Lorrah | Star Trek: Die UMUK-Seuche | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Lorrah Star Trek: Die UMUK-Seuche

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11483-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11483-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Seuche wird zur biologischen Waffe

In der Wissenschaftskolonie Nisus arbeiten Menschen, Vulkanier, Klingonen und eine Vielzahl anderer Völker friedlich zusammen an gemeinsamen Forschungsprojekten, bis eine grauenvolle Seuche ausbricht. Die Enterprise soll ein Ärzte-Team von Vulkan nach Nisus bringen, doch darunter befinden sich vulkanische Rebellen. Einer davon setzt sich über Kirks Befehle hinweg und schleppt so das tödliche Virus auch auf der Enterprise ein. In den Labors wird fieberhaft nach einem Heilmittel gesucht. Dabei machen die Wissenschaftler eine bestürzende Entdeckung: Das Virus mutiert erst im Blut von Mischlingskindern zu seiner tödlichen Variante. Alte, längst überwunden geglaubte Vorurteile brechen erneut auf. Und die Orioner planen, Informationen über das Virus an die Klingonen zu verkaufen - als biologische Waffe.

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Kapitel 1


Allein die Mitglieder des Rates von Nisus befanden sich im Refektorium, und es standen nur synthetische Speisen zur Verfügung. Der Küchenkomplex war für die Dauer der Epidemie geschlossen.

Gedankenmeister Korsal bestellte Kaffee – schwarz, so wie ihn Cathy mochte – und ging zu einem Tisch, an dem zwei Vulkanier und ein Andorianer saßen.

»Korsal!« Jemand zischte seinen Namen, und er erkannte die Stimme: Borth, der orionische Repräsentant im Rat. »Leisten Sie mir Gesellschaft.« Er zog Korsal zu einem kleinen Tisch und aktivierte den Gesprächsschild.

Der Klingone streckte die Hand aus, um das Schirmfeld zu deaktivieren. »Wir haben vor dem Rest des Rates nichts zu verbergen. Warum den Argwohn unserer Kollegen wecken?«

Borth schob Korsals Hand beiseite. »Es macht keinen Unterschied – sie misstrauen uns ohnehin. Nun, ich möchte wissen, was Sie in Hinsicht auf die Seuche planen.«

»Ich bin Techniker, Borth«, erwiderte Korsal. »Ich kann nichts gegen die Krankheit unternehmen und muss mich darauf beschränken, für strengere Quarantänemaßnahmen zu stimmen. Wenn Sie wissen wollen, ob ich den Vorschlag unterstütze, die Föderation um medizinische Hilfe zu bitten, so lautet die Antwort: Ja, natürlich.«

Der Orioner presste verärgert die Lippen zusammen. Er trug einen flachen Kopfschmuck, der seine gelben Augen in Schatten hüllte. Die grüne Haut erweckte einen reptilienartigen Eindruck. »Nein, Sie Narr. Was melden Sie dem klingonischen Imperium? Aus den Kommunikationsaufzeichnungen geht hervor, dass Sie seit sechzehn Tagen keinen Bericht übermittelt haben.«

»Unter Quarantänebedingungen werden keine wissenschaftlichen Fortschritte erzielt. Es gibt also nichts zu berichten.« Korsal trank einen großen Schluck Kaffee und schenkte dem Umstand, dass die Flüssigkeit zu heiß war, keine Beachtung. Nicht zum ersten Mal überlegte er, warum sich dieses bittere Gebräu so großer Beliebtheit erfreute. Schon seit langer Zeit wusste er, dass Menschen und Klingonen eins gemeinsam hatten: Sie schöpften Kraft, indem sie sich dem Unangenehmen stellten.

»Tatsächlich nicht?« Borth lächelte dünn. »Stellen Sie sich das Virus einmal als Waffe vor …«

»Hören Sie auf!« Korsal erhob sich abrupt. Andere Räte drehten sich erstaunt um. Der Klingone stützte die Hände auf den Tisch und beugte sich vor, damit seine Worte im Innern des Gesprächsschildes blieben. Er blickte in kalte gelbe Augen. »Eine Waffe, die den Feind ebenso bedroht wie den Anwender, hat überhaupt keinen Sinn. Wenn Sie versuchen, den Krankheitserreger meinem Volk zu verkaufen, Borth … Dann fordern Sie die Feindschaft des ganzen Imperiums heraus!«

Korsal richtete sich auf, zerdrückte den Kaffeebecher und merkte gar nicht, dass er sich dabei die Hand verbrannte. Er warf die zerknüllten Reste in einen Abfallbehälter und verließ das Refektorium.

