Litz | Kinderseelen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

Litz Kinderseelen


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-144-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

ISBN: 978-3-98778-144-5
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei vermisste Mädchen und ein Netzwerk des Grauens …
Der spannende Thriller mit Nervenkitzel-Garantie

Zwei Mädchen werden vermisst, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, aber in ganz unterschiedlichen Teilen Deutschlands leben. Das Einsatzteam um Alexander Bierbrauer ist alarmiert und arbeitet zusammen mit der SoKo Stralsund auf Hochtouren, um die Kinder zu finden. Doch die Ermittlungen laufen ins Leere und geraten immer wieder ins Stocken. Als eines der Mädchen ermordet in einem Waldstück entdeckt wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn sie haben es gleich mit mehreren Tätern zu tun, die vor nichts zurückschrecken …

Erste Leser:innenstimmen
„Ein packender Kriminalthriller und nichts für schwache Nerven!“
„Fesselnde und vielschichtige Geschichte, die bis zum Schluss für Spannung sorgt.“
„Nach 'Tödliche Ufer' habe ich den zweiten Fall von Alexander Bierbrauer und Katie Hansen ebenso verschlungen.“
„Klare Leseempfehlung für diese authentische Regionalkrimiserie mit ihren interessanten Protagonisten und Ermittlungsteams!“



Doris Litz, geboren in Hachenburg im Westerwald, lebt mit ihrem Mann in Neuwied und arbeitete fast zwei Jahrzehnte für eine regionale Tageszeitung. Heute ist sie Pressesprecherin einer Behörde in Koblenz. Nebenbei engagiert sie sich ehrenamtlich im Tierschutz und schreibt Romane. Mit dem Krimi Tödliche Ufer liegt ihr Erstling vor.
Litz Kinderseelen jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1


Als die Türglocke ging, zuckte Sina Lehmann zusammen. Unwillkürlich glitt ihr Blick zur Uhr am unteren Rand des Fernsehbildschirms. Fünf nach acht. Um diese Zeit bekam sie normalerweise keinen Besuch mehr. Misstrauisch blickte sie zum dunklen Flur hinüber, machte aber keine Anstalten aufzustehen. Der Nachrichtensprecher verkündete gerade, dass es im Fall der kleinen Valerie keine neuen Erkenntnisse gebe. Das Kind blieb verschwunden. Ein Foto der Vierjährigen war links über der Schulter des Sprechers eingeblendet. Sinas Blick glitt über das hübsche Kleinmädchengesicht und die langen blonden Locken, die es einrahmten. Beinahe konnte sie spüren, wie weich das Haar sich unter den zärtlichen Händen einer glücklichen Mutter anfühlen musste. Nur dass Valeries Mutter derzeit alles andere als glücklich war. Ihr kleines Mädchen war seit mehr als zwei Wochen verschwunden. Zu lange, wie Sina wusste. Schließlich hatte sie einige Jahre für die Koblenzer Kripo gearbeitet und kannte die Regeln: Je länger ein Kind vermisst wurde, umso unwahrscheinlicher war es, dass man es lebend fand. Nach achtundvierzig Stunden waren die Chancen statistisch betrachtet bereits gegen null gesunken. Andererseits wusste niemand so gut wie sie selbst, dass es auch ganz anders laufen konnte.

Es klingelte erneut. Ungeduldig diesmal. Wer immer dort draußen stand, wusste, dass sie zu Hause war, und wollte unbedingt herein. Sina zögerte. Asha, die bislang seelenruhig auf ihrem Kissen geschlafen hatte, spitzte die Ohren, öffnete ein Auge und schaute ihre Herrin fragend an. Ein leises Grollen kam aus ihrer Kehle. Die Hündin würde gleich aufspringen und ein Heidenspektakel veranstalten. Das ließ sich nur vermeiden, indem sie selbst die Initiative ergriff und damit ihrer Rolle als Rudelführerin gerecht wurde.

„Ist alles in Ordnung, Sina? Soll ich zur Tür gehen?“

Alex hatte sie schon eine ganze Weile beobachtet. Jetzt erhob er sich und schlüpfte in seine Schuhe, die er ausgezogen hatte, als er es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hatte.

Sina schüttelte den Kopf und lächelte ihn freudlos an, während sie sich aus ihrem ledernen Ohrensessel schälte.

