E-Book, Deutsch, Band 4, 364 Seiten
Reihe: Lina Saint-George
Litz Bluttanz
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6019-5
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dein Tod ist meine Melodie
E-Book, Deutsch, Band 4, 364 Seiten
Reihe: Lina Saint-George
ISBN: 978-3-7517-6019-5
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Annalena ist jung, hübsch und auf dem besten Weg, als Influencerin Karriere zu machen - doch dann wird sie brutal ermordet. Der Tatort ist in Blut getränkt, die Szenerie erinnert an ein makabres, modernes Kunstwerk. Die Koblenzer Staatsanwältin Lina Saint-George und ihre neue Praktikantin Lucy finden heraus, dass der Fall in Zusammenhang mit ungeklärten Verbrechen in Köln und Freiburg steht. Doch das Morden geht weiter, und ausgerechnet Lucys Bruder Tristan rückt in den Fokus der Polizei ...
Der vierte Fall für die ermittelnde Staatsanwältin Lina Saint-George - ein unglaublich spannender Psychothriller von Doris Litz!
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
Doris Litz wusste schon als Kind, dass sie Bücher schreiben will. Zuerst arbeitete sie allerdings viele Jahre als Journalistin, heute als Pressesprecherin. Dabei lernte sie viel über das Leben und die Menschen. Dieses Wissen und die Frage nach der Motivation menschlichen Handelns bilden die Grundlage für ihre Thriller. Auch ihre Heimat, der Westerwald, fließt in die Romane ein. Doris Litz ist verheiratet und lebt in Neuwied am Rhein.
Autoren/Hrsg.
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5
Erste Hauptkommissarin Maren Maibaum saß auf der gemütlichen kleinen, rehbraunen Wildledercouch und schaute demonstrativ auf die Kaffeetasse, die Sandrina Kortius vor einer Viertelstunde vor ihr abgestellt hatte. Nun hockte Annalenas Stiefmutter ihr gegenüber auf dem beinahe identischen, aber etwas größeren Sofa, hatte die Arme um ihren Mann Robert geschlungen und presste den weinenden Vater der toten Annalena fest an ihre Brust.
Maren war es gewohnt, Menschen in unangemessenen Situationen auf die Pelle zu rücken, aber nur selten fühlte sie sich dabei so aufdringlich wie gerade jetzt. Es war klar, dass Robert Kortius, Geschäftsführer eines alteingesessenen Keramikunternehmens in Höhr-Grenzhausen, sich üblicherweise immer und überall im Griff hatte. Doch nun war er bereits bei ihrer zweiten Frage regelrecht zusammengebrochen und suchte Halt bei seiner Frau, der es augenscheinlich kaum besser ging als ihm selbst.
»Verzeihen Sie uns«, sagte Sandrina Kortius über die zusammengesunkene Gestalt in ihren Armen hinweg und versuchte vergebens, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. »Wir wissen, wie wichtig es für Sie ist, schnell Informationen zu bekommen. Aber wir …« Tränen rannen ihr über die Wangen, sie räusperte sich. »Wir können es einfach noch gar nicht fassen …« Sie verbarg das Gesicht im Nacken ihres Mannes, der kurz aufschluchzte.
Maren gab ihnen einige Sekunden, um sich zu sammeln. Doch Annalenas Eltern schienen völlig in ihren Schmerz eingetaucht zu sein und sie vergessen zu haben.
Gerade als die Kommissarin beschloss, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen, nahm sie eine Bewegung am breiten Durchgang zum Esszimmer wahr. Dort stand eine hagere Gestalt, die sie mit rot geweinten Augen anstarrte.
»Hallo, du musst Sarah sein«, sagte Maren, ohne dass die miteinander verschmolzenen Eltern auch nur zuckten. Offensichtlich hatten sie das Auftauchen ihrer zweiten Tochter nicht bemerkt. Sarah, die den schmalen Körper eines Teenagers hatte und ansonsten aussah wie eine unfertige blonde Version von Annalena, schaute Maren eine Weile stumm an und nickte dann.
»Ich bin Maren Maibaum von der Kripo. Ich versuche mir ein besseres Bild von deiner Schwester und ihrem Leben zu machen.« Sie warf einen kurzen Blick zu den noch immer zu einem Stillleben der Trauer erstarrten Eltern.
