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E-Book, Deutsch

Reihe: dp Verlag

Louis Flammen


2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96817-745-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Reihe: dp Verlag

ISBN: 978-3-96817-745-8
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Löse mit Nym das Geheimnis ihrer Identität
Band 2 der packenden Fantasy-Reihe Geheimnis der Götter

Nym hat die Tür zu ihrer Vergangenheit geöffnet und weiß nun zwei Dinge: Manche Erinnerungen in ihrem Kopf sind nicht ihre eigenen – und je mehr sie über ihre wahre Identität erfährt, desto weniger möchte sie wissen. Doch während eine Reihe von mysteriösen Morden Bistaye in Aufruhr versetzt, zieht die Göttliche Garde immer engere Kreise um die Gruppe aus Asavez. Sehr schnell wird klar, dass sie vor allem ein Ziel hat: Sie zu finden. Aber warum? Hat es etwas damit zu tun, wer sie wirklich ist? Levi will ihr helfen das herasuzufinden – doch seine Blicke und Küsse verwirren Nym. Denn er weigert sich, sie zu fürchten. Auch wenn alle anderen es zu tun scheinen.

Dies ist eine Neuauflage des bereits erschienenen Titels Flammen der Befreiung.

Weitere Titel dieser Reihe
(ISBN: 9783968175966)
(ISBN: 9783960872436)
(ISBN: 9783960872443)

Erste Leserstimmen
„eine starke Kriegerin, die sich nicht unterkriegen lässt“
„ein furioser Fantasy-Roman um eine faszinierende Heldin“
„ein mehr als gelungener zweiter Band der Fantasy-Saga“
„Nyms Geschichte um ihre mysteriöse Vergangenheit zieht einen in den Bann.“

Über den Autor/die Autorin



Saskia Louis lernte durch ihre älteren Brüder bereits früh, dass es sich gegen körperlich Stärkere meistens nur lohnt, mit Worten zu kämpfen. Auch wenn eine gut gesetzte Faust hier und da nicht zu unterschätzen ist ... Seit der vierten Klasse nutzt sie jedoch ihre Bücher, um sich Freiräume zu schaffen, Tagträumen nachzuhängen und den Alltag einfach mal zu vergessen.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Die Appokalypse – Der Krieg der Zwei (1)


Da war Oyitis. Der Appo. Der Altar. Der Dolch.
Levi. Liri. Jaan.

Ro. Filia. Leena.

Die Kutsche, die sie gestohlen hatten. Das hässliche graue Kleid, das sie gegen die Rüstung eingetauscht hatte.

Levi. Liri. Levi.

Sie lief übers Wasser. Sie versank im Wasser. Sie fürchtete sich vor dem Wasser. Überall war Wasser.

Blätter flogen um ihren Kopf, sie fühlte sich frei. Levis Lippen auf ihren, sein Herzschlag unter ihrer Hand.

Die Rebellen der Vierten Mauer.

Ihre Faust brannte. Sie zertrennte die Halsschlagader ihres Gegners. Das Genick brach unter ihrer Hand.

Lehm unter ihren Füßen. Etwas versperrte ihr die Sicht.

Das Osttor. Sie würden durch das Osttor in die Vierte Mauer gelangen. Oder durch das Tor Amries, der Hafenstadt. Sie wusste es nicht.

Ein Ring in Liris geschlossener Faust. Sie konnte ihn nicht sehen, aber wusste, dass er da war.

Feuer. Luft. Wasser. Erde.

Die Kreisberge. Niemand ging in die Kreisberge. Niemand – aber war Jaan nicht dort gewesen?

Provodes. Stechend graue Augen, deren Blick sich in ihren bohrte, versuchte, ihre Erinnerungen herauszufiltern.

Nyms Blick huschte hin und her. Er suchte nirgendwo und überall. Bilder strömten auf sie ein.

Dinge, die sie getan hatte. Dinge, die sie gehört hatte. Dinge, die sie gesehen hatte.

Sie spürte die Klinke unter ihrer rauen Handfläche. Sie glühte unter ihrer Berührung. Nym wusste, wo sie war, wusste, dass sie die Tür schließen sollte, die sie so unvorsichtig geöffnet hatte. Doch die Erinnerungen der letzten Tage strömten auf sie ein, schwirrten wie lästige Fliegen um ihren Kopf herum und ließen sich nicht vertreiben.

Sie hatte einen Fehler gemacht. Sie hätte die Tür nie öffnen dürfen.

