Lockwood | Grenzenlos wie meine Lust | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Lockwood Grenzenlos wie meine Lust


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7457-5287-8
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-7457-5287-8
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Seit Wochen jettet Juliana um die halbe Welt; sie testet beruflich den Service einer Airline. Völlig gestresst verpasst sie beinahe den letzten Flug nach Hause - da kommt ihr ein überwältigend gut aussehender Fremder zu Hilfe. Ein kleiner Flirt mit einem heißen Typen könnte doch für Entspannung sorgen! Die Begegnung mit Law über den Wolken endet grenzenlos erotisch ... Er geht Juliana unter die Haut - und nicht mehr aus dem Kopf! Kurz darauf begegnen sie sich wieder - Zufall? Welche Pläne verfolgt der einflussreiche Law wirklich?



Cara Lockwood, Bestsellerautorin bei USA TODAY, hat mehr als achtzehn Bücher geschrieben, unter anderem I Do (But I Don't), das als Lifetime Original Movie verfilmt wurde. Sie ist die Autorin von Bard Academy, einer Serie für junge Erwachsene. Weltweit ist ihr Werk in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Geboren und aufgewachsen ist Cara in Dallas. Jetzt lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren fünf Kindern in der Nähe von Chicago. Mehr Infos über Cara auf caralockwood.com, per Freundschaftsanfrage auf Faceboock, facebook.com/authorcaralockwood oder auf Twitter, @caralockwood.
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1. KAPITEL

Zwei Stunden vorher.

Juliana konnte es nicht ausstehen, sich zu verspäten. Sie rannte durch das Terminal am JFK Airport, vorbei an Vätern, die Kinderwagen vor sich her schoben, und sonnenverbrannten College-Studenten auf dem Rückweg aus dem Spring Break, und schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie das Gate noch erreichte, bevor es schloss. Sie musste diesen Flug – den letzten Heimflug nach Chicago – unbedingt erwischen.

Sie hatte ihrer Schwester nämlich versprochen, zu ihrem Geburtstagsessen morgen Abend zu erscheinen, doch ihre Gutachtertätigkeit im Rahmen des Blue-Sky-Projekts spannte sie dermaßen ein, dass sie schon seit Wochen nicht mehr zu Hause gewesen war. Stattdessen war sie kreuz und quer durchs ganze Land gejettet, um die größte Fluggesellschaft der USA zu beurteilen. Sie wäre eigentlich pünktlich am JFK eingetroffen, aber der Verkehr war die Hölle gewesen und um den Flughafen herum sogar noch schlimmer als üblich. Plötzlich verkündete ihre Smartwatch mit einem Piep, dass eine neue Textnachricht eingegangen war. Juliana sah aufs Display.

Garrison hatte ihr geschrieben.

Wir müssen reden.

Juliana stöhnte. Sie hatte jetzt keine Zeit für ihren Boss. Er konnte warten. Sie rannte weiter durch den Flughafen, ihr schicker Handkoffer wirbelte auf seinen Rollen hinter ihr her, und ihr dunkles Haar, das sie, wie üblich, in einem strengen Knoten trug, drohte sich zu lösen, während sie so durch den Terminal hechtete. Wenn sie diesen Flug nicht erwischte … würde sie einen ganzen Tag lang auf den nächsten warten müssen, und sie brauchte diesen Tag, um ihr Gutachten zu erstellen – mit dem sie aber erst anfangen konnte, wenn sie den Service der Fluglinie auf eben diesem Flug beurteilt hatte.

Sie näherte sich dem Gate und sah dort eine Mitarbeiterin in Blue-Sky-Uniform – dunkelblauer Hosenanzug mit blauweißem Halstuch – stehen. Gott sei Dank!

Keuchend erreichte sie den Schalter und hielt ihr Ticket hoch. „Gerade … noch … geschafft“, keuchte sie völlig außer Atem.

