Litz | Blutwolf | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 498 Seiten

Reihe: Lina Saint-George

Litz Blutwolf

Meine Rache wird dich jagen!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2036-6
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Meine Rache wird dich jagen!

E-Book, Deutsch, Band 2, 498 Seiten

Reihe: Lina Saint-George

ISBN: 978-3-7517-2036-6
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In einer regnerischen Nacht macht sich Staatsanwältin Lina Saint-George auf den Weg zu einem Tatort mitten im Westerwald: Eine Frau wurde anscheinend totgebissen - von einem Wolf! Handelt es sich also um einen tragischen Unfall?

Bald wird klar: Die Tote hatte mit einem Vorfall vor über 30 Jahren zu tun. Damals verschwanden zwei Schwestern nach einer Vergewaltigung spurlos. Die weiteren Beteiligten von damals schweben nun in Lebensgefahr. Aber niemand kennt die ganze Wahrheit ...

Lina setzt alles daran, den Fall aufzuklären. Doch der Killer ist ihr und ihren Liebsten näher, als sie ahnt!

Jetzt neu und noch spannender: Der zweite Fall für Staatsanwältin Lina Saint-George!

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.



Doris Litz wusste schon als Kind, dass sie Bücher schreiben will. Zuerst arbeitete sie allerdings viele Jahre als Journalistin, heute als Pressesprecherin. Dabei lernte sie viel über das Leben und die Menschen. Dieses Wissen und die Frage nach der Motivation menschlichen Handelns bilden die Grundlage für ihre Thriller. Auch ihre Heimat, der Westerwald, fließt in die Romane ein. Doris Litz ist verheiratet und lebt in Neuwied am Rhein.

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Prolog


1986

Die schmale Sichel des Mondes erhellte den Weg nur an jenen Stellen, an denen die Buchenstämme weit genug auseinanderrückten, um das silberne Licht durchs dichte Blätterdach sickern zu lassen. Jule hätte der Gruppe, die knapp hundert Meter vor ihr durch den Wald trampelte, auch folgen können, wenn es stockdunkel gewesen wäre. Dafür sorgten nicht nur die Taschenlampen, die vor ihr auf und ab hüpften wie überdimensionale betrunkene Glühwürmchen. Auch der Krach, den die sieben Jugendlichen machten, war ein zuverlässiger Wegweiser. Und eine Zumutung für jeden legalen Waldbewohner. Onkel Hubert würde ausrasten, wenn er das sehen und hören könnte, dachte Jule. Der Bruder ihres Vaters war Revierförster und verstand nicht den geringsten Spaß, wenn es darum ging, das sensible Ökosystem seines Waldes zu schützen. Von ihm hatte Jule alles gelernt, was sie über den Wald rund um ihr Heimatdorf Unnau wusste. Und das war eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass viele Tiere nur nachts hervorkamen, wenn nicht die Gefahr bestand, dass sie von lärmenden Menschen gestört wurden. Na ja, die Tiere zwischen Unnau und Bad Marienberg hatten sich womöglich daran gewöhnt, dass sie auch im Dunkeln von unsensiblen jugendlichen Städtern um ihren Schlaf betrogen wurden. Schließlich gab es das Schullandheim des Leverkusener Carl-Duisberg-Gymnasiums seit fast einem halben Jahrhundert, und genauso lange veranstalteten dekadente Stadtkinder nächtliche Schnitzeljagden rund um die beiden Wolfsteine, die zwar nur wenig bekannt waren, dafür auf jeden, der sie entdeckte, eine magische Anziehungskraft ausübten.

Das galt offenkundig auch für die Gruppe vor ihr, denn zweifellos war sie auf dem Weg zum imposanteren der Basalthaufen, dem Großen Wolfstein. Plötzlich zerfetzten schräge Gitarrenriffs die Luft. Sie waren so laut, dass vom Lachen und Kreischen der Jugendlichen nichts mehr zu hören war. Jule hatte nicht gewusst, dass ein batteriebetriebener Kassettenrekorder so viel Lärm machen konnte. Wieder kam ihr Hubert in den Sinn. Er wäre stinksauer. Womöglich war er ja sogar stinksauer, immerhin war das Dorf nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt, sodass eine realistische Chance bestand, dass dem Onkel tatsächlich ein beträchtlicher Teil von Meat Loafs Bat out of Hell zu Ohren kam. Dann würde die Party schnell zu Ende sein. Kurz war Jule versucht, die Krachmacher zu warnen. Aber was sollte das schon bringen – außer, dass ihr eigener nächtlicher Ausflug abrupt beendet wäre. Caro würde sie garantiert sofort nach Hause zurückschicken. Da würden selbst Drohungen nichts nutzen, ihre Schwester konnte sehr energisch und sehr stur sein. Das hatte sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als Jule sie bat, beim nächtlichen Treffen mit ihren neuen Freunden dabeisein zu dürfen. Selbst als sie ihrer Schwester in Aussicht stellte, sie zu verpetzen, war Jule hart geblieben und hatte sie nur ausgelacht. Sie sei erst dreizehn und damit noch ein Kind, weshalb die Clique sie ohnehin nicht dabeihaben wolle. Der Ärger über die Demütigung schoss Jule heiß ins Bewusstsein. Sollte Caro doch selbst für mehr Ruhe sorgen. Schließlich waren es ihre Freunde, die wie eine Horde wilder Ochsen durch den Wald trampelten. Wie konnte man so blöd sein?

