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Löhe / Eibisch | Raphael - Ein evangelisches Gebetbüchlein für Reisende | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 43, 172 Seiten

Reihe: Schätze der christlichen Literatur

Löhe / Eibisch Raphael - Ein evangelisches Gebetbüchlein für Reisende


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-2333-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 43, 172 Seiten

Reihe: Schätze der christlichen Literatur

ISBN: 978-3-8192-2333-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das nachfolgende Gebetbüchlein für Reisende trägt den Namen "Raphael" von dem Reisebegleiter des jungen Tobias in dem allbekannten schönen apokryphischen Buche. Der Name war bequem und in den Lebenskreisen des Verfassers als Name für den Engel des Herrn, welcher die Reisenden schützt, so geläufig geworden, daß es kein Wagnis zu sein schien, ihn auf den Titel unseres Büchleins zu setzen. Es finden sich darin sowohl die traditionellen Psalmen, Morgen- und Abendgebete, als auch vieles aus der Feder des Verfassers, welches er im Laufe seiner eigenen Reisen zu Papier brachte. So möge dieses Büchlein dem frommen Christen auf seinen Wanderungen geistlichen Nutzen und Segen bescheren.

Löhe / Eibisch Raphael - Ein evangelisches Gebetbüchlein für Reisende jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


I.
Heilsgebete
vom
Aufbruch aus der Heimat
bis zur
Heimkehr.


1.
Ein Psalm Davids.


1. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2. Er weidet mich auf einer grünen Auen,

Und führet mich zum frischen Wasser.

3. Er erquicket meine Seele;

Er führet mich auf rechter Straße

Um Seines Namens willen.

4. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

Fürchte ich kein Unglück,

Denn Du bist bei mir;

Dein Stecken und Stab trösten mich.

5. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde;

Du salbest mein Haupt mit Öle,

Und schenkest mir voll ein.

6. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen

Mein Leben lang,

Und werde bleiben im Hause des Herrn

Immerdar.

2.
Beim Antritt der Reise.


O Herr, vor dem wir alle auf Erden Fremdlinge und Pilgrime sind, nun breche ich auf aus meinem Orte und meiner Heimat, und gehe wallen in ein fremdes Land. Du weißt, daß ich nicht aus Müßiggang reise, und nicht die eitle Ergötzung meiner Augen und Sinne suche, sondern einem heilsamen Zwecke nachgehe. So bitte ich Dich, sei nun bei und mit mir, gib mir Deinen Engel zum Geleit und Schutz, und Deinen Geist in mein Herz, der mich lehre in der Fremde einsam, aber gottselig zu leben. Sammle durch Deinen Geist meine Gedanken zu Dir ein, und erhalte sie allezeit in der Richtung und im Gebete zu Dir. Denn Du bist meine Heimat, und wenn ich bei Dir einkehre und Dich anrufe, Du allgegenwärtiger Herr und Freund meiner Seelen, so bin ich alle Wege daheim, ohne irdisches Heimweh, zufrieden und glücklich. Herr, schenke mir auf dieser meiner Reise das verborgene Freudenleben des Umgangs mit Dir, den Frieden und die Seligkeit der Andacht, und laß, wohin ich gehe oder komme, Deinen Geist in mir unablässig das „Abba, lieber Vater“, schreien. Erhöre mich, Du treuer Gott, und nimm mein Reisen zu Herzen, der Du bist hochgelobet von mir und allen den Deinen an allen Orten, in Zeit und Ewigkeit. Amen.

