Lombardi / Binder | Der Fund in der Tiefe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 288 Seiten

Reihe: Die 4 vom See

Lombardi / Binder Der Fund in der Tiefe


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-417-27081-5
Verlag: R.Brockhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 7, 288 Seiten

Reihe: Die 4 vom See

ISBN: 978-3-417-27081-5
Verlag: R.Brockhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zerbricht die Freundschaft der 4 vom See, weil Emma den Starnberger See verlassen muss? Die Freunde scheinen machtlos angesichts der Umstände, die sie nicht beeinflussen können. Währenddessen breitet sich das Gift im See immer weiter aus und auch die Aufklärung des Umweltskandals wird besonders wichtig für Antonia, Jaron, Franky und Emma. Wie sollen sie mit den Bedrohungen umgehen? Und welche Rolle spielt der unheimliche alte Mann, der sich mit seiner Familie im nahen Schlosshotel einquartiert hat? Viele Fragen warten auf Antwort im spannenden Finale der zweiten Staffel.

Alexander Lombardi arbeitet im Leitungsteam des christlichen Kinder- und Jugendwerks 'Wort des Lebens e.V.' am Starnberger See. Er schreibt und produziert Musicals und leitet Freizeiten für Kinder und Jugendliche, womit er jedes Jahr ca. 28.000 Menschen erreicht.
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Kapitel 1


Antonia


Starnberger See, Sommer, Gegenwart


Antonia fuhr zusammen. Nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht befand sich das des alten Mannes. Seine hellen, kalten Augen bohrten sich in ihre und galliger Atem stieg ihr in die Nase. Eine Hand senkte sich auf ihre Schulter. Hinter ihr stand jemand! Sie schrie auf, doch Anton van Bergens Hand krallte sich in ihre Haut. »Wo ist der Jüngling? Was hast du mit ihm gemacht?«, zischte er. Antonia sah ihn erschrocken an. Was für ein Jüngling?

»Ich … ich weiß nicht, was Sie meinen!«, rief sie panisch und riss sich los.

Plötzlich stand der Alte aus seinem Rollstuhl auf und schrie: »Her mit dem Bild!« Er fasste mit dürren Händen nach ihr, lange Fingernägel näherten sich ihrem Gesicht.

Antonia hüpfte aus dem Bett und knallte dem Alten ihr Kissen mit aller Kraft gegen den Kopf. Mit einem lauten »Puff!« löste sich der alte Mann in eine Wolke von Rauch auf. Entsetzt rannte Antonia zur Tür ihres Zimmers und riss sie auf. Doch hinter der Tür befand sich nicht der Krankenhausflur, sondern ein schummriger kleiner Raum, in dem sie schemenhaft ein Auto erkennen konnte. Sie blickte sich um. Richard van Bergen kam auf sie zu. Sie tat einen Schritt über die Schwelle und schlug die Tür hinter sich zu.

Der Raum kam ihr irgendwie bekannt vor. Es war eine Art Schuppen. Unter ihren nackten Füßen spürte sie gestampfte Erde. Auf einmal quietschten Räder und aus dem Dunkel löste sich ein Schatten. Es war schon wieder der Alte, Anton van Bergen. Schwer atmend schob er seinen Rollstuhl auf sie zu. »Na warte«, keuchte er, »ich krieg dich!« Antonia sah sich um. In dem kleinen Schuppen gab es keine Fluchtmöglichkeit. Der Alte kam immer näher, sie tat einen Schritt rückwärts und stieß mit dem Rücken gegen die Schuppenwand. Ihre Hände fühlten raue Bretter, doch plötzlich verschwand die Wand hinter ihr und Antonia stürzte rückwärts in die Tiefe.

Sie landete weich auf ihrem Rücken. Unter ihr türmte sich ein Berg von schimmernden Münzen. War das Gold? Antonia stützte sich ab und setzte sich hin. Sobald sie ihr Gewicht verlagerte, kamen die Münzen ins Rutschen, erst langsam, dann immer schneller. Die Münzen rissen sie mit sich. Krampfhaft suchte sie nach Halt, irgendwo, doch es gab nichts, nur den Strom von Münzen, der immer schneller in die Tiefe rauschte. Antonia fiel mit ihnen.

Als sie durch die Wasseroberfläche krachte, wurde ihr Sturz gebremst. Rund um sie waren keine Münzen mehr, sondern nur noch dumpf grünliches Wasser ohne oben und unten. Aus irgendeinem Grund wusste Antonia, dass sie sich im Starnberger See befand.

