E-Book, Deutsch, Band 6, 292 Seiten
Reihe: Heart against Soul
Lorenz In der Liebe ein Mensch (Heart against Soul 6)
1. Auflage, Digital Original 2017
ISBN: 978-3-646-60287-6
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romantische Gestaltwandler-Fantasy in sechs Bänden
E-Book, Deutsch, Band 6, 292 Seiten
Reihe: Heart against Soul
ISBN: 978-3-646-60287-6
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anika Lorenz studiert und lebt in Berlin. Wenn sie nicht gerade bei schönem Wetter ihre Füße auf dem Tempelhofer Feld wärmt, ist sie auf dem Kunstmarkt an der Museumsinsel unterwegs. Immer dabei: ihr Notizbuch für Ideen und Eingebungen neuer Geschichten, die sie im alltäglichen Leben einfach überfallen. Wird ihr die Stadt doch mal zu viel, entspannt sie sich mit ihrem Hund bei einem ausgiebigen Waldspaziergang.
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2. KAPITEL
Ich hörte eine Stimme. Es war Nate, der redete, doch ich war noch zu müde, um zu hören, was er sagte. Ich rieb mir dir Augen. »Was ist los?«, fragte ich und eine Sekunde später spürte ich, wie er mich küsste, zuerst meine Wange, dann mein Kinn und schließlich meinen Mund.
Ich schlug die Augen auf und sah in seine dunkelbraunen, fast schwarzen Augen.
»Wir haben noch eine halbe Stunde, bis der Wecker klingelt …« Verheißungsvoll schaute er mich an und in meinem Bauch tanzten tausend Schmetterlinge, die mich sofort wach machten. Ich wollte nicht aus diesem Zimmer hinaus, ich wollte nur noch mit ihm zusammen sein und das für immer … ich wollte nur Nate … alles andere spielte für mich keine Rolle mehr.
***
»Wo warst du?«, fragte George. Ich traf ihn zufällig im Flur, als ich auf dem Weg zum Arbeitszimmer war. Ich hatte seinen Unterricht in Punktueller Verwandlung verpasst.
»Es tut mir leid, George. Ich habe verschlafen.« Ich hatte natürlich nicht verschlafen. Aus der halben Stunde mit Nate war eine Stunde geworden. Ich konnte mich einfach nicht von ihm losreißen, auch nicht für den Unterricht in Punktueller Verwandlung.
Er zog eine Augenbraue hoch. »Von dir hätte ich das am wenigsten erwartet, nicht in deiner Position.« Noch immer ruhte sein strenger Blick auf mir. »Emma, du musst langsam wieder anfangen, deine Pflichten zu erfüllen. Die Zeit der Schonung ist für dich vorbei.«
»Du hast vollkommen recht und es tut mir wirklich leid. Am Donnerstag werde ich wieder da sein, versprochen.«
»Das will ich auch hoffen, du bist diejenige, die am ungeübtesten ist und bisher auch wenig Talent für die punktuelle Verwandlung gezeigt hat.«
Na toll, das hatte gesessen.
Ein Jäger ging an uns vorbei, schaute uns ganz merkwürdig an, bevor er mich grüßte. Hatte er etwa gelauscht? Hatte er mitbekommen, wie ich, die Oberste, eine Standpauke von einem Rangniederen bekam?
»George«, sagte ich in einem mahnenden Ton. »Ich weiß, dass du es gewohnt bist, Schüler zurechtzuweisen, aber vergiss nicht, mit wem du hier sprichst.«
Georges Augen weiteten sich.
»Ich nehme immer gerne Ratschläge von dir an und wenn wir unter uns sind, habe ich auch kein Problem damit, dass du mich behandelst wie jeden anderen auch«, flüsterte ich. »Aber wir sind hier nicht unter uns und ich bin immer noch die Oberste. So ein Benehmen kann ich nicht akzeptieren.«
»Emma, tut mir leid, es kommt nicht wieder vor.«
Sah ich da etwa Verunsicherung in den Augen von George, der eigentlich immer so selbstbewusst wirkte?