»Aber ich glaube, es ist zu früh. Ich komme besser später noch mal vorbei.«
Maren griff nach ihrer Tasche, die neben dem Sofa stand, erhob sich und wandte sich der Tür zu, die in den Flur und zum Hauseingang führte. Einmal mehr streifte sie der Gedanke, dass sie sich das Elternhaus der toten Bäckereiverkäuferin ganz anders vorgestellt hatte. Bescheidener. Tatsächlich lebte Annalenas Familie in Oberwerth, einer der nobelsten Wohngegenden von Koblenz, in Sichtweite des Rheins. Bevor sie dem Vorurteil, das sie zu dieser falschen Annahme verleitet hatte, nachgehen konnte, berührte jemand sie sanft am Arm.
»Warten Sie.« Sarah war ihr gefolgt und schaute sie gequält an. »Ich kann mit Ihnen reden.«
Innerlich jubelte Maren. Sie war ohnehin davon ausgegangen, dass Annalenas Schwester interessantere Dinge über die junge Frau zu berichten hatte als ihre Eltern, die bereits am Abend zuvor darauf beharrt hatten, dass jeder ihre Tochter liebte und ihr niemand so etwas antun würde. Weder Neuer noch sie hatten die Schockierten darauf hingewiesen, dass die grausame Realität ihre Theorie längst widerlegt hatte.
»Bist du sicher? Wir können auch später …«
»Nein«, warf Sarah hastig ein. »Sie brauchen schnell Informationen. Das wissen wir aus dem Fernsehen. Wir schauen uns immer Krimis an, wissen Sie.«
Wäre der Anlass ihres Besuchs nicht so traurig gewesen, hätte Maren gegrinst. Obwohl sie und die Kollegen sich meist über das Halbwissen ärgerten, das Krimiliebhaber zu vermeintlichen Ermittlungsspezialisten machte, schienen in diesem Fall die Vorteile zu überwiegen.
»Ja, du hast recht, wir kommen nur weiter, wenn wir möglichst viel über deine Schwester wissen.«
Sie zogen sich in Sarahs Mädchenzimmer zurück, das für eine Achtzehnjährige erstaunlich kindlich wirkte. Als Kontrast zu berstenden Regalen voller Fantasy-Bücher à la Warrior-Cats und der Armee von Plüschtieren, die das Bett größtenteils für sich beanspruchten, beantwortete Sarah Marens Fragen präzise und sachlich. Nach einer halben Stunde wusste Maren alles über Annalenas Freunde und den Model-Job.
»Es gibt noch etwas, das Sie nicht wissen.« Sarah schaute die Kommissarin ernst an. Maren hob eine Augenbraue und wartete.
»Annalena hatte sich in den letzten Monaten einen Namen als Influencerin gemacht. Sie wissen schon: Sie hatte ein paar Kanäle, auf denen sie alles Mögliche aus ihrem Leben gepostet hat. Vor allem ging’s darum, was sie mochte, wo sie einkaufte, in welche Lokale sie gern ging. So was halt. Vor allem hat sie aber Tipps gegeben, wie man eine Model-Karriere startet. Sie hatte ’ne Menge Follower und sogar ein paar Aufträge, mit denen sie ziemlich viel Geld verdiente. Mehr als in der Bäckerei jedenfalls.«
»Du meinst, sie hat Werbung für bestimmte Läden gemacht, die ihr Geld dafür gegeben haben? Obwohl sie da gar nicht gegessen oder eingekauft hat?«
Sarah zuckte mit den Schultern. »Ja, klar. Das ist doch normal, oder? Natürlich ist sie in den Lokalen gewesen, nachdem sie Geld bekommen hat, um ein paar Bilder zu posten. Oder sie hat sich in Klamotten fotografieren lassen, die sie normalerweise nicht getragen hätte. Das machen schließlich alle so. Aber …«
»Aber was?«, drängte Maren.
»Na ja, die meisten Follower waren natürlich begeistert von dem, was Annalena gemacht hat. Sie hat wirklich tolle Kommentare bekommen. Aber es waren auch ein paar richtige Idioten dabei. Die sie beschimpft haben. Oder Schlimmeres …«
»Was meinst du mit Schlimmeres?«
Es war offensichtlich, dass Sarah das Thema unangenehm war. Maren vermutete, dass die negativen Kommentare zu Annalenas Internetaktivitäten einen Schatten auf das Heiligenbild der bewunderten großen Schwester warfen.