Sie schnappte nach Luft, doch es gab keine. Todesangst stieg in ihr auf. Eine Gestalt tauchte vor ihr auf. Es war Jaron, doch er sah fremd aus. Er trug eigenartig lange Haare, die hinter ihm im Wasser schwebten. Diesen Anblick kannte sie, sie hatte ihn schon einmal irgendwo gesehen, doch sie wusste nicht, wo. Jaron streckte eine Hand nach ihr aus. Dann stand auf einmal wieder der Alte vor ihr, der sie mit langen, knorpeligen Fingern an beiden Schultern packte und giftig anfauchte: »Antonia! Antonia!«

Die langen Haare hatten sich in Dreadlocks verwandelt. Antonia schlug um sich und versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien.

»Antonia! Alles klar?«

»Nein! Nein!«, rief sie panisch.

»Antonia! Wach auf!«

Sie schlug die Augen auf.

»Hey, alles klar?« Sam stand neben ihrem Bett und sah sie besorgt an.

»Sam?«, fragte sie benommen. »Was ist los? Was machst du hier?«

»Ich wollte dich besuchen«, antwortete er sanft. »Du hast geschlafen. Und dann hast du so wild geträumt, dass ich dich geweckt habe. Ich hoffe, das war okay?«

Jetzt erst begriff sie, dass alles nur ein Traum gewesen war und sie immer noch in dem Krankenzimmer lag, in das sie vor zwei Tagen gebracht worden war.

Sam strich sich die Dreadlocks über die Schulter zurück und fragte noch einmal: »Ist alles in Ordnung?«

»Ja, ja«, stotterte Antonia, »sorry, ich habe gerade voll den Albtraum gehabt.«

»Habe ich mir gedacht«, sagte er grinsend.

Auf einmal wurde Antonia bewusst, dass sie im Schlafanzug und mit verwuschelten Haaren vor Sam saß. Sie ließ sich in ihr Kissen fallen und zog die Decke bis unters Kinn. »Danke fürs Wecken«, murmelte sie.

»Schon gut.«

»Ich hab dich gar nicht kommen hören.«

Sam setzte sich im Schneidersitz an das Fußende ihres Bettes und grinste sie an. Oh Mann, warum habe ich immer so ein komisches Gefühl, wenn er mich so anschaut? dachte sie und wich verlegen seinem Blick aus. Sie hatte Sam erst vor ein paar Wochen beim Klettern kennengelernt und die jetzige Situation war Antonia sehr peinlich. Sam machte gerade Urlaub im Schlosshotel Unterallmannshausen, wo sein deutscher Urgroßvater die ganze Familie für ein Familientreffen zusammengerufen hatte. Eigentlich wohnte er mit seiner Mutter in San Francisco.

»Ich hab mir voll Sorgen gemacht, als ich gehört habe, dass du im Krankenhaus bist«, erzählte Sam. »Was ist denn genau passiert?«

»Ich bin vor ein paar Tagen in den See gefallen und das Wasser hat mich vergiftet«, erzählte Antonia. »Vorgestern wurde mir schlecht und plötzlich ganz schwarz vor den Augen. Was dann passiert ist, weiß ich nicht mehr. Ich bin erst im Krankenhaus aufgewacht.«

»Krass.« Sam sah sie besorgt an. »Geht’s dir jetzt besser?«

»Na ja, das wird noch eine Weile dauern, bis es wieder gut ist«, antwortete sie und holte ihre Arme unter der Decke hervor, die voller roter Blasen waren. »Das juckt wie verrückt. Und mir ist immer noch schwindlig, wenn ich aufstehe. Dieses Zeugs ist wirklich giftig.« Sam sah sie voller Mitleid an, aber sie wich seinem Blick aus.

»Das mit dem Gift im See ist echt der Knaller. Im Hotel gibt es kein anderes Thema.« Sam schüttelte den Kopf. »Am Ufer ist die Hölle los und keiner darf ins Wasser. Da treiben tote Fische und das Wasser ist an manchen Stellen ganz komisch türkis.«

»Ja, hier im Krankenhaus liegen eine ganze Menge Leute, die sich im See vergiftet haben. Das ist echt verrückt. Wer macht nur so was?«

»Keine Ahnung, irgendwelche Idioten«, antwortete Sam.

In diesem Moment ging die Tür auf und eine rundliche Krankenschwester kam herein. Antonia kannte sie. Sie hieß Marianne. Als sie Sam sah, fragte sie mit einem Lächeln: »Oh, schon wieder Besuch?«

Antonia nickte.

»Du hast ja viele Freunde. Aber ich muss deinen Freund leider jetzt rausschmeißen, die Besuchszeit ist zu Ende.«

Ohne eine Antwort abzuwarten, trat sie an den Infusionsständer, der neben Antonias Bett stand, und überprüfte das Medikament, das durch einen kleinen Schlauch in deren Arm floss. Es war klar, dass sie nicht diskutieren würde.