Der Klingone lenkte seine Schritte in Richtung Ratskammer. Alle anderen Büros des Verwaltungszentrums waren ebenso geschlossen wie die übrigen öffentlichen Gebäude.

Das administrative Zentrum der wissenschaftlichen Kolonie Nisus befand sich in der Nähe eines riesigen Damms, der das Tal mit Wasser versorgte und dessen Kraftwerk Elektrizität lieferte. Menschen hatten den Damm mit Hilfe einer Technologie geschaffen, die man auf ihrer Heimatwelt, dem Wasserplaneten Erde, schon seit Jahrhunderten einsetzte. Doch auf drei klingonischen Welten war jene Technik erst eine Generation alt, und Korsal wusste aus eigener Erfahrung, dass sie dort das Problem des Hungers löste.

Der klingonische Techniker trat zum großen Fenster, das einen Ausblick ins Tal gewährte. Die gewaltige Masse des Damms ragte vor den Bergen auf. Einige behaupteten, der graue Beton sei hässlich, doch Korsal erkannte darin die Schönheit der Macht. Er beobachtete, wie der gezähmte Fluss durch die Schleusen strömte und dabei einen Teil seiner Energie den Turbinen überließ. Unten speiste er ein ausgedehntes Bewässerungssystem, das hemanitische Bauern konstruiert hatten, um der Erosion vorzubeugen. Darüber hinaus versorgte er die kleine Stadt mit Trinkwasser. Dort lebten Wissenschaftler aus allen Bereichen der Föderation – und auch einige Spezialisten aus Zivilisationen, die nicht zum Völkerbund gehörten.

Korsal fühlte sich als Mitglied des Rates von Nisus nicht sehr wohl, denn er war Techniker, kein Politiker. Von den Sozialwissenschaften verstand er kaum etwas. In seinem Volk nahm er keine leitende Stellung ein: Wer im Imperium regierte, brauchte ausgeprägte strategische Eigenschaften, die sowohl dem Kampf als auch der Politik galten.

Er verdankte seine Mitgliedschaft im Rat nicht etwa einer Wahl. Normalerweise bestimmte jede Kultur einen Repräsentanten für dieses Gremium, doch außer Korsal wohnten keine anderen Klingonen auf Nisus. Seine Kollegen waren vor sieben Jahren ins Imperium zurückgekehrt.

Niemand hielt sich in der Beratungskammer auf. Korsal gab seinem Ärger nach, schlug mit den Fäusten ans Fenster. Es bestand nicht aus Glas, sondern aus transparentem Aluminium – eine weitere Erfindung der Menschen. Er konnte es nicht zerbrechen, es fühlte sich wie festes Metall an.

Der dumpfe Zorn brodelte nicht nur in Korsal. Der Rat hatte seine Diskussionen erst nach vier Stunden unterbrochen, und nun kehrten die anderen langsam zurück. Viele von ihnen waren Terraner. Seit drei Jahrhunderten durchstreiften sie die Galaxis und gründeten überall Kolonien. Ihre Regierungsformen und Kulturen unterschieden sich so sehr voneinander, dass sie gewissen Dingen mit ähnlicher Uneinigkeit begegneten wie Vulkanier und Klingonen.

Vulkanier stellten die zweitgrößte Gruppe dar: Ihr Heimatplanet war im Rat ebenso repräsentiert wie die einzelnen Kolonien. Zwar wurden auch die Kolonialwelten von einer zentralen Regierung verwaltet, aber die Zusammensetzung des Rates spiegelte nicht die wahren ethnischen Verhältnisse auf Nisus wider. Die Wissenschaft spielte eine so wichtige Rolle in der vulkanischen Kultur, dass auf Nisus zweiundvierzig von hundert Forschern Vulkanier waren. Die übrigen Anteile betrugen: zweiunddreißig Prozent Menschen sowie achtundzwanzig Prozent Tellariten, Hemaniten, Andorianer, Rigelianer, Lemnorianer, Orioner, Trakesianer, Jovanianer – und ein Klingone.