3.
Abschied vom Hause.


Mein Herr und mein Gott, ich gesegne nun die Meinigen und mein Haus und trete meine Reise an. Noch vor einer ganz kleinen Zeit war ich daheim in dem Meinen und bei den Meinen. Nun aber liegt der Ort bereits hinter mir, wo ich gewohnt bin, mein Haupt niederzulegen, zu Tische zu sitzen, zu handeln und zu wandeln; es ist mir alles wie genommen, und ich bin wie herausgerissen aus der Gemeinschaft, in die Du mich gestellt hast. Weil ich denn also scheide, so bleibe Du statt meiner daheim, halte Deine Hand über allem, was ich zurücklasse, und regiere mein Haus, der Du der eigentliche rechte Hausherr bei mir bist, ich aber bin nur Dein armer und unzulänglicher Haushalter und Knecht. Regiere auch alle die Meinen, welche ich samt ihren Leibern und Seelen hiermit ganz in Deine Hände befehle. Dein heiliger Geist lehre und unterweise sie in allen ihren Taten, und enthalte sie vom Bösen; Dein heiliger Engel schütze und schirme sie vor allem Übel. Bleibe bei mir daheim, gehe aber auch mit mir und geleite mich, o Du Allgegenwärtiger, der Du den Ort nicht zu wechseln brauchst, um mit mir zu gehen, die Meinen nicht verlässest, um mir beizustehen, der Du allgegenwärtig bist, Himmel und Erde erfüllest. Sei mir anstatt alles dessen, was ich verlasse: anstatt Weib und Kind und Freundschaft, anstatt Haus und Hof, und weil Du mehr und ein größerer Schatz bist als alles, was ich verlasse, so laß mich auch zufrieden und fröhlich sein mit Dir, und das Glück der Gottseligkeit begleite mich auf meiner Reise. Wenn Du also bei den Meinen bist und auch bei mir, so sind wir vereinigt in und bei Dir und am besten Ort alle beisammen, und ob uns dann auch das Herz wollte bluten und wehe tun um der leiblichen Scheidung willen; so sind wir dennoch getrost, weil wir eins sind in und mit Dir, freuen uns auch, daß die Zeit meiner Reise vorüber geht, und Du uns auch geben kannst, daß wir einander leiblich in der Heimat wieder finden, noch sicherer aber uns in der ewigen Heimat in kurzer Zeit vor dir versammeln wirst ohne alle weitere Trennung. Und weil wir also, die Meinen und ich, jedenfalls eine Weile geschiedene Wege gehen, so sei mit uns beiderseits Dein Pilgersegen, welchen Du Aaron am Sinai für Dein Volk und ihre Reise durch die Wüste in den Mund gelegt hast: „Der Herr segne uns, und behüte uns! Der Herr erleuchte sein Angesicht über uns und sei uns gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden!“ Durch Jesum Christum. Amen.

