegen mich kämpfen will. Nicht mal zu Trainingszwecken.«
»Von wollen ist hier auch nicht die Rede«, sagt Hazel, die zu uns geschlendert kommt. »Niemand bei klarem Verstand will gegen eine von uns kämpfen.«
Das überhebliche Grinsen, das sie dabei zur Schau stellt, ist ansteckend. Mir ist nicht entgangen, wie die Männer selbst vor der zierlichen Gestalt mit dem niedlichen Gesicht zurückweichen. Ja, wir drei haben einen gewissen Ruf unter den Wachen. Wer einmal einer von uns gegenüberstand oder bei einem unserer Kämpfe zugesehen hat, überlegt sich, ob er sich mit uns anlegt.
Hazel ist eine Meisterin mit Pfeil und Bogen und trifft selbst aus großen Entfernungen ihr Ziel mit Leichtigkeit. Ich habe noch nie gesehen, dass sie danebengeschossen hätte.
Paynes Kampfkünste stammen aus einem fernen Land. Sie hat sich auf den Nahkampf spezialisiert, kann aber auch einen Gegner mittels eines einzigen Handkantenschlages unschädlich machen.
Ich hingegen kämpfe mit zwei gebogenen Schwertern, die Halbmond-Klingen genannt werden. Seit ich zur Leibwache gestoßen bin, der Hazel und Payne bereits angehörten, sind wir ein Team, gegen das noch niemand bestehen konnte.
Doch bei dem Training, das ich jetzt benötige, können mir weder Hazels Schusskünste noch Paynes Fingertricks etwas nützen.
»Na schön, ich frage ihn«, sage ich und entferne mich ein Stück von den beiden. Dann schaue ich nach oben zu der Brüstung, auf der Ash schon den ganzen Morgen sitzt, und tippe auf meinen Nexus.
»Komm runter, ich brauche dich hier«, denke ich, sobald er die Verbindung angenommen hat. Er versteht mich zwar auch so, wenn ich an etwas denke, da sein Nexus meine Gedanken auf kurze Distanz abhören kann, aber ich ziehe es vor, mich mit ihm unterhalten zu können.
»Ich kämpfe nicht gegen dich, Scar«, antwortet er ohne Umschweife.
»Warum denn nicht? Es ist doch nur Training und es wäre nicht das erste Mal. Du darfst auch deinen Nexus tragen.«
»Die Gefahr, dass ich dich verletzen könnte, wäre viel zu groß.«
Ich verdrehe die Augen. »Stell dich nicht so an! Bisher hast du mich noch nicht verletzt. Und falls doch etwas passieren sollte, hast du ein Mittel, um mich wieder zusammenzuflicken.«
Als Alpha verfügt Ash über die Gabe, Verletzungen bei sich in rasender Geschwindigkeit heilen zu können. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das auch bei mir, deshalb mache ich mir keine Sorgen darüber, verletzt werden zu können.
»Mein ›Feral-Sabber‹, wie du ihn so schmeichelhaft nennst, funktioniert nur bei oberflächlichen Wunden.«
»Dann sollten wir nicht mit stumpfen Waffen kämpfen.«
Er seufzt. »Na schön. Ein Kampf. Ein einziger. Danach habe ich dir einen anderen Trainingspartner organisiert.«
Und damit unterbricht er die Verbindung, bevor ich erfahren kann, was er mit der letzten Bemerkung gemeint hat. Ich drehe mich zu Hazel und Payne um und halte einen Daumen nach oben. Als ich wieder hoch zur Brüstung sehe, ist Ash bereits verschwunden.
Nur wenige Augenblicke später kommt er durch die Gänge hinaus auf den Hof geschlendert. An seiner Seite hängt ein Schwert, ansonsten trägt er dieselben Klamotten, die er bereits heute Morgen anhatte. Keine Rüstung. Nicht einmal ein Lederschutz an Armen oder Brust. Ich ziehe eine Augenbraue nach oben. So will er gegen mich kämpfen? Ich weiß nicht, ob ich über seine Selbstüberschätzung den Kopf schütteln oder lachen soll. Traut er mir...




