E-Book, Deutsch, 150 Seiten
Lory 13 SHADOWS, Band 48: DRACULAS BRÜDER
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-5621-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Horror aus dem Apex-Verlag!
E-Book, Deutsch, 150 Seiten
ISBN: 978-3-7487-5621-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In Manhattan bricht ein Mann sterbend zusammen. Ein Schwarm mordgieriger Vampir-Fledermäuse hat ihn angefallen und zerfleischt. In der 50. Straße wiederholt sich das Drama. Diesmal schlägt der geflügelte Tod mehrmals zu... Ein furchtbares Verhängnis schwebt über New York. Eine Bestie in Menschengestalt hat Fledermäuse zum Töten abgerichtet und erpresst die Millionenstadt. Es gibt keinen Ausweg. Denn der Unbekannte hat neue Mordanschläge angekündigt, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden... DRACULAS BRÜDER von Robert Lory (= Lyle Kenyon Engel) wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1974 als VAMPIR-HORROR-TASCHENBUCH Nr. 13 veröffentlicht. DRACULAS BRÜDER erscheint als durchgesehene Neuausgabe in der Horror-Reihe 13 SHADOWS aus dem Apex-Verlag, die ganz in der Tradition legendärer Heftroman-Reihen wie GESPENSTERKRIMI und VAMPIR-HORROR-ROMAN steht.
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Zweites Kapitel
In seinem Schlafzimmer im Dachgeschoss von Damien Harmons Landsitz an der Küste Long Islands konnte Carmelo Sanchez den Wind durch die Fichten seufzen hören, die das große Haus auf der Landseite umgaben und mit ihren Zweigen die Außenwand berührten. Sanchez war diese Geräusche und die rhythmischen Schläge der Brandung gewöhnt, also konnten sie nicht der Grund für sein plötzliches Erwachen sein. Er lag im Bett und rührte sich nicht, aber seine Sinne waren hellwach und gespannt. Sogar der kahle Kopf – das einzige, was von seinem athletischen Körper zu sehen war – blieb völlig reglos, und nur die dunklen Augen unter den dichten schwarzen Brauen spähten durch den Raum und suchten nach der Ursache des Geräuschs, das ihn geweckt hatte. Die schwarze Katze auf dem Teppich begann zu schnurren, bevor er etwas gesehen hatte, und als sich sein Blick auf sie richtete, glaubte er Erheiterung in den blassgrünen Augen zu erkennen. Dann verschwand sie. »Ich schlage vor, Sie ziehen sich an«, sagte die junge Frau in Schwarz, die nun neben seinem Bett stand. Sie trug einen schwarzen Rollkragenpullover, schwarze Hosen und sogar schwarze Handschuhe, und das milchweiße, ovale Gesicht, das schön zu nennen völlig unzureichend gewesen wäre, war von glattem, rabenschwarzem Haar umrahmt. Schwarz und Weiß und das blasse Grün ihrer Augen, in denen immer noch Heiterkeit schimmerte. »Fällt mir nicht ein«, sagte Sanchez. »Wozu soll ich mich mitten in der Nacht anziehen?« Die Frau lächelte. »Es ist ein Besucher da. Aber wenn Sie meinen, können Sie ruhig nackt zu ihm gehen.« Ihre Stimme hatte einen fremdländischen Akzent, und sie sprach langsam und etwas stockend, als ob ihr das Sprechen überhaupt ungewohnt wäre und sie es für eine umständliche und wenig praktische Kommunikationsmethode hielte. »Warum nicht?«, sagte Sanchez. Sie lachte leise. »Ich glaube wirklich nicht, dass er Ihr Typ ist, Mr. Sanchez. Und was mich betrifft, so habe ich Ihnen schon früher gesagt, dass ich nicht interessiert bin.« Das war leider wahr. Sie hatte unmissverständlich klargemacht, dass sie von der körperlichen Anziehungskraft, die er für andere Frauen haben mochte, unberührt blieb. Und wie sollte er eine Frau für sich gewinnen, die erstens nicht gewonnen werden wollte, und zweitens jeden Gedanken in seinem Gehirn lesen konnte? »Wo ist er?