E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Reihe: Rheinwerk Computing
Lolagar OSINT
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-367-11303-3
Verlag: Rheinwerk
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wie Sie Informationen finden, verifizieren und verknüpfen
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Reihe: Rheinwerk Computing
ISBN: 978-3-367-11303-3
Verlag: Rheinwerk
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
OSINT steht für Open Source Intelligence: die Kunst, Informationen aus offenen Quellen zu gewinnen, sie auszuwerten und zu verstehen . Jedermann darf das, aber nur wenige können es richtig.
In diesem Leitfaden zeigt Ihnen Samuel Lolagar Methoden und Tools für umfassende Recherchen . Sie lernen, wie Sie Informationen in Datenbanken, sozialen Netzwerken und anderen Quellen finden, sie verifizieren und zu Intelligence zusammensetzen. So entsteht ein umfassendes Bild, das echte Insights liefert. Damit Sie wirklich finden, was Sie suchen.
Aus dem Inhalt:
- Was ist OSINT
- Intelligence Gathering für Unternehmen, Sicherheitsorganisationen, im Journalismus und der Wissenschaft
- Operational Security und der OPSEC Workflow
- Die Arbeitsumgebung: Verschleierung und Sicherheit
- Der rechtliche Rahmen und die Theorie
- Von Daten über Informationen zur Intelligence: der Intelligence Cycle
- Planung: Anforderung, Scope und Dokumentation
- Sammlung: SOCMINT, WEBINT, Datenbanken und andere offene Quellen
- Verarbeitung: Datenbereinigung und -transformation
- Analyse: Kritisches Denken und Verifikation
- Forensische Berichte erstellen
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Geleitwort ... 13
Vorwort zur 5. Auflage ... 15
Einleitung ... 17
1. Urheberrecht ... 27
1.1 ... Die Urheberrechte im Allgemeinen ... 27
1.2 ... Die Urheberrechte im Einzelnen ... 50
1.3 ... Künstliche Intelligenz (KI) und Urheberrecht ... 88
2. Natur, Architektur, Sachen und Tiere ... 103
2.1 ... Natur, Architektur, Sachen und Tiere fotografieren ... 104
2.2 ... Natur-, Architektur-, Sach- und Tieraufnahmen veröffentlichen und verwerten ... 138
3. Menschen ... 193
3.1 ... Die Herstellung von Personenaufnahmen ... 195
3.2 ... Aufnahmen von Personen veröffentlichen und verwerten ... 214
3.3 ... Straßenfotografie -- Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit ... 280
4. Datenschutz ... 291
4.1 ... Falschinformation, Unkenntnis statt sachbezogener Aufklärung und Absurditäten ... 291
4.2 ... Rechtssystematische Einordnung der DSGVO ... 293
4.3 ... Einige Begriffsdefinitionen der DSGVO ... 294
4.4 ... Wann gilt die DSGVO nicht? ... 296
4.5 ... Das Anfertigen von Fotos unter Beachtung der DSGVO ... 298
4.6 ... Fotografieren auf Massenveranstaltungen ... 306
4.7 ... Zusammenfassung zur Herstellung von Fotografien ... 307
4.8 ... Veröffentlichung von Fotos nach Inkrafttreten der DSGVO ... 308
4.9 ... Pflichten des Fotografen nach der DSGVO ... 313
5. Unbemannte Luftfahrtsysteme ... 317
5.1 ... Vom Flugmodell zum unbemannten Luftfahrtsystem -- eine Begriffsdefinition ... 317
5.2 ... Die aktuelle Situation im deutschen Luftraum ... 319
5.3 ... Entwicklung der Rechtsnormen für den Betrieb von UAS ... 320
