London Herz verloren in den Highlands
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7363-0256-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 260 Seiten
ISBN: 978-3-7363-0256-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sloane Chatfield ist die Verkupplungsversuche ihrer besten Freundinnen wirklich leid. Seit ihre Verlobung mit Langzeitfreund Adam geplatzt ist, kann sie sich nicht einmal mehr mit ihrer Lieblingsserie Outlander die Zeit vertreiben, ohne dass die drei ihr einen gemeinsamen Urlaub in Schottland buchen, damit sie dort den Highlander ihres Herzens findet. Als sie in dem verschlafenen schottischen Örtchen den mürrischen - aber unheimlich attraktiven - Pub-Besitzer Galen Buchanan kennenlernt, schmiedet sie einen teuflischen Plan: Galen soll ihren Freund spielen und ihr dann vor allen filmreif das Herz brechen, damit den Freundinnen ein für alle Mal der Spaß an Sloanes Liebesleben vergeht. Da Galen Geldsorgen hat, lässt er sich zögerlich auf Sloanes Idee ein, doch als deren Freundinnen endlich nachkommen, sträubt sich sein Herz vehement dagegen, seine Beziehung mit Sloane wieder zu beenden ... (ca. 280 Seiten)
Weitere Infos & Material
1
Sloane war bereit. Sie wusste, was sie zu tun hatte. In dem winzigen Badezimmer ihres gemieteten Ferienhauses hatte sie den Text wieder und wieder aufgesagt, und jetzt musste sie nur noch ins Black Thistle spazieren und diesen verdammten Anruf machen. Ganz einfach eigentlich.
Trotzdem rührte sie sich nicht vom Fleck.
Sie stand vor dem weiß getünchten Pub, der sich auffallend von den Blau- und Grüntönen des schottischen Hochlands abhob, und begutachtete das heruntergekommene Haus. Es war eine Schande, denn der Pub hätte so schnuckelig aussehen können. Aber nicht in seinem gegenwärtigen Zustand, nein, das nicht – die Blumenkästen unter den Fenstern waren leer. Das rechteckige verwitterte Metallschild THE BLACK THISTLE, das vor dem Haus hing, quietschte bei jedem Windhauch. Rostige, schmiedeeiserne Stühle standen auf einem verwilderten Rasen, und zwischen ihnen stand ein ebenso verrosteter Tisch.
Offen gesagt war dieser Pub der ideale Schauplatz für einen Slasherfilm.
Aber darüber konnte Sloane jetzt nicht weiter nachdenken. Sie musste den Anruf hinter sich bringen. Sie rückte die Kuriertasche mit ihrem Laptop darin auf der Schulter zurecht und zögerte erneut. Himmel, jetzt tu es einfach.
Was hatte so ein kleiner Schwindel unter Freundinnen schon zu bedeuten?
Entschlossen marschierte sie auf den Eingang des Pubs zu – und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen. Eine Kuh mit zotteligem Fell bog gemächlich um die Ecke, versperrte Sloane den Zugang und fing an, das Unkraut zu fressen, das zwischen den Steinplatten des Weges spross.
Was war nur los mit dem Viehzeug in dieser Kleinstadt? Es war zum Verrücktwerden! Jedes Mal, wenn Sloane in den vergangenen zwei Wochen versucht hatte, das Black Thistle zu betreten, hatte eine Kuh oder ein Schaf oder irgendein herrenloser Hund vor der Tür gestanden, als wollten sie das Haus bewachen. War das typisch für Schottland? Oder handelte es sich um eine Eigenheit dieses Dorfes namens Gairloch?
Die Kuh schien sie nicht zu bemerken, sondern konzentrierte sich auf den Wildwuchs zwischen den Steinplatten. Warum jätete hier eigentlich niemand Unkraut? Wäre das nicht sehr viel einfacher, als sich auf die Viecher zu verlassen?
»Gehst du wohl weg da?«, sagte sie zu der Kuh und wedelte mit der Hand.
Das Tier drehte den Kopf und starrte sie einen Moment lang aus einem riesigen braunen Auge an, dann graste es weiter.