Plötzlich veränderten sich die Bilder. Sie wurden grau, verschwommen. Eine kleine Hand lag in ihrer, während sie auf den Boden sah. Diese Hand war das Kostbarste, was sie noch hatte.

Erde fiel dumpf auf Holz und heiße, salzige Tränen liefen an ihren Wangen hinab. Sie verglühten auf ihrem Gesicht und brannten sich in ihre Poren. Das einzig Kühle, das sie davor bewahrte, zu verbrennen, war die kleine Hand. Sie durfte sie nie wieder loslassen. Ihr durfte nichts passieren.

Ihr Griff wurde fester, doch der Schmerz nicht besser. Sie wünschte sich, nicht fühlen zu können, während das dunkle Holz des menschengroßen Kastens sich mit dem Braun der Erde vermischte – und die Umrisse des Bildes verwischten.

„Nym!“ Die Hand in ihrer war plötzlich gar nicht mehr so klein. „Nym! Verdammt noch mal, mach die Augen auf! Ro, hilf mir. Sie glüht förmlich!“ Die Hand wurde ihr entrissen, und wieder fluchte jemand.

Etwas Kaltes legte sich auf ihre Stirn, ihre Wangen, ihren Hals. Es waren Hände, und unter der kühlen Berührung fing ihre Haut an zu zischen. So als wäre sie Feuer, das gelöscht wurde.

Auf einmal fuhr ein Ruck durch ihren Körper. Ihr Oberkörper wurde nach vorn geschleudert und sofort öffnete sie die Augen.

Das Erste, was ihr auffiel, war, dass ihre Wangen klebten. Das Zweite, dass es still war. Sie hörte weder Hufgetrappel noch das Knirschen von Rädern auf Sand. Die Kutsche bewegte sich nicht.

Sie ließ die Erinnerung an die Hand los – es war eine alte Erinnerung, eine von vor der Löschung ihres Gedächtnisses – und kämpfte damit, in die Realität zurückzukehren.

Da waren Fragen.

Wo, wer, was, wie, wann.

Sie war in einer Kutsche, auf dem Weg in die bistayischen Mauern. Sie wollten eine Gruppe Rebellen und Flüchtige aus der Vierten Mauer retten. Eine Suizidmission. Doch noch waren sie nicht tot.

Ro war bei dem Ruck gegen die Kutschwand gepresst worden, seine Hände erhoben. Neben ihm saßen Leena und Filia, die sie beide anstarrten.

Nyms Oberschenkel wurde gegen Levis gepresst. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Haut so heiß geworden war, dass die dünne, goldene Rüstung, die sie trug, angefangen hatte, orange zu glühen. Den Göttern sei Dank trug Levi selbst eine Rüstung, und seine Haut blieb somit unversehrt.

Langsam atmete sie ein und aus, versuchte sich zu beruhigen, ihr Blut zu kühlen. Ein Blick in Liris rundes, ängstliches Gesicht genügte.

„Du siehst ganz furchtbar aus“, flüsterte sie. „Du hast laut geschrien.“

Hatte sie? „Ich …“ Ihr Blick lief einmal durch die Runde. Alle starrten sie wortlos an. „Es tut mir leid. Ich … Warum stehen wir?“

Erst jetzt schien auch den anderen aufzufallen, dass sie sich nicht mehr bewegten – und dennoch Hufgetrappel zu hören war.

Und dann rief Jaan etwas. Er saß vorne auf dem Kutschbock und trug die dritte der Uniformen, die sie den Soldaten der Göttlichen Garde abgenommen hatten.

„Was gibt’s? Warum haltet ihr uns an?“

Das Hufgetrappel verstummte, und Nym lehnte sich leicht zurück, um aus dem Fenster der Kutsche blicken zu können. Die Sonne hatte sich noch nicht vollends über den Horizont gekämpft, spiegelte sich jedoch in einem Meer aus Lichtsplittern auf dem Appo wider, dem Fluss, der Asavez und Bistaye trennte. Sie ritten also immer noch nicht querfeldein, was bedeuten musste, dass sie den Eingang von Amrie, der Hafenstadt Bistayes, benutzen würden, um in die Vierte Mauer zu gelangen. 

