Lorrah Star Trek: Mord an der Vulkan-Akademie
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11460-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11460-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bei einem Gefecht mit einem Klingonen-Schlachtschiff wird ein Mitglied der Enterprise-Crew schwer verletzt und nur eine neue Heilmethode, die eben auf Vulkan entwickelt wird, kann den Mann retten. Kirk, Spock und McCoy bringen ihn dort hin, wo auch Spocks Mutter Amanda in einer Stasis-Kammer behandelt wird. Plötzlich kommt es immer wieder zu Störungen im Programm, eine vulkanische Patientin stirbt, kurz darauf auch der Mann von der Enterprise. Liegt ein technischer Defekt vor, oder war es Mord? Während Spock, der um das Leben seiner Mutter fürchtet, mögliche Fehlerquellen eliminiert, stellt Kirk auf eigene Faust Nachforschungen an. Da bricht ein Großbrand in der Akademie aus, und alles scheint vergebens zu sein.
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Kapitel 2
Sarek trat unter der Ultraschalldusche hervor und streifte sich leichte, dem vulkanischen Sommer angemessene Kleidung über. Der Morgen war bereits recht warm und kündigte einen Tag an, der selbst für die Einheimischen zu heiß werden mochte. Er dachte an seine schwitzenden Schüler und fragte sich einmal mehr, warum er sich dazu hatte hinreißen lassen, ausgerechnet den Informatik-Grundkurs zu übernehmen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer bestand aus Außenweltlern, und das machte seine Aufgabe keineswegs leichter.
Im Haus rührte sich nichts; schon seit einigen Monaten herrschte Stille in den Räumen und Kammern. Sarek dachte an Amanda. Vielleicht war es ganz gut, dass sie den heißesten Teil des Sommers in Stasis verbrachte. Zwar lebte sie schon seit vielen Jahren auf Vulkan, aber die Hitze setzte ihr noch immer zu.
Als er sich an die menschlichen Gäste erinnerte, die er gegen Abend erwartete, nahm er eine Neujustierung der Klimaanlage vor und wählte eine Temperatur, die er fast als kühl empfand. Vermutlich brauchte selbst Spock einige Tage, um sich wieder einzugewöhnen. Sein letzter Aufenthalt in der Heimat lag inzwischen zwei Jahre zurück, und mit einem Anflug von Bitterkeit entsann sich Sarek an die bedauerlichen Umstände ihrer damaligen Begegnung …
Nein, dachte er und rief sich selbst zur Ordnung. Lass die Vergangenheit ruhen. Gegenwart und Zukunft sind wichtiger. Amanda hatte recht. Es war nicht richtig gewesen, seinen Sohn zu verstoßen. Sarek bereute es jetzt, Spock nicht den väterlichen Segen zu seiner geplanten Hochzeit gegeben zu haben. Lass die Vergangenheit ruhen, wiederholte er. Was geschehen ist, ist geschehen. Später, während der Reise nach Babel, fanden Vater und Sohn wieder zueinander … Ja, die Vorstellung, Spock wiederzusehen, erfüllte ihn nicht länger mit Unbehagen.
Dennoch sah er eine gewisse Ironie des Schicksals darin, dass Spock in Begleitung jener beiden Männer heimkehrte, die an seinem Koon-ut Kali-fi teilgenommen hatten. Sarek kannte sowohl den bärbeißigen Arzt als auch den fähigen, wenn auch ein wenig ungestümen Captain, entsann sich an ihre Hoffnungen, die sie mit der Friedenskonferenz auf Babel verbanden – einer Konferenz, die sich schon bald als Farce herausstellte. Offenbar verstand es Spock, seine Freunde sorgfältig auszuwählen, und das gefiel Sarek. Trotzdem blieb ein Rest Zweifel: Brachte er Kirk und McCoy vielleicht nur deshalb mit, um seinem Vater nicht allein gegenübertreten zu müssen?
