Lobrecht / Roßkopf | 10 Minuten? Dit sind ja 20 Mark! | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Lobrecht / Roßkopf 10 Minuten? Dit sind ja 20 Mark!

Zeit ist Geld und wir haben's eilig
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944035-61-1
Verlag: SATYR Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Zeit ist Geld und wir haben's eilig

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-944035-61-1
Verlag: SATYR Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei der umtriebigsten und erfolgreichsten Slam-Poeten Deutschlands haben ihre besten Texte genommen und in eine Geschichte eingeflochten, die davon handelt, wie sie im Kampf gegen Faulheit, Zeitnot und Prokrastination ein Buch zu schreiben versuchen. Ein pointierter Mix aus launischen Dialogen und schräger Prosa! Wie ist es, mit Mitte zwanzig in einer Berliner WG binnen vier Wochen ein Buch zu schreiben, von dem der eine Autor erst kurz vor der Deadline erfahren hat? Insgeheim hoffen Lobrecht und Rosskopf, sich das Buch als Masterarbeit anrechnen lassen zu können. Weil Felix Politik studiert und Malte Jura, ist das eine sehr dumme Hoffnung. Aber das Motto für die zwei ist sowieso immer: Klappt schon irgendwie, weil es muss! Eingestreut in diese Rahmenhandlung sind die besten Slam-Texte der beiden: Warum findet Malte einfach keine Freundin, die ihn cool findet, weil er cool ist, und nicht, weil er grad zufällig da ist? Und warum kauft Felix Gänse bei Ebay? Liegen bleiben vs. endlich anfangen zu schreiben, Kommodenvermessen vs. Bumerangwerfen, gestreifte T-Shirts vs. ausdefinierten Bizeps und Hochdeutsch vs. Berliner Schnauze sind nur einige der Konfliktlinien zwischen den beiden Storytellern. Das Ergebnis ist zu witzig für ein Lexikon und zu smart für reine Comedy. Dieses Buch ist wie Berlin: jung, random und gut aussehend.

Felix Lobrecht, 1988 geboren, ist Berliner, der im temporären Exil in Marburg weilt. Er ist erfolgreicher Poetry-Slammer, Autor, Comedian und Stammautor bei den Lesebühnen 'Late-Night-Lesen' in Marburg und 'Wal fällt auf Boot' in Gießen sowie 50 Prozent des SlamTeams 'Slamdog Millionaire'. Mit seinen Texten bringt er vor allem sich selbst, aber auch mal das Publikum zum Lachen. Ferner zeichnen ihn sein ausgeprägter Bizeps und die Berliner Schnauze aus (ebenfalls ausgeprägt). Nach dem Studium wird er zurück in seine geliebte Heimat ziehen, um dort groß und noch stärker zu werden. Malte Rosskopf wurde 1988 geboren und ist Slam- Poet, Autor und Vorleser. Als zugezogener Berliner hat er es sich seit 2009 im Wedding bequem gemacht, ist aber ohnehin meist unterwegs, wenn er mit seinen Gedichten und Kurzgeschichten erfolgreich durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt. Rosskopf ist Mitglied der Berliner Lesebühne 'Schnaps & Würde' und zweier Poetry-Slam-Teams, von denen eines bekannt ist ('Slamdog Millionaire') und das andere noch keinen Namen hat, weil es sehr geheim ist.
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PROLOG


STRASSE & STUDIUM

»Fick dich, Rosskopf, fick dich einfach!«, tobt Felix. In der Hand hält er drohend einen Nothammer aus einem Bus, vor ihm liegt eine leere Flasche Ouzo. »Wie zur Hölle soll dein beschissener Vorschlag funktionieren? Wie, frag ick dich!«

»Halt doch mal deine bekackte Scheißfresse, Felix!«, brüllt Malte zurück und nimmt noch einen großzügigen Schluck Whiskey. Neben ihm liegen griffbereit zwei Äxte. »Wir müssen bis morgen ein Scheißbuch bei unserem Scheißverleger abgeben und es war ein Scheißfehler, dir zu erlauben, das letzte Kapitel zu schreiben. Hast du dir deinen lieblos hingekackten Rotz mal selber durchgelesen? Schau mir in die Augen und sag mir, dass du das letzte Kapitel gelesen hast, ohne zu denken, dass das die verfickteste Fickscheiße ist, die je ein ›Mensch‹ geschrieben hat.«

»Ick schau dir in die Augen und sag dir, dass du schielst, dit sag ick dir, du Lappen. Dit letzte Kapitel vom Buch ist einsame Spitze und bevor du jetzt hier alles mit deinen lappigen, weichgespülten Scheißideen kaputtmaltest, zünd ick hier lieber den janzen Laden an. Den janzen verfickten Laden!« Felix zückt sein Feuerzeug. »Und hör auf, Mensch in Tüddelchen zu setzen, du arroganter Sack!« Beide schnauben sich wütend an.