5.4 ... Die Rechtslage in anderen Ländern ... 343
6. Foto- und Bildrecht im Internet ... 347
6.1 ... Die Bildrechte bei Meta -- Facebook und Instagram ... 348
6.2 ... Die Bildrechte bei WhatsApp ... 355
6.3 ... Die Bildrechte bei Pinterest ... 356
6.4 ... Die Bildrechte bei YouTube ... 358
6.5 ... Die Bildrechte bei X (vormals Twitter) ... 360
6.6 ... Die Bedingungen von LinkedIn ... 361
6.7 ... Die Bedingungen von Flickr ... 362
6.8 ... Was sind CC-Lizenzen? ... 364
6.9 ... Persönlichkeitsrechtsverletzung bei Fotos von Freunden in sozialen Netzwerken ... 368
6.10 ... Der endlose Streit um die Bildersuche von Google ... 371
6.11 ... Die Framing-Thematik ... 375
7. Rechte schützen ... 379
7.1 ... Ansprüche wegen Urheberrechtsverletzung ... 381
7.2 ... Ansprüche bei Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ... 411
7.3 ... Strafvorschriften ... 419
7.4 ... Notwehr gegen Paparazzi? ... 422
8. Vertragsrecht ... 425
8.1 ... Vertragsform ... 425
8.2 ... Vertragsinhalt ... 428
8.3 ... Vertragstypen ... 442
9. Gewerblich fotografieren ... 449
9.1 ... Die (Berufs-)Bezeichnung »Fotograf« ... 449
9.2 ... Gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit? ... 451
9.3 ... Steuern ... 456
9.4 ... Künstlersozialkasse (KSK) ... 459
9.5 ... Sonstige Rechtsfragen zur (Neben-)Berufsausübung ... 462
9.6 ... Verwertungsgesellschaft (VG) Bild-Kunst ... 475
9.7 ... Foto- und Filmvorführungen mit Musik -- die GEMA ist dabei ... 476
10. Foto- und Bildrecht in Österreich und der Schweiz ... 479
10.1 ... Österreich ... 480
10.2 ... Schweiz ... 499
A. Gegenüberstellung der Gesetzesnormen D-A-CH ... 519
B. Liste kritischer Motive ... 523
C. Literaturverzeichnis ... 527
Der Autor ... 529
Index ... 531
1 Einführung
Willkommen in der Welt der Open Source Intelligence. In diesem Kapitel machen Sie sich mit dem Themengebiet vertraut und verschaffen sich einen Überblick über die Inhalte des Buches. Anschließend erfahren Sie mehr über die Aus- und Fortbildung im Bereich OSINT sowie über mich als Autor.
Vielleicht wissen Sie noch gar nicht, was Open Source Intelligence, kurz OSINT, eigentlich ist. Vielleicht haben Sie spontan dieses Buch gekauft, weil schon der Titel eine ungeheure Faszination auf Sie ausgeübt hat. Selten hatte ich mit einem Begriff zu tun, der so oft missverstanden und fehlinterpretiert wird. Vielleicht hängt es auch ein wenig damit zusammen, dass es kein passendes deutsches Pendant zu »OSINT« gibt. Ich werde den Begriff daher nicht übersetzen, ihn aber hoffentlich gut genug erklären.
1.1 Was ist Open Source Intelligence?
Fangen wir also vorne an: Was ist Open Source Intelligence? Es handelt sich um die Informationsgewinnung aus öffentlich zugänglichen Quellen mit dem Ziel, daraus Intelligence zu gewinnen.
Das grundlegende Merkmal von OSINT, nämlich die Nutzung öffentlich zugänglicher Quellen (open sources), steht im krassen Gegensatz zu anderen (nachrichtendienstlichen) Disziplinen der Informationsbeschaffung, die grundsätzlich im Verborgenen erfolgen. Hier spricht man von closed sources.
Open Source
Open Source Intelligence hat nichts mit Open Source Software zu tun. Dieser Begriff bezieht sich darauf, dass der Programmcode (Quellcode) offengelegt und geteilt wird.