Kurze Zeit später verließ Sarek sein Haus am Rande von ShiKahr und begab sich zur vulkanischen Akademie, an der er lehrte und sich mit Forschungsarbeiten befasste – wenn er nicht gerade als Diplomat auf anderen Planeten weilte. Sorel bestand darauf, dass er den Weg täglich zu Fuß ging: eine körperliche Übung, die sicherstellen sollte, dass sein Herz nach der von McCoy durchgeführten Notoperation das volle Leistungspotenzial bewahrte. Nach der Erholung von den Folgen des chirurgischen Eingriffs fühlte sich Sarek besser als jemals zuvor. Der Spaziergang war angenehm, keineswegs eine Belastung. Trotzdem nahm er sich vor, die Kühle des Abends abzuwarten, bevor er sich auf den Rückweg machte.
Amandas Erkrankung kam für ihn einem Schock gleich. Der damalige Aufenthalt an Bord der Enterprise hatte ihm seine Sterblichkeit deutlich vor Augen geführt, doch Amandas Tod blieb eine Hypothese, der eine konkrete Grundlage fehlte. Sarek wusste natürlich, dass die Lebenserwartung von Vulkaniern größer war als die der Menschen, aber aus irgendeinem Grund fiel es ihm schwer, sich Amandas Tod vorzustellen. Als Sorel und Corrigan ihn von den ersten positiven Ergebnissen der Stasisbehandlung unterrichteten, reagierte er mit einer für Vulkanier untypischen Erleichterung, was ihm jedoch nicht weiter zu denken gab. Amanda würde ihre schwere Krankheit überwinden!
Als Sarek das Büro betrat, sah er seine Lehrassistentin Eleyna Miller, die gerade einige Computerprogramme prüfte. Sie stammten von den Schülern der Klasse, die er unterwies. »Guten Morgen, Sarek«, sagte sie förmlich. »Ich glaube, Sie sollten sich mit Mr. Watsons Konzepten in Hinsicht auf ein Navigations-Programm für interstellare Raumschiffe beschäftigen. Ich nehme jedenfalls an, dass es sich um eine Kursanweisung handeln soll.«
Sarek beugte sich über ihre Schulter und blickte auf den Schirm. Eigentlich hätten ihm die Zahlenkolonnen sofort vertraut erscheinen müssen, denn immerhin leitete er den Grundkurs schon seit einigen Jahren und kannte sich daher in der entsprechenden Problematik gut aus. Aber Mr. Watsons Lösungsvorschläge mangelte es nie an einer bizarren Einzigartigkeit. »Benutze dieses Programm und berechne einen Warp 4-Kurs von Vulkan zur Erde«, wies er den Computer an.
»Das ist nicht möglich«, ertönte eine monotone Sprachprozessorenstimme.
»Mr. Watsons Schiff würde vermutlich in einem Schwarzen Loch enden«, sagte Sarek trocken. Eleyna bedachte ihn mit einem tadelnden Blick.
Eleyna stammte ebenfalls von der Erde, aber ihr fehlte Amandas Sinn für Humor. Doch möglicherweise hielt sie es nur für ausgeschlossen, dass ein Vulkanier scherzte. Vielleicht war es auch die »Ich will vulkanischer sein als die Vulkanier«-Einstellung, die sich viele menschliche Studenten der Akademie zu eigen machten. Ab und zu fühlte sich Sarek versucht, Eleyna aufzufordern, sie selbst zu sein. Aber wenn die streng förmliche Fassade, die sie ihm ständig zeigte, keine Maske war, sondern ihr tatsächliches Wesen offenbarte, erübrigte sich eine solche Bemerkung. Da sich Sarek außerstande sah, in dieser Beziehung Gewissheit zu erlangen, nahm er Eleynas Kühle wortlos hin.
Er ging Watsons Programm durch, kennzeichnete die Fehler und fügte einige Anmerkungen hinzu, um seinen Schüler auf falsche Prämissen hinzuweisen. Als er diese Arbeit beendete, wurde es Zeit für den Unterricht. Inzwischen war es bereits recht heiß geworden. Im Unterrichtszimmer herrschte eine etwas geringere Temperatur, doch die meisten Außenweltler schienen den Eindruck zu haben, in einem Backofen gefangen zu sein. Sarek ließ seinen Blick über die schwitzenden Menschen gleiten, sah hier und dort auch einen Andorianer, Hemaniten und Lemnorianer. Die wenigen vulkanischen Schüler – ausschließlich auf die Vorlesung konzentriert – saßen kerzengerade und machten sich fleißig Notizen. Schon seit einem Monat nahmen sie an dem Kurs teil, aber noch immer reagierten sie mit zurückhaltendem Unmut, wenn ihre Klassenkameraden über Sareks gelegentliche Witze lachten.