Trotzdem war Jule froh, als sie den Großen Wolfstein erreicht hatten und die Musik zumindest so leise gedreht wurde, dass sie weder in Unnau noch in Bad Marienberg zu hören war. Vermutlich hatte Caro sich endlich durchgesetzt. Schließlich war Jule nicht von zu Hause ausgebüchst und hatte mehrere Wochen Taschengeldentzug und Hausarrest riskiert, um gemeinsam mit den leichtsinnigen Leverkusenern aufzufliegen. Tatsächlich hatte sie das für sie mehr als ungewöhnliche Maß an Ungehorsam an den Tag gelegt, weil sie unsterblich verliebt war. Peter Hackenbroich, der älter als die anderen war und den alle nur Hacki nannten, war ohne Zweifel der attraktivste Junge, den Jule je gesehen hatte. Als sie Caro und der Städter-Clique vor zwei Tagen zum ersten Mal am Friedhof begegnet war, war sie sicher gewesen, dass Hacki der geheimnisvolle neue Freund ihrer Schwester war, von dem alle Jugendlichen im Dorf redeten. Offenbar wusste jeder besser über Caro Bescheid als Jule. Bevor Caro sie nach wenigen Minuten weggeschickt hatte, war Jule klar geworden, dass nicht der große, schöne Hacki, sondern der zwar sympathische, allerdings eher unscheinbare Tom Caros Herz erobert hatte. Zuerst war Jule enttäuscht, dann hatte sie den Blick bemerkt, den Hacki ihr zugeworfen hatte. Noch nie hatte ein Junge sie so angesehen. Ein bisschen belustigt, unglaublich cool, dabei auf eine besondere Art wohlwollend. Jule war sicher, dass sie Hacki gefiel, obwohl sie im Gegensatz zu ihrer sehr weiblichen Schwester die hagere Figur eines zu groß gewordenen Kindes hatte. Bevor Jule dazu kam, sich in Hackis Bewunderung zu sonnen, ging Caro dazwischen und schrie Jule an, sie solle verschwinden. Vielleicht war sie ja eifersüchtig, dachte Jule jetzt und konnte die ungeheuerliche These selbst nicht glauben. Gegen die schöne Caro war sie ein hässliches Entlein. Außerdem schien Caro total in Tom verknallt zu sein. Warum also sollte sie eifersüchtig sein?