4.
Wider das Heimweh.


O Herr mein Gott, der Du mir auf Erden eine Heimat gegeben hast, welche mir Pfand und Vorbild der ewigen Vaterstadt sein soll: ich bitte Dich, bringe mein armes Herz zu einer geordneten und Dir gefälligen Liebe der Heimat hier und der ewigen Heimat in der Höhe. Die Liebe und Gewöhnung meiner irdischen Heimat ist in mir größer, als billig und recht ist vor Dir, denn ich denke und sehne immer nach heim und leide unter dem Heimweh wie ein Knäblein, das zum ersten Male den süßen Ort der väterlichen und mütterlichen Liebe verlassen und in die ferne Stadt ziehen muß, der Schule wegen. Ich reise dahin über Berg und Tal und merke allenthalben Ruf und Einladung der Kreatur, Dich in Deinen Werken zu finden und zu preisen; aber meine Augen sind gehalten, und ich kann den Weg des Lobes und Dankes nicht betreten, weil ich im Kerker des traurigen Brütens und Andenkens an das, was daheim ist, wie angeschmiedet bin. Ich kann mich auch nicht aufschwingen zu dir, nicht andächtig sein und beten, wie ich soll, weil ich immer nur Ein Gebet habe und Einen Wunsch, zu den Meinen zurückzukehren, unter denen ich doch, wenn ich bei ihnen verweile, auch nicht völlig daheim, nicht völlig zufrieden bin. O entwöhne mich doch durch die Kraft Deines heiligen Geistes von aller ungeordneten Liebe zu dem, was zeitlich und sichtbar ist, und lehre mich's innerlich recht bedenken und fassen, daß das Wesen dieser Welt vergeht. Laß mich die irdische Heimat lieben, aber nicht also, daß ich sie nicht gerne und willig entbehren könnte und möchte: die unordentliche Liebe zu ihr und den stündlichen Hang nimm mir weg. An die Fremde laß mich meine Seele nicht hängen, so reizend und schön und fesselnd sie sein möge; aber auch nicht an die Heimat, in welcher ich nach Deinem Willen doch auch nur ein Pilgrim und Fremdling bin. Ich weiß, daß ich sterben und alles dahinten lassen muß, und daß mein Geist berufen ist, einsam aus dem Leibe und der Welt zu dem himmlischen Jerusalem zu wandern. So entbinde mich doch von meinen Banden der Anhänglichkeit; lehre mich sterben ehe ich sterbe, und gib mir, daß ich aufhöre, die Kreaturen anders zu lieben, als es recht ist vor Dir und einer Seele geziemt, die auf Erden allezeit ist wie Israel in der Passanacht, nämlich davon eilend, ein anderes Vaterland suchend. Dein heiliger Geist mache mich durch sein Wort und durch die Speise aus der Heimat, dein Hochwürdiges Sakrament, zu einem recht entfesselten und freien Fremdling und Pilgrim auf Erden, auch in der Heimat. Er mache mich aber auch bereits hier durch einen rechtschaffenen Glauben zu einem Insassen und Bürger jener ewigen Stadt, zu welcher ich nach Hebr. 12. schon jetzt gehöre. Das Bewußtsein und die Zuversicht meines himmlischen ewigen Bürgerrechtes begleite mich nicht bloß wie ein schwacher Gedanke, und wie ein matter Schein des Mondes, durchs Leben, sondern es durchdringe und erfülle mich mit der Kraft einer göttlichen Offenbarung und regiere mein ganzes Leben. Die Freude an meinem ewigen Aufenthalt mache mich in dieser Welt allezeit sehnsuchtsvoll singen mit Deiner Braut, der heiligen Kirche: „O Ewigkeit, du schöne, mein Herz an Dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit.“ Die Lust an dem, was droben ist in der ewigen Heimat, verschlinge in mir, oder versüße doch alles Gefühl der Unvollkommenheit jedes irdischen Aufenthalts. Durch sie nüchtern geworden von aller Benebelung der Kreatur, himmlischen Sinnes und ewigen Geistes voll, laß mich Kraft und Macht finden, unbefriedigt von allem, doch auch alles wieder nach Würden zu schätzen und mich auf meiner Reise durch die Welt an allen Kreaturen zu freuen, vom Efeu und Ysop bis zur Eiche und bis zur Zeder. Nicht die Wollust am zeitlichen Wesen, sondern der Geist und das Verlangen der Ewigkeit treibe und führe mich; aber laß mich auch davon nicht, wie von einer auszehrenden Heimwehkrankheit ergriffen werden, sondern wie von einer Lebenskraft, ähnlich jener, durch welche der frische Jüngling zur Vollkommenheit des Mannesalters reift. Nicht leben, nicht sterben, sei es auch leben oder sterben in Dir, sondern das Sein in Dir werde meine höchste Freude. In diesem Sinne laß mich frieden- und freudenvoll singen: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn.“ Weder das Hiesige, noch das Zukünftige sei mir höher und größer als Du selbst. Sei Du meiner Seele wahrhaftige und selige Heimat. „Wenn ich nur Dich habe, so laß mich nicht fragen nach Himmel und Erde“, weil ich in dir Himmel und Erde, ja mehr als Himmel und Erde besitze. Gottselig und tief...



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