Lorenz | Im Wesen ein Löwe (Heart against Soul 5) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 325 Seiten

Reihe: Heart against Soul

Lorenz Im Wesen ein Löwe (Heart against Soul 5)

Romantische Gestaltwandler-Fantasy in sechs Bänden
1. Auflage, Digital Original 2017
ISBN: 978-3-646-60286-9
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Romantische Gestaltwandler-Fantasy in sechs Bänden

E-Book, Deutsch, Band 5, 325 Seiten

Reihe: Heart against Soul

ISBN: 978-3-646-60286-9
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



**Folge dem Gebrüll der Löwen...** Mit ihrer neuen Rolle fühlt sich Emma vollkommen überfordert. Zerrissen zwischen zwei Welten ist sie plötzlich nicht mehr nur Gejagte sondern auch Jägerin und die Last der Verantwortung, die auf ihr ruht, scheint sie zu erdrücken. Nichts wünscht sie sich sehnlicher, als die Unterstützung und die Liebe des Grauwolfs, der ihr Herz höherschlagen lässt. Doch nach seinem furchtbaren Verlust auf dem Schlachtfeld hat Nate sich verändert. Der einst so starke, junge Mann ist kaum noch wiederzuerkennen. Niemanden lässt er an sich heran, nicht einmal Emma - und dann verschwindet er spurlos... //Alle Bände der fantastischen Gestaltwandler-Reihe: -- Im Herzen ein Schneeleopard (Heart against Soul 1) -- In der Seele ein Grauwolf (Heart against Soul 2) -- In Gedanken ein Steinadler (Heart against Soul 3) -- Im Blut ein Schwarzbär (Heart against Soul 4) -- Im Wesen ein Löwe (Heart against Soul 5) -- In der Liebe ein Mensch (Heart against Soul 6) -- Heart against Soul: Alle 6 Bände in einer E-Box// Die »Heart against Soul«-Reihe ist abgeschlossen.

Anika Lorenz studiert und lebt in Berlin. Wenn sie nicht gerade bei schönem Wetter ihre Füße auf dem Tempelhofer Feld wärmt, ist sie auf dem Kunstmarkt an der Museumsinsel unterwegs. Immer dabei: ihr Notizbuch für Ideen und Eingebungen neuer Geschichten, die sie im alltäglichen Leben einfach überfallen. Wird ihr die Stadt doch mal zu viel, entspannt sie sich mit ihrem Hund bei einem ausgiebigen Waldspaziergang.
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1. KAPITEL


Ich hörte keinen Herzschlag mehr. Mein Kopf lag auf seiner bewegungslosen Brust. Der letzte Atemzug war schon zu lange her. In mir schwand die Hoffnung auf ein glückliches Ende und machte einer überwältigenden Trauer Platz, die zu groß für mich war. Mit einem einzigen Schluchzen begann das Martyrium der schlimmsten Gefühlswelle, die mich je überspülte.

Mein ganzer Körper zuckte zusammen und aufgeschreckt schlug ich die Augen auf. Meine Wangen waren feucht von den Tränen, die ich im Schlaf vergossen hatte. Ich wischte sie weg, während ich mich auf die Seite drehte und in das friedliche, schlafende Gesicht von Nate blickte. Er war hier und atmete ruhig. Er war nicht gestorben und trotzdem war ein Teil von ihm tot.

Nach der Verletzung durch die Waffe Odins war der Gestaltwandler in ihm gestorben. Der Grauwolf war nicht mehr da und mit ihm waren auch die Gefühle der Lebenspartnerschaft zwischen uns verschwunden.

Er blinzelte und ich sah ihm dabei zu, wie er langsam wach wurde.

»Morgen«, murmelte er. Seine Haare waren ganz zerzaust und die Stimme noch belegt vom Schlaf, trotzdem floss mein Herz über vor Glück. Ich konnte nicht anders, als ihm einen Kuss aufzudrücken. Wie immer brach er meine Zärtlichkeiten viel zu schnell ab, doch das war ich schon gewohnt. Es gefiel mir zwar nicht, aber ich konnte nichts daran ändern. Er machte momentan eine schlimme Zeit durch und ich verstand sein Verhalten. Nach kurzem Strecken meiner Glieder schaute ich auf mein Handy. Es war schon kurz nach sechs, eigentlich hätte ich noch gerne eine Stunde weitergeschlafen, aber in meinem Kopf stapelten sich die unzähligen Aufgaben, die ich nicht ignorieren konnte.

Von nun an trug ich die Verantwortung über alle Jäger und die hier ansässigen Gestaltwandler. Ich war die Oberste und als Oberste hatte ich weder Freizeit noch die Möglichkeit auszuschlafen, besonders, wenn ich zwei verfeindete Völker zusammenführen wollte.