»Du bist einfach noch so jung und manchmal vergesse ich, wo wir uns …«
Ich winkte ab. »Es ist schon gut, aber merke dir das fürs nächste Mal.«
Er nickte.
»Und jetzt schrei mich ruhig noch mal so richtig an. Damit auch wirklich alle hören, was für einen schlimmen Fehler ich begangen habe«, flüsterte er und zwinkerte mir zu.
»Das werde ich.« Ich atmete tief ein, musste dann aber grinsen, weil ich es so lächerlich fand, ihn mit seiner Erlaubnis anzubrüllen. Doch dann schaffte ich es, mich zusammenzureißen und schrie ihn so laut an, wie ich konnte. Irgendwie machte es Spaß, aber natürlich nur, weil es abgesprochen war. Danach konnte ich endlich in mein Arbeitszimmer verschwinden.
Noch war Liam nicht da, er hatte mir, als ich duschen war, auf die Mailbox gesprochen, gefragt, warum ich nicht bei Georges Unterricht sei, und mir mitgeteilt, dass er mich unbedingt sprechen müsse. Ich hatte ihm daraufhin eine Nachricht geschickt, um ihm zu sagen, dass er um 10 Uhr in meinem Arbeitszimmer vorbeischauen konnte.
Andrea kam herein. »Kann ich Ihnen etwas bringen?«, fragte sie.
»Einen Kaffee bitte, schwarz«, antwortete ich. Sie nickte und wollte gerade die Tür schließen, doch dann stand Liam hinter ihr.
»Darf ich?«, fragte er. Fragend schaute Andrea mich an. »Komm rein, Liam«, wandte ich mich zu ihm.
»Was möchten Sie trinken?«, fragte Andrea.
»Ich nehme einen Espresso, bitte.«
Liam trat auf den Schreibtisch zu, nachdem Andrea uns alleine gelassen hatte. Er sah müde und gestresst aus. Sonst konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen, wenn er mich sah, doch diesmal war sein Blick einfach neutral. Er ließ sich in den Stuhl sinken.
»Dann übernimmst du ab jetzt wieder die Führung?«, fragte er.
»Tut mir leid, dass ich dich so lange alleine gelassen habe – mit alldem hier. Es war bestimmt nicht einfach für dich.« Er rieb sich den Nacken und zuckte dann mit den Schultern. »Du musstest erst mal wieder richtig gesund werden und dann war da noch die Sache mit Nates Verschwinden …« Er verstummte und schien über etwas nachzudenken, doch dann ergriff er das Wort wieder. »Ich bin immerhin der stellvertretende Oberste und da muss ich damit rechnen, dich ab und zu ersetzen zu müssen.«
»Danke, dass du hier die Stellung gehalten hast.« Ich lächelte ihn an, doch auch jetzt wollte er mir kein Lächeln schenken. Er blieb ernst.
»Ich habe dir übrigens eine Zusammenfassung darüber geschrieben, was die letzten Wochen alles passiert ist.« Er zeigte auf einen kleinen Stapel von Blättern, der am Rand des Schreibtischs lag. »Das solltest du dir durchlesen und wenn du noch Fragen hast, kannst du mich gerne rufen lassen.«
»Ich schaue mir das gleich an«, versprach ich. »Du bist aber nicht nur deswegen hierhergekommen, um mich auf die Zusammenfassung hinzuweisen, oder?«
»Nein, nicht nur. Emma …« Er schaute mich sorgenvoll an. »Seit dem Attentat auf dich hat sich die Stimmung hier im Zentrum ziemlich stark verändert und ich weiß nicht, ob du das schon bemerkt hast.«
»Was meinst du? Mir ist nichts aufgefallen.«
»Du warst längere Zeit nicht einsatzfähig und deswegen ist es dir entgangen, aber die Jäger sind im Moment viel angriffslustiger.«
Andrea brachte die Getränke und ließ uns dann sofort wieder allein.