OSINT bedient sich also Quellen, die öffentlich zugänglich sind. Um die öffentliche Zugänglichkeit zu definieren, bedienen sich Juristinnen und Juristen des Begriffs Jedermann. Ohne zu tief in die Rechtswissenschaften einzusteigen: Bei Jedermann handelt es sich um eine beliebige Person ohne besondere Eigenschaften, die Ihnen vielleicht aus Gesetzen wie dem Jedermannsrecht nach § 127 der Strafprozessordnung bekannt ist. Dieser Paragraf berechtigt alle Bürgerinnen und Bürger zur Festnahme einer straffälligen Person. Das Gegenteil des Jedermann ist eine Person mit besonderen Eigenschaften, z. B. ein Amtsträger.
Nehmen wir z. B. einen Polizisten. Dieser ist Amtsträger, weshalb er besondere Befugnisse und auch Zugänge hat, wie beispielsweise Zugriff auf polizeiliche Informationssysteme. Auf solche closed sources kann unser Jedermann nicht zugreifen.
Es lassen sich aber auch Informationen aus anderen Quellen gewinnen, z. B. aus diesem Buch. Um dieses Buch zu erwerben und von den darin enthaltenen Informationen zu profitieren, müssen Sie weder Amtsträger sein noch über andere besondere Eigenschaften verfügen – außer natürlich, dass Sie sich für das Thema interessieren.
Offen ist nicht gleich kostenlos
Das Buch-Beispiel zeigt außerdem, dass öffentlich zugänglich nicht mit kostenlos verwechselt werden darf. Sicherlich stehen heutzutage mehr Informationen kostenlos zur Verfügung als je zuvor, aber auch hier gilt das Motto: »You get what you pay for!« Oder anders gesagt: »Qualität hat ihren Preis.«
Das soll keinesfalls bedeuten, dass Sie zwangsläufig für gute Informationen und Zugänge zahlen müssen, oder dass der teuerste Anbieter eines Tools immer der beste ist. Sie werden in diesem Buch viele Beispiele kennenlernen, die Sie außer einer Internetverbindung keinen Cent kosten werden. Tatsächlich werde ich, soweit möglich, auf die Vorstellung kommerzieller Tools verzichten. Sollten diese jedoch eine kostenlose Demo oder ein Freemium-Modell anbieten und somit einen Mehrwert für die Recherche bieten, werde ich sie hier präsentieren.
Grundsätzlich beschränkt sich eine OSINT-Recherche fast nie nur auf ein einzelnes Medium oder nur eine Quelle. Informationen können aus Printmedien beschafft werden, aus dem Rundfunk, aus Kartendiensten oder auch aus dem Internet. All dies sind Quellen, aus denen Daten gewonnen werden können. (Wie Sie von Daten über Informationen zu Intelligence kommen, beschreibe ich in Abschnitt 5.4 noch etwas detaillierter.) An dieser Stelle ist für Sie vor allem wichtig: Nur weil etwas aus einer öffentlich zugänglichen Quelle stammt, handelt es sich nicht automatisch um Open Source Intelligence.
Stellen Sie sich öffentlich zugängliche Daten wie einzelne, lose Buchseiten vor. Diese Seiten kann jeder lesen und sammeln. Doch erst durch Kontextualisierung, Filterung und Analyse können Sie feststellen, ob Seiten zusammengehören oder ob sie vielleicht aus einem ganz anderen Buch stammen. Mitunter wurden Seiten verändert, etwa durch Beschädigungen oder durch absichtliche Manipulation. Nur durch die Analyse können Sie sich einen Überblick verschaffen, Lücken erkennen und ansprechen.
Denn Open Source Intelligence ist eine (nachrichtendienstliche) Disziplin, die durch das Sammeln, Auswerten und Analysieren öffentlich zugänglicher Informationen Intelligence gewinnt, um einen konkreten Informationsbedarf zu stillen.
Was heißt nun Intelligence? Anders als bei den »offenen Quellen«, die sich noch einigermaßen übersetzen lassen, stehen wir vor dem Problem, dass es keine wirklich treffende Übersetzung in die deutsche Sprache gibt. Es handelt sich in diesem Kontext jedenfalls nicht um »Intelligenz«. Deutlich näher dran wäre »Erkenntnisse«, aber perfekt passt auch diese Übersetzung nicht.