»Ja, klar, kein Problem«, sagte Sam, »noch fünf Minuten?«

Schwester Marianne warf ihm einen Blick zu und er sah mit Dackelaugen zurück. Antonia musste schmunzeln, so süß sah er in diesem Moment aus. Sie ahnte, dass er es schaffen würde, die resolute Krankenschwester umzustimmen. Und sie lag richtig.

Schwester Marianne seufzte. »Na gut, fünf Minuten. Aber dann gehst du.«

»Versprochen«, antwortete Sam und nickte brav.

»Na dann – ich komme gleich wieder.« Damit verließ Schwester Marianne das Zimmer.

»Oh, oh, mit der ist nicht gut Erdbeeren essen«, sagte Sam lachend.

»Kirschen«, korrigierte ihn Antonia und grinste.

»Kirschen?«, fragte er verdutzt. Antonia musste wieder seinem Blick ausweichen.

»Es heißt: Mit der ist nicht gut Kirschen essen.«

»Ach so«, meinte er und lachte, »das verwechsle ich immer.«

»Und wie geht es dir?«, versuchte Antonia, die Richtung des Gesprächs zu wechseln.

»Geht so«, Sam zuckte mit einer Schulter.

»Was ist denn los?«, wollte Antonia wissen.

»Ach, ich bin voll mit meinem Onkel aneinandergerasselt«, antwortete Sam. Sein Lächeln verschwand.

»Mit diesem Richard? Warum, was ist denn passiert?«

»Er hat Mama blöd angemacht.«

»Echt?«

»Er hat ihr gesagt, dass er froh ist, wenn sie endlich wieder in Amerika ist. Dann müsse er sie nicht mehr sehen.«

»Boah, so ein Blödmann.« Antonia konnte es nicht glauben.

»Das hab ich ihm auch gesagt, also, dass er ein Blödmann ist.« Sam grinste. »Und dass er seinen Mund halten soll.«

»Und dann?«

»Dann hat er mir eine Ohrfeige gegeben.«

»Nicht wahr!« Antonia fuhr erbost auf. »Aber das darf er nicht!«

»Stimmt. Aber egal. Nächste Woche ist die Geburtstagsfeier von meinem Urgroßvater und dann fahren wir sowieso wieder. Dann muss ich ihn hoffentlich nie wieder sehen.«

Antonias Magen krampfte sich zusammen, ein merkwürdiges Gefühl, das sie bisher nicht gekannt hatte.

In diesem Moment ging wieder die Tür auf und Schwester Marianne schaute herein. »So«, sagte sie, »jetzt ist Zeit, dich von deiner Freundin zu verabschieden, junger Mann.« Sie blieb in der Tür stehen und hielt sie erwartungsvoll offen.

»Alles klar«, sagte Sam und stand auf. Vorsichtig beugte er sich über das Bett und umarmte Antonia. Es war ein komisches Gefühl. Auf der einen Seite fand sie es toll und auf der anderen war ihr eine solche Nähe unangenehm.

»Also dann, gute Besserung«, wünschte Sam.

»Danke«, murmelte Antonia verlegen.

»Wir können ja später einen Videocall machen.« Mit diesen Worten drehte sich Sam zur Tür, zwinkerte der Krankenschwester zu und ging hinaus.

Schwester Marianne drehte sich zu Antonia und sagte: »Na, da hast du aber einen netten Freund.«

»Ja schon, aber das ist nicht mein...


Binder, Sandra
Sandra Binder ist Lektorin und Autorin. Lange Jahre war sie Programmleiterin bei SCM Hänssler. Heute verantwortet sie die Redaktion des Universitätsverlags in Tübingen, wo sie mit ihrem Mann und drei Kindern lebt.

Lombardi, Alexander
Alexander Lombardi arbeitet im Leitungsteam des christlichen Kinder- und Jugendwerks „Wort des Lebens e.V.“ am Starnberger See. Er schreibt und produziert Musicals und leitet Freizeiten für Kinder und Jugendliche, womit er jedes Jahr ca. 28.000 Menschen erreicht.

Alexander Lombardi arbeitet im Leitungsteam des christlichen Kinder- und Jugendwerks "Wort des Lebens e.V." am Starnberger See. Er schreibt und produziert Musicals und leitet Freizeiten für Kinder und Jugendliche, womit er jedes Jahr ca. 28.000 Menschen erreicht.

Sandra Binder ist Lektorin und Autorin. Lange Jahre war sie Programmleiterin bei SCM Hänssler. Heute verantwortet sie die Redaktion des Universitätsverlags in Tübingen, wo sie mit ihrem Mann und drei Kindern lebt.



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