»Ich glaube, den Jägern hat es nicht unbedingt gefallen, so lange von mir, einem Gestaltwandler, geführt zu werden, außerdem hat der Anschlag auf dich, der fast tödlich gewesen wäre, ihnen gezeigt, dass du verwundbar bist.«
In seiner Stimme hörte ich keinerlei Emotionen, sein Ton war eher geschäftsmäßig, so als ob er nicht gerade über meinen Tod, der beinahe eingetreten war, sprechen würde. Das verwirrte mich sehr.
»Die Situation war schon vorher schwierig, du bist nicht ihre Wunschoberste, aber ich habe derzeit das Gefühl, dass die Stimmung zu kippen droht. Die Jäger scheinen den Gestaltwandlern gegenüber noch feindseliger zu sein und es gab auch schon ein paar Vorfälle, Auseinandersetzungen zwischen beiden Fraktionen«, erklärte er mir.
»Aber wie kann das sein? Die Jäger sind doch an meine Befehle gebunden, ich habe ihnen verboten, Gestaltwandlern wehzutun.«
»Das weiß ich, aber die Jäger werden immer kreativer darin, Schlupflöcher in deinen Befehlen zu finden. Zum Beispiel provozieren sie gerne Gestaltwandler, bis sie dann von ihnen angegriffen werden. Da du den Jägern erlaubt hast, sich zu verteidigen, können sie die Gestaltwandler in diesem Fall verletzen.«
Ich riss die Augen auf. »Wie habt ihr die Übeltäter bestraft?«
»Das ist auch so ein Problem, wenn wir die Kämpfenden getrennt haben, wurden beide von den jeweiligen Seiten geschützt, sodass wir nie wussten, wer wirklich angefangen hat.«
»Ist es wirklich so schlimm?«, fragte ich und wollte noch mal seine Bestätigung dafür hören, dass alles aus dem Ruder zu laufen schien.
»Ja, und ich bin nicht der Einzige, der dieser Ansicht ist.« Ich schluckte, ich hätte mir keine derartige Auszeit nehmen sollen. Das war absolut falsch gewesen.
»William hat mir erzählt, dass er dich auf die Bestrafung des Novizen angesprochen hat. Es ist wirklich wichtig, den Jägern zu zeigen, dass niemand ungeschoren davonkommt, wenn er dich verletzt. Am besten redest du mit Carlton, er weiß, was Oberste mit solch einem Verbrecher gemacht haben.«
Das hatte ich schon wieder vollkommen vergessen, obwohl es mir William erst gestern nahegelegt hatte, oder eher gesagt, ich hatte es verdrängt. Ich wollte mich nicht mit Bestrafung und Folter auseinandersetzen, denn ich hatte eine Ahnung, was Jäger mit Novizen oder Gestaltwandlern gemacht hatten. Dieses Wissen hatte ich durch meine Lektüre der Tagebücher der Obersten und Jace, der mich gezwungen hatte, Nate auszupeitschen.
»Ich möchte ihn nicht bestrafen oder gar hinrichten«, sagte ich zu Liam, der wirklich schockiert über meine Aussage schien.
»Das musst du aber, sonst bist du in den Augen der Jäger schwach, und auch wenn sie dich wegen ihrer Hörigkeit nicht töten können, werden sie einen Weg finden, um dich loszuwerden. Ohne angemessene Bestrafung des Novizen werden sie auch noch den letzten Respekt vor dir verlieren.«
Ich atmete laut aus. Diese Art von Mensch wollte ich nicht sein und deswegen wollte ich meine Untergegebenen auch keiner unmenschlichen Folter aussetzen, niemand, noch nicht einmal ein Attentäter, sollte so etwas erleiden. Ja, ich verspürte Wut auf den Novizen, der mich beinahe umgebracht und zusammen mit anderen einige junge Gestaltwandler verletzt hatte.
Zudem hatte das Attentat anscheinend noch andere Auswirkungen, wie die Erschwerung des Zusammenführens von Jägern und Gestaltwandlern, und genau aus diesem Grund sollte ich nach der Meinung von Liam ein Exempel statuieren, um meine Macht zu demonstrieren. Aber was bitte wurde von mir erwartet? Sollte ich ihn zum Tode verurteilen, am besten anschließend noch eigenhändig töten und das auf...