»Husch, weg da«, sagte Sloane mit etwas mehr Nachdruck und wedelte ein bisschen heftiger.
Die Kuh musterte sie gleichmütig und käute das Vertilgte wieder.
Offenbar würde Sloane zum dritten Mal in dieser Woche körperliche Gewalt anwenden müssen. »Ich hab gesagt, geh weg da, du Milchfabrik«, sagte sie und gab der Kuh einen Klaps aufs Hinterteil.
Schwerfällig tat das Tier ein paar Schritte zur Seite, mitten hinein in einen verwilderten Küchengarten, und fing an, geräuschvoll die Blätter eines Kohlkopfes abzurupfen.
»Ich werde nicht zulassen, dass man mich dafür verantwortlich macht«, sagte Sloane angesichts des Zerstörungswerkes der Kuh, umrundete deren Hinterteil samt peitschendem Schwanz und stand endlich vor der Tür des Pubs.
Das Black Thistle war der einzige Ort in diesem idyllischen Dorf am Meer, an dem es sowohl ein anständiges WLAN als auch Handyempfang gab. Sloane hatte es im Padraig’s versucht, dem italienischen Restaurant im Gasthof des Dorfes. Dort hatten sie zwar WLAN, aber der Handyempfang war schauderhaft. Nur im Black Thistle, das auf einem ziemlich hohen Hügel stand, hatte Sloane den ganzen Tag über Empfang.
Dass sie sich überhaupt in diesem Provinznest befand, war ihre eigene Schuld, verdammt noch mal. In dem Bestreben, ihren sich ständig einmischenden Freundinnen zu entkommen, die es mit ihrer Wir-wissen-was-für-dich-das-Beste-ist-Art manchmal zu gut mit ihr meinten, hatte Sloane sich für ihre Sommerreise den am dünnsten besiedelten Ort in ganz Schottland ausgesucht. Sie hatte gedacht, dass das die Mädels vielleicht abschrecken würde, aber nein. Ihre Freundinnen würden in zwei Wochen nachkommen.
Was ihr immerhin noch ausreichend viel Zeit ließ, um ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Sloane betrat den Pub und blieb einen Augenblick stehen, damit ihre Augen sich an das trübe Licht gewöhnen konnten, und rümpfte die Nase wegen des durchdringenden Biergeruchs. Es war zwei Uhr mittags, und die Stammgäste saßen schon an der Theke, ihre halben Liter vor sich. Drei der Männer drehten sich gleichzeitig um. Als sie sahen, dass es nur die verklemmte Amerikanerin war, wandten sie sich wieder ihrem Bier zu.
Wie jeden Tag war auch der Barkeeper da. Er polierte an einer Stelle der Theke herum und beäugte Sloane dabei argwöhnisch. Sie hatte herausgefunden, dass er auch der Eigentümer des Pubs war. Vielleicht weil er als einziger hier jemals zu arbeiten schien. Er war groß und breitschultrig und hatte dickes, struppiges, kastanienbraunes Haar und eisgraue Augen. Heute zierte ein Bartschatten sein Gesicht, und sie fragte sich, ob er wohl eine harte Nacht hinter sich hatte. Er wies mit dem Kinn auf das Fenster und sagte mit starkem schottischem Akzent: »Hatten wir nicht schon mal das Thema, dass du die Kühe nicht schlagen sollst?«
»Warum machst du nicht einfach eine Scheune aus dem Laden hier, dann hat sich die Sache erledigt?«, gab Sloane verärgert zurück. So ging das nun schon die ganze Woche mit ihm – eine Retourkutsche jagte die andere. Es schien ihn zu nerven, dass sie einfach herkam, sich an seinen Tisch setzte, sein WLAN benutzte und dann nur Tee bestellte. Sie wiederum nervte es, dass er sie offenbar nach ihrem Lieblingsgetränk beurteilte.