„Ich bedaure, Miss“, erwiderte die Airline-Mitarbeiterin, „aber wir sind schon beim Boarding der Standby-Passagiere und haben Ihren Platz bereits vergeben.“

„Aber … das Gate ist doch noch offen, und ich habe ein Ticket.“ Juliana hielt ihr Business-Class-Ticket hoch wie ein Beweisstück vor Gericht. „Ist der Standby-Passagier denn schon an Bord?“

Die Airline-Angestellte – „Bette“, ihrem Namenschild zufolge – sah widerstrebend auf ihren Computermonitor und tippte mit einem Gesichtsausdruck, an dem abzulesen war, wie lästig sie diese zusätzliche Arbeit fand, auf der Tastatur herum. „Nein, noch nicht.“ Ihre Stimme klang abgehackt, gereizt. Und genau deshalb steckt ihr in diesem Social-Media-Marketing-Schlamassel, dachte Juliana. Genau deshalb beschweren sich eure Kunden über euren herablassenden Umgang mit ihnen.

„Dann lassen Sie mich bitte an Bord.“ Sie war schließlich die zahlende Kundin, die eigentliche Kundin, wohingegen ein Standby-Passagier eben nur jemand ohne Ticket war, der bloß darauf hoffte, noch eins zu ergattern. Sie machte sich im Geist einen Vermerk über das mürrische Verhalten der Airline-Angestellten und über ihre mangelnde Hilfsbereitschaft. Zahlenden Kunden den Flug zu verwehren, hatte Blue Sky in letzter Zeit in arge Schwierigkeiten gebracht, nachdem sich eine Reihe vernichtender Videos rasend schnell im Internet verbreitet hatte. Und hier stand schon wieder eine wenig hilfsbereite Mitarbeiterin, der anscheinend gar nicht bewusst war, welches schlechte Licht sie hier gerade auf das Unternehmen warf. Auf jeden Fall würde Juliana das in ihr Fusions- und Übernahmegutachten für AM Airlines mit aufnehmen.

„Aber der Standby-Passagier ist ein Mitarbeiter der Airline, und ich fürchte …“

„Kann ich vielleicht helfen?“ Eine tiefe Baritonstimme hinter ihr ließ Juliana zusammenzucken. Sie wirbelte herum und vor ihr stand ein großer Mann, schätzungsweise in den Vierzigern, mit den schönsten blauen Augen, die sie je gesehen hatte. Er trug dunkle Jeans und ein eng anliegendes Polohemd über seiner breiten Brust und sah eher wie der Hauptdarsteller eines Films aus als wie ein x-beliebiger Flugpassagier. Normalerweise achtete Juliana nicht darauf, ob jemand attraktiv war oder nicht, wenn sie sich unter Fremden befand, doch dieser Mann hatte irgendetwas an sich, das es ihr unmöglich machte, ihn zu ignorieren. Sie konnte seine Anziehungskraft beinahe spüren, wie eine Macht, die ihre volle Aufmerksamkeit verlangte, wie ein Wikinger, der eine fremde Küste eroberte.

„Sir …“ Die Angestellte wirkte zunehmend griesgrämiger.

„Ich bin ein Standby-Passagier“, erklärte er, und seine tiefe Baritonstimme ging Juliana durch und durch, so kraftvoll klang sie. „Wenn es hilft, verzichte ich auf meinen Platz.“ Er reichte der Mitarbeiterin sein Standby-Ticket, sodass diese seinen Namen lesen konnte.

Juliana warf ihm einen überraschten Blick zu. Sie hatte immer geglaubt, es gäbe keine Ritterlichkeit mehr, vor allem nicht an Flughäfen. Jeder war nur sich selbst der Nächste, ob an den Gates, in den Fliegern oder an der Gepäckausgabe. Sein Angebot überraschte sie. Der Mann sah Juliana an und lächelte, ein strahlend weißes, blendendes Lächeln. Ob er berühmt war? Er schien diese gewisse Ungezwungenheit zu besitzen, wie jemand, der es zu etwas gebracht hatte. Ihr Blick fiel auf seine Bruno-Mali-Wildlederslipper. Ja, er besaß eindeutig ein prall gefülltes Bankkonto. Dennoch zögerte Juliana. Wollte sie sich wirklich von einem Fremden helfen lassen? Sie war ja schließlich keine Jungfrau in Nöten. Sie kam ganz gut allein zurecht. Sie bat nie um Hilfe, denn das war ein Zeichen von Schwäche, und sie war nicht schwach.