»Gehst du heute mit mir joggen?«, fragte ich ihn. Er drehte sich von mir weg. Eine Geste, die keiner weiteren Antwort mehr bedurfte.

Ich schlang meine Arme um ihn und führte meinen Mund zu seinem Ohr. Er machte sich ganz steif. Das machte er immer, wenn ich ihn zu etwas drängen wollte.

»Bitte«, flüsterte ich. In diesem kleinen Wort bat ich ihn nicht nur mit mir zusammen joggen zu gehen, sondern auch, dass der ursprüngliche Nate wieder an die Oberfläche kam. Der Nate, der ganz tief in einer von Depressionen geplagten Person verschüttet war. »Bitte«, sagte ich nochmal und hoffte, dass alle Schwierigkeiten und all die Probleme in unserer Beziehung dadurch verschwinden würden, aber leider war dem nicht so. Er drehte sich zu mir um. Ausdruckslos schaute er mich mit dem mir schon allzu vertrauten Blick an, der mir zeigen sollte, dass er seine Ruhe haben wollte. Okay, ich hatte verstanden. Er wollte nicht. Auch heute wollte er nicht am Leben teilnehmen. Ich raffte mich auf und ging schnell in das Badezimmer, während er wieder die Augen schloss.

Kurze Zeit später öffnete ich leise den Schrank und holte meine Sportsachen heraus. Für einen kurzen Augenblick wurde ich in die Zeit zurückversetzt, als ich mich in diesem Zimmer noch wie eine Gefangene gefühlt hatte. Jace hatte mich zwar nicht eingesperrt, dennoch hatte ich durch sein Druckmittel, nämlich Nate zu verletzen, wenn ich ihm nicht gehorchte, schon sehr bald meinen freien Willen verloren. Ein Frösteln überkam mich, als ich die Angst wieder spürte, die Angst um Nate. Ich legte mir meine Kette um den Hals, mit einem extra für mich angefertigten goldenen Anhänger, der das Jägersymbol trug. Es identifizierte mich als Oberste und vom Jägerkodex wurde verlangt es zu tragen. Ich kontrollierte kurz mein Aussehen im Spiegel und mein Blick fiel sofort auf mein rechtes Ohr. Ein kleines Stück der Ohrmuschel fehlte. Diese Verletzung würde mich immer an die Schlacht gegen die Jäger erinnern.

Nachdem ich angezogen nach draußen trat, verbeugten sich die Wachen auf dem Flur. Es war noch immer merkwürdig für mich, von ihnen mit so viel Respekt behandelt zu werden. Ich war ihre Oberste, das hieß, ich machte die Gesetze und erteilte die Befehle. Die Hörigkeit zwang sie mir zu gehorchen, so wie ich damals Jace gehorchen musste. Wegen seines Befehls hätte ich Nate fast umgebracht.

Wie gut konnte ich mich noch an meine damalige Verwirrung erinnern. Ich war innerlich zerrissen gewesen … die Liebe, die ich für Nate empfand, kämpfte gegen den Befehl ihn zu töten. Genau diese Verwirrung war nun auch in den Jägern wiederzufinden. Ich lief in Richtung Eingangshalle und dann die Treppe zum Ausgang hinunter.

»Guten Morgen, Oberste«, begrüßte mich Clark, mein Leibdiener, nachdem auch er sich verbeugt hatte, und öffnete mir die Eingangstür. Oft bemerkte ich in der Haltung der Jäger die Ablehnung, die sie für mich als ihre Anführerin empfanden, auch wenn sie sie eigentlich gar nicht empfinden durften. Die Hörigkeit konnte zwar ihre Handlungen, aber nicht ihre Gedanken beeinflussen und das musste mir erstmal reichen.

Sie werden sich schon daran gewöhnen. Das hoffte ich zumindest immer in den Momenten voller Zweifel.

Als ich heraustrat, strahlte die Sonne in mein Gesicht und schon um diese Uhrzeit war die Luft warm. Es war der erste Sommer, den ich in England erlebte, und dieser unterschied sich kaum von den Sommern in meiner Heimatstadt – bis auf ein paar unberechenbare Schauer. Ich stand auf dem Sandweg, der durch graue Pflastersteine von der sattgrünen Wiese abgegrenzt worden war. Zwei große Raubkatzen rasten über das Gelände. Ich winkte ihnen zu und schüttelte dabei ungläubig den Kopf. Das war so ein groteskes Bild und dennoch entsprach es der Realität. Jäger und Gestaltwandler auf einem Gelände. Ich bekam augenblicklich Lust mitzumachen, mit ihnen durch die Landschaft zu rennen. Einfach ich selbst zu sein, an einem Ort, an dem es erlaubt war. Genau das war mein erster Gedanke gewesen, nachdem ich zur Obersten gekürt worden war. Ich wollte eine Welt erschaffen, in der Jäger und Gestaltwandler sie selbst sein durften.