Jule war hinter einigen dichten Sträuchern in Deckung gegangen. Von hier aus konnte sie fast das ganze Plateau überblicken, auf dem mittlerweile ein kleines Lagerfeuer in einer eigens zu diesem Zweck errichteten Stelle brannte. Sie musste nur aufpassen, dass keiner der Jungs über sie fiel, wenn er sich zum Pinkeln in die Büsche schlug, was scheinbar alle fünf Minuten der Fall war. Wieso hatten Jungs eigentlich ihre Blase so wenig unter Kontrolle? Aus dem riesigen Radio lieferte sich Meat Loaf gerade ein Wortgefecht mit einer Dame. Die Gruppe grölte den Text lautstark mit. Es ging um eine heiße Sommernacht, einen Wolf und rote Rosen. Was zum Teufel bedeutete throat? Sie musste im Englischunterricht wirklich besser aufpassen, sonst würde sie sich bei Hacki bis auf die Knochen blamieren. Während die anderen im Schein der Taschenlampen wie die Irren auf und ab sprangen und so taten, als würden sie in ein in Wahrheit nicht vorhandenes Mikro singen, zog Tom Caro mit sich fort. Jule zögerte einen Moment, blickte noch einmal sehnsüchtig zu Hacki hinüber und suchte sich dann einen Platz, von dem aus sie ihre Schwester und deren Freund beobachten konnte. Da die beiden auf eine Taschenlampe verzichtet hatten, erkannte sie im fahlen Mondlicht allerdings nur undeutliche Schemen. Caro und Tom hatten sich in eine kleine natürliche Nische zurückgezogen, die von Felsen, der Abbruchkante und zwei winzigen, dicht beieinanderstehenden Birken begrenzt wurde. Der Platz war gerade groß genug, dass die beiden sich eng umschlungen auf die Decke legen konnten, die Tom mitgebracht hatte. Im spärlichen Mondlicht sah es beinahe so aus, als würde sich dort nur eine Person aufhalten. Dafür war nun ein heiseres Keuchen zu hören, das langsam in tiefes Stöhnen überging. Mein Gott, Caro würde doch nicht … Als Tom, der offensichtlich auf ihrer Schwester gelegen hatte, sich aufbäumte, bestand kein Zweifel mehr daran, was die beiden dort trieben. Ihre sechzehnjährige Schwester hatte mitten im Wald Sex mit einem Jungen, den sie erst seit ein paar Tagen kannte. Jule wusste nicht, ob sie empört oder neidisch sein sollte. Ihre Handflächen waren schweißnass, und sie versuchte angestrengt, mehr Details zu erkennen. Offenbar näherte sich das Liebesspiel bereits seinem Ende, denn das Gestöhne wurde leiser, die Bewegungen waren kaum noch auszumachen. Jule war enttäuscht. In den Filmen, die sie sich heimlich mit ihren Freundinnen angeschaut hatte, dauerte das Vorspiel länger als alles, was Caro und Tom gerade miteinander getan hatten. Hoffentlich hatte es ihrer Schwester wenigstens gefallen. Immerhin riskierte sie für das Abenteuer eine gewaltige Menge Ärger. Sofern es rauskam. Vielleicht war das ja eine Basis, um ihre große Schwester bei künftigen Unternehmungen großzügiger sein zu lassen.

Jule war so in Gedanken versunken, dass sie zuerst gar nicht mitbekam, wie Tom ihre Schwester noch einmal küsste und sich dann erhob.

»Ich hole uns was zu trinken, ja? Warte auf mich.«

Vielleicht hatte er ja wirklich Angst, dass Caro nach der enttäuschenden Vorstellung abhauen könnte. Sie lachte nur.

»Beeil dich. Oder war das schon alles?«

Was provozierend hätte klingen können, hörte sich in Wirklichkeit einfach nur verliebt an. Offenbar war Caro die Sache mit Tom tatsächlich ernst.

Der Junge verschwand in der Dunkelheit. Sekunden später wurde die Musik wieder bis zum Anschlag aufgedreht. Mittlerweile musste die Kassette längst durchgelaufen sein. Offenbar gab es für die Städter nichts anderes als Meat Loaf. Jedenfalls war Jule sicher, dass sie das Lied, das gerade lief, schon einmal gehört hatte.

Tom ließ sich Zeit. Jule spürte, dass auch Caro nervös wurde. Hatte sie sich in dem Jungen getäuscht? Als endlich ein Schatten durch die Steine stolperte, atmete ihre Schwester hörbar auf. Es war allerdings nicht Tom, der sich neben Caro fallen ließ, sondern Hacki. Jules Herz begann wild zu flattern. Caro setzte sich abrupt auf und zog die Decke um sich, obwohl die Juninacht außergewöhnlich mild war. Offensichtlich fühlte ihre Schwester sich in der Nähe des selbstbewussten Anführers der Gruppe nicht wohl. Jule schlich ein wenig näher heran, um mitzubekommen, was zwischen den beiden geschah.

»Wo ist Tom?«, fragte Caro irritiert.

»Er braucht ein bisschen Zeit für sich, glaube ich. Du hast ihm ganz schön zugesetzt. Hätte gar nicht...


Litz, Doris
Doris Litz wusste schon als Kind, dass sie Bücher schreiben will. Zuerst arbeitete sie allerdings viele Jahre als Journalistin, heute als Pressesprecherin. Dabei lernte sie viel über das Leben und die Menschen. Dieses Wissen und die Frage nach der Motivation menschlichen Handelns bilden die Grundlage für ihre Thriller. Auch ihre Heimat, der Westerwald, fließt in die Romane ein. Doris Litz ist verheiratet und lebt in Neuwied am Rhein.

Doris Litz wusste schon als Kind, dass sie Bücher schreiben will. Zuerst arbeitete sie allerdings viele Jahre als Journalistin, heute als Pressesprecherin. Dabei lernte sie viel über das Leben und die Menschen. Dieses Wissen und die Frage nach der Motivation menschlichen Handelns bilden die Grundlage für ihre Thriller. Auch ihre Heimat, der Westerwald, fließt in die Romane ein. Doris Litz ist verheiratet und lebt in Neuwied am Rhein.



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