»Alter, Felix, wach endlich auf.« Malte versucht, die Situation ein wenig zu beruhigen. »Wir müssen morgen ein Buch abgeben. Morgen. Verstehst du? Das ist der Tag nach heute. Und wir sind fast fertig, haben da so viel Arbeit reingesteckt, aber mit so einem Ende machen wir doch alles zunichte, was wir vorher mühsam aufgebaut haben.«

»Nischt wird hier zunichte jemacht. Dit ist ’ne runde Sache, so wie ick dit jeschrieben hab. ’ne runde Sache. So wie ein Ball. Oder ’n runder Kasten. Die von dir anjebotene Alternative is’ keene runde Sache. Die is’ eckig. Wie ’n normaler Kasten. Wenn wir jetzt deinem Vorschlag folgen, dann konterkarieren wir doch allet von vorher.«

Malte winkt herablassend ab. »Du weißt doch nicht mal, was ›konterkarieren‹ heißt, Felix. Deine ganze Familie weiß nicht, was ›konterkarieren‹ heißt.«

»Jut, ick wiederhole: Fick dich, Rosskopf, fick dich einfach!«

»Fick dich selber, Felix! Das ist doch alles für’n Arsch!«

Beide sind auf Hundertachtzig und warten ab, was passiert. Keiner senkt den Blick. Da zunächst aber niemand Anstalten macht, den anderen anzugreifen, regen sie sich ein bisschen ab.

»Du kannst doch gar nicht mehr klar denken, Felix«, sagt Malte. »Du bist doch rotzbesoffen von dem ganzen Ouzo!«

»Dit ist doch völlig sachfremd jetzt. Außerdem bist du mindestens noch besoffener als icke. Und überhaupt, wat macht’n dieser Lauch eigentlich hier?«, fragt Felix und nickt abfällig zu dem in der Ecke kauernden jungen Mann, der vor Angst zittert.

»Ja, was mach ich eigentlich hier?«, fragt der junge Mann.

»Kann der mal bitte sein Maul halten, Malte?«, mahnt Felix.

»Ja, halt dein Maul, mit dir spricht hier gerade niemand!«, blafft Malte ihn an, um dann an Felix gerichtet fortzufahren. »Das ist Troy, ein befreundeter Schriftsteller. Ich habe ihn gebeten, meine Einschätzung hinsichtlich deines Kapitels zu bestätigen.«

»Wir sind nicht befreundet, ich kenne Sie nicht«, stottert Troy. »Und ich wurde nicht gebeten, sondern erpresst. Ich möchte bitte schnell nach Hause gehen. Ich habe Angst.«

Malte schüttelt den Kopf und versperrt den Weg zur Tür.

»Kann der mal bitte sein Maul halten?«, mahnt Felix ein zweites Mal.

»Ja, halt dein Maul, Troy. Du gehst nirgendwo hin, bevor du Felix nicht erklärt hast, dass er beim letzten Kapitel versagt und sich bis auf die Knochen blamiert hat und nur mein Vorschlag unser Buch retten kann.«

»Spinnst du jetzt komplett, Rosskopf? Du hast ’nen Schriftsteller hierher zitiert, damit er deinen völlig abwegigen Vorschlag unterstützt?«

»Ja, das habe ich. Troy hat schon mehrere Bücher veröffentlicht. Und er als Experte wird dir meine Einschätzung bestätigen. Du Arschgeige!«

»Bitte, wir kennen uns nicht«, wimmert Troy. »Und ich bin kein Schriftsteller, ich arbeite im Callcenter eines kleinen Möbelhauses, bei dem nie jemand anruft. Ich schreibe nur privat kleine Geschichten und trete damit auf kleinen Poetry Slams im Großraum Zossen auf. Ich möchte jetzt bitte gehen. Ich habe Familie und Sie machen mir Angst.«

»Jetz’ reicht mir dit aber hier mit dir, Troy! Mir platzt gleich der Helm hier, ey. Mann!« Felix macht eine helmplatzende Armbewegung. Er bewirft Troy mit einer Gabel und dreht sich wieder zu Malte.

»Dit is’ doch allet albern, is’ dit doch allet. Und peinlich, Malte, peinlich! Es ist peinlich, dass du dir hier den hinterletzten Wannabe-Schriftsteller greifst, nur weil dein Vorschlag die größte Kackscheiße ist, die ick je lesen musste. Und ick musste nicht viel lesen bisher!«

Malte schüttelt den Kopf. »Tu doch nicht so, Felix, du hast dir doch selber Unterstützung geholt«, sagt er und deutet auf das Sofa, hinter dem eine blasse Gestalt hervorlugt, die im Wesentlichen genauso aussieht wie Troy.

»Ja, und? Hab ick«, gibt Felix zu. »Dit ist aber keen Schriftsteller, sondern Marcel.« Felix nickt abschließend, so als sei damit alles gesagt.

»Wer ist Marcel?«, fragt Malte.

