E-Book, Deutsch, 236 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Lipinski Leonora Dusel und der Sprungstein
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-82948-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf der intergalaktischen Suche nach den Hinterlassenschaften einer mächtigen Zivilisation
E-Book, Deutsch, 236 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-82948-0
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Am 3. August 1969 wurde Thorsten Lipinski in Unna (NRW) geboren. 1992 zog er nach Brüssel. Dort studierte er Bildhauerei und Steinrestauration an der Akademie für Bildende Künste sowie Kunstwissenschaften und Archäologie an der Freien Universität. Er arbeitete als Übersetzer, Sprachlehrer, Journalist, Fahradmechaniker im eigenen Laden und verbrachte Zeit als Restaurateur auf Ausgrabungen im Nahen Osten. Seit 2006 ist er freier Schriftsteller.
Autoren/Hrsg.
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Himmel, Arsch und Andockmanöver
Der Stern des Systems stand über dem Horizont des Planeten Feistos, der langsam, braun und ockerfarben unter der „Sternenstürmer“ dahinzog. Auf der Brücke des Schiffes saß ihre stolze Kapitänin Leonora Dusel in einem durchgesessenen Sessel, der von vielen Flugstunden zeugte, und hämmerte auf eine Steuerkonsole ein.
„Verdammtes Scheißding“, rief sie entnervt aus und schlug noch einmal - nur um sicher zu gehen - auf die unschuldige Konsole ein. Das Schiff antwortete mit aufbrummendem Triebwerk und einem elektrischen Feuerwerk von tausend Funken, die über die Kontrollen tanzten. „Scheißdreck!“, fuhr es aus Kapitänin Dusel heraus, als sie erschrocken die Hände zurückzog. „Lass mich jetzt nicht im Stich, meine Sternenstürmer.“
Dabei strich sie, beinahe zärtlich, über die Abdeckung der Konsole.
„Anflugkoordinaten an die Raumstation sind nicht mehr korrekt“, bemerkte Delia Statgot mit stoischer Ruhe aus dem Kopilotensitz. Sie schien mehr wie ein Beobachter, denn wie ein Teilnehmer an den dramatischen Ereignissen. „Wenn wir diesen Kurs beibehalten, schrammen wir knapp an der Station vorbei… Oder aber - die Möglichkeit besteht!- wir rammen sie. Dann wären wir… na, ja, auch irgendwie angekommen.“
„Ich weiß! Halt einfach die Klappe!“, wurde sie von Kapitänin Dusel angefahren. „Ich muss mich hier konzentrieren… Ich bin schließlich die Einzige, die diesen Schrotthaufen überhaupt fliegen kann.“
„Wenn man hier von Flugkunst sprechen kann!“, erwiderte Delia Statgot, die Bordärztin, so leise, dass es Kapitän Dusel über dem Lärm des jetzt laut kreischenden Antriebs nicht wahrnehmen konnte.
„Verdammt!“, brüllte Leonora Dusel, während sie einen weiteren Versuch unternahm, das aufbockende Schiff unter Kontrolle zu kriegen. „Wir hätten beim letzten Werftbesuch etwas mehr Kredits ausgeben sollen.“
„Wenn wir Kredits gehabt hätten!“, wandte Dr. Statgot mit versteinertem Gesicht ein.
Leonora Dusel warf ihr einen vernichtenden Blick aus stahlblauen Augen zu.
„Du kannst ja gern auf einem anderen Schiff anheuern…“
„Das würde dir so passen!“, meinte Delia Statgot mit dem schmalsten Lächeln des Universums. „Und all diese Abenteuer verpassen?“
„Pfft!“, machte Leonora. „Als ob dich bei deiner Vergangenheit ein anderer Kapitän auch nur in Erwägung ziehen würde!“
Ein weiterer Ruck schüttelte die Sternenstürmer.
„Jetzt hab ich´s!“, sagte Leonora. Ihre Finger tanzten auf der Konsole. Das Heulen des Antriebs wurde leiser, beruhigte sich. „Siehst du! Ich hab´s noch in mir. Musst nicht immer gleich rumheulen! Heulsuse!“
„Verzeiht. Ich fürchte bei deinen Flugkünsten nur ab und zu um mein Leben.“
„Schnauze! Ich muss mich konzentrieren. Wir docken gleich an.“
Die Sternenstürmer näherte sich langsam der Raumstation.
„Selffa 3 an Sternenstürmer“, meldete sich eine junge männliche Stimme über den Kommunikationskanal. „Was ist denn bei euch los?!“
Kapitän Dusel seufzte und antwortete:
„Nichts! Alles in Ordnung hier! Ihr müsst nur eure Station mal ein bisschen stillhalten.“
„Es ist nicht Selffa 3, die wie ein betrunkener Frachterkapitän durch den Orbit eiert!“, erwiderte die Stimme des Dockingsoffiziers amüsiert. „Schafft ihr es? Oder rammt ihr ein Loch in meine schöne Station? … Das würde mich doch sehr verärgern… und die Versicherung sicher auch!“
„Alles bestens!“, beruhigte Leonora Dusel. „Wir kommen… in voraussichtlich drei Minuten!“
Und tatsächlich dockte die Sternenstürmer kurze Zeit darauf - sauberer als man vermutet hätte - an. Ein wenig erleichtert stellte Kapitän Dusel den Antrieb ab. Ein kurzes Zischen, ein letztes Aufheulen noch, dann wurde es still auf der Brücke.