Korsal ging zum Tisch und ließ sich in einen Sessel sinken, der zunächst wie ein ziemlich unbequemer Block aussah – bis ihn jemand benutzte. Ein integriertes elektronisches Modul registrierte Größe, Gewicht, Körpertemperatur und Muskelspannung. Daraufhin passten sich die Konturen dem Sitzenden an, um Erschöpfung zu verhindern. Doch da es sich um einen Arbeitsplatz handelte, war die entspannende Wirkung nicht groß genug, um das Einschlafen zu ermöglichen.

Selbst Keski, der Lemnorianer im Rat, setzte sich auf einen solchen Block, der sofort die Form veränderte. Er wuchs um die große Gestalt herum, dehnte den rückwärtigen Teil, um den langen Torso zu stützen – der Lemnorianer überragte selbst dann alle anderen, wenn er saß. Diese Möbel stammten aus den Entwicklungslabors der komfortliebenden Tellariten. Vulkanier hatten die auf dem Tisch liegenden Tricorder konstruiert.

Bei solchen Gelegenheiten gewannen selbst gewöhnliche Gegenstände eine neue Bedeutung. Die direkte Verbindung verschiedener Technologien verbesserte das alltägliche Leben überall in der Galaxis. Seit hundert Jahren ermöglichte die multikulturelle Kooperation auf Nisus beispiellosen technischen Fortschritt.

Doch nun kam eine neue Konsequenz hinzu: die Seuche.

Korsal verspürte nicht den Wunsch, mit jemandem zu reden – er wollte vermeiden, dass man ihn nach der verbalen Auseinandersetzung mit Borth fragte –, und deshalb griff er nach dem Tricorder. Er empfand Schmerz, als er die Finger darum schloss, entdeckte an der Hand eine große Brandblase, die auf den heißen Kaffee zurückging. Der Klingone ignorierte sie.

Er schaltete den Tricorder ein und betrachtete seine Notizen auf dem kleinen Bildschirm. Die Biochemikerin T'Saen verkündete das Unheil mit der für Vulkanier typischen ruhigen Gelassenheit.

»Vermutlich haben wir es mit einem rasch mutierenden Virus zu tun. Aufgrund der Schnelligkeit jener Veränderungen sind wir bisher nicht imstande gewesen, es zu isolieren. Es reagiert auf keine uns bekannten Antimutagene.«

Der andorianische Epidemiologe Therian nannte statistische Daten über die Krankheit – sie breitete sich zu rasch aus.

Korsal schüttelte den Kopf. Die Biochemie verstand er nicht, wohl aber die Botschaft der Zahlen: Innerhalb von sechzig Tagen mussten alle Bewohner von Nisus mit Ansteckung rechnen. Der Krankheitserreger zeigte keinen Respekt vor bestimmten Völkern und befiel alle Personen, ganz gleich, ob ihr Blut auf Eisen, Kupfer oder Silicium basierte.

Seit zwölf Tagen waren die Schulen geschlossen. Es fanden keine Theatervorstellungen oder andere Veranstaltungen statt. Trotzdem griff die Epidemie weiter um sich. Die nicht dringend benötigten öffentlichen Gebäude standen inzwischen leer. Auf den Straßen trug man nun Atemmasken und Handschuhe. Aber das Virus verlangte immer neue Opfer.

Es tötete.

In ihrer ursprünglichen Form stellte die Krankheit nur ein Ärgernis dar. Sie verursachte Fieber, Kopfschmerzen und Magenkrämpfe – unangenehme Symptome, die jedoch nicht zum Tod führten. Nach fünf Tagen begann die Erholungsphase, ohne dass permanente Folgen zurückblieben. Die Biochemiker arbeiteten an einem Impfstoff, und kaum jemand machte sich Sorgen.

Dann mutierte das Virus. Drei Tage lang verlief die Krankheit in den gleichen Bahnen, doch am vierten kam es zu Nierenversagen. Das Hospital füllte sich,...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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