Die beide Tellariten, so stellte der Dozent fest, waren nicht zugegen. Wahrscheinlich hockten sie in ihrer Unterkunft und versuchten, der sengenden Hitze mit auf Leistungsmaximum justierter Klimaanlage zu entfliehen.
Sarek beschrieb die neue Aufgabe und wartete anschließend auf Fragen. Wie üblich leistete Mr. Watson sofort einen Diskussionsbeitrag – und bewies einmal mehr, dass er das eigentliche Problem nicht verstanden hatte. Geduldig begann Sarek mit einer neuerlichen Erklärung und fragte sich wieder, wie es Watson gelungen sein mochte, die Aufnahmeprüfung der Akademie zu bestehen. T'Sia, ein vulkanisches Mädchen aus einer der Kolonien, steuerte eine Bemerkung bei, die Scharfsinn und einen wachen Intellekt bewies. Daraufhin regte sich Interesse in der Klasse, und die Erörterungen dauerten bis zum Ende des Unterrichts.
Zwei Menschen – Mr. Zarn und Mr. Stevens – verließen das Zimmer zusammen mit T'Sia. Sarek beobachtete, wie sie plaudernd auf den Gang traten. Er überlegte, ob die junge Vulkanierin ahnte, welche Wirkung sie auf Männer von der Erde ausübte. Sie wirkte wie eine erwachsene Frau, aber bis zu ihrer Geschlechtsreife würden noch zwanzig Jahre vergehen. Die Annäherungsversuche der jungen Menschen konnten nicht zum Erfolg führen, und wenn T'Sia auch weiterhin unnahbar blieb, ihre Anspielungen nicht einmal verstand, gaben sie sicher bald auf. Sarek hatte so etwas schon des Öfteren erlebt, gerade bei neuen Schülern.
Die Verhaltensweise menschlicher Frauen war wesentlich subtiler. Sie kannten – oder vermuteten – die Besonderheiten der vulkanischen Biologie und verschwendeten ihre Zeit nicht mit Schülern, die von Vulkan stammten. Die wenigen von ihnen, die sich wirklich herausgefordert fühlten, fokussierten ihr Interesse auf die männlichen Professoren. Aber da geschlechtsreife Vulkanier für gewöhnlich entweder gebunden oder verheiratet waren, blieben derartige Bestrebungen ohne Erfolg.
Als Sarek in sein Büro zurückkehrte, arbeitete Eleyna am Computer. Zum ersten Mal fragte er sich, auf welche Weise seine Assistentin ihre Musestunden verbrachte. Kannte sie überhaupt so etwas wie Freizeit? Es geschah äußerst selten, dass er sie nicht im Büro antraf. Sie kam gut mit ihrer Dissertation voran, und Sarek fand nichts an ihr auszusetzen, weder an ihrer wissenschaftlichen Arbeit noch den Diensten, die sie ihm leistete. Und doch … Zwischen ihnen schien eine unsichtbare Barriere zu existieren. Viele seiner Schüler, die männlichen ebenso wie die weiblichen, wurden im Laufe der Zeit zu Freunden. Eleyna aber blieb ein Geheimnis.
Sarek dachte an die jungen Männer in seiner Klasse, die Partnerinnen zu finden versuchten – selbst unter ihren vulkanischen Mitschülerinnen –, und er überlegte, ob Eleyna nicht alt genug war, um einen Gefährten zu bekommen. In der vulkanischen Gesellschaft existierte eine lange Tradition des Verkuppelns. Erst im letzten Jahr hatten Sarek und Amanda einen geeigneten Bindungspartner für die Tochter eines Cousins gesucht. Nun, die Gepflogenheiten der Menschen unterschieden sich von den unsrigen,...