„Nein, ist schon gut. Ich habe nur einfach keine Lust auf Besuch. Aber wer immer vor der Tür steht, wird wohl nicht einfach wieder gehen.“

Zur Bestätigung klingelte es erneut. Asha sprang auf und postierte sich bedrohlich knurrend im dunklen Flur, wo sie die Eingangstür fest ins Visier nahm. Sina schlüpfte in ihre Birkenstocks, zog sich das T-Shirt glatt und zwängte sich an Asha vorbei.

„Ist schon gut, Liebes. Geh wieder auf deine Decke. Ich kümmere mich darum.“

Sofort zog die kniehohe weiße Hündin sich zurück und überließ Sina das Feld. Allerdings würde sie wachsam bleiben. Genau wie Alex. Im Notfall wären sie beide innerhalb von Sekunden an ihrer Seite. Dieses Wissen gab Sina ein gutes Gefühl.

Das Licht ließ sie ausgeschaltet.

Sie wollte ihrem ungebetenen Besucher keinen unnötigen Vorteil verschaffen. Trotzdem brauchte sie eine Weile, um den gepflegten älteren Herrn einzuordnen, der so unnachgiebig Einlass gefordert hatte und nun ungeduldig vor ihrer Tür wartete. Es war dieser Unmut, der sie schließlich auf die richtige Fährte brachte.

Gerald Baumgarten, erfolgreichster Unternehmer im Großraum Koblenz, war es nicht gewohnt, dass man ihn warten ließ. Sein Begrüßungslächeln fiel entsprechend gezwungen aus.

„Sabrina, meine Liebe. Ich war gerade in der Nähe und dachte mir, ich schaue mal nach, wie es dir geht.“

Ohne dass sie ihn dazu aufgefordert hätte, betrat der Unternehmer den Flur und küsste sie erst rechts und dann links auf die Wange. Auch dazu hatte sie ihn nicht ermuntert.

Kaum hatte er sie wieder freigegeben, steuerte Baumgarten ihr Wohnzimmer an, wo die noch immer vor sich hin knurrende Asha seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

„Wie ich sehe, wirst du gut beschützt.“

Seine Abneigung gegen die Hündin konnte er kaum verbergen.

Sina, die hinter ihm ins Zimmer getreten war, blickte kurz zu Asha hinüber, was diese sofort verstummen ließ. Allerdings behielt sie den unwillkommenen Gast im Auge.

Erst jetzt schien Baumgarten Alex zu bemerken, der noch immer neben dem Sofa stand und ihm die Hand entgegenhielt.

„Alexander Bierbrauer. Ich bin ein Freund von Sina.“

Mit deutlicher Missbilligung ergriff Baumgarten Alex’ Rechte. „Gerald Baumgarten. Ich bin ein Freund von Jan.“

Als sei damit alles gesagt, wandte er sich Sina zu.

„Entschuldige, dass ich einfach hier hereinplatze, aber ich dachte, wir könnten uns kurz unterhalten.“

Alex verstand den Wink und griff nach seinen Wagenschlüsseln, die auf dem kleinen Wohnzimmertisch gelegen hatten.

„Ich muss ohnehin zum Dienst.“ Er hauchte Sina einen Kuss auf die Wange und war innerhalb von Sekunden verschwunden.

Eine Welle des Zorns stieg in Sina auf. Baumgartens selbstgefällige Art gefiel ihr nicht. Sie wusste, dass er Jan ein väterlicher Freund gewesen war und ihm beim Aufbau seiner Firma geholfen hatte. Aber Jan war tot, und sie selbst dachte nicht im Traum daran, dem dominanten Unternehmer einen Platz in ihrem Leben einzuräumen. Auch deshalb bugsierte sie ihn in die formellere Essecke statt auf die gemütliche Couch. Am liebsten hätte sie ihm nicht einmal einen Kaffee angeboten, aber schließlich war er ein enger Freund ihres Mannes gewesen. Also ging sie in die Küche, startete die hochmoderne Maschine und ließ den gewünschten Cappuccino in eine extragroße Tasse laufen.

„Was kann ich für dich tun?“

Sie schoss die Frage ab, kaum dass das Getränk vor Baumgarten stand.

Der ließ sich von Sinas Ruppigkeit nicht beeindrucken.

„Einer meiner leitenden Mitarbeiter zieht hier in die Nachbarschaft, deshalb war ich in der Nähe. Er kommt aus unserem Werk in Tschechien. Guter Mann. Ich habe das Haus für ihn gemietet. Man muss heute einiges investieren, wenn man Spitzenleute halten will.“

Er lächelte sie an. Ganz der Mann von Welt.