Nähern wir uns dem Begriff auf einem anderen Weg: Wie erhält man Intelligence?
Intelligence ist das Ergebnis mehrerer Analyseschritte:
-
Daten werden gesammelt und ausgewertet. Daraus entstehen Informationen.
-
Informationen werden kontextualisiert und interpretiert. Daraus entsteht Intelligence.
Lassen Sie mich dies an einem (historischen) Beispiel aus der Geheimdienstarbeit erklären: Stellen Sie sich vor, dass durch Luftaufnahmen gezeigt wurde, dass eine andere Nation ein Raketensystem installiert. Diese Bilder sind zweifelslos relevante Datenpunkte. Man muss aber einiges Fachwissen mitbringen, um solche Aufnahmen zu verstehen; diese Daten müssen also ausgewertet werden.
So erhält man zunächst nur die Information, dass Raketen aufgestellt werden. Es ist noch unklar, ob es sich um defensive Luftabwehrraketen oder offensive Angriffswaffen handelt – oder sind es vielleicht sogar Attrappen? Bereitet die Nation einen Krieg vor oder fühlt sie sich von ihren Nachbarn bedroht? Dienen die Raketen der Abschreckung oder sollen sie gar von anderen Zielen ablenken? All das bedeutet weitere Analysen, Kontextualisierung und Interpretationen, die aus dieser Information Intelligence machen.
Was ist Open Source Intelligence?
Was ist also Open Source Intelligence? Es ist die Nutzung von offenen Quellen, um Daten zu sammeln, Informationen zu gewinnen und daraus Erkenntnisse und Schlüsse zu ziehen.
Warum ist Open Source Intelligence überhaupt von Relevanz? Tatsächlich bietet OSINT viele Vorteile gegenüber klassischen Disziplinen der Informationsbeschaffung wie Human Intelligence oder Signals Intelligence. Das sind die klassischen Gegenstücke zur OSINT: menschliche Spione und das Abhören von Signalen, also beispielsweise von Telefonleitungen oder Satellitenverbindungen.
Nicht nur stehen diese Quellen nicht jedermann zur Verfügung, sondern sie sind auch ungleich teurer und aufwendiger. Oftmals lassen sich Informationen aus öffentlichen Quellen deutlich schneller und kostengünstiger beschaffen als auf anderen Wegen. Die Aufklärung einer Postanschrift mithilfe von Satellitenbildern oder Tools wie Google Street View kann binnen weniger Minuten erfolgen, und das sogar weltweit, wenn aktuelles und ausreichend hochwertiges Rohmaterial verfügbar ist. Die Kosten und der Zeitaufwand für eine echte Vor-Ort-Aufklärung durch eigenes Personal sind um ein Vielfaches höher. Dafür hätten Sie aktuelles und belastbares Material, wodurch die Notwendigkeit der Verifikation in den Hintergrund rückt. Diese spielt bei OSINT nämlich eine wichtige Rolle und wird in Abschnitt 9.1 näher beleuchtet.
Ein weiterer Vorteil von OSINT liegt in dem deutlich geringeren Risiko. Zugegebenermaßen ist dies nicht in allen Anwendungsgebieten von OSINT von hoher Relevanz. Aber ist es nicht wesentlich riskanter, sich an einen bestimmten Ort zu begeben und dort eine brisante Information zu übermitteln, als aus sicherer Entfernung eine Information zu übermitteln, die für jedermann zugänglich ist – d. h. eine Information, die keine Gefahr darstellt? Die so gewonnenen Informationen müssen trotzdem brauchbar sein, um daraus zumindest ähnliche Schlüsse ziehen zu können. Beispiel gefällig? Dann werfen Sie einen Blick in Abschnitt 5.1.
Ich möchte aber auch ehrlich sein: OSINT hat nicht nur Vorteile. Dass Informationen aus öffentlichen Quellen verifiziert werden müssen, habe ich bereits angedeutet. Darüber hinaus gibt es mit Daten aus öffentlichen Quellen häufig die...