«, fragte Sanchez. »Unten beim Professor. Ich wurde gebeten, Sie zu wecken.« »Wie spät ist es?« »Kurz nach drei.« Sanchez griff fluchend nach seiner Hose, fuhr hinein und zog ein schwarz und weiß gestreiftes Hemd an, das auf einem Stuhl lag. Pantoffeln vervollständigten seine Kleidung. »Eine höllische Zeit, andere Leute zu besuchen«, knurrte er, als er die Tür öffnete. »Und Ihre Art, andere Leute zu wecken, passt dazu.« Sie lachte wieder. »Ich wollte nur Ihre Reaktion testen. Ich war neugierig, das ist alles.« Komisch, dachte er. Mit ihrer Erfahrung! Mit ihrer jahrtausendelangen Erfahrung sollte sie über diese Art von Neugierde hinweg sein. Damien Harmon und sein Gast saßen im großen Arbeitszimmer vor dem Kaminfeuer. Frische Scheite waren auf die Glut gelegt worden und erwärmten allmählich wieder den großen Raum, als Sanchez eintrat. Harmon winkte ihn zu einem Stuhl. Dann zeigte er auf einen zweiten. »Bitte, Ktara – ich würde es begrüßen, wenn Sie auch blieben. Unser nächtlicher Besucher hat mir einige interessante Dinge erzählt.« Die beiden kamen der Aufforderung nach, und Harmon manövrierte seinen Rollstuhl ein wenig zur Seite, um Platz zu machen. Seit er 1938 eine Querschnittlähmung davongetragen hatte, war er an dieses Vehikel gekettet. Ein draufgängerischer junger Mann war er damals gewesen, und das Bleirohr eines New Yorker Gangsters – ein Bleirohr, das auch für die halbrunde Silberplatte in seinem Schädeldach verantwortlich war – war seine Belohnung dafür gewesen, dass er sich als Kriminalpsychologe auf eigene Faust in Ermittlungen eingeschaltet hatte. Darüber hinaus war er seiner Stellung verlustig gegangen, einer Stellung, die er sehr geschätzt hatte, obwohl seine zwei Doktortitel ihn für intellektuell anspruchsvollere Aufgaben qualifizierten und sein ererbtes Vermögen groß genug war, ihm ein luxuriöses Leben ohne eigene Arbeit zu gestatten. Er hatte eine akademische Laufbahn gewählt, sich aber mit fünfzig Jahren zurückgezogen und fortan zwei Gebieten gewidmet, denen sein zuweilen ans Pathologische grenzendes Interesse galt: dem Okkultismus und der Kriminalistik. Sanchez hatte Gründe, froh zu sein, dass der Professor seine Leidenschaft für die Verbrechensbekämpfung bewahrt hatte. Wäre der alte Mann nicht vor drei Jahren in seinen eigenen Fall eingestiegen, hätte der puertoricanische Expolizist wegen des Besitzes von Heroin wahrscheinlich einige Jahre absitzen müssen. Es war ein abgekartetes Spiel von Rauschgifthändlern gewesen, das den Zweck gehabt hatte, einen unbequemen Ermittler auszuschalten. Aber Sanchez hatte keine Beweise bringen können, war aus dem Polizeidienst gefeuert und vor Gericht gestellt worden, wo er das Glück im Unglück gehabt hatte, dass Harmons Anwälte ihn vor der sicheren Haftstrafe bewahrt und einen Freispruch mit Bewährung erwirkt hatten. Seit damals stand er in Damien Harmons Diensten. Was die okkultistische Marotte des alten Mannes anging, so war Sanchez darüber nicht sehr glücklieh. Anfangs hatte er sie als harmlose Spinnerei seines Brotgebers abgetan, doch später, als dieser ungewöhnliche Zeitvertreib zu dem gefährlichen Spiel geführt hatte, in dem sie jetzt beide bis über die Ohren steckten... Sanchez merkte auf. Der dickbäuchige, grauaarige Besucher schien die Gedanken des Puertoricaners auszusprechen. »...um Vampire zu handeln«, sagte Sanford Proctor. Damien Harmon blickte schnell zu Sanchez und Ktara herüber und konzentrierte seine Aufmerksamkeit wieder auf seinen alten Freund. Sanchez wusste nicht viel von Proctor, außer dass Harmon und Proctor sich seit ihrer gemeinsamen Zeit bei der New Yorker Stadtpolizei kannten und dass Proctor, obwohl offiziell im Ruhestand, noch immer mehr oder weniger intensiv für die Kriminalabteilung arbeitete, deren Direktor er zuletzt gewesen war. »Vampirfledermäuse oder was«, fuhr der Dicke fort. »Zum Töten abgerichtet.