Sina sagte nichts. Ihr stand nicht der Sinn danach, Interesse zu heucheln. Sie wollte Baumgarten nur schnellstmöglich loswerden. Doch der hatte offenkundig nicht vor, so bald zu verschwinden.

„Weißt du, ich dachte, du könntest dich ein wenig um diese Leute kümmern. Sie wohnen schräg gegenüber, in dem Haus des alten Markwort.“

Der alte Herr war vor einigen Monaten gestorben, und seine Erben hatten lange versucht, das Anwesen zu verkaufen. Allerdings waren ihre Preisvorstellungen selbst für den noblen Wingertsberg völlig überzogen gewesen. Schließlich stand ihr Haus in Neuwied, nicht in Köln. Nun lebte also Baumgartens Mitarbeiter dort. Sina konnte nicht behaupten, dass ihr der Gedanke gefiel. Und ganz sicher hatte sie nicht vor, engen Kontakt zu Menschen zu suchen, die dem Unternehmer zu Dank verpflichtet waren und ihm alles, was sie tat und sagte, zutragen würden.

„Betterfeld ist ein netter Kerl. Seine Frau ist ein wenig gehemmt. Russin eben. Fremdes Land, keine Freunde. Du weißt schon. Die jüngere Tochter ist ein Schatz. Die ältere – na ja, sie ist sechzehn. Schwieriges Alter. Du kannst doch gut mit Jugendlichen …“

Offenkundig hatte Jan ihm erzählt, dass sie früher als Sozialpädagogin bei der Koblenzer Kripo viel mit Kindern gearbeitet hatte, die in Kriminalfälle verwickelt waren. Und womöglich wusste er sogar, dass sie nach Jans Tod ihren beruflichen Schwerpunkt wieder auf die Therapie von Kindern und Jugendlichen gelegt hatte. Er hatte sich über sie erkundigt. Sina war wütend, aber sie wusste, dass jeder offene Streit mit Baumgarten ihm noch mehr über sie und ihren seelischen Zustand verraten hätte. Also schwieg sie.

Der Unternehmer ignorierte es. „Doch kommen wir zum Wichtigsten: Wie geht es dir, meine Liebe? Du weißt ja, dass Maja und ich jederzeit für dich da sind. Jan war wie ein Sohn für uns. Deshalb solltest du dich nicht scheuen, uns als deine Familie zu betrachten.“

Sina musste sich eine zynische Bemerkung verkneifen. Gerald Baumgarten wusste genau, dass Jan ein ausgesprochen distanziertes Verhältnis zu seinen Eltern gehabt hatte und dass es ihr, seiner Witwe, nicht anders ging. Ihre eigenen Eltern waren gestorben, als sie gerade fünf Jahre alt war. Der Gedanke, stattdessen mit den gesellschaftlich hochgestellten Baumgartens zu verkehren, jagte ihr einen Schauder über den Rücken. Schon damals, als Jan noch lebte, hatte sie den Kontakt auf das unumgängliche Maß reduziert. Baumgartens waren allein seine Sache gewesen, und das nicht nur, weil Sina das affektierte Gehabe der „besseren Kreise“ unerträglich fand. Vor allem Maja Baumgarten, die ihre besten Zeiten hinter sich hatte und damit nur mäßig zurechtkam, war ihr regelrecht zuwider. Aber auch Gerald selbst löste bestenfalls widersprüchliche Gefühle in ihr aus. Zwar wirkte er auf den ersten Blick sympathisch und sogar großzügig. Aber er hatte eben auch diese selbstgefällige und bestimmende Art, die Sinas Freiheitstrieb radikal entgegenlief.

„Das ist nett von euch. Aber ich komme gut allein zurecht. Trotzdem danke.“

Nur die steile Falte über Gerald Baumgartens Nasenwurzel verriet seine Verärgerung. „Das ist doch Unsinn, Sina. Man hat niemals genug Freunde. Außerdem weißt du genau, dass ich viel für dich tun kann. Schließlich musst du dir überlegen, wie es für dich weitergehen soll. Jan ist seit über einem Jahr tot …“

„Ich komme klar.“

Sina sah ihn direkt an. Mehr als Worte es vermocht hätten, signalisierte der kühle Blick ihrer dunklen Augen ihm, dass er im Begriff war, eine Grenze zu überschreiten.

Doch Grenzen hatten Gerald Baumgarten noch nie aufgehalten. „Du bist doch...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.