„Wir sollen jede Kutsche durchsuchen, die uns entgegenkommt.“ Eine dumpfe Stimme wehte durch das Fenster. Sie kannte sie. Sie hatte die Stimme schon einmal gehört. Nym drückte sich gegen die Kutschwand, um einen Blick auf denjenigen zu erhaschen, der sprach. Alles, was sie erkennen konnte, war jedoch nur der große Hintern eines braunen Pferdes. „Wir sind auf dem Weg zu den Diamantklippen. Asavezische Krieger werden heute erwartet. Sie überqueren von Lyrisa aus den Appo.“

Jaan lachte spöttisch auf. „Asavezische Krieger? Natürlich. Und der Appo besteht aus purem Gold und nicht aus Wasser.“ Er klang überzeugend ungläubig, dafür dass er selbst einer dieser asavezischen Krieger war.

Nur, wieso wurden sie gesucht? Woher wussten die Sprecher, dass sie den Appo überwunden hatten? Vor allem sie den Appo überwunden hatten. Es gab nur eine Brücke über den Fluss und die war nicht nur stark bewacht, sondern lag auch sehr viel weiter nördlich als die Diamantklippen, an denen sie tatsächlich angekommen waren. Sie hatten keinem davon erzählt. Woher hatte die Göttliche Garde ihre Informationen?

„Wir haben Anweisung von Jeki Tujan selbst erhalten, keine Ausnahmen zu machen. Ganz gleich, ob ein Göttlicher Soldat im Sattel sitzt oder nicht.“

Jeki Tujan. Nyms Nackenhaare richteten sich auf. Sie kannte den Namen. Sie konnte nicht sagen, ob sie ihn schon oft benutzt oder nur gehört hatte, aber direkt schossen ihr Zahlen und Fakten in den Kopf. Er war sechsundzwanzig. Ikano der Erde. Erster Offizier der Göttlichen Garde. Es hieß, er habe mehr Menschenleben als Atemzüge genommen. Er war für die Ergreifung der Rebellen zuständig. Trug die Verantwortung, Flüchtige zu fangen. Apis Liebling. Er hatte einen kleinen Bruder. Janon.

„Wir schauen nur kurz in die Kutsche hinein und reiten dann weiter. Ach ja, wir sollten dir wahrscheinlich auch noch die Zeichnungen geben, die von den Asavez angefertigt wurden.“

Neben ihr zog Levi zischend Luft ein und Ro schlug sich geräuschlos eine Hand auf die Augen.

Zeichnungen?

Woher hatte die Göttliche Garde Zeichnungen von ihnen?

„Was machen wir?“, wisperte Leena, die bereits zwei Dolche von ihrem Gürtel gezogen hatte. „Wir können nicht immer alle umbringen, die uns über den Weg laufen. Das wäre, als würden wir der Göttlichen Garde Brotkrumen in Form von Leichen hinwerfen, die ihnen unseren Weg weisen!“

Filia, die in der Mitte zwischen ihr und Ro saß, war schneeweiß geworden. Sie war eine Flüchtige aus der Sechsten Mauer und hatte in ihrem Leben schon genug gewaltsame Begegnungen mit der Göttlichen Garde gehabt. Man sah ihr deutlich an, dass sie nicht scharf darauf war, noch eine hinzuzufügen.

Nym blickte zu Levi, der ruhig geblieben war. Seine grünen Augen fanden ihre, und sie konnte seine Gedanken mit den ihren um die Wette rasen sehen.

Schwere Stiefel trafen dumpf auf dem Lehmboden auf und Nym konnte Metall klirren hören. Das waren mindestens vier Soldaten da draußen. Ein Schlag auf Holz bedeutete ihnen, dass Jaan nun ebenfalls aufgesprungen war. „Das ist albern. Ich werde mit Tujan selbst ein Wörtchen wechseln, sobald ich wieder in der Dritten Mauer bin …“

Schritte kamen näher und jetzt blitzte der Schatten einer breiten Statur durch den Rahmen des Kutschfensters. Neben ihr machte Liri einen Kiekslaut, die blonden Zöpfe klebten ihr am Hals. Sie wollte nicht zeigen, dass sie Angst hatte, versagte dabei aber kläglich.

Nym bekam eine trockene Kehle.

Liri.

Die Soldaten durften die Tür nicht öffnen. Wenn sie sahen, dass sie ein Kind dabei hatten … sie würden sofort wissen, dass es sich bei ihnen nicht um Mitglieder der Göttlichen Garde handelte!

„Setz den Helm auf!“, zischte Nym Levi zu, bevor sie sich den eigenen, der zwischen ihre Füße geklemmt gewesen war, über ihre, jetzt schulterlangen, schwarzen Haare stülpte. Im nächsten Moment trat sie unwirsch die Holztür der Kutsche auf, sodass die Soldaten, die sich fast direkt dahinter befunden hatten,...



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