Eine zweite Blue-Sky-Mitarbeiterin sah vom benachbarten Schalter hoch. „Bette, kann ich Sie kurz sprechen?“, rief sie ihre Kollegin zu sich. Die beiden Frauen steckten die Köpfe zusammen und unterhielten sich, und innerhalb von Sekunden wurde Bette kreidebleich. Was war passiert? Was hatte die Kollegin zu ihr gesagt? War Julianas Tarnung aufgeflogen? Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die einfachen Angestellten von ihrer Identität als Gutachterin wussten, die Inkognito-Flüge unternahm, um den Kundenservice zu bewerten.

„Es tut mir furchtbar leid“, stammelte Bette, als sie an ihren Schalter zurückkam. „Wir haben Platz für Sie beide auf diesem Flug, das ist gar kein Problem.“ Sie warf einen Blick auf Julianas Ticket, nickte rasch und tippte mit klackernden Fingernägeln hastig auf ihrer Tastatur herum, und schon spuckte der kleine Drucker am Schalter zwei neue Tickets aus. „Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, dass ich Ihnen neue Plätze zugewiesen habe. Sie sitzen jetzt in der Touristenklasse, aber …“

„Das macht mir nichts aus“, erwiderte Julianas Retter. „Es sei denn, Sie haben etwas dagegen?“

Juliana sah den faszinierenden Mann neben sich an und musste den Hals recken, weil er so groß war. Sie fragte sich, ob sie sich überhaupt auf ihre Arbeit würde konzentrieren können, wenn er neben ihr saß. Und sie fragte sich, ob er tatsächlich berühmt war – so, wie die Angestellten vor ihm katzbuckelten. Vielleicht lag es aber auch nur an seinem verschmitzten Lächeln.

„Nein, ich habe nichts dagegen“, sagte sie.

„Sehr schön. Und entschuldigen Sie bitte nochmals die Unannehmlichkeiten, Ms. Hart“, redete die Angestellte eindringlich auf Juliana ein. Vielleicht hatte ihnen doch jemand gesteckt, dass Juliana hier war, um ihre Leistung zu beurteilen. Aber wer? Falls jemand ihre Flugroute hatte durchsickern lassen, wäre ihre Beurteilung dieses Fluges müßig, denn es war ja Sinn und Zweck des Ganzen, dass sie anonym blieb, einfach eine normale Passagierin. Sie warf einen Blick auf den Mann hinter sich.

„Ja, ich möchte mich noch einmal dafür entschuldigen.“ Bette scannte beide Tickets ein, gab sie ihnen wieder zurück, wobei ihr Blick einen Hauch länger auf Julianas Retter verweilte. Nein, dachte Juliana, hier ging es überhaupt nicht um sie. Sondern um ihn. Er war der Grund, weshalb man sie doch noch an Bord ließ.

„Kein Problem“, tat er das Ganze mit einer wegwerfenden Handbewegung ab und trat zurück. In seiner Stimme schwang ein kaum hörbarer Akzent mit. Britisch? Juliana konnte es nicht genau festmachen.

Er sah Juliana an und ließ ihr mit einer Handbewegung den Vortritt. Schon wieder diese Ritterlichkeit. Einerseits sträubte sich alles in ihr dagegen, denn sie war schon immer stark genug gewesen, sich selbst die Tür zu öffnen und sich einen Stuhl zurechtzurücken, doch andererseits empfand sie es auf merkwürdige Weise … erfrischend. Sie war so daran gewöhnt, die Ellbogen auszufahren, um sich inmitten ihrer überwiegend männlichen Kollegen einen Platz am Konferenztisch zu erkämpfen, dass sie völlig vergessen hatte, wie es war, wenn ein Mann sich mal nicht vordrängelte.

Sie zog ihren kleinen Rollkoffer durch die offene Tür des Gates, und sie gingen die Gangway hinab. In dem Aluminiumkorridor mit dem dünnen Teppich konnte sie die schweren Schritte des Mannes hinter sich förmlich spüren. Der Mann war groß und ganz eindeutig muskulös. Wer war er nur, dass er bloß mit den Fingern zu schnippen brauchte und die Leute sprangen?

Eine Flugbegleiterin nahm sie mit einem kurzen Nicken in Empfang, las ihre Tickets und dirigierte sie dann in die obere Ebene des zweistöckigen Airbus – dem fliegenden Gegenstück zu einem...



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