Sarah gab sich einen Ruck. »Es gab ein paar Leute, die Lena vorgeworfen haben, sie sei eine Hure, die für Geld alles macht. Da waren echt widerliche Sachen dabei, ehrlich. Und ein paar Typen waren, glaube ich, sowieso nur auf ihrer Seite, um sich an ihren Bildern aufzugeilen.«
Sarahs blasses Gesicht war mittlerweile puterrot. Maren vermutete, dass sie selbst nicht über allzu große sexuelle Erfahrung verfügte.
»Kannst du das genauer beschreiben? Weißt du Namen?«
»Nein, so genau hab ich’s mir nicht gemerkt. Aber es war eklig. Und echte Namen benutzt im Netz doch sowieso keiner. Aber ich kann Ihnen die Zugangsdaten zu Annalenas Account geben. Dann können Sie das ganze Zeug selbst lesen.«
Sarah zog einen Fetzen Papier von ihrem Schreibtisch und kritzelte etwas darauf, bevor sie Maren den Zettel reichte. Die konnte ihr Glück kaum fassen. Allerdings war nicht zu übersehen, wie sehr das Gespräch Sarah angestrengt hatte. Es wurde Zeit zu gehen und das Mädchen in Ruhe trauern zu lassen.
»Nur eins noch«, sagte Maren, während sie aufstand. »Weißt du irgendetwas darüber, dass Annalena einen neuen Freund hatte?«
Sarah schaute sie verblüfft an.
»Einen Freund? Ne, hatte sie nicht. Jedenfalls hat sie mir nichts darüber erzählt. Und normalerweise hatte Lena keine Geheimnisse vor mir.« Das Mädchen zögerte.
»Ja?« Maren ermunterte es, weiterzusprechen.
»Na ja, Lena war schon ein bisschen merkwürdig in letzter Zeit. Irgendwie happy. Sie war ja sowieso wunderschön, aber in den letzten Wochen war es irgendwie …«
»Als würde sie von innen strahlen?«, half Maren.
»Ja, genau. Sie strahlte immer. Ich habe geglaubt, dass es was mit den Werbeaufträgen zu tun hatte und dem Geld, das sie damit verdiente. Und weil sie dann den Job in der Bäckerei aufgeben könnte.«
»Hat sie nicht gern dort gearbeitet? Wieso hat sie dann die Ausbildung begonnen?«
»Ach, das ist so ein Ding von meinen Eltern. Lena hing nach dem Abi eine Zeit lang einfach rum. War ein paar Monate als Aupair in England, hat in einer Kneipe gejobbt. So was halt. Irgendwie wusste sie einfach nicht, was sie machen sollte. Papa wollte, dass sie studiert, aber Lena hatte keinen Bock mehr auf Lernen. Sie ist schon nicht gern zur Schule gegangen. Nach einem Jahr hatte Papa genug und sie gezwungen, die Ausbildung anzufangen. Er hat gesagt, sie kann aufhören, wenn sie eine bessere Idee hat. Aber Lena wollte nur modeln, und das hat unser alter Herr nicht akzeptiert. Sie sollte auf jeden Fall was Vernünftiges lernen, worauf sie immer wieder zurückgreifen könnte, hat er gesagt.«
Maren dachte kurz nach. Also war die Kortius-Welt doch nicht ganz so heil gewesen. »Und warum in der Bäckerei? Es hätte doch bestimmt interessantere Alternativen gegeben, oder?«
»Hm, vielleicht. Aber Papa kennt den Geschäftsführer gut. Außerdem hat Lena der Job am Anfang sogar Spaß gemacht. Sie hat schon in der Oberstufe dort gearbeitet, wissen Sie. Sie mochte den Umgang mit den Kunden. Da hat sie viel für ihre Influencer-Karriere gelernt, hat sie immer gesagt. Na ja, aber auf Dauer war das natürlich nix. Und viel Geld kann man da auch keins verdienen.«
Maren nickte und stand auf.
»Danke, Sarah. Du hast mir sehr geholfen.«
Das Mädchen erhob sich ebenfalls und ergriff zögernd Marens Hand.
»Glauben Sie, dass Lena wegen der Sachen getötet wurde, die sie im Internet gemacht hat?«
»Ich weiß es nicht, Sarah. Aber es ist wichtig, dass wir davon wissen. Wir werden uns die Beiträge...