Auf dem Weg zum Außenschott atmete Leonora erleichtert auf. Wieder mal Glück gehabt! Aber noch etwas fiel ihr auf:
„Sag mal, Delia, was riecht denn hier so komisch. Verbrannte Kabel?“
Sie grinste unverschämt.
„Sorry, Kapt´n, muss wohl die Aufregung sein…“
Leonora wedelte dramatisch mit ihrer Hand vor ihrem Gesicht.
Am Eingang zur Station erwartete sie eine typisch missmutige Wache, schweres Kinn, schwere Augenlider und natürlich schwere Waffen.
„Toller Ballermann!“, versuchte Leonora deshalb zur heiteren Eröffnung des folgenden, erwartungsgemäß zähen und unangenehmen Gesprächs. Aber der durchaus gutgemeinte Schuss ging nach hinten los. Die Wache hatte wohl einen schlechten Tag.
„Das geht euch einen Feuchten an!“
Er musterte die Neuankömmlinge mit Augen, die alles durchschauten, schon alles gesehen hatten. Die Jahre der Erfahrung hatten ihn hart und recht zynisch werden lassen.
„Herkunft und Grund des Aufenthalts auf Selffa 3? Irgendwelche Kontaktpersonen?“
„Wir wollen Asyl anfragen“, erwiderte Leonora und traf diesmal ins Schwarze. Der Wachmann war überrumpelt und schluckte verblüfft.
„Was…?“
„Nur ein Witz von Kapitänin Dusel“, entschärfte Delia, trat einen Schritt vor und ergriff die schlaffe Hand des verblüfften Wachmanns, um sie ordentlich zu schütteln. „Doktor Delia Statgot! Schiffsarzt der Sternenstürmer… und erster Offizier. Erfreut Sie kennenzulernen! Herr…? Wachmann?“
„Genug!“, fuhr er die Neuankömmlinge an. Er hatte sich erstaunlich schnell gefangen. „Was sind eure Absichten? Geschäfte?“
Sein musternder Blick war zurück, diesmal mit einem Hauch von Verachtung.
„So kann man es nennen. Wir haben eine Verabredung mit Rat Gessel Hubertus Hopeman!“
Die Nennung des Namens veränderte die Situation schlagartig. Mit einem Mal mischte sich Unsicherheit in die groben Gesichtszüge des Mannes.
„Ihr wollt mich verarschen?“
„Durchaus nicht!“, flötete Delia Statgot. „Ihre Exzellenz wünscht uns so schnell wie möglich zu empfangen.“
„Wir werden schon erwartet“, fügte Leonora nickend hinzu. „Dringend! Höchste Priorität sozusagen.“
„Einen Moment, bitte!“, presste die Wache hervor und verschwand eilig in einer Nische hinter ihm, wo er sich über den Komm beugte. Nach einem kurzen Gespräch, von dem die beiden Frauen nichts verstehen konnten - es wurde leise und hastig geführt -, kam er zu ihnen zurück.
Seine Mine war wieder gefasst und professionell unerbittlich. Er sagte mit unbewegter Stimme:
„Alles klar! Kapitänin, Doktor, Selffa 3 heißt Sie offiziell willkommen! Sie können passieren. Ein Adjutant des Rats Hopeman wird sie hinter der Sicherheitsschleuse in Empfang nehmen.“
Die Wache nahm so etwas wie Haltung an und bedeutete den beiden Frauen das Schott hinter ihm zu betreten. Seine Augen folgten ihnen skeptisch.
Gessel Hubertus Hopemans Quartiere befanden sich anderen Ende der Raumstation und hatten das Schick eines goldenen Klos. Delia und Leonora standen in der Mitte des weiten Raumes, der am hinteren Ende eine atemberaubende Aussicht auf die Sterne und den Planeten unter ihnen bot, wo ein gigantisches Panoramafenster fast die gesamte Wand einnahm. Alles war mit goldenen Leisten und Schnörkeln verziert. Die Kosten für eine derartige Verschwendung mussten gigantisch sein, dachte Kapitänin Dusel, und rieb sich innerlich die Hände. Vielleicht würden sie endlich mal genug verdienen, um die Sternenstürmer in einen Zustand zu versetzen, in der sie nicht jederzeit zur fliegenden Bombe für ihre Mannschaft werden konnte. Die vergoldeten Möbel des Raumes - ein pompöser Schreibtisch mit Beinen dick wie die von Elefanten, eine Sitzgruppe zu allem Überfluss mit leuchtendrotem Samt bezogen, ein paar regelrecht filigran wirkende Glastischen und Besucherstühle, die sich dennoch gegen den thronartigen Sessel hinter dem Schreibtisch recht bescheiden ausnahmen - ließen jedenfalls hoffen, mit diesem Auftrag einiges an finanzieller Sicherheit zu schaffen. Leonoras Innerer Goldsucher jedenfalls war hellwach.
Der Adjutant des Rats, der sie hierher geführt hatte, verabschiedete sich mit einer Verbeugung.
„Schöne Bude!“, sagte Kapitänin Dusel und sah sich - die Hände in die Hüften gestemmt - um. „Vielleicht sollte man ein paar Dinge mitgehen lassen…“
„Hm… “, machte Dr. Statgot, die wusste, dass dieser Vorschlag bei Leonora durchaus ernst zu nehmen war. „Vielleicht erst einmal abwarten!“
In...