»Ich bin Marcel«, sagt Marcel. »Und auch ich habe große Angst und würde wirklich gerne nach Hause gehen.«

»Sag mal, kann der mal bitte sein Maul halten und sich hier nicht so dummdreist einmischen?«, echauffiert sich Malte.

»Du hast den Mann jehört, Marcel. Halt dein Maul!«

»Warum ist Marcel hier?«

»Weil ick ihn darum jebeten habe. Marcel war Streitschlichter an meiner alten Schule«, erklärt Felix, der sich nun überlegen fühlt, sehr sachlich. »Ick dachte mir: Jut, Malte und ick streiten, wer kann da helfen? ’n Streitschlichter. Et voilà, Marco, äh, Marcel oder wat weeß ick.«

»Bitte, Felix«, setzt Marcel an. »Ich, äh, ich war nur Streitschlichter, weil das die einzige Möglichkeit war, dem Pausenhof fernbleiben zu können. Dort wurde ich immer geärgert und hin und wieder angezündet. Dann bin ich Streitschlichter geworden und durfte in der großen Pause immer im Streitschlichterraum sitzen. Ich hab dann aber trotzdem schnell die Schule gewechselt, immer wenn ich was schlichten wollte, wurde ich danach von beiden Parteien gehauen, als die Lehrer nicht geguckt haben. Ich bin kein guter Streitschlichter und kann euch nicht helfen.«

»Da hörst du ihn, Felix!«, sagt Malte. »Dein kauziger Schulfreund kann uns nicht helfen. Also wieder zu dir, Schriftsteller.« Er wendet sich dem immer noch zitternden Troy zu. »Du liest jetzt das letzte Kapitel und sagst uns, was du davon hältst. Du kriegst dafür ’ne halbe Stunde Zeit.«

»Ich möchte das nicht lesen, ich schreibe, wie gesagt, nur ganz selten mal kleine, belanglose Kurzgeschichten«, sagt Troy eingeschüchtert.

»Wat für einen peinlichen Versager du dir da ins Haus jeholt hast, Malte. Lächerlich.«

»Troy, du weißt, was ich gegen dich in der Hand habe«, antwortet Malte knapp. »Ich habe den vierten August 2011 nicht vergessen, Troy. Die offene Bühne in Blankenfelde …«

»Du warst da?« Troy ist entsetzt.

»Ich war da, Troy, ich war da. Und auch Backstage, als du … du weißt schon. Da war ich auch da, Troy, auch da.«

»O… Okay, dann, äh, okay.« Er nickt wissend und schweigt.

»Kann ich dann jetzt gehen?«, fragt Marcel hoffnungsvoll.

»Klar, Marcel, klar, du kannst jehen. Soll ick dir noch ’n Zehner mit uff’n Weg jeben, als Dank? Oder darf ick dir direkt ’n Taxi spendieren?«, fragt Felix. »Nee, Marcel, du kannst mal überhaupt nicht jehen. Du hältst jetzt die Schnauze und liest dir mein letztet Kapitel durch. Dit kann nämlich nicht sein, dass Rosskopf hier seinen muchtigen Billo-Schriftsteller hat und ick hier alleene gegen die Kloppifraktion argumentieren muss. Du bist immer noch jenauso nutzlos wie früher, Marcel. Weeßte dit eigentlich? Dit fällt allet auf mich zurück, Marcel. Willst du dit? Willst du, dass ick mich vor dem da lächerlich mache?« Er nickt zu Malte.

»Nein, natürlich nicht«, antwortet Marcel.

»Dacht’ ick mir schon«, fährt Felix fort und steckt sein Feuerzeug wieder ein. »Du kriegst jetzt ’ne halbe Stunde, um dir...


Felix Lobrecht, 1988 geboren, ist Berliner, der im temporären Exil in Marburg weilt.
Er ist erfolgreicher Poetry-Slammer, Autor, Comedian und Stammautor bei den Lesebühnen "Late-Night-Lesen" in Marburg und "Wal fällt auf Boot" in Gießen sowie 50 Prozent des SlamTeams "Slamdog Millionaire". Mit seinen Texten bringt er vor allem sich selbst, aber auch mal das Publikum zum Lachen. Ferner zeichnen ihn sein ausgeprägter Bizeps und die Berliner Schnauze aus (ebenfalls ausgeprägt). Nach dem Studium wird er zurück in seine geliebte Heimat ziehen, um dort groß und noch stärker zu werden.

Malte Rosskopf wurde 1988 geboren und ist Slam- Poet, Autor und Vorleser.

Als zugezogener Berliner hat er es sich seit 2009 im Wedding bequem gemacht, ist aber ohnehin meist unterwegs, wenn er mit seinen Gedichten und Kurzgeschichten erfolgreich durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt. Rosskopf ist Mitglied der Berliner Lesebühne "Schnaps & Würde" und zweier Poetry-Slam-Teams, von denen eines bekannt ist ("Slamdog Millionaire") und das andere noch keinen Namen hat, weil es sehr geheim ist.



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