Mich juckte es in den Fingern, ich wollte auch zu einem dieser schönen Geschöpfe werden, doch da gab es einen Faktor in meinem Inneren, der dies nicht zuließ – mein schlechtes Gewissen Nate gegenüber. Seitdem er nur noch ein Mensch war, versuchte ich für ihn auch mehr Mensch zu sein.

Ich steckte mir die Kopfhörer meines Handys in die Ohren, schaltete die Musik an und rannte los. Das Laufen half mir einige meiner Probleme zu vergessen, besonders die Probleme mit Nate. Während die Band Razz meine Sorgen im Kopf verstummen ließ, versuchte ich mich nur auf mein Körpergefühl zu konzentrieren. Beim Laufen fühlte ich mich so lebendig, fast so wie im Körper eines meiner Tiere. Meine Gedanken schwirrten umher. Es war so viel passiert seit dem Ende der Schlacht, also nachdem ich Jace, meinen Vater, bezwungen hatte.

Die Erinnerungen daran waren so präsent, noch immer konnte ich all meine unterschiedlichen Gefühle abrufen, die ich in dieser Zeit durchlebt hatte.

Das Gefühl der Freude überwog: Der Krieg war zu Ende. Jace war tot und stellte keine Gefahr mehr für uns dar. Nate hatte überlebt, obwohl ich mir sicher gewesen war ihn verloren zu haben.

Dennoch war da eine Angst vor der Zukunft zu spüren: War ich der Verantwortung als Oberste gewachsen? War es möglich, die Jäger und Gestaltwandler zusammenzuführen? Konnte ich das schaffen?

Und natürlich war die Trauer sehr stark: Viele der Gestaltwandler hatten es nicht geschafft. Darunter der Vater von Liam, Michael und Chloe, sie waren einfach nicht mehr da.

Ich lief schneller, als ich an die Nacht dachte, in der wir alle weinend zusammengebrochen waren, einfach nicht fassend, was eigentlich geschehen war. William war außer sich gewesen, hatte gebrüllt und geschrien. Nate hatte kein Wort gesagt und Liam hatte seine Mutter getröstet, deren Schluchzen die Halle füllte.

Mir lief der Schweiß und mein Atem ging schnell, endlich hatte ich die Grenze meiner körperlichen Belastbarkeit erreicht, der Höhepunkt jedes Laufs. Denn mit der Ermüdung der Muskeln fing auch mein Verstand zu ermüden an. Ich bog in Richtung Wald ab. Wieder schweiften meine Gedanken in die Zeit nach dem Kampf ab.

Ich wollte damals nur eins, mich um Nate kümmern und ihn trösten. Stattdessen aber war ich stundenlang in einer hitzigen Debatte mit dem Rat verstrickt gewesen. Ich musste die Ratsmitglieder überzeugen das Amt des Obersten ab sofort ausüben zu dürfen. Denn nur mit ihrer Unterstützung konnte ich überhaupt zur Obersten werden.

Laut Kodex gab es eine sechswöchige Frist, bis ich hätte ernannt werden können und in der ich von jedem Jäger herausgefordert werden durfte. Doch diese Zeit hatte ich nicht gehabt. Ich musste sofort zur Obersten werden, ich musste sofort die Befehlsmacht erlangen, ich musste sofort die Fähigkeit der Hörigkeit nutzen können. Der Rat hatte sich schließlich meinem Willen gebeugt. Das lag wahrscheinlich an meinem Druckmittel. Die Familien der Jäger waren in der Hand der Gestaltwandler gewesen, zusammengepfercht im Speisesaal. Ich versprach dem Rat ihnen nichts zuleide zu tun, wenn ich noch am gleichen Abend zur Obersten ernannt werden würde. Ich dachte an den Moment zurück, wie mir im Thronsaal von Harry ein Kelch, der sogenannte Minnebecher von Thorwin, gereicht worden war, mit dem mir das Versprechen abgenommen wurde, das mich als Oberste an die Erhaltung der Jägerschaft band. Den bitteren Geschmack des Blutes von Jace, das in dem Kelch enthalten gewesen war, konnte ich noch immer auf meiner Zunge schmecken. Es war eklig gewesen, aber nur so war die Fähigkeit des Obersten auf mich...



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