« Mit knappen Worten berichtete er von den mörderischen Ereignissen des Vorabends. »Eine absolut willkürliche Auswahl der Ziele«, bemerkte Harmon. »Ich kann jedenfalls keinen Zusammenhang sehen.« »Aber es gibt einen, Damien«, sagte Proctor. »Die Opfer waren zufällig, aber die Ziele waren vorher ausgewählt, um die Möglichkeiten der verantwortlichen Person zu demonstrieren. Soviel ist klar.« »Bist du sicher?« »Ganz sicher. Auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters wurde ein Papier gefunden – kein Mensch weiß, wie es dahin gekommen ist –, in dem Zeit und Ort der Angriffe angegeben sind.« Harmon zog die Brauen hoch. »Das ist was anderes, Sandy. Aber wenn die Überfälle eine Demonstration waren, was bezwecken sie?« »Geld. Der Meister der Fledermäuse erklärt in seinem Papier, dass wir mehr Zwischenfälle dieser Art erwarten können – mit dem Gebäude und dem Personal der Vereinten Nationen als Hauptziel, wenn wir ihm nicht die Summe von einer Million Dollar bezahlen.« Harmon räusperte sich. »Ich habe zwei Fragen, Sandy. Erstens, wie soll das Geld bezahlt werden, und wann?« »Das soll dem Bürgermeister heute telefonisch mitgeteilt werden. Die zweite Frage?« »Warum ich? Warum bist du heute Nacht zu mir gekommen? Wie kommt es, dass du glaubst, ich könnte helfen?« Es blieb eine Weile still, dann sagte Proctor bedächtig: »In der jüngsten Vergangenheit warst du zweimal in Affären verwickelt, in denen du meine Unterstützung erbatest. Das eine Mal ging es um diese Bande von Paketräubern und Erpressern hier auf Long Island, deren Opfer du warst. Das andere Mal war es die Sache mit dem Drogenkult und dem Bestattungsunternehmen in San Francisco. In beiden Fällen gab es Gerüchte über Vampire oder Vampirfledermäuse. Ich verlange keine Erklärung von dir, was diese Dinge betrifft, Damien, und ich habe nicht die Absicht, meinen Einfluss zu gebrauchen, um deinen Aktivitäten nachzuspüren. Ich erbitte nur deine Hilfe.« Harmon nickte nachdenklich. »Dieses Papier, von dem du gesprochen hast, Sandy, interessiert mich. Hast du es bei dir?« »Nein. Die Leute im Laboratorium arbeiten daran.« »Es wäre gut, Sandy, wenn ich es so schnell wie möglich bekommen könnte. Nach Möglichkeit noch im Laufe des Tages. Und vielleicht kannst du veranlassen, dass wir ein paar Sonderausweise erhalten, die von der Polizei anerkannt werden. Wenn wir helfen sollen, brauchen wir so etwas.« Sanchez geleitete den Besucher zu seinem Wagen hinaus. Als er zurückkehrte und die Tür hinter sich schloss, hörte er das Schnurren des Aufzugs, den Harmon in das alte Haus hatte einbauen lassen, und wusste sofort, dass Harmon unterwegs in den Keller war. Er zögerte einen Moment, unschlüssig, ob er dem alten Mann folgen sollte oder nicht, dann stieg er die Treppe hinauf, um seinen unterbrochenen Nachtschlaf fortzusetzen. Es war klar, dass der Professor in diesem Hilfsersuchen eine neue Herausforderung sah, die ihr gemeinsames Engagement lohnte, und nun konnte er es nicht erwarten, die Sache in Angriff zu nehmen. So war er ins Kellerlaboratorium gegangen, wo zwischen seinen chemischen und elektronischen Geräten jener ominöse erdgefüllte Sarg stand, in dem Graf Dracula ruhte, Harmons unheiliger und...