»Ich glaube, ich belasse es lieber erst mal beim Pub«, entgegnete er. »Was darf’s denn heute sein, Hoheit? Tee und Crumpets?«
»Crumpets? Das ist eindeutig eine Verbesserung im Vergleich zu den Crackern, die gestern im Angebot waren.«
»Eigentlich nicht. Es sind nach wie vor Cracker. Ich hab sie nur deinetwegen ein bisschen aufgemotzt.« Er lächelte. Zumindest glaubte Sloane, dass er lächelte. Vielleicht grinste er aber auch nur selbstgefällig.
»Danke, ich verzichte«, sagte sie schnippisch. Sie ging zu ihrem üblichen Tisch am Fenster und holte ihr Laptop aus der Tasche, dann das Notizbuch und einen grünen Stift, den sie ordentlich neben vier gleichartige Stifte in die integrierten Lederschlaufen des Büchleins gesteckt hatte. Sie würde arbeiten, wenn sie DEN ANRUF erst hinter sich gebracht hätte. Es gab ziemlich viel zu tun – Halbjahresberichte, Angebotsprüfungen –, sie hatte also einiges vor sich.
Sloane zog ihr Handy aus der Tasche und atmete tief durch. Sie scrollte durch ihre Kontakte. Von all ihren Freundinnen war Dylan diejenige gewesen, die am hartnäckigsten versucht hatte, Sloanes Leben in Ordnung zu bringen und dabei weit über das Ziel hinausgeschossen war … sehr weit sogar. Ehrlich gesagt war Sloane nur deshalb gezwungen, auf eine List zurückzugreifen, weil Dylan nicht lockerlassen wollte.
Sloane drückte auf die Ruftaste.
Es dauerte einen Augenblick, bis die Verbindung aufgebaut war, aber nach dem dritten Klingeln meldete sich Dylan. »Hallo?«, klang es schläfrig aus dem Handy.
»Hey, hab ich dich geweckt?«, fragte Sloane.
»Hä? Sloane? Ich kann dich kaum hören.«
»Ich fragte: Habe ich dich geweckt?«, wiederholte Sloane so laut, dass die drei Männer an der Theke sich schon wieder umdrehten und sie anstarrten.
»Nein. Na ja, doch. Hey, ich freue mich, dass du anrufst. Ich wollte mich später noch bei dir melden …«
»Stell dir vor«, platzte Sloane heraus. Sie musste es einfach hinter sich bringen. »Ich bin ihm begegnet.«
Das war nicht genau der Text, den sie einstudiert hatte, aber sie würde das jetzt durchziehen.
»Wem bist du begegnet?«, fragte Dylan und gähnte dabei.
»Machst du Witze? Hast du etwa vergessen, warum ihr alle nach Schottland nachkommen wollt?«
»Sprich lauter, ich hör dich so schlecht«, forderte Dylan.
»Ich sagte, ich bin ihm begegnet!«, sagte Sloane noch einmal, etwas lauter als beabsichtigt. Sie warf den Stammgästen an der Theke einen Seitenblick zu. Niemand beachtete sie.
»Wen meinst du denn?«, fragte Dylan. Und dann schnappte sie plötzlich nach Luft. »Oh mein Gott, sag bloß, du bist Gerard Butler begegnet, dem Schauspieler! Ich liebe ihn. Er ist fantastisch.«
»Nein, das nicht … Hör zu.« Sloane hatte die Neigung ihrer Freundin nicht einkalkuliert, vom Thema abzuweichen. Sie rutschte auf ihrem Stuhl herum, sodass sie aus dem Fenster spähen konnte. »Ich bin meinem persönlichen Jamie Fraser begegnet.« Sie hatte versucht zu flüstern, aber die Worte hallten eher wie ein Schreien, wenn auch ein leises.
»Was? Du machst wohl Witze. Wann? Ohne uns? Wo? Einzelheiten bitte! Warte … du meinst doch nicht den Typen, der Jamie Fraser im Fernsehen spielt, oder? Um an den ranzukommen, musst du dich hinten anstellen, das sagt jedenfalls US Weekly.«
Sloane verdrehte die Augen angesichts der Begeisterung ihrer Freundin für Promiklatsch und für den Schauspieler, der in der erfolgreichen Fernsehserie Outlander den stattlichen Schotten aus dem 17. Jahrhundert spielte. »Nein, Dummchen